AnnaKatharina hat geschrieben: 11.01.2018, 22:19
Pupu hat geschrieben: 11.01.2018, 22:01
Ich verstehe deinen Einwand zwar, sehe hier aber einen (für mich) eindeutigen Fall von "Zweck heiligt die Mittel".
Ich finde es halt fies. Ja, es mag manchen Menschen in schwierigen Momenten Kraft geben oder die Sinnfrage "beantworten" aber ich finde es eben denen gegenüber "gemein" die es nicht schaffen.
Und die sich von solchen Sprüchen evtl. noch mehr unter Druck gesetzt fühlen. Weil sie halt offensichtlich nicht "besonders" genug sind, um mit Zwillingen/Kind mit Behinderung/whatever fertig zu werden.
Genauso gibt es aber auch Mütter von Einlingen ohne Besonderheiten, die unter der Aufgabe zerbrechen und in Depressionen rutschen. Für diese könnte jede Andeutung in Richtung "Mütter sind stark und kriegen fast alles gewuppt" einen Stich im Herzen geben. Und es gibt Frauen, die haben keine Kinder, obwohl sie gern welche hätten. Für diejenigen kann schon die bloße Andeutung, dass Muttersein schön ist, im Herzen schmerzen. Und wenn dann vielleicht noch jemand erschöpft ist und sich übers Muttersein mal beschwert, dann ist es noch trauriger für sie, denn es erscheint ihnen undankbar...
Weißt du was ich meine? Bei fast allen Dingen gibt es irgendjemanden, der anderer Meinung ist, schlechte Erfahrungen gemacht hat, sich vielleicht ausgeschlossen fühlt... Natürlich sollte man auf seine Worte achten, nicht etwas in den Raum posaunen ohne sich Gedanken zu machen, wie es bei anderen ankommt. Aber der "Raum" Internet ist einfach so wahnsinnig groß und voll, dass es fast unmöglich ist, niemandem versehentlich ein klein wenig auf die Zehen zu treten. Wo Menschen sind, menschelt es eben... und ich finde, man muss auch ein wenig lernen, mit Dingen umzugehen, die einen etwas auf dem falschen Fuß erwischen.
Versteh mich bitte nicht falsch - ich finde es wunderbar, wenn Menschen in der Kommunikation miteinander auf andere achten und darauf, wie ihre Worte jeweils ankommen. Ich finde political correctness auch wichtig und bin durchaus dafür, solches Feedback zu bekommen wie das von dir gerade. Ich finde es nur schwierig, wenn man an den Punkt kommt, wo man überhaupt nicht mehr weiß, was man noch sagen darf, quasi auf Eierschalen um den anderen herumschleicht und es eigentlich gefühlt nur falsch machen kann... wenn man zu hohe Ansprüche an die anderen stellt, ja nichts zu sagen, was irgendwo irgendwen in einer speziellen Situation vielleicht verletzen könnte, dann ist das sehr ermüdend und kann sich negativ auf die gesamte Kommunikation auswirken. Man muss einen guten Punkt finden, die Erwartungslatte anzulegen. Liegt sie zu hoch, ist die Kommunikation erschwert und mit einigen unmöglich, weil sie sich abwenden und sich gar nicht erst mehr trauen, es zu versuchen... es gilt also, eine Balance zu finden: die Messlatte so anzulegen, dass eine gewisse Rücksicht und Achtsamkeit durchaus zu erwarten ist, ich es aber nicht zu schwierig mache, mit mir über ein Thema zu kommunizieren. Puh, ich finde es grad schwierig, auszudrücken, wie ich es genau meine... in der heutigen Zeit haben wir irgendwie sehr hohe Ansprüche aneinander, uns gegenseitig nicht gedankenlos zu verletzen und über unsere Worte genau nachzudenken. Und das ist grundsätzlich super! Wenn ich aber zu viel Verantwortung an andere abgebe, mich nicht zu verletzen, und dabei verlerne, mich selbst zu schützen (mir ein dickeres Fell wachsen zu lassen, manches gezielt zu überlesen oder nicht an mich ranzulassen), dann kippt das ganze wieder... versteht man etwa wie ich das meine? Also so ganz allgemein gesprochen?