Beikost - wie weiter?

Was kommt nach dem Vollstillen?

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EhUSb

Beikost - wie weiter?

Beitrag von EhUSb »

Ihr Lieben,

es ist vermutlich der grillionste Thread zu diesem Thema, aber über die Suche habe ich nichts gefunden, was so richtig passt...

Also, zur Situation: Das Clarakind ist neuneinhalb Monate, seeehr zart (7undeinpaarzerquetschte Kilo bei 3400 gr Geburtsgewicht) und eine schlechte Esserin. Wir haben mit 6 Monaten klassisch mit Brei angefangen, sie hat ganz lange nur drei Löffelchen gegessen, irgendwann dann mittags auch mal so um die 90 gr. Viel weiter als bis zum Mittagsbrei sind wir nicht gekommen, mochte sie nicht. Vor zwei Monaten hatte sie mal arg mit Verstopfung zu kämpfen, daraufhin habe ich zwei Wochen vollgestillt und es ging wieder. Beim "neuen" Beikoststart hat sie dann auch recht schnell wieder für ihre Verhältnisse viel gegessen.
Seit drei, vier Wochen will sie aber nicht mehr - selbst gemachter Brei, gekaufter Brei, Obstbrei, Gemüsebrei, ich füttere, der Papa füttert, andere Kinder am Tisch, Essen im Hochstuhl, auf dem Schoß, draußen, selber manschen dürfen...nada. Fingerfood wird probiert, meist aber nach zwei Häppchen über Bord geschmissen, weil Essen schmeissen spannender ist als Essen essen. (Mama füttern ist auch beliebt. :-))Wenn doch mal ein wenig gegessen wird, dann zielstrebig Sachen, die sie laut Stillberaterin noch nicht essen soll - paar Löffel Naturjoghurt, Erdbeeren und gestern ein für mein Minikind beachtliches Stück Geflügelwiener. Das sind dann eben Sachen, die wir auch essen... Meist probiert sie davon auch eher nur und ich bin ja froh, wenn sie überhaupt was isst, also lasse ich sie.

Ich bin mit meinem Latein am Ende und langsam ehrlich gesagt auch leicht genervt. Ich will nicht mehr so oft stillen (Generell stillen ja!!). Ich mache mir Sorgen, weil sie in 10 Wochen in die Krippe geht und ich mir gerade gar nicht vorstellen kann, wie das dann gehen soll. Am 31.7. habe ich außerdem einen Kurs und bin dann sechs Stunden von Zuhause weg... Es ist meine erste babyfreie Aktivität und mir sehr wichtig.

Ich weiß gerade gar nicht mehr, wie ich mit der Situation umgehen soll. Einfach immer wieder anbieten? Ich biete aktuell an, wenn wir auch essen oder zwischendurch. Genommen wird aber selten etwas, v.a. nicht, wenn sie hungrig ist - dann muss bitteschön was richtiges her. (Und das ist MuMi, findet das Clarakind.) Oder wäre es besser, feste Anbietzeiten zu haben? (Also nur zu den Mahlzeiten oder so?) Und ist es ok, mal Brei und mal Fingerfood anzubieten? Was darf sie denn da überhaupt essen (also, nicht stark gewürzt und kein Honig ist klar - aber wie ist das nun z.B. mit Milchprodukten, gebt ihr die?) Und sollte man wohl mal das Blut untersuchen lassen? Ich will sie nicht unnötig stressen, habe aber Sorge, dass mit dem Eisen etwas nicht stimmt und sie deswegen so wenig isst.

LG, Alex
jusl
Jusl Almighty
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Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von jusl »

Hallo Alex,

also zunächst mal: So ungewöhnlich ist das Essverhalten Deiner Tochter nicht. ;-) Und wenn sie in die Krippe kommt, wird sich ganz sicher von allein noch ganz viel tun - anderes Setting, andere Gewohnheiten. ;-)
Als generellen Tipp kann ich nur geben: Versuch, Dich wieder mehr auf Dein eigenes Essen zu konzentrieren anstatt auf das Essen Deiner Tochter. Leg ihr eine Erbse hin - wenn sie die essen mag, ist gut, wenn nicht auch gut. Genieße DEIN Essen, vor ihren Augen, aber ohne jede Intention in ihre Richtung. Hör auf, zu zählen und zu wiegen, das bringt einfach nichts - kein Kind isst davon mehr/lieber/gesünder.
Ich will nicht mehr so oft stillen (Generell stillen ja!!)
Dann lass es doch. ;-) Schick Dein Baby mit Papa oder Oma in den Park zum Spazierengehen usw - vielleicht mag sie ja da mal ein Brötchen o.ä.? Davon abgesehen: Es gibt auch Kinder, die haben superviel gegessen, und TROTZDEM in der gleichen Frequenz weitergestillt wenn Gelegenheit bestand. Ebenfalls keineswegs ungewöhnlich. ;-)

Und ist es ok, mal Brei und mal Fingerfood anzubieten?
Klares Ja. Wie gesagt: Hör auf, FÜR SIE irgendwelches Essen zu machen oder speziell anzubieten; iss einfach DEINES mit Genuss und Freude, und wenn sie was davon haben will, wunderbar.
Oder wäre es besser, feste Anbietzeiten zu haben? (Also nur zu den Mahlzeiten oder so?)
Spielt keine Rolle.
Was darf sie denn da überhaupt essen
Grundsätzlich alles. Stark verarbeitetes Industrieessen, Süßigkeiten und Junk wie Chips usw. würde ich allerdings nicht anbieten; das hat einfach NULL Vorteile fürs Kind.
Und sollte man wohl mal das Blut untersuchen lassen? Ich will sie nicht unnötig stressen, habe aber Sorge, dass mit dem Eisen etwas nicht stimmt und sie deswegen so wenig isst.
Bei starker Appetitlosigkeit im 2. LhJ kann das sinnvoll sein, ja. Wäre ja blöd, wenn sie die ganze Zeit Eisenmangel o.ä. hätte und DESHALB mangels Appetit nicht essen würde. Das sollte schon ausgeschlossen werden.

LG
Julia
Sibi
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Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von Sibi »

Alex,
meine Antwort wird dir nicht gefallen, trotzdem: ;-)
1. Streiche das Wort "schlechter Esser"! Was soll das aussagen? Bist du ein guter Esser? Ist dein Mann ein schlechter Esser? Das sind komplett sinnlose Begriffe!
2. Entspanne dich. Lass das Kind essen, auch wenn nichts in den Magen geht. Und gib dem Kind um Gottes willen Dein Essen ab. (Im anderen Fred schriebst Du gerade, sie beschwert sich, wenn sie Euer Essen nicht haben darf?!)
3. Krippe und 6 h außer Haus: Mach Dir keinen Kopf, sie wird schon essen, wenn sie Hunger hat. Und von 6 h Essenpause stirbt auch kein Kind - in der Nacht sollen Kinder das ja angeblich schon ab 6 Monaten können, warum dann nicht auch am Tag? Und sie wird ja wohl was angeboten bekommen? 8)

Selbst in Phasen, wo hier bei meiner Anwesenheit fast vollgestillt wurde (also das gesamte erste LJ und auch danach immer mal wieder), war Essen bei anderen kein Problem. (Bei der Tagesmutter war sie ab 6 Monaten, ab 9 Monaten hat sie da auch Mittag gegessen, nicht viel, aber ausreichend um über die Zeit zu kommen und sich dann auf mich zu stürzen. :) )
Wir haben nie feste Struktur ins Essen reingebracht und trotzdem aß Kind irgendwann regelmäßig und stillte weniger - allerdings erst mit 13/14 Monaten. Dafür isst sie jetzt komplett vom Familientisch - nicht immer viel, aber wirklich alles. Und ich habe mir auch nie einen Kopf um konkrete Lebensmittel gemacht, sondern der Selbstregulation vertraut. Milch mag mein Kind nicht, es hat lange vegetarische Phasen, um dann 4 Hackfleischbällchen auf einmal zu essen oder zum Frühstück ausschließlich Quark zu essen.

Wir haben hier einen Spruch, seit unser Kind mobil ist und v. a. an den zwanghaften, ängstlichen Papa gerichtet ist: "Mach Dich locker!" :wink:
jusl
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Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von jusl »

Streiche das Wort "schlechter Esser"!
Ja, da kann ich mich nur anschließen. Letztlich gibt es doch nur zwei Möglichkeiten:

1. Entweder sie isst so wenig, weil sie eben wenig braucht. Sie isst also nach ihrem Bedarf. Das ist GENAU RICHTIG, und nicht ansatzweise SCHLECHT. Im Gegenteil: mehr zu essen als man braucht, das wäre in der Tat ungünstig.

2. Oder sie isst so wenig, weil ein med. Grundproblem vorliegt (z.B. Eisenmangel). Wenn jemand sozusagen krank ist und DESWEGEN etwas nicht so tun kann, wie es eigentlich sollte, passt der Begriff "schlecht" ja noch weniger - stell Dir vor, Du hättest Arthrose und müsstest Dir anhören wie andere von Dir sagen: "Sie ist eine schlechte Läuferin /Tänzerin". Das wäre irgendwie fies, oder? Und bringen täte es ja auch nichts....

LG
Julia
EhUSb

Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von EhUSb »

Dankeschön euch beiden!!

Julia, danke für den fachkundigen Rat! Ich bin wirklich gerade zu angespannt bei dem Thema und werde wieder versuchen, mich bei den Mahlzeiten mehr auf mein Essen zu konzentrieren und wenn sie etwas haben möchte, bekommt sie es. Hier gibt es nie Fertigessen oder Chips, insofern passt das. Eisen werde ich aber wohl schon mal kontrollieren lassen... Sie ist eh eine Zierliche und ich erwarte ohnehin keine Riesenportionen von ihr - aber so richtig Appetit scheint sie mir auch beim Stillen selten zu haben und da mache ich mir schon Sorgen. Phasenweise finde ich es ok, wenn sie kaum Interesse am Essen (inkl. Stillen) hat - ist eben manchmal alles Spannender - aber da das nun schon ein Weilchen geht und sie auch schlecht zunimmt, ist es vielleicht besser, das abklären zu lassen.

Sibi, doch, das passt mir sehr gut, du hast da den Nagel auf den Kopf getroffen!Ich bin gerade so gar nicht locker... Vor allem die "schlechte Esserin" - gut, dass du da was gesagt hast!!! Ich selber bin als Kind immer gezwungen worden aufzuessen, es gab sowieso ganz viele Vorschriften und Erwartungen rund um´s Essen und ich habe mir geschworen, das bei meinem Kind nie zu tun! Und schwupps - ich fange doch an, in Kategorien zu denken und Erwartungen zu haben.. Du (und Julia) hast recht, da muss ich gleich wieder mit aufhören!
Zu deinem 2. Punkt: Klar bekommt sie was ab. :D Bislang allerdings mit schlechtem Gewissen... Ich habe bei einer Stillberaterin (die ich sonst sehr schätze und ohne die ich sicherlich zugefüttert hätte) einen Beikostkurs gemacht und da gab es eine lange Liste von Dingen, die Kinder erst ab dem 1. Geburtstag dürfen. U.a. sämtliche Milchprodukte. Und Erdbeeren darf sie vor dem 2. Geburtstag gar nicht, weil Nüsse und allergen. Nun essen wir aber häufig Naturjoghurt und jetzt in der Saison eben mit Erdbeeren drin - Clara wollte unbedingt etwas abhaben. Sie hat das auch bekommen, aber ich habe quasi jederzeit damit gerechnet, dass sie rot anschwillt...
jusl
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Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von jusl »

EXAKT SO sahen meine Kurse früher auch aus... :lol: einfach weil das früher eben die Lehrmeinung war. Die NEUEN Beikostempfehlung sehen anders aus; da muss man sich erstmal dran gewöhnen, auch als Kursleiterin. ;-)

Freut mich, dass Du's jetzt etwas lockerer angehen willst (macht auch viel mehr Spaß so, versprochen!) ;-)
EhUSb

Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von EhUSb »

:D Na ja, spätestens bei der nächsten Fortbildung ändert sich das dann hoffentlich. Ich lass sonst echt nix auf sie kommen, sie hat uns sehr geholfen, aber diese Beikostempfehlungen sind eben nicht so familientischkompatibel... :) Und mein Kind weiß leider nicht, dass es noch nicht 1 ist und keinen Joghurt essen soll und will natürlich genau den. (Finde ich superverständlich! Was von Mama und Papa so gehütet wird, MUSS toll sein...) Na, dann höre ich in dem Fall lieber auf Stillberaterin Nr.2 und gebe ihr, was wir auch essen. :D Danke nochmal!
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Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von klimaforscherin »

Noch etwas: Keine Panik vor dem Krippenbeginn! Geniesse dein Baby, ich habt noch so viel Zeit und das Essen sollte bis dahin ja nicht das Thema sein.
Ich habe mich auch selbst so verrückt gemacht, völlig unnötig!
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

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EhUSb

Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von EhUSb »

Ja, ich habe hier schon so oft gelesen, dass die Kinder in der Krippe gut zurecht kommen und dort einfach essen. Das ist nur für mich alles noch so unvorstellbar... Aber du hast völlig recht: Über ungelegte Eier sollte man sich keine Gedanken machen!
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kasimira
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Re: Beikost - wie weiter?

Beitrag von kasimira »

Sommerbaby hat geschrieben:Ja, ich habe hier schon so oft gelesen, dass die Kinder in der Krippe gut zurecht kommen und dort einfach essen.
Das möchte ich noch mal unterstreichen. Mein Sohn kam mit 13 Monaten in die Krippe. Bis dahin hat er fast noch nichts gegessen, sondern hauptsächlich gestillt. Ich hatte auch große Bedenken, aber dann...
Er hat ganz normal mitgegessen, erst wenig aber dann immer mehr.
Heute isst er immer noch keine Riesenportionen aber er isst alles und ist was das Essen angeht sehr unkompliziert.
liebe Grüße,
kasimira
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