HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

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Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Jap, habe ich. :-)
Ich finde das für eine Diss auch recht dünn, komme aber halt auch aus einer anderen Disziplin.

Sie zitiert ja aber neben Kast-Zahn/Morgenrot auch andere Literatur - und tatsächlich habe ich auch keine anderen Kriterien als die dort genannten finden können, wenn es um die Diagnose von Schlafstörungen bei Babies geht. Die Dt.Ges.f. Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie definiert Schlafstörungen wie folgt (ist allerdings von 2007), das unterscheidet sich kaum von Kast-Zahn und co., nur das Familienbett fällt raus:

Schlafstörungen
Die im folgenden beschriebenen Erscheinungsbilder frühkindlicher Schlafstörungen beziehen sich auf die ersten 3 Lebensjahre. Für Schlafstörungenbei Vorschul und Schulkindern sei auf die entsprechende Leitlinie "Nichtorganische Schlafstörungen" (F51) verwiesen.
Wiederholtes, kurzesnächtliches Aufwachen ist im Säuglingsalter physiologisch, die meisten Säuglinge erwerben allerdings unter entsprechender elterlicherUnterstützung bereits inner-halb der ersten Lebensmonate die Fähigkeit, ohne wesentliche elterliche Hilfe wieder einzu-schlafen. Schlafstörungenzeichnen sich dagegen durch die über den sechsten Lebensmonat hinaus persistierende Unfähigkeit des Säuglings aus, ohne elterliche Hilfe (wieder)
einzuschlafen. Bei jungen Säuglingen, insbesondere innerhalb der ersten 3 6 Lebensmonate, geht eine Unreife der Schlaf Wach Regulation in derRegel mit exzessivem Schreien einher (s.o.). Neben dersubjektiven elterlichen Wahrnehmung der Schlafstörung als Problem gibt es folgendeobjektive Kriterien für frühkindliche Schlafstörungen:

Einschlafstörung:
Einschlafen nur mit Einschlafhilfe der Eltern und
Einschlafdauer im Durchschnitt mehr als 30 Minuten

Durchschlafstörung:
Durchschnittlich mehr als 3 maliges nächtliches Aufwachen in mindestens 4 Nächten der Woche verbunden mit der Unfähigkeit, ohne elterliche Hilfen allein wieder einzuschlafen
Nächtliche Aufwachperioden im Durchschnitt länger als 20 Minuten
Phasenverschiebung in der zirkadianen Verteilung der Schlaf Wach Phasen
Beeinträchtigung der Wachbefindlichkeit
Schlafen im elterlichen Bett (Co Sleeping) sollte nicht notwendigerweise als Symptom einer Schlafstörung herangezogen werden, da es großen kulturellen und interindividuellen Schwankungen unterliegt und zumindest in den ersten Lebensmonaten
weit verbreitet ist. Inwieweit Eltern das Schlafen ihres Kindes im elterlichen Bett als
problematisch empfinden, hängt offensichtlich auch davon ab, in welchem Maße dieses
Verhalten mit den besonderen Anforderungen und Normen der jeweiligen Kultur kompatibel ist. Das deutlich verlängerte, altersunangemessene Schlafen im elterlichen Bett kann aller-dings in unserem Kulturkreis mit persistierenden Schlafproblemen assoziiert sein. Inwieweit hiermit auch kindliche Verhaltensprobleme im weiteren Entwicklungsverl auf verbunden sein können, ist umstritten. Der Zusammenhang scheint hier eher zwischen persistierendem Schlafen im elterlichen Bett und Belastungen der Eltern Kind Beziehungen (z.B. kindliche oder elterliche Trennungsängste u.a.) zu bestehen, in deren Folge es zu weiteren Verhal-tensproblemen kommen kann, als dass die Tatsache des Schlafens im elterlichen Bett per se nachgewiesenermaßen ein Entwicklungsrisiko wäre.
davisalo
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von davisalo »

Danke für Deine Antwort und diesen Text!
Mir kam dabei gerade ein Gedanke - nachdem das Familienbett danach ja erlaubt ist:

Zitat aus dem von Dir zitierten Text: "Durchschnittlich mehr als 3 maliges nächtliches Aufwachen in mindestens 4 Nächten der Woche verbunden mit der Unfähigkeit, ohne elterliche Hilfen allein wieder einzuschlafen":

Nun, die Kinder schlafen ja OHNE elterliche Hilfen ein: Meine Kinder zumindest fanden/finden die Brust ganz allein :lol: ! Ich muss da überhaupt nicht helfen! - Ob das dann noch als "Schlafstörungen" bezeichnet würde ...?
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

:-) Ich habe mich beim Lesen eh gefrgat, was denn eine "wesentliche" und was eine "unwesentliche" Hilfe sein soll? Wieviel Hilfe zum Weiterschlafen ist denn "erlaubt"?
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Carraluma
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Carraluma »

Aber mal etwas kritisch zur allgemeinen wissenschaftlichen Meinung. Die Frau Knast-Zahn ja mitgeprägt hat.

Warum soll ein Kleinkind allein (ein)schlafen? Wie schon erwähnt ist das evolutionsbiologisch vollkommen kontraproduktiv, d.h. zumindest teilweise gegen unsere Natur. Kein vernünftiger, mitfühlender Mensch würde ein Affenbaby gewaltsam zum Schlafen von seiner Mutter trennen. Warum sollte man es mit Babies machen? Mittlerweile wird ja tragen, stillen usw. überwiegend als gut angesehen und auch von medizinischem Personal empfohlen. (Früher war das nicht so.) Dass dies nachts schlecht sein soll, obwohl es tagsüber gut ist, kann doch lediglich kulturelle Gründe haben, oder? Ich verstehe, wenn die Eltern damit Probleme haben, dass man nach Lösungsmöglichkeiten sucht, aber ohne Probleme eine Krankheit daraus zu machen ist doch fast so wie aus einem Schönheitsfehler einen operativ zu entfernenden Mangel zu machen, oder?

P.S. Nur weil etwas einhellige wissenschaftliche Meinung ist, ist es nicht automatisch richtig. Leider, da man sich somit im Endeffekt wieder auf sein Bauchgefühl verlassen muss.
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agnesss
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von agnesss »

Aber als "einhellige wissenschaftliche Meinung" kann man das zum Glück nun doch nicht bezeichnen.
Da gibt es noch genügend, die sich anderweitig aussprechen. Nur die heutzutage für jeden Pipifax geforderten Studien gibt es nicht.
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Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

agnesss hat geschrieben:Aber als "einhellige wissenschaftliche Meinung" kann man das zum Glück nun doch nicht bezeichnen.
Da gibt es noch genügend, die sich anderweitig aussprechen. Nur die heutzutage für jeden Pipifax geforderten Studien gibt es nicht.
Eben doch. Sie sprechen nur eben, wie gesagt, nicht gegen Sprachlernprogramme.
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agnesss
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von agnesss »

Das meinte ich doch!
Es gibt keine Studien, die einen schädlichen Einfluss von Schlafprogrammen belegen.
Hab ich euch mißverstanden?
A. mit Chefmäuserich (04/12) und Chefmäusin (07/17)
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von agnesss »

(Öh, "Sprachlernprogramme"? :lol: Hab das jetzt erst so gelesen...)
A. mit Chefmäuserich (04/12) und Chefmäusin (07/17)
miss_undercover
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von miss_undercover »

Miffi hat geschrieben:
Eben doch. Sie sprechen nur eben, wie gesagt, nicht gegen Sprachlernprogramme.
Hey Miffi, kennst Du übrigens schon den neuen Bestseller "Jedes Kind kann sprechen lernen"? Darin wird erklärt, wie kommunikationswilligen Babys mit Hilfe eines effektiven Trainingsplan das alleinige Los- und Durchquasseln beigebracht werden kann. Mit ein bisschen Konsequenz wird so das stummste Baby zum fröhlichen Plappermaul! :D :D :D
Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

agnesss hat geschrieben:Das meinte ich doch!
Es gibt keine Studien, die einen schädlichen Einfluss von Schlafprogrammen belegen.
Hab ich euch mißverstanden?
Ach so, nee. Ich habe dich missverstanden. :-)
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