Roxy89 hat geschrieben:und in den büchern wird aber auch erwähnt, dass kindergarten für die kinder gar nicht so gut oder nötig sei...ich bin als kind selbst nicht gern dort hin gegangen. hab ein bisschen angst davor, mein kind wenn es soweit ist, in die hände von jmd. anders zu geben, der es dann mit großer wahrscheinlichkeit anders erzieht als ich bzw. eben einen anderen weg geht.
ich mag halt diese angeblichen fachbücher nicht, wo irgendwelche leute schreiben, wie sie meinen dass man mit kindern richtig umgeht u. nach denen werden die erzieherinen ja gelehrt...
aber bisschen schwer ist mir bei dem gedanken trotzdem zumute.
Ich habe mal ein bisschen gekürzt, um folgenden Eindruck, den ICH habe, deutlich zu machen: Für mich routierst Du bei der Frage zu sehr um Dich. Natürlich müssen wir alle uns damit auseinandersetzen, unsere Kinder früher oder später langsam los zu lassen.
Aber in Sachen Kindergarten oder allgemein Kinderentwicklung finde ich immer wichtiger, zu schauen, was das Kind will und was es braucht.
Ich hätte gut auf einen Kita-Vollzeitplatz verzichten können. Ich konnte mich früh gut selbst beschäftigen, mir war es zu hektisch, zu reglementiert, etc. Ich bin auch früh nicht mehr in den Hort nach der Schule gegangen. (In der DDR war das üblich und ich eher eine Ausnahme, dass ich mit 7/8 Jahren dann mittags nach Hause gegangen bin.)
Mein Bruder dagegen war tiefunglücklich, als mit 10 Jahren der Hort vorbei war und er nicht mehr hindurfte.
So unterschiedlich sind Kinder, selbst aus der gleichen Familie. Ich würde einfach an Deiner Stelle Deinen Sohn beobachten. Wenn Du merkst, er fühlt sich bei Dir am wohlsten und Du hast genügend Abwechslung, Ansprache und Kinderkontakt für ihn, dann spricht doch nichts dagegen, wenn Du ihn so lange wie möglich (auch finanziell) bei dir lässt. Aber wenn Du merkst, er blüht auf in Kindergruppen, er langweilt sich mit Dir, oder braucht einfach mehr Input, dann such' ordentliche Betreuungsmöglichkeiten. Natürlich ist das in kleinen Orten schwieriger, aber prinzipiell glaube ich, dass die konkrete Betreuungssituation viel ausmacht. Kinder können todunglücklich in einer Kita seien und voller Freude in eine andere gehen.
Ich glaube auch, dass Du den Einfluss aushäusiger Betreuung überschätzt. Eltern bleiben die wichtigstens Bezugspersonen und die "richtige" Welt für Kinder, wenn die Bindung stimmt. Sie können ganz gut damit umgehen, dass in Kita (oder später Schule) andere, teils merkwürdige Regeln gelten.
Noch ein Literaturtipp von mir: Es ist zwar durchaus offtopic, aber durchaus interessant, wenn es um die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern geht.
Alice Miller hat viel über Erziehung und Gewalt gegen Kinder geschrieben. Gewalt in jeder Form, auch sehr sublime. Was für mich damals interessant war: Bereits EIN einfühlsamer "Zeuge", der das Kind in seinen Gefühlen "bestätigt", ihm sagt, dass er richtig fühlt und ist, sorgt häufig dafür, dass Kinder, die aus schrecklichen Verhältnissen kommen, emphatische, mitfühlende, erfolgreiche Kinder werden, die eben nicht die Wertvorstellungen ihrer "Peiniger" übernehmen ("Mir hat das auch nicht geschadet...").
Und Kitas sind ja nun keine grausamen Verwahranstalten

und wenn da mal etwas nicht so läuft, wie Du es gern hättest, heißt das nicht, dass Dein Sohn daran Schaden nimmt. Denn das wichtigste bist Du und Dein Verhalten zu Deinem Sohn. Außerdem suchst Du die Kita aus und hast ein Auge darauf, was da läuft und kannst jederzeit einschreiten.
Und noch ein Literaturtipp, der mehr ontopic ist: Hermann Renz-Polster: Kinder verstehen.
Renz-Polster kann man ja in vielen Dingen durchaus SuT-konform lesen.

Und er (wie übrigens viele andere auch) betont die Bedeutung der Kindergruppe für die Entwicklung der Kinder. Er kritisiert die ständige Anwesenheit von Erwachsenen (also sein Argument gegen Kita wäre dann höchstens, dass man erst die Erzieher abschaffen muss...

) und plädiert bei der ganzen Debatte um Kinderbetreuung vor allem für GUTE Qualitätsstandards, die den Kindern entgegen kommen. Die Kernfamilie mit 2 Erwachsenen und 1 Kind ist halt auch eher ein Sondermodell der Geschichte und für die Kinderaufzucht nicht unbedingt das erprobteste.