EllenRipley hat geschrieben: 10.10.2018, 19:02
Ich traue meinen Kindern viel zu und ermutige sie dazu Dinge auszuprobieren, von denen viele Erwachsene denken das könnten sie noch nicht. Sowohl im Haushalt als auch außerhalb, wir lassen sie auch Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf uns alle haben.
Unser 11-jähriger kann ein Essen kochen, einen Friseurtermin ausmachen oder den TÜV zur Hängerabnahme empfangen, wenn wir noch auf der Arbeit sind. Der 8-Jährige kann Erste Hilfe und stabile Seitenlage, das bekommt er hin ( außer ne Reanimation, da hat er im Gegensatz zum Großen noch nicht die Kraft für). Andere Kinder könn(t)en schon ganz frühganz andere Dinge tun, wenn man es ihnen zutrauen würde.
Wenn der Große das Essen anbrennen lässt weil er neben dem Kochen mit dem Handy daddelt, dann ist das eben so. Das bedeutet noch nicht, dass er es nicht kann- nur, dass er einen Fehler gemacht hat und es beim nächsten Mal besser machen kann.
Unsere Kinder sind nicht nur wichtig weil sie unsere Kinder sind und wir sie eh lieben wie verrückt, sondern auch weil sie wichtig für die Abläufe in unserer Familie sind, weil sie ein Teil davon sind. Wenn sie ihre Aufgaben nicht erledigen, Gerät das System ins Wanken. Wenn sie ihre Haustiere nicht füttern, sterben diese. Klar schaue ich ihnen nicht dabei zu wie sie sie verhungern oder verdrecken lassen, aber ich nehme ihnen diese Aufgaben auch nicht ab.
Ich begleite sie darin auch Dinge durchzuziehen, die keinen Spaß machen. Und ermutige sie dazu sich erstmal grundsätzlich alles zuzutrauen- die Erfahrung zeigt dann ob es klappt oder nicht. Wenn es nicht klappt sind wir da und suchen gemeinsam nach einer Lösung ( die nicht darin liegt, dass ich es ihnen abnehme).
Ich versuche ihnen aber auch mitzugeben und vorzumachen dass es im Leben NICHT darauf ankommt, immer sein Bestes zu geben. Dass man ruhig abwägen darf auf was man viel Kraft verwendet und auf was nicht. Dieser Perfektionismus, der Drang immer 120% zu geben, das nutzt letztendlich nur der Wirtschaft und macht Menschen krank. In der Schule bereden wir das oft, wenn viele Arbeiten anstehen und ich nicht möchte dass die gesamte Freizeit vom Lernen gefressen wird wägen wir gemeinsam ab, für welches Fach jetzt viel gemacht wird und für welches Fach keine schwer aufholbaren Lücken entstehen und das dann halt nebenher läuft ( sorry alle Erdkunde-,Reli- Musik- und Kunstlehrer

). Meine Kinder können das noch nicht immer soooo gut abschätzen, das gebe ich dann z.T. mit vor. Sie sollen lernen gut auf sich zu schauen, sich um sich selbst zu kümmern.
Außerdem "verordne" ich unseren Kindern regelmäßig eine Portion Langeweile. Ohne Handy, TV, Bücher und allen Dingen, die sie von sich selbst ablenken. Sie werden dann unheimlich kreativ und machen die dollsten Dinge, jeder auf seine Art. Ich denke nur in den Phasen ohne äußere Einflüsse kann man sich selbst fühlen und erkennen wer man ist, so schmalzig das nun klingt. Und nur wenn man ganz klar weiß wer man ist und was man fühlt, kann und möchte, kann man mit sich im Einklang leben.
Ich verliere diesen Draht zu mir selbst ganz schnell wenn ich sehr auf Ablenkungen fixiert bin, und dann merke ich wie ich gestresst und unzufrieden werde. Deshalb möchte ich, dass diese Verbindung zu sich selbst jetzt in der Kindheit sehr gestärkt wird.
Es geht ja nicht darum, dass das Kind jetzt für seine Zukunft Chinesisch oder was-auch-immer lernt. Es geht darum dass es- wenn demnächst Andorra die Wirtschaftsweltherrschaft übernimmt zum Beispiel- dass die Kinder sich ohne Selbstzweifel zutrauen dass sie es selbstverständlich packen Katalanisch zu lernen und es einfach anpacken. Und es dann auch durchziehen können, wenn es ihnen doch schwerfällt.
Empathie und soziale Dinge kann man wohl nur vorleben. Auch, indem man schon früh etwas Verantwortung übernimmt. Nach Oma und Opa schaut, dort im Garten mit anpackt. Den Nachbarn hilft. Wir leben hier in einem engen Gefüge in dem man sich gegenseitig viel unterstützt, und die Kinder machen das natürlich nach. Ich würde es auch von ihnen einfordern, aber das muss ich nicht.
Ansonsten gibt es auch hier das Bisschen Bullerbü, ja. Schlimme Dinge halten wir in den Details bestmöglich von ihnen fern, klar, jetzt mit fast 12 geht das oft nicht mehr. Aber es sind auch Kinder. Sie sollen wissen dass sie schon ganz ganz viel können, aber sie können sich auch insofern fallenlassen als dass wir ihnen Entscheidungen und Informationen abnehmen, denen sie unserer Meinung nach noch nicht gewachsen sind.
Es gibt - selten- einfach Entscheidungen die wir über ihren Kopf hinaus treffen mit der Begründung, dass wir das nun als Erwachsene besser abschätzen können. Das ist dann auch nicht diskutierbar. Was aber auch bedeutet, dass wir sonst zu 95% demokratisch entscheiden. Wobei- wenn ich mir das Arsenal an Werkzeug und Fuhrwerken so ansehe das Mann und Kinder so ansammeln, dann sehe ich mich da oft nicht so gut vertreten.
Im Endeffekt glaube ich sogar dass die Kinder mehr entscheiden als ich, ich stehe nur im Hintergrund mit Veto.
Ob sie für die Zukunft gut vorbereitet sind- keine Ahnung. Ich denke wir sind oft recht streng im Vergleich zu anderen Eltern, dafür gibt es in manchen Bereichen viel mehr Freiheiten als andere Kinder haben. Ob das gut ist oder nicht- ich weiß es nicht.
Bislang fühlt es sich richtig an, wir haben ein ganz enges Verhältnis und reden fast über alles. Auch über das, was gerade mit unserem Pubertier passiert. Mir ist es wichtig dass er versteht was mit ihm passiert, körperlich aber auch *im Kopf*.
Dennoch wissen sie um unsere Erwartungen die wir an sie haben, die sind meist höher als bei ihren Freunden.