Hallo lisi13,
ich kann sehr gut verstehen, dass der Alltag mit zwei kleinen Kindern anstrengend sein kann - sogar dann, wenn eigentlich alles reibungslos läuft. Kommen dann noch besondere Schwierigkeiten wie Stillprobleme dazu, dann wird diese Aufgabe noch größer.
Es ist völlig in Ordnung, sich zu wünschen, irgendwann "vollstillen zu können, aber nicht um jeden Preis". Jede Familie muss individuell schauen, was sie leisten kann und welcher Weg für sie am besten passt. Aber lass mich dennoch anmerken, dass bestimmte Maßnahmen nicht wirklich sinnvoll sind, wenn die Voraussetzungen nicht stimmen. Mir geht es konkret um folgendes:
Alle 3-4 Stunden zu stillen (d.h. 6-8 Mahlzeiten in 24 Stunden) ist für die meisten Stillbabys ZU WENIG. Denn: das gesunde, unauffällige Durchschnittsbaby trinkt schon 8-12 Mal in 24 Stunden. Kommen dann noch Dinge dazu wie wenig oder langsame Gewichtszunahme oder fürs Vollstillen zu geringe Milchbildung, sollte mindestens(!) 10-12 Mal in 24 Stunden gestillt werden.
Das ist einfach die Grundvoraussetzung dafür, dass die Milchbildung ausreichend angeregt wird; da führt an HÄUFIGEM Stillen einfach nichts vorbei.
ALLE WEITEREN Maßnahmen, wie Stilltee, Medikamente usw, können ZUSÄTZLICH DAZU erwogen werden, aber richtig wirken können sie nur dann, wenn die Voraussetzung stimmt: HÄUFIGES Stillen.
Es ist klasse, dass Du mit dem Brusternährungsset gut zurecht kommst. Es kann Euch sicherlich hilfreich sein, aber es macht zweifellos auch Arbeit und erfordert einige Handgriffe beim Vorbereiten, Anlegen und Saubermachen. Sprich: wenn Du diese zusätzliche Arbeit bewältigen kannst, dann schaffst Du bestimmt auch häufigeres Stillen. Informiere Dich über Möglichkeiten, häufiges Stillen noch besser in Euren Alltag zu integrieren. Sehr praktisch z.B. ist das Stillen in Tragehilfen. So könntest Du mit Deinem Baby umhergehen, Kleinigkeiten erledigen, mit Deiner Tochter spielen, zum Kindergarten laufen usw. WÄHREND Du ganz nebenbei stillst. Dies zu üben, lohnt sich wirklich (auch für alle Mehrfachmütter ohne Stillprobleme

)
Sehr günstig für die Milchbildung ist auch, während des Stillens (dann ruhig in Ruhe auf dem Sofa

) auf der anderen Seite abzupumpen. So verdoppelst Du den Saugreiz, was die Milchbildung kräftig erhöhen kann.
Solche Maßnahmen scheinen mit deutlich naheliegender und erfolgversprechender. Wenn Du derzeit nicht allzuviel künstliche Milch zufüttern musst (wieviel fütterst Du denn in 24 Stunden ungefähr zu?), dann ist gut möglich, dass diese Maßnahmen bereits ausreichen, um ganz bald wieder vollzustillen. Bei großen Zufüttermengen hingegen muss realistischerweise mehr Zeit eingeplant werden, und die von Dir beschriebenen Zusatzmaßnahmen sind wahrscheinlich auch sinnvoll, aber: auch hier eben nur als ZUSATZ.
Vielleicht magst Du noch genauer beschreiben, seit wann Du wieviel ungefähr zufüttern musst? Denn werden von Anfang an große Mengen zugefüttert, dann ist es leider so, dass die Milchbildung gar nicht richtig in Gang kommt. Für die Etablierung einer Milchmenge auf VOLLstillniveau müssen in aller Regel bestimmte hormonelle Prozesse nach der Geburt ablaufen, die durch Zufüttern leider stark störanfällig sind, und die auch nur ein gewisses Zeitfenster haben. D.h. bestimmte physiologische Prozesse in den ersten Tagen und Wochen nach Geburt lassen sich nicht beliebig "auf später" verschieben. Das bedeutet für die meisten betroffenen Mütter: werden von Anfang an dauerhaft große Mengen zugefüttert, kann das Vollstillen überhaupt nie erreicht werden, egal welche Maßnahmen man ergreift. Dies ist zwar schade, und diese Erkenntnis tut oft erstmal sehr weh, aber: sie ist nicht das Ende der Stillbeziehung. Auch Zwiemilchernährung kann über einen langen Zeitraum gelingen und als positiv erlebt werden.
Ich drück Dir die Daumen, dass Du schaffst, was Du Dir wünschst!
LG;
Julia