Huhu!
Ich hab den Thread jetzt nur überflogen, aber mag dir trotzdem was antworten.
Ich hab auch Medizin studiert und meine Tochter ganz bewusst und lange geplant im Studium bekommen. Allerdings erst am Ende, also im letzten Semester vor dem PJ.
Der extreme Kinderwunsch kam bei mir von einem Tag auf den anderen und war ähnlich wie bei dir, sprich ich hab mich intensiv mit diversen Babythemen auseinandergesetzt, Schwangerschaft, Geburt, Stillen, Tragen, Wickeln, Ernährung etc. ... Ich wusste im Prinzip, wie ich gern alles anpacken würde.
Nur mein Mann bzw. damals noch Freund, war einfach noch nicht so weit. Wir waren da zwei Jahre zusammen. Er hat bereits gearbeitet (ist 5 Jahre älter als ich), ich war am Anfang des klinischen Studiums. Finanziell wäre es damals schon recht eng geworden, aber möglich gewesen. Und er war auch sicher, dass er mal Kinder möchte und sich das auch gut mit mir vorstellen kann, nur eben nicht zu diesem Zeitpunkt. Hätte er gesagt, er ist sich nicht sicher, überhaupt mal Vater werden zu wollen, hätte das für mich die Beziehung, die sehr gut lief, in Frage gestellt.
Nun ja, ich habe dann versucht, das Thema erstmal ruhen zu lassen und ihn nicht zu drängeln, aber da es mich so sehr beschäftigt hat, ist es doch immer mal wieder "hochgeploppt". Es war also irgendwie gegenwärtig. Im Nachhinein habe ich tatsächlich immer die "Steter Tropfen höhlt den Stein"-Analogie benutzt.
Ich habe ihm auch gesagt, wann ich mir optimalerweise ein Baby wünschen würde und wie ich mir das organisatorisch vorstelle. Ihm war das alles etwas zu geplant, aber wenn es nunmal um den Zeitpunkt geht, wann ich die Pille absetze, ist das ohne Planung halt nicht möglich. Hinter seinem Rücken nicht mehr zu verhüten, wäre für mich nie in Frage gekommen, ich wollte immer, dass er sich ein Baby genauso wünscht wie ich. Klingt vielleicht etwas naiv.
Nun ja, und als das ganze Thema für mich etwa seit einem Jahr dauerpräsent war, hat er mir einen Heiratsantrag gemacht

da wusste ich dann auch, dass für ihn nun auch Kinder in die Nähe rücken, denn das war für ihn immer irgendwie gekoppelt. Zwei Monate später hat er von sich aus gesagt, dass ich ja vielleicht nun die Pille absetzen könnte. So bald hätte ich nicht damit gerechnet, hatte mich erstmal auf weitere etwas konkretere Gespräche eingestellt. Aber so war es für mich perfekt und wir haben dann nicht mehr verhütet.
Ich hatte gehofft, schnell schwanger zu werden, dann mit Minibaby mein letztes Unisemester zu machen und dann ein Semester Pause vor dem PJ. Das mit dem Schwangerwerden hat ein bisschen länger gedauert und schließlich hab ich Nia dann im letzten Semester bekommen. Sie kam im Dezember und bis Februar gingen die Vorlesungen und Kurse, dann noch die letzten Klausuren. Ich muss sagen, es hat super geklappt. Ich habe genau eine Pflichtveranstaltung verpasst, nämlich als ich gerade bei der Geburt war, und zu den anderen die Kleine dann einfach im Tragetuch mitgenommen. Die meisten Dozenten haben das gar nicht gemerkt. Sie hat halt geschlafen oder gestillt. Als sie einmal einen kleinen Laut von sich gegeben hat, meinte der vortragende Prof nur: "Oh, spreche ich zu laut?"

Zum Patientenunterricht konnte Nia natürlich nicht mit, da hab ich sie entweder mit abgepumpter Milch bei Männe gelassen oder er oder meine Mutter haben mit ihr quasi vor der Tür gewartet. Ebenso bei den Klausuren. Die hab ich übrigens ohne Probleme alle bestanden. Und selbst wenn nicht, hätte ich sie ja im folgenden Freisemester nachschreiben können.
Anschließend hab ich dann ein Semester Pause gemacht und bin dann ins PJ gegangen. Hier kann man das in Teilzeit machen, da habe ich dann 75% gemacht und eben etwas länger pro Tertial. Auf den meisten Stationen wäre ich auch mit Vollzeit gut hingekommen, die hatten alle ganz viel Verständnis, wenn mal irgendwas war und ich früher weg musste oder nicht kommen konnte. Aber da ich nicht so der Ellbogentyp bin, hab ich mich wohler gefühlt, offiziell weniger Stunden zu haben und dann auch guten Gewissens gehen zu können.
Nia hatte einen KiTaplatz und mein Mann hat mit ihr die Eingewöhnung gemacht, als ich dann eben auch angefangen hab. Das hat super geklappt, sie hat sich von Anfang an dort wohlgefühlt und geht bis heute sehr gern in den Kindergarten.
In der Lernzeit für's Examen fand ich es gut, einen Ausgleich zu haben. Vormittags hab ich konsequent gelernt und nachmittags war ich auf dem Spielplatz, im Schwimmbad, bei Freunden - was man eben so macht mit Kleinkind

und hatte den Kopf frei für meine Tochter. Hätte ich den ganzen Tag zum Lernen gehabt, wären effektiv vermutlich auch nicht mehr konzentrierte Stunden dabei rumgekommen, nur ohne das Nachmittags"programm". Ich habe das Examen übrigens mit meiner Wunschnote bestanden. Da war ich schon schwanger mit dem Bauchbaby. Wollte eigentlich hochschwanger sein, aber es hat wieder ein bisschen gedauert, bis es geklappt hat.
Das einzige, was mich ein bisschen wurmt, ist dass ich jetzt eben nicht gleich anfangen konnte zu arbeiten, während meine Kommilitonen mittlerweile zum Großteil einen Job haben. Aber letztlich ist das ein kleiner Preis, finde ich. Nächstes Jahr steige ich dann auch ein.
Ich würde alles wieder genauso machen, wenn ich mich nochmal entscheiden müsste. ABER: bei mir ist alles optimal gelaufen. Die Schwangerschaft war völlig unproblematisch, Nia ist gesund, mit der KiTa hat es super geklappt und finanziell stehen wir gut da. Das hätte natürlich auch anders sein können. Ich denke, darüber sollte man sich zwar im Klaren sein, aber letztlich lässt es sich nicht 100% planen und eine problematische Schwangerschaft, ein krankes Kind oder andere unvorhergesehene Probleme können immer auftreten. Meine Meinung war, dass wir dann eben eine Lösung dafür suchen müssen und die dann schon finden werden.
Puh, ganz schön lang geworden

ich hab mich einfach in deinem Ausgangspost so wiedererkannt, dass ich gern was schreiben wollte. Einen Weg müssen du und dein Mann natürlich selbst finden, ich wünsche euch alles Gute dafür
