Schwieriges Thema, finde ich. Da gehen ja schon die Meinungen von meinem Mann und mir etwas auseinander, ich denke da gibt es keinen allgemeingültigen Rat, sondern man muss selbst schauen was für sich und die Kinder passt. Bei meinem Sohn z.B. war es so, dass er in der Kleinkindphase als er nebenher noch gestillt wurde, alles mögliche probiert hat, selbst exotischere Sachen wie Oliven, Spargel wurde quasi inhaliert etc. Dann kam eine Phase, da war er seeeehr eingeschränkt in seiner Essensauswahl, wollte auch nichts anderes mehr probieren.
Als er dann mit 3 Jahren in den Kindergarten kam, wurde es deutlich besser und sein Nahrungsmittelumfang und die Auswahl an Gerichten wurde immens größer. Aus dem Kindergarten wurde mir von ihm berichtet, sie müssen alles probieren, können aber sich dann auch entscheiden davon nichts mehr zu essen. Oft läuft es darauf hinaus, dass mein Sohn dann nur einzelne Komponenten (Nudeln, Reis, Kartoffeln ö.ä.) isst, oft geht noch Fleisch und Fisch, aber Gemüse ist eigentlich konsequent "bäh, mag ich nicht". Dafür knabbert er für sein Leben gerne Rohkost, z.B. Gurken, Tomaten, Paprika, manchmal rohe Champignons. Ich denke, das macht auch viel aus, dass die anderen Kinder das gleiche essen. Es bleibt ihm ja gar nix anderes übrig, denn wenn er um 13 Uhr nichts zu Mittag isst, hat er im Kindergarten Hunger bis er abgeholt wird.
Mittlerweile koche ich auch nicht mehr separat für ihn, früher habe ich das gemacht, als er noch nicht im Kindergarten war. Aber auch Zuhause klappt das ganz gut, dass er meist was von dem Essen findet, was für ihn passt. Gut, manchmal gibt es auch Essen, das kann man nicht separieren (Moules a la creme), dann bekommt er halt was anderes und im Zweifelsfall sind das gebratene Fischstäbchen und Rohkost oder Brot mit Fisch(Konserve), das geht eigentlich immer.
Er kommt immer erst auf den Geschmack, wenn er was Neues probiert, was ja auch irgendwie logisch ist. Oft lehnt er was kategorisch ab und wenn ich ihn dann lieb bitte, ob er wenigstens einen kleinen Löffel probiert, ist er manchmal ganz hin und weg. Gerade letztens wieder, mein Mann macht eine Dose Pfahlmuscheln in pikanter Soße auf, Junior hat ein paar Tage vorher Nudeln mit Tomatensoße und Venusmuscheln mit Begeisterung gefuttert. Also war mein Mann der Meinung, dann gehen sicher auch Miesmuscheln. Er meinte dann "wenn du eine Muscheln auf Brot probierst, mache ich dir nachher dein Brot mit Stremellachs". Junior isst eins und will danach nix anderes mehr
Es gibt aber auch Essen, da weiß ich Junior ist extrem empfindlich, das kann er dann einfach nicht runterschlucken. Ich bin dann so entspannt, halte ihm ein Tuch hin und er darf ausspucken (z.B. wenn die Tomatenschale zu hart ist). Mein Mann ist da der Ansicht "er kanns mit Getränk runterspülen". Das ist was für mich, das grenzt an Übergriffigkeit. Ich selber mag das auch nicht, wenn ich etwas wirklich eklig im Mund finde, dann kann ich das nicht unbedingt runterschlucken. Im Kindergarten hat das sogar mal dazu geführt, dass mein Sohn quer über den Tisch kübeln musste, weil an den Salamischeiben auf der Pizza ein Stück Pelle dran war und er davon würgen musste

Die dachten natürlich gleich an Magen-Darm.
Ich zwinge meinen Sohn nicht zum Probieren, versuche ihn aber dennoch zu überreden. Meist klappt es, aber bei manchen Dingen will er partout nicht. Ist für mich dann ok. Mein Mann versucht es dann oft mit Erpressung, damit er zumindest einen kleinen Bissen probiert.
Ich selbst kann mich noch ganz arg daran erinnern, wie schrecklich ich das fand als ich früher noch in der Grundschule war und meine Oma Pfannkuchen für uns machte (meine Mutter arbeitete Vollzeit und meine Oma hat dann für alle gekocht). Mein Lieblingsessen waren Pfannkuchen. Dazu gab es aber Kartoffelsuppe, die ich partout nicht leiden konnte, egal ob püriert oder stückig, ich mochte sie einfach nicht. Ich bekam aber erst Pfannkuchen, wenn ich mindestens einen Teller Suppe gegessen habe

Ich kann erst seit ein paar Jahren wieder mit Freuden Kartoffelsuppe essen, vorher war mir die einfach nach wie vor zuwider, egal wie sie angemacht oder gewürzt war.
Oder als meine Oma und meine Mama auf dem Diättrip waren, gab es Pellkartoffeln mit Petersilie, ohne Soße, Quark oder sonstigem Zeug das "schmiert". Ich durfte nur ein Glas Wasser dazu haben, zum Spülen. Boah das war eklig, wusste meine Mutter aber zu dem Zeitpunkt nicht, dass meine Oma das für mich auch gemacht hatte. Die Phase war dann zum Glück schnell wieder rum. Aber die Erinnerung ist auch jetzt noch über 25 Jahre später so in mir drin, dass ich sowas meinem Sohn nie zumuten wollen würde.
Mein Mann hat hingegen ein Trauma gegen Rosenkohl. Bei ihm in der Familie war es Pflicht, was auf dem Teller ist, wird aufgegessen, egal wie lange das dauert. Er musste teilweise stundenlang sitzen bleiben

Und von Rosenkohl musste er sich dann übergeben, seitdem würde er es auch nie in Erwägung ziehen, dass ich mal welchen für uns mache und er ihn nur mal probiert. Von daher, kann ich das manchmal nicht verstehen, dass er dann bei unserem Sohn so beharrlich ist. Ich versuche es, wenn Junior nicht mag, ist das für mich ok. Und wenn er bei dem angebotenen nichts findet, dann gibt es eine unaufwendige Alternative, aber nichts super begehrtes wie Müsli oder so.
Manches ist auch Kopfsache, ob was schmeckt oder nicht. Genau wie das Beispiel von "sens". Bei uns war genau das Gegenteil der Fall, Junior fand Mini-Haferflockenbratlinge sowas von lecker, hat sie sich über mehrere Wochen, immer wieder gewünscht und mit Begeisterung gegessen. Bis er dann einmal zugeschaut hat, wie ich sie mache und als er gesehen hat, dass da Zwiebeln drankommen, war das Thema durch und er meinte "die schmecken nicht" und hat sie seitdem nicht mehr gegessen.