Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind
-
miss_undercover
- ist mit Leidenschaft dabei
- Beiträge: 729
- Registriert: 13.10.2009, 18:02
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Diesen Eindruck teile ich, carlotta. Und das ist letztlich der Hintergrund dieses Textes (und des Auftrags, den ich bekam. Die Redakteurin rief mich an und sagte: erkläre am Beispiel des Stillens, warum Mütter hierzulande so viel krasser unter Druck stehen als nahezu überall sonst)
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
- chennai
- Prof. Dr. SuT
- Beiträge: 7506
- Registriert: 04.04.2009, 21:41
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Ich finde, dass da zweierlei vermischt wird: Das eine ist das Recht im Sinne von Gesetzeslage. Ja, die Frau hat das Recht auf Abtreibung, sich in der Schwangerschaft mit Alkohol, Medikamenten und Drogen zuzudröhnen. Sie bestimmt über ihren Körper, auch wenn da noch ein weiteres Leben drin wohnt. Wenn das Baby geboren ist, bestimmt die Frau nach wie vor über ihren Körper - niemand kann sie von Rechts wegen zum Stillen verpflichten - das Leben des Babys ist aber ab dem Zeitpunkt geschützt. Also sie darf das Baby nicht verhungern lassen, aber ob nun stillen oder Ersatznahrung steht ihr natürlich frei.
Das andere ist aber der moralische Anspruch. Über den darf sich jeder hinwegsetzen und jeder empfindet ihn auch anders. Aber andersherum darf sich meines Erachtens das Umfeld durchaus eine Meinung darüber bilden. So ist das nun mal im Zusammenleben. Ob man sich dann von dieser Meinung beeinflussen lässt oder nicht, bleibt einem dann ja auch wieder überlassen. Warum sollte ich nicht mit der Stirn runzeln, wenn ich eine hochschwangere Frau sehe, die sich einen Wodka nach dem anderen reinpfeift? Stillen oder nicht ist sicher ein anderes Kaliber, aber ich finde es nicht 'anrüchig', auch darüber eine Meinung zu haben.
Das andere ist aber der moralische Anspruch. Über den darf sich jeder hinwegsetzen und jeder empfindet ihn auch anders. Aber andersherum darf sich meines Erachtens das Umfeld durchaus eine Meinung darüber bilden. So ist das nun mal im Zusammenleben. Ob man sich dann von dieser Meinung beeinflussen lässt oder nicht, bleibt einem dann ja auch wieder überlassen. Warum sollte ich nicht mit der Stirn runzeln, wenn ich eine hochschwangere Frau sehe, die sich einen Wodka nach dem anderen reinpfeift? Stillen oder nicht ist sicher ein anderes Kaliber, aber ich finde es nicht 'anrüchig', auch darüber eine Meinung zu haben.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)
Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)
Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
- chennai
- Prof. Dr. SuT
- Beiträge: 7506
- Registriert: 04.04.2009, 21:41
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
...ich bin zu langsam... hätte auch bei Maja unterschreiben können 
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)
Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)
Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
-
Maja
- SuT-Legende
- Beiträge: 8590
- Registriert: 18.10.2004, 22:40
- Wohnort: NRW
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Ich glaube, wenn ich darüber nachdenke, finde ich es sogar besser, wenn die Mitmenschen eine Meinung haben und die auch äußern. Bevorzugt eine Meinung, die nicht das Fähnlein im Wind ist oder über ein säuseliges "Jeder macht alles am richtigsten wenn er sich damit am besten fühlt" hinaus geht. Es mag unbequem sein, wenn es nicht meine Meinung ist, aber in einer Gesellschaft zu leben, der es komplett egal ist, wie Babys und Kinder und überhaupt Schwächere behandelt werden - nein, das wäre dann auch nichts für mich.
Wenn meine Freiheit da endet, wo die des anderen anfängt, gilt das für mich auch schon für Babys. Für mich ist das wohl tatsächlich keine unzumutbare Einschränkung der (weiblichen) Selbstbestimmung.
Desinteresse oder Gleichgültigkeit ist im Einzelfall zwar gemütlicher als Gegenwind, aber mein persönliches Ideal ist es tatsächlich nicht.
Wenn meine Freiheit da endet, wo die des anderen anfängt, gilt das für mich auch schon für Babys. Für mich ist das wohl tatsächlich keine unzumutbare Einschränkung der (weiblichen) Selbstbestimmung.
Desinteresse oder Gleichgültigkeit ist im Einzelfall zwar gemütlicher als Gegenwind, aber mein persönliches Ideal ist es tatsächlich nicht.
2004/2006/2014
-
miss_undercover
- ist mit Leidenschaft dabei
- Beiträge: 729
- Registriert: 13.10.2009, 18:02
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Aus Deinen Worten spricht die Idee, dass man manche Babys vor den Entscheidenden ihrer Mütter sozusagen beschützen muss. Dies sehe ich beim Stillen tatsächlich nicht so. Bei allem Wissen um die Überlegenheit des Stillens ist auch klar belegt, dass das allerwichtigste für ein Baby ist, dass es seiner Mutter gut geht, so dass sie feinfühlig sein kann. Es ist also nicht in jedem Fall das Beste für ein Baby, gestillt zu werden! Und die Entscheidung, dann nicht zu stillen, kann eine sehr verantwortungsvolle Wahl im Sinne des Babys sein. Und das sage ich als Stillberaterin, die jede Frau in ihrem Stillwunsch unterstützt und Stillen sowieso für das Allertollste hält.
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
-
Maja
- SuT-Legende
- Beiträge: 8590
- Registriert: 18.10.2004, 22:40
- Wohnort: NRW
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Mir fallen Dutzende Konstellationen ein, in denen ein Baby besser nicht gestillt wird.
Ich würde nur tatsächlich nicht uneingeschränkt die Selbstbestimmung der Erwachsenen (Eltern) vor die Bedürfnisse der Babys stellen.
(Und ich glaube, ich habe nicht mal den Anspruch, dass es mir als Mutter immer gut gehen muss. Manchmal ist das, womit es mir gut gehen würde, das komplette Gegenteil von dem, was meine Kinder brauchen. Brauchen, nicht nur wünschen. Dann muss es eben auch mal zeitweise ohne "gut gehen" gehen. Das, unter anderem, meine ich mit "Es ist nicht alles optional".)
Ich würde nur tatsächlich nicht uneingeschränkt die Selbstbestimmung der Erwachsenen (Eltern) vor die Bedürfnisse der Babys stellen.
(Und ich glaube, ich habe nicht mal den Anspruch, dass es mir als Mutter immer gut gehen muss. Manchmal ist das, womit es mir gut gehen würde, das komplette Gegenteil von dem, was meine Kinder brauchen. Brauchen, nicht nur wünschen. Dann muss es eben auch mal zeitweise ohne "gut gehen" gehen. Das, unter anderem, meine ich mit "Es ist nicht alles optional".)
2004/2006/2014
-
miss_undercover
- ist mit Leidenschaft dabei
- Beiträge: 729
- Registriert: 13.10.2009, 18:02
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
jente, es tut mir leid, dass Du Dich anscheinend angegriffen oder missverstanden gefühlt hast. Das war nicht meine Absicht. Natürlich ist Deine Lesart des Artikels absolut legitim, Du stehst damit auch nicht allein da, und letztlich ist Kommunikation immer das, was ankommt. Ich spekuliere da auch nicht über die Gründe, ich kann hier nur erzählen, was meine Intention beim Schreiben war. Wenn die bei Dir (und anderen) teilweise so nicht angekommen ist, ist das natürlich schade, aber wie du schon sagst: es kann und muss auch nicht jeder Text für jeden funktionieren.
Ich finde es jedenfalls toll, dass Du den Text hier zur Diskussion eingestellt hast! Und vielleicht hätte ich den Text, auf den ich heute stolz bin und hinter dem ich stehe, vor einigen Jahren selbst noch grenzwertig gefunden, kann durchaus sein ...
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
Ich finde es jedenfalls toll, dass Du den Text hier zur Diskussion eingestellt hast! Und vielleicht hätte ich den Text, auf den ich heute stolz bin und hinter dem ich stehe, vor einigen Jahren selbst noch grenzwertig gefunden, kann durchaus sein ...
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
-
miss_undercover
- ist mit Leidenschaft dabei
- Beiträge: 729
- Registriert: 13.10.2009, 18:02
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Maja, ich verstehe glaube ich, was Du meinst, finde aber auch, dass in dieser Ansicht (es muss auch mal ohne gut gehen gehen) eine echte Gefahr liegt. Hast Du das Zitat in meinem Artikel gelesen von der Bindungsforscherin? 'Ein Kind kann immer nur so glücklich sein wie seine unglücklichste Bezugsperson?' Das halte ich für einen ganz wichtigen Satz. Es ist kein Zufall, dass bindungsorientierte Elternschaft ohne ausreichend Selbstfürsorge häufig in einem handfesten Burnout endet ...
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk
-
luna24
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1195
- Registriert: 03.02.2010, 22:42
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Ich werfe mal noch dieses Buch ins rennen, das ich ziemlich genial finde, und das m.E. sehr gut und wissenschaftlich fundiert verdeutlicht, wie und warum der hohe Perfektions- und Optimierungsdruck bei Eltern letzten Endes nach hinten losgeht und so auch dem Kind mehr schadet als nützt. Und wie man sich davon ein bisschen befreien kann. Sehr lesenswert!
https://www.amazon.de/Raising-Secure-Ch ... 1462527639
https://www.amazon.de/Raising-Secure-Ch ... 1462527639
-
luna24
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1195
- Registriert: 03.02.2010, 22:42
Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Und noch zur Bindungsforschung: Nein, natürlich ist nicht optional, sonst bräuchte man nicht darüber diskutieren. Aber die Bindungsforschung zeigt eben auch sehr deutlich, dass es schwierig bis unmöglich ist, feinfühlig mit den Bedürfnissen des Kindes umzugehen, wenn man die eigenen Bedürfnisse zu sehr und dauerhaft hinten anstellt. Und genau deshalb ist weniger oft mehr.