Hallo Jonathan,
da stellst Du sehr gute Fragen! Ich versuch's mal aufzudröseln:
Ein Säugling hat selbst einige Möglichkeiten, auf Menge und Zusammensetzung der Milch Einfluss zu nehmen. Im wesentlichen sind das:
* Stillhäufigkeit,
* Stilldauer,
* Saugintensität,
* ein oder beide Seiten.
Im Grunde ist es ja einfach: Ein Baby welches eigentlich gerne 10 mal am Tag trinken würde aber nur 5 mal was kriegt, muss halt bei diesen 5 Mahlzeiten die doppelte Menge trinken, die es sonst getrunken hätte. So kommt es auf ungefähr die gleichen Kalorien.
Es gibt durchaus Fälle, in denen Babys mit einem aufgestülpten Rhythmus gut zurecht kommen. Allerdings müssen dafür einige Rahmenbedingungen stimmen - stimmen sie nicht, klappt das nicht! In meinem Beispiel mit den 5 oder 10 Mahlzeiten: der Magen des Babys muss z.B. groß genug sein, um die doppelte Menge Milch überhaupt fassen zu können. Und: die Mutter muss Brüste haben, die in kurzer Zeit eine große Menge Milch herstellen können. Und: das Speichervolumen der Brüste muss relativ groß sein, da sich in den vielen Stunden Stillpause immer einiges ansammeln dürfte, und die Mutter soll ja weder platzen noch Übervölle-bedingte Milchstaus erleiden. Und einiges mehr. Wenn alle diese Bedingungen also zufällig erfüllt sind, yo, dann kommt dieses Baby sicher auch mit 5 anstatt 10 Mahlzeiten klar.
Klassische Rahmenbedingungen, die das Stillverhalten mitbestimmen sind beispielsweise:
* Saugbedürfnis, Temperament, Gesundheitszustand und Allgemeinverhalten des Babys
* Saugtechnik und Saugintensität des Babys
* Hormonlage der Mutter
* Zeitspanne bis zum MSR
* Speichervolumen der Brust
* Auslöseverhalten des MSR
* Empfindlichkeit der Milchproduktion gegenüber äußeren Störreizen
Jetzt frage ich mich eben, ob das irgendwann Auswirkungen auf die Milchmenge hat, wenn sie so viel weniger häufig stillen?
Wie Du siehst - das kann man nur individuell beantworten. Eine Frau, deren Brüste zufällig nur maximal 60 g Milch auf einmal liefern (gibt's!) hat ÜBERHAUPT KEIN PROBLEM, wenn sie 12-14 mal am Tag stillt. Will oder soll eine solche Mutter jedoch mindestens 3 Stunden Pause zwischen den Stillmahlzeiten einhalten, werden sich unvermeidlich massive Stillprobleme entwickeln, und Zufüttern wird bei Beibehalten dieser Abstände unvermeidlich werden.
Da sie das Thema häufig anspricht würde ich ihr eben auch gerne sagen können, falls es evtl irgendwann schwierig werden könnte mit dem Stillen, wenn sie immer so wenig anlegt.
Viele Frauen benötigen häufigeres Stillen, um die erforderliche Milchmenge bilden zu können. Aber es gibt auch problemlos stillende Frauen, die monate- und jahrelang nur 6 x täglich stillen. Ferndiagnosen und -prognosen sind da nicht möglich.
Eben deshalb ist Stillen nach Bedarf ja auch so empfehlenswert: Es stellt sicher, dass das Baby immer genug Milch bekommt, EGAL wie die zufällige Kombi von mütterlichen und kindlichen Eigenschaften und Rahmenbedingungen genau aussieht. Und für die Fälle, in denen es tatsächlich nicht so ganz "aneinander passt" (z.B. zufriedenes Seltenstiller-Baby mit Mutter, deren Brüste sehr häufiges Stillen bräuchten oder umgekehrt), gibt es ja gerade Stillberatung

- da gibt es dann zahlreiche Möglichkeiten, wie man etwas mehr Harmonie in die Sache hineinbringen kann.
Bei der U2 hatte er sogar ein wenig besser zugenommen als meine Tochter,
Achtung, Sprache!

Das Baby hat nicht
besser zugenommen als Deine Tochter. Es hat zufällig etwas
mehr zugenommen. Vielleicht hat es auch etwas mehr Sauerstoff geatmet an dem Tag, vielleicht sind seine Haar etwas länger. Dem kommt aber KEINERLEI Bedeutung zu, und schon gar keine normative im Sinne von "besser oder schlechter". Ein gesundes, nach Bedarf gestilltes Baby nimmt einfach entsprechend SEINER Wachstumskurve zu - dies ist ein
nicht verbesserungsfähiger Zustand. Ob's dabei nun 150 oder 160 gramm die Woche waren, ist dabei vollkommen bedeutungslos.
Ich hoffe die Antwort war hilfreich für Dich,
liebe Grüße
Julia