mal ganz provokativ

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klimaforscherin
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von klimaforscherin »

Ich stimme Maja zu. Es wird als "erfolgreiche Methode" beschrieben.
Habe die 3. Auflage.
Ansonsten ein hervorragendes Buch, nur dieser einzige Punkt hat mir nicht gefallen.
Die Uebersicht ueber die Naturheilverfahren ist toll. Ohne dass diese im Mittelpunkt des Buches stehen, da sind sie wohl eher "Schulmediziner". Find ich aber gut.
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

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MelCel
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von MelCel »

Sakura hat geschrieben:
MelCel hat geschrieben:Ich finde da kann man wirklich an keiner Stelle rauslesen, dass Fuer Ferbern plädiert wird
hm... nicht offen. ich kenne das buch nicht, und kenne daher nur die von dir zitierten abschnitte. aber wenn DAS deutschsprachige ferber-buch als weiterführende literatur empfohlen wird.... :roll: das ist für mich dann shcon ein pladoyer. vor allem, wie maja anmerkt, in zusammenhang mit begriffen wie "erfolgreich" und "funktionieren". ferbern wird in den von dir zitierten abschnitten doch ziemlich positiv dargestellt.
Die Autoren nennen die weiterführende Literatur die sie abhandeln. Ich verstehe das als Quellenangabe. Ich finde dass genau Wörter wie "funktionieren" zeigen, dass man die Methode kritisch sehen sollte. Genau deswegen IST dieses Buch ja so erfolgreich. Weil es oft funktioniert. Es ist aber nicht liebevoll, babygerecht und uneungeschraenkt empfehlenswert. Und genau diese Dinge stehen NICHT im Text. Aber wahrscheinlich kommt es auch hier darauf an, wie man dem Buch allgemein gegnuebersteht. Ich finds toll, deswegen lese ich es positiv.
Es ist aber auch einfach keine "Baby Literatur". Es ist ein medizinischer Ratgeber. Und mit einem solchen mach ich was ich mit meinem Kinderazrt auch mach: hören was ich hören will und den Rest ausblenden :D
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Morgaine47
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Morgaine47 »

Sibi hat geschrieben:Achso, nochmal zu Frage, warum ich stille und trage und familienbette. Ich bin faul und will meine Ruhe - und so muss ich weder Pulver kaufen, noch Fläschen machen und einpacken, ich muss keinen KiWa durch die Gegend tragen und nicht in der Nacht ins KiZi laufen. :wink:
Hier unterschreib ich mal. Ich bin zwar auch überzeugt, dass es richtig ist. Aber der Hauptgrund für das alles ist Faulheit (und Geiz, die Pulvermilch ist ja sowas von Sch...teuer).
LG
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Sibi
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Sibi »

Ich bin auch überzeugt, dass es für MEINE Tochter richtig ist. Aber es soll ja Kinder geben, die schlafen z.B. schlecht im FB. Meine Tochter würde ohne stillen, tragen, FB einfach viel quengeliger, unruhiger, stressiger sein. Sie ist wohl relativ anspruchsvoll (ich habe keine Vergleichsmöglichkeiten, aber das höre ich von Müttern, die sie eine Weile beobachten), aber eben doch ausgeglichen und gut gelaunt. Das freut mich natürlich - aber ich arbeite auch hart dafür. :wink: Aber wenn ich ihre Bedürfnisse nicht befriedigen würde, wäre es weitaus stressiger hier für uns alle.
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purplediamond
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von purplediamond »

Boar, dieser Thread hat mich jetzt so fasziniert, dass ich ihn in einem Zug durchgelesen habe - währenddessen ist mein 3-Jähriger auf meinem Arm eingeschlafen und ich habe ihn gerade mal ohne Zähne putzen ins Bett getragen. ;)

Zuallererst: Zum Thema "früher" fielen mir als erstes die Erzählung meiner Großtante (70) ein. Ihre Mutter ist noch so groß geworden, dass die Kinder morgens alle ans Tischbein gefesselt wurden (egal wie alt); dann sind die Mütter mit aufs Feld gegangen und erst zum Mittag wiedergekommen. Ich habe manches Mal versucht, mir das bildlich vorzustellen; es war aber jedes Mal zu fürchterlich. Dort gab es nur einzelne Höfe und die Not war groß; es musste wohl sein. Trotzdem: HORROR!! Übrigens ist die Mutter meiner Großtante zu einer sehr kaltherzigen, lieblosen Frau geworden. Wie meine Großtante es unter diesen Umständen geschafft hat, so ein herzlicher, liebevoller, empathischer Mensch zu werden, ist mir ein Rätsel!
Andere Geschichte aus unserer Familie: Ein Cousin meiner Mutter ist mit 2 Jahren schwer erkrankt und musste für einige Wochen ins Krankenhaus. Besuchszeit für die Eltern waren einmal die Woche für einige Stunden. Der Junge muss wohl danach nicht mehr wieder zu erkennen gewesen sein. Das war 1962 in Hamburg.

Wenn ich diese ganzen fürchterlichen "DDR-Geschichten" hier lese, wird mir ganz anders. Gerade heute habe ich noch einen NIDO-Artikel zum Thema "Ost-West-Vergleich" gelesen, wo die DDR mal wieder hochgelobt wird, für die hohe Rate an Doppel-Vollverdiener-Paaren und früher Fremdbetreuung. Ich kann einfach nicht verstehen, warum das so gepusht wird. Was ist toll daran, einen Einjährigen Vollzeit in eine KiTa abzugeben und von seinen Fortschritten kaum was mitzukriegen? Was ist toll daran, wenn beide Vollzeit arbeiten müssen und dann in der Restzeit noch der Haushalt anfällt - wo bleibt da denn noch die Zeit für die Kinder und warum habe ich dann überhaupt welche? Ich weiß, ich bin wieder sehr retro; ich kann's nicht ändern, aber für mich fühlt sich das völlig falsch an. Ich arbeite selbst 30h/Woche und das reicht mir völlig aus bzw. ist mir schon oft zu viel, weil ich nicht finde, dass die Zeit im KiTa meinem Sohn soooo wahnsinnig gut tut. Ich erlebe die Tage als unendlich getaktet, häufig zu stressig und mich abends zu erschöpft, um dann noch auf mein tolles Kind eingehen zu können. Ich erlebe, wie sehr mein Sohn aufblüht, wenn ich Urlaub habe und in dieser Zeit fast gar nicht anstrengend ist, während er im Alltag ziemlich klammert und mich natürlich massiv einfordert, wenn ich von der Arbeit komme (Teufelskreis: Ich total kaputt; er will immer mehr). Will nicht für jahrelanges Zuhausebleiben propagieren; finde nur, dass dieser ganze "Emanzipationskram" uns Mütter jetzt in die andere Richtung drängt. Wo bleibt die eingeforderte Selbstbestimmung und wo der Blick aufs Kind? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es für einen Einjährigen besser ist, 9h in einer KiTa mit zuwenig Personal und ständigem Lärm zu sein, wo wenig Zeit für seine Bedürfnisse und Kuscheleinheiten bleibt, als wenigstens die Hälfte des Tages mit seinen Eltern zu Hause.

So, aber jetzt mal zum eigentlichen Thema:
Ich hatte bis vor einem Jahr mit AP nichts am Hut; ich habe mehr aus praktischen Gründen getragen und aus Intuition mein Kind in meinem Bett schlafen lassen (die ersten 6 Monate). Dann habe ich quasi lehrbuchmäßig versucht, ihn in sein eigenes Zimmer umzuquartieren. Nora beschreibt oben "ferbern light"; genau das habe ich probiert. Am Gitterbettchen sitzen, meinem Sohn die Hand halten und versuchen, irgendwann das Zimmer zu verlassen. Es klappte NULL. Mein Sohn schlief und schlief nicht ein. Ich war am Ende so frustriert, wütend und hilflos, dass ich dann schreiend das Zimmer verlassen habe und meinen Sohn dann doch alleine habe brüllen lassen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Das ging dann so weit, dass ich schon nachmittags Angst vor abends hatte, wenn wieder Schlafenszeit war. Ich hab mich dann mit mir selbst mal an einen Tisch gesetzt (bin alleinerziehend) und das mal analysiert und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass Annette Kast-Zahn und die Meinung meiner Mama mir einfach mal gestohlen bleiben können und habe Jonael wieder auf meinem Arm einschlafen lassen und dabei viele Bücher gelesen. Er schläft seither wieder in meinem Bett und immer noch nur mit mir ein (das allerdings problemlos). In letzter Zeit beobachte ich mehrfach folgendes: Wenn er mittags eine Pause braucht, legt er sich freiwillig auf sein Bett in seinem Zimmer. Wenn ich abends Besuch habe, darf er bei uns im Wohnzimmer auf seinem Schaffell liegen und dort einschlafen. Das hat er letztens versucht und dann doch entschieden, dass er alleine ins Bett geht... er wird immer öfter selbstständig und ich erlebe das so, als völlig komplikationsfrei und schön. Bis heute trage ich ihn auf dem Rücken (also natürlich nur noch manchmal, denn er läuft viel oder nimmt eines seiner vielen Fahrzeuge *lol*), aber wenn er Kuschelbedarf hat, bringt er mir heute noch die Trage - für ihn ist es nach wie vor wunderschön.

Ich habe also das Gefühl, dass wir einen guten Weg FÜR UNS BEIDE gefunden haben und die paar stressigen Schrei-Abende, die uns da eingebrockt habe, tun mir heute noch Leid.

So, jetzt habe ich euch aber genug zugetextet *lol*
Zufriedene Mama mit quirligem Sohn (9/2008), der mich mit seinen Ideen, seinem Humor und seiner Sicht auf die Welt jeden Tag begeistert... *strahl*
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Tato
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Tato »

Sakura hat geschrieben:irgendwie scheine auch ich dem irrglauben aufgesessen zu sein, dass "früher" (wann auch immer das war) alles besser war.
Ja, das dacht ich auch lange- und war darum auch immer sehr frustriert über das "Heute"...
Dann bin ich im Studium über dieses Buch gestolpert- und weiß jetzt, dass es voran geht, langsam aber sehr deutlich... http://www.amazon.de/H%C3%B6rt-ihr-Kind ... 549&sr=1-1
Wirklich empfehlenswerte Abhandlung- allerdings ziemlich harter Tobak :heul
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bienenmeister
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von bienenmeister »

carolina hat geschrieben:
Steff hat geschrieben: Ein Artikel aus dem deutschen Ärzteblatt hat vor ein paar Jahren bestätigt, dass Babys, die schreien gelassen wurden als Jugendliche und Erwachsene eher Depressionen entwickeln. Man hat keine konkrete Erinnerung mehr daran, aber es brennt sich sozusagen in die Großhirnrinde ein und macht sich eben später doch bemerkbar.
Du hättest nicht zufällig die Referenz? Der Artikel würde mich interessieren ...

Ich bräuchte den ganz dringend, um ihn mal in meiner Umgebung zu verteilen! Damit ich mich nicht immerzu rechtfertigen muss... :roll:
mit Äffchen (02/2012) und Sommerhoffnung (07/2015)
Tragen für Fortgeschrittene: Heute mal ohne Tuch!

.... lost in translation ....
Ginevere
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Ginevere »

Ich gestehe, ich habe jetzt nicht alles gelesen. :oops:

Aber ich finde hier gehört zum Thema Naturvölker und Baby-Handling auch ganz dringend noch das Buch von Jean Liedloff (Auf der Suche nach dem verlorenen Glück) in die Literaturliste. :wink:

Ich denke zwar auch, dass wir (ich auch!) dazu neigen, das "Früher" oder das Leben der Naturvölker zu idealisieren aber es spricht ja nichts dagegen, mal rechts und links und zurück zu schauen wie die Menschen das woanders oder früher gemacht haben und dann zu entscheiden wie man selbst es machen möchte oder?
LG Gini
… mit A🩰 3/09 und E 🏐 3/12
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