Hi Maja,
ich glaube ein Hauptproblem ist tatsächlich, dass man in Foren a) das Gegenüber nicht sieht und b) nicht hört.
Wie ich deine Worte betone liegt nun an meinem Background und meinen Erfahrungen ... und ich könnte es auch so lesen, dass ich darauf eine Menge schreiben könnte
Für mich ist es keine Meinung, dass Muttermilch "besser" ist als Flaschenmilch, für mich ist dies eine Tatsache, die von der Wissenschaft nachgewiesen ist. Muttermilch ist die am besten angepaßte und angemessenste Ernährung für einen Säugling ... die Flaschenmilch stellt immer die zweite Wahl dar, aber auch hierbei kann man noch mal differenzieren zwischen empfehlenswerteren und weniger empfehlenswerteren Marken und zwischen Fütterungstechniken, ob eine Mutter schnell auf die 1er Milch welchselt und einen 4h Rhythmus einführt oder bei der Pre bleibt und nach Bedarf mit Hautkontakt füttert sind noch mal große Unterschiede. Meine Meinung muss ich aber nicht überall kund tun und es gibt noch mal einen riesigen Bereich zu den Stimmen "Ach, Flaschenmilch ist genauso gut."
Ich finde es tatsächlich sehr wichtig zu gucken, ob ich einen "Auftrag" habe. Wild die Menschheit "belehren" kann ich mir meiner Meinung nach für Bereiche aufheben, in denen es auch wichtig ist, sei es unsoziales oder kriminelles Verhalten meiner Mitbürger, Gewalt gegen Kinder, etc. pp. Eine junge Mutter auf etwas anzusprechen was gerade nicht "Thema" ist sollte ich - als "Professionelle" - genau überlegen ... warum will ich diese Frau ansprechen, was will ich erreichen, was sind meine Intentionen und wie fühle ich mich ... persönliche Involviertheit ist immer ungünstig und tatsächlich missbraucht man dann das Gegenüber für eigene Bedürfnisse ... Beratung sollte immer damit einhergehen Eltern zu stärken ... nun gut, ich denke, dass du diese Haltung eh hast und ich kann aufhören zu schreiben
Das einzige was mir aufgestoßen ist ... o.k. ich bin heute etwas kleinlich ... aber man darf ja in Foren diskutieren:
Maja hat geschrieben:
Das heißt natürlich nicht, dass ich alle nicht-stillenden Frauen als "Weicheier" bezeichnen würde oder missionierend durch die Gegend laufe. Wer mich nicht fragt, dem muss ich auch nicht antworten.
Klar, jede Frau hat ihre eigene Geburts- und Stillgeschichte, und das setzt sich ja auch in der Erziehung fort. Manche sind eben "härter im Nehmen" als andere.
Wer dich nicht fragt ... dem SOLLST du nicht antworten

... denn er hat ja nicht gefragt und daher ist genau abzuwägen wie man das Gespräch führt und leitet, um zum Beispiel ein Überdenken zu einem gewissen Thema beim Gegenüber zu initiieren.
Darüberhinaus ... es hat nicht nur jede Frau ihre Geburts- und Stillgeschichte ... und es ist auch nicht so, dass einfach andere "härter im Nehmen" sind. Die Reaktionsmuster und Reaktionsmöglichkeiten eines Individuums sind so extrem vielfältig begründet, dass es bei weitem nicht am "härter im Nehmen" liegt. Biografien sind vielfältig. Und selbst Menschen, die gemeinsam Opfer einer Katastrophe wurden reagieren zum Teil extrem unterschiedlich.
Je mehr ich mich mit Trauma beschäftige desto klarer wird mir weswegen so viele Menschen, so viele Schutzmechanismen aufbauen müssen und zum Teil Dinge tatsächlich so radikal ausblenden müssen, dass es ihnen zum Teil unmöglich ist andere Sichtweisen vor allem im Beziehungskontext zulassen zu können. Und daher finde ich es wirklich wichtig jeden Menschen (im Beratungskontext) anzunehmen, möglichst vollkommen und ihn zu stärken, zu stärken, zu stärken ... und aufzupassen nicht übers Ziel hinauszuschießen, denn wenn ich ein, zwei Schritte zu weit vordringe, dann kann es sein, dass die Rollgitter runtersacken und das ganze Beratungsgespräch zu einer bevormundenden, missionierenden Selbstdarstellung wird, die man meiner Meinung nach nicht unter ... ich muss "authentisch" bleiben und darf meine "Meinung vertreten" rechtfertigen darf.
Meine Meinung kann ich im Alltag darstellen ... im Beratungskontext muss ich auf meinen Auftrag achten, es geht nämlich dabei nicht um micht ... hierfür gibt es im hauptberuflichen Bereich dann Supervisionen.
Ich meine damit nicht konkret dich, denn ich kenne ich nicht ... mir ist nur wichtig, den Beratungskontext noch mal abzugrenzen, zum normalen Gespräch ... ich hatte echt schon genug mit unprofessionellen Professionellen zu tun.
Und dies alles gilt für die Hebamme und den Arzt genauso ... bei Stillschwierigkeiten hätten diese routinemäßig eine Stillberaterin hinzuziehen müssen.
VG