Ich finde das für eine Diss auch recht dünn, komme aber halt auch aus einer anderen Disziplin.
Sie zitiert ja aber neben Kast-Zahn/Morgenrot auch andere Literatur - und tatsächlich habe ich auch keine anderen Kriterien als die dort genannten finden können, wenn es um die Diagnose von Schlafstörungen bei Babies geht. Die Dt.Ges.f. Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie definiert Schlafstörungen wie folgt (ist allerdings von 2007), das unterscheidet sich kaum von Kast-Zahn und co., nur das Familienbett fällt raus:
Schlafstörungen
Die im folgenden beschriebenen Erscheinungsbilder frühkindlicher Schlafstörungen beziehen sich auf die ersten 3 Lebensjahre. Für Schlafstörungenbei Vorschul und Schulkindern sei auf die entsprechende Leitlinie "Nichtorganische Schlafstörungen" (F51) verwiesen.
Wiederholtes, kurzesnächtliches Aufwachen ist im Säuglingsalter physiologisch, die meisten Säuglinge erwerben allerdings unter entsprechender elterlicherUnterstützung bereits inner-halb der ersten Lebensmonate die Fähigkeit, ohne wesentliche elterliche Hilfe wieder einzu-schlafen. Schlafstörungenzeichnen sich dagegen durch die über den sechsten Lebensmonat hinaus persistierende Unfähigkeit des Säuglings aus, ohne elterliche Hilfe (wieder)
einzuschlafen. Bei jungen Säuglingen, insbesondere innerhalb der ersten 3 6 Lebensmonate, geht eine Unreife der Schlaf Wach Regulation in derRegel mit exzessivem Schreien einher (s.o.). Neben dersubjektiven elterlichen Wahrnehmung der Schlafstörung als Problem gibt es folgendeobjektive Kriterien für frühkindliche Schlafstörungen:
Einschlafstörung:
Einschlafen nur mit Einschlafhilfe der Eltern und
Einschlafdauer im Durchschnitt mehr als 30 Minuten
Durchschlafstörung:
Durchschnittlich mehr als 3 maliges nächtliches Aufwachen in mindestens 4 Nächten der Woche verbunden mit der Unfähigkeit, ohne elterliche Hilfen allein wieder einzuschlafen
Nächtliche Aufwachperioden im Durchschnitt länger als 20 Minuten
Phasenverschiebung in der zirkadianen Verteilung der Schlaf Wach Phasen
Beeinträchtigung der Wachbefindlichkeit
Schlafen im elterlichen Bett (Co Sleeping) sollte nicht notwendigerweise als Symptom einer Schlafstörung herangezogen werden, da es großen kulturellen und interindividuellen Schwankungen unterliegt und zumindest in den ersten Lebensmonaten
weit verbreitet ist. Inwieweit Eltern das Schlafen ihres Kindes im elterlichen Bett als
problematisch empfinden, hängt offensichtlich auch davon ab, in welchem Maße dieses
Verhalten mit den besonderen Anforderungen und Normen der jeweiligen Kultur kompatibel ist. Das deutlich verlängerte, altersunangemessene Schlafen im elterlichen Bett kann aller-dings in unserem Kulturkreis mit persistierenden Schlafproblemen assoziiert sein. Inwieweit hiermit auch kindliche Verhaltensprobleme im weiteren Entwicklungsverl auf verbunden sein können, ist umstritten. Der Zusammenhang scheint hier eher zwischen persistierendem Schlafen im elterlichen Bett und Belastungen der Eltern Kind Beziehungen (z.B. kindliche oder elterliche Trennungsängste u.a.) zu bestehen, in deren Folge es zu weiteren Verhal-tensproblemen kommen kann, als dass die Tatsache des Schlafens im elterlichen Bett per se nachgewiesenermaßen ein Entwicklungsrisiko wäre.