freundin stillt nach 9 tagen ab

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Wara
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von Wara »

Wenn ich so etwas lese, stimmt mich das traurig. Ich finde es traurig, dass dieses Kind so viel Distanz erleben muss und dass diese Mutter die Chance des Stillens und der grossen Nähe nicht voll nutzen kann. Aber was nicht ist, kann noch werden. Das Stillen zwar nicht, aber eine gute Mutter-Kind-Beziehung kann sich dennoch entwickeln.

In einem gewissen Sinne macht es mich auch wütend. Ich fühle Trauer und Wut über unsere Gesellschaft, in der die Intuition und das Urvertrauen ins Leben so vergraben sind und in der sooooo viel Wissen über Babies verloren gegangen ist. Zum Glück geht's wieder aufwärts mit dem Wissen. Dennoch: So viele Leute haben keine Ahnung und keine Erfahrungen. Und werden dann Eltern. Natürlich kann man sich einlesen, aber dann wird es trotzdem anders erlebt. Viele haben nie etwas mit Babies zu tun gehabt, bis sie Mutter werden - ich zum Beispiel :oops: . Ist doch verrückt. Und dann steht man ganz alleine da mit dem Baby. Zumindest zeitweise. In anderen Kulturen, wenn in grösseren Familienverbunden gelebt wird, wenn mehr Kinder da sind, lernen die älteren Kinder und Jugendlichen tagtäglich vieles über den Umgang mit Babies - einfach weil sie es miterleben. Wir hingegen... Ich war beispielsweise gerade mal 15 Monate alt, als mein (einziger) Bruder zur Welt kam...

Die geringe Wertschätzung des Mutterseins und die Überbewertung des (weiblichen) Körpers als Statussymbol und Sexobjekt tun ihr übriges. Meine Meinung.
Maja
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von Maja »

Lila hat geschrieben: Ansonsten hinkt das Beispiel mit dem Schokoriegel für mich gewaltig. Wenn ich meinem Kind einen Schokoriegel gebe, hat mich niemand anzusprechen, weder in der ersten noch in der zweiten Variante. Vor allem wenn die Person ausgebildet ist (Stillberaterin, Trageberaterin, Ökothropologin) würde ich um eine professionelle Haltung bitten. In dem Moment, in dem eine "Fachfrau" mich ohne Auftrag von der Seite anspricht oder ihre Meinung mir entgegenhaucht überschreitet sie eine Grenze und missbraucht mich ...
Hmm, nö, sehe ich anders. Ich hab ja geschrieben, besonders höflich ist es nicht, das zu kommentieren, aber solange man auf der sachlichen Ebene der Fakten bleibt, halte ich das für kein problematisches Verhalten. Man kann ja schließlich antworten "Danke für den Hinweis, aber das wusste ich bereits", und dann ist es gut. Oder man sagt gar nichts.

In meinen Augen ist es auch als Stillberaterin durchaus eine professionelle Haltung, bei der Meinung zu bleiben, dass Flaschennahrung die schlechtere Variante ist als Muttermilch, und das auch einer nicht-stillenden Mutter zu sagen. Aus Höflichkeitsgründen sage ICH ihr das natürlich nur wenn sie mich in irgendeiner Form anspricht.
Aber ich werde ganz bestimmt nicht in den allgemeinen "Ach die Flaschenmilch ist doch heute fast genauso gut"-Tenor einstimmen, damit sich jemand besser fühlt. Genausowenig wie ich sagen würde "Ach in der Kinderschokolade, da ist doch auch soviel gute Milch drin". Man muss auch authentisch bleiben in seiner Beratung, sonst kann man es gleich lassen.


Das heißt natürlich nicht, dass ich alle nicht-stillenden Frauen als "Weicheier" bezeichnen würde oder missionierend durch die Gegend laufe. Wer mich nicht fragt, dem muss ich auch nicht antworten.
Klar, jede Frau hat ihre eigene Geburts- und Stillgeschichte, und das setzt sich ja auch in der Erziehung fort. Manche sind eben "härter im Nehmen" als andere.
Jede Mutter kommt, immer wieder, an ihre persönlichen Grenzen, wenn es darum geht, die Bedürfnisse des Kindes vollständig zu erfüllen. Und dann hat man immer zwei Möglichkeiten: a) die Grenze dem Kind zuliebe überwinden, auch wenn das mitunter schmerzvoll und anstrengend ist, oder b) das Kind dazu zu bringen, in seinen Bedürfnissen soweit nachzugeben, dass man sie wieder befriedigen kann (selbst das kann noch schmerzvoll und anstrengend genug sein). Diesen Abwägungsprozess macht jede Mutter jeden Tag, im Kleinen und im Großen. Es ist absolut ok, sich immer mal wieder für Variante b) zu entscheiden, wenn man wirklich sorgfältig abgewogen hat, ob die Relation der "Kosten" im Verhältnis zum "Nutzen" in Ordnung ist.
Was mich extrem stört sind Frauen, die nicht oder zuwenig nachdenken und ihre Entscheidung nicht reflektieren. Am schlimmsten sind die, die einfach nur blind irgendwem folgen, anstatt sich ausreichend(!!!) Informationen einzuholen und selbst das Gehirn einzuschalten.
Das gilt übrigens auch für stillende Frauen. Ich habe auch Fälle erlebt, wo Babys schon grenzwertig abgebaut haben, weil die Mutter sich auch in Extremsituationen weigert zuzufüttern. Sowas ist genauso blöd und verbohrt. Und das würde ich der Mutter auch genauso eindeutig sagen.
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ungali
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von ungali »

Ich will mich mal für meine Hebammen-Kolleginnen entschuldigen. Es tut mir leid, dass so viele von ihnen nicht auf dem neusten Stand sind und solche Ratschläge geben. Schade für Mutter und Kind.
Ich würde gern mit Stillberaterinnen im Raum LB zusammenarbeiten, damit ich nciht immer die einzige bin, die Stillen nach Bedarf, Tragen usw. erkläre und die Frauen einfach in eine Stillgruppe schicken könnte! Würde ich total gerne machen! Macht vielleich irgendeine nette Stillberaterin von Euch was in Asperg oder hat Lust, was zu machen???? Ich kann Räume organisieren!!!!

Liebe Grüße
Bettina,
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von jusl »

In meinen Augen ist es auch als Stillberaterin durchaus eine professionelle Haltung, bei der Meinung zu bleiben, dass Flaschennahrung die schlechtere Variante ist als Muttermilch, und das auch einer nicht-stillenden Mutter zu sagen. Aus Höflichkeitsgründen sage ICH ihr das natürlich nur wenn sie mich in irgendeiner Form anspricht.
Nur ganz kurz: die professionelle Haltung einer guten Stillberaterin gibt folgenden Grundsatz vor: niemals Beratung ohne Auftrag! Ungefragt von der Seite anquatschen in Bezug auf Stillen? - OK, wem's ein Bedürfnis ist (höflich finde ich das nicht gerade...) - aber dann bitte nicht als "Stillberaterin"!

LG,
Julia
Lila
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von Lila »

Hi Maja,

ich glaube ein Hauptproblem ist tatsächlich, dass man in Foren a) das Gegenüber nicht sieht und b) nicht hört.
Wie ich deine Worte betone liegt nun an meinem Background und meinen Erfahrungen ... und ich könnte es auch so lesen, dass ich darauf eine Menge schreiben könnte :)
Für mich ist es keine Meinung, dass Muttermilch "besser" ist als Flaschenmilch, für mich ist dies eine Tatsache, die von der Wissenschaft nachgewiesen ist. Muttermilch ist die am besten angepaßte und angemessenste Ernährung für einen Säugling ... die Flaschenmilch stellt immer die zweite Wahl dar, aber auch hierbei kann man noch mal differenzieren zwischen empfehlenswerteren und weniger empfehlenswerteren Marken und zwischen Fütterungstechniken, ob eine Mutter schnell auf die 1er Milch welchselt und einen 4h Rhythmus einführt oder bei der Pre bleibt und nach Bedarf mit Hautkontakt füttert sind noch mal große Unterschiede. Meine Meinung muss ich aber nicht überall kund tun und es gibt noch mal einen riesigen Bereich zu den Stimmen "Ach, Flaschenmilch ist genauso gut."

Ich finde es tatsächlich sehr wichtig zu gucken, ob ich einen "Auftrag" habe. Wild die Menschheit "belehren" kann ich mir meiner Meinung nach für Bereiche aufheben, in denen es auch wichtig ist, sei es unsoziales oder kriminelles Verhalten meiner Mitbürger, Gewalt gegen Kinder, etc. pp. Eine junge Mutter auf etwas anzusprechen was gerade nicht "Thema" ist sollte ich - als "Professionelle" - genau überlegen ... warum will ich diese Frau ansprechen, was will ich erreichen, was sind meine Intentionen und wie fühle ich mich ... persönliche Involviertheit ist immer ungünstig und tatsächlich missbraucht man dann das Gegenüber für eigene Bedürfnisse ... Beratung sollte immer damit einhergehen Eltern zu stärken ... nun gut, ich denke, dass du diese Haltung eh hast und ich kann aufhören zu schreiben :wink:

Das einzige was mir aufgestoßen ist ... o.k. ich bin heute etwas kleinlich ... aber man darf ja in Foren diskutieren:
Maja hat geschrieben: Das heißt natürlich nicht, dass ich alle nicht-stillenden Frauen als "Weicheier" bezeichnen würde oder missionierend durch die Gegend laufe. Wer mich nicht fragt, dem muss ich auch nicht antworten.
Klar, jede Frau hat ihre eigene Geburts- und Stillgeschichte, und das setzt sich ja auch in der Erziehung fort. Manche sind eben "härter im Nehmen" als andere.
Wer dich nicht fragt ... dem SOLLST du nicht antworten :wink: ... denn er hat ja nicht gefragt und daher ist genau abzuwägen wie man das Gespräch führt und leitet, um zum Beispiel ein Überdenken zu einem gewissen Thema beim Gegenüber zu initiieren.

Darüberhinaus ... es hat nicht nur jede Frau ihre Geburts- und Stillgeschichte ... und es ist auch nicht so, dass einfach andere "härter im Nehmen" sind. Die Reaktionsmuster und Reaktionsmöglichkeiten eines Individuums sind so extrem vielfältig begründet, dass es bei weitem nicht am "härter im Nehmen" liegt. Biografien sind vielfältig. Und selbst Menschen, die gemeinsam Opfer einer Katastrophe wurden reagieren zum Teil extrem unterschiedlich.
Je mehr ich mich mit Trauma beschäftige desto klarer wird mir weswegen so viele Menschen, so viele Schutzmechanismen aufbauen müssen und zum Teil Dinge tatsächlich so radikal ausblenden müssen, dass es ihnen zum Teil unmöglich ist andere Sichtweisen vor allem im Beziehungskontext zulassen zu können. Und daher finde ich es wirklich wichtig jeden Menschen (im Beratungskontext) anzunehmen, möglichst vollkommen und ihn zu stärken, zu stärken, zu stärken ... und aufzupassen nicht übers Ziel hinauszuschießen, denn wenn ich ein, zwei Schritte zu weit vordringe, dann kann es sein, dass die Rollgitter runtersacken und das ganze Beratungsgespräch zu einer bevormundenden, missionierenden Selbstdarstellung wird, die man meiner Meinung nach nicht unter ... ich muss "authentisch" bleiben und darf meine "Meinung vertreten" rechtfertigen darf.
Meine Meinung kann ich im Alltag darstellen ... im Beratungskontext muss ich auf meinen Auftrag achten, es geht nämlich dabei nicht um micht ... hierfür gibt es im hauptberuflichen Bereich dann Supervisionen.

Ich meine damit nicht konkret dich, denn ich kenne ich nicht ... mir ist nur wichtig, den Beratungskontext noch mal abzugrenzen, zum normalen Gespräch ... ich hatte echt schon genug mit unprofessionellen Professionellen zu tun.

Und dies alles gilt für die Hebamme und den Arzt genauso ... bei Stillschwierigkeiten hätten diese routinemäßig eine Stillberaterin hinzuziehen müssen.

VG
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aeselschatz
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von aeselschatz »

Voll und ganz bei Lila unterschreibe. Am liebsten mehrfach, weil ich wirklich denke, jede Frau einfach anders ist aufgrund ihrer Geschichte, Kindheit, allen möglichen Erfahrungen. Als umsichtige Beraterin muss frau das einfach akzeptieren - ohne wenn und aber. Das ist manchmal wirklich schwer, weil wir, die wir mit Stillwissen, -erfahrungen und anderen besonderen Informationen und Einstellungen zu Kindern und deren Begleitung voll gestopft sind, halt aus einer anderen, vermeintlich (!) besseren Perspektive auf die Sache schauen die Dinge in die "richtige" Richtung lenken wollen. Aber wir haben nicht das Recht, in irgendeiner Weise an jenen herumzukriteln (und die ungefragte Äußerung meiner Meinung gehört dazu, finde ich) oder herumzudoktern, die nicht so handeln wie wir. Und das scheinen mir viele hier einfach nicht zu verstehen.

Das Dilemma von Beraterinnen aus dem privaten Umfeld der Ratsuchenden ist, wie mir einen LLL-Beraterin sagte, ein uraltes. Eben genau weil diese Distanz unter Fremden fehlt, weil bei Hilfestellungen aus dem privaten Umfeld für die Mutter nicht wirklich die freie Wahl besteht, Tipps anzunehmen oder halt auch anders zu verfahren, ohne jene Freunde vielleicht vor den Kopf zu stoßen (wie in oben stehendem Fall ja geschehen), in deren Ansehen zu sinken und und und ... Natürlich möchten wir gern helfen, und wenn uns befreundete Mütter auf Hilfe ansprechen, ist das doch toll! Aber wir müssen respektieren, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen und in diesem Prozess vielleicht auch unsere fundierten Tipps, Hinweise oder Anleitungen nach eigener Überlegung ablehnen. WIR sind nicht SIE! WIR stecken nicht in IHRER speziellen Situation, mit IHREN ganz persönlichen Lebenserfahrungen, individuellen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen! SIE müssen ihren Weg weitergehen, nicht WIR!

Das zu akzeptieren fällt mir nicht allzu schwer. Es ist schließlich genau das, was ich von anderen an Respekt mir selbst und meinen Entscheidungen gegenüber erwarte - egal ob sie nun das Stillen oder das Haarefärben betreffen. Was mir persönlich so weh tut, sind die Gedanken an die warum auch immer nicht gestillten Babies; und auch hier nicht wegen der entgangenen Muttermilch, sondern wegen der doch ganz besonderen Art von Zuwendung, Nähe und damit Bindung zur Mama, die ihnen SO einfach nicht auf andere Art zuteil werden kann. Aber das ist mein ganz persönlicher Schmerz und nix, was ich argumentierend in die Welt hinaus schreien möchte.

Und zum Thema "Stillberatung": Das ist für mich nicht nur Beratung zum Stillen (schon gar nicht um jeden Preis, das wäre fanatisch und respektlos), sondern rund um das Stillen herum. Dazu gehört in meinen Augen auch die Begleitung eines egal wie motivierten Abstillprozesses, damit er für Mutter und Kind sanft und gesund verläuft.
Liebe Grüße von ... Sandra

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Maja
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von Maja »

Ja, ich sag ja, ICH würde auch keinen von der Seite anquatschen - egal ob Stillen oder Schokolade :wink: Aber wenn jemand das bei mir macht - und in der Sache eindeutig Recht hat - nehm ich sowas auch nicht übel.

Und als Stillberaterin soll man das natürlich schon gar nicht, das ist völlig richtig. Wobei es grad im Bekanntenkreis manchmal schwer ist zu differenzieren: Fragt mich hier jemand als Freundin, oder als erfahrene Mutter, oder als Stillberaterin? Denn das ist dann schon unterschiedlich von der Reaktion her manchmal. Als Freundin würde ich mich sicherlich dazu hinreißen lassen, ordentlich mit über das KH und die Ärzte abzulästern, als Stillberaterin würd ich mir versuchen auf die Zunge zu beißen und lieber retten, was noch zu retten ist, auf einer sachlicheren Ebene.
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ungali
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von ungali »

Ich nochmal.
Ich persönlich würde gern eine Stillberaterin hinzuziehen, wenn Ihr nicht alle soweit weg wärt. :cry:
liebe Grüße
Bettina,
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von Maja »

Lila hat geschrieben: Für mich ist es keine Meinung, dass Muttermilch "besser" ist als Flaschenmilch, für mich ist dies eine Tatsache, die von der Wissenschaft nachgewiesen ist. Muttermilch ist die am besten angepaßte und angemessenste Ernährung für einen Säugling ... die Flaschenmilch stellt immer die zweite Wahl dar, aber auch hierbei kann man noch mal differenzieren zwischen empfehlenswerteren und weniger empfehlenswerteren Marken und zwischen Fütterungstechniken, ob eine Mutter schnell auf die 1er Milch welchselt und einen 4h Rhythmus einführt oder bei der Pre bleibt und nach Bedarf mit Hautkontakt füttert sind noch mal große Unterschiede. Meine Meinung muss ich aber nicht überall kund tun und es gibt noch mal einen riesigen Bereich zu den Stimmen "Ach, Flaschenmilch ist genauso gut."
Ich bin da mit meiner Wortwahl wesentlich sorgfältiger geworden.
Muttermilch ist nicht "besser" oder gar "das Beste" im Vergleich zu Flaschenmilch. Das suggeriert, dass Flaschenmilch gut ist und Muttermilch nur was für die perfektionistischen Supermuttis.
Muttermilch ist die normale und gute Nahrung für einen Säugling. Alles andere ist schlechter. So ist das nunmal. Die Formulierung "Muttermilch ist das Beste für ihr Kind" ist in meinen Augen hochgradig gefährdet und trägt große Mitschuld an den miesen Stillquoten in diesem Land.

Soweit mir bekannt ist, darf ich mich als AFS-Beraterin nicht zu verschiedenen Ersatznahrungsprodukten äußern, im Sinne von Markennamen zu nennen. Aber das kann täuschen, ich bin nicht hundertpro sicher.
Nichtsdestotrotz weiß ich natürlich darüber Bescheid und kann im Zweifelsfall, wenn es sein muss, dazu beraten. Aber nicht als Stillberaterin. Als Stillberaterin hinterfrage ich die Abstillentscheidung, um sie zu verstehen und weil das ggf. relevant für den Abstillprozess ist, und nur wenn ich merke, die Mutter hat das kritisch durchdacht und gut überlegt, was sie da tut, dann bin ich bereit sie zu begleiten und ihr außerhalb meiner Stillberatertätigkeit vielleicht auch ein paar Worte zu den verschiedenen Nahrungen zu sagen.
Allerdings gebe ich ganz offen zu: Wenn eine Mutter die Abstillentscheidung nicht durchdacht hat, und keine Ahnung von den Unterschieden hat, die eine Flaschenmilchfütterung hat, dann bin ich nicht die richtige Abstillberaterin für sie. Denn dann wäre ich alles andere als authentisch. Sowas mache ich persönlich nicht, da ist meine Grenze erreicht. Nicht weil ich ihre Entscheidung nicht toleriere, ist ja ihr Kind, aber weil ich dann nicht mehr in den Spiegel schauen könnte.
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Re: freundin stillt nach 9 tagen ab

Beitrag von Maja »

Lila hat geschrieben: Und daher finde ich es wirklich wichtig jeden Menschen (im Beratungskontext) anzunehmen, möglichst vollkommen und ihn zu stärken, zu stärken, zu stärken ... und aufzupassen nicht übers Ziel hinauszuschießen, denn wenn ich ein, zwei Schritte zu weit vordringe, dann kann es sein, dass die Rollgitter runtersacken und das ganze Beratungsgespräch zu einer bevormundenden, missionierenden Selbstdarstellung wird, die man meiner Meinung nach nicht unter ... ich muss "authentisch" bleiben und darf meine "Meinung vertreten" rechtfertigen darf.
Meine Meinung kann ich im Alltag darstellen ... im Beratungskontext muss ich auf meinen Auftrag achten, es geht nämlich dabei nicht um micht ... hierfür gibt es im hauptberuflichen Bereich dann Supervisionen.
Im Prinzip ja, das ist Professionalität - aber Professionalität ist auch, die eigenen Grenzen zu kennen. Viele Berater - egal welcher Bereich! - sind der Meinung, ihre Ausbildung und ihr Beruf qualifiziert sie dazu, jede Art von Klient "bearbeiten" zu können. Ich halte das für falsch. Meiner Meinung nach muss man sich als professionell Beratender bei jedem einzelnen Fall wieder fragen: Kann ich in DIESEM speziellen Fall helfen, oder hapert es mir a) an Fachwissen oder b) überschreitet es meine persönlichen Grenzen?
Man kann sich ein ganzes Stück in Richtung Klient bzw. in dem Fall ratsuchender Mutter bewegen - aber verbiegen sollte man sich nicht. Das führt zu ganz unschönen und unproduktiven Beratungen, die mehr kaputtmachen als helfen. Die kritische Distanz zu sich selbst sollte man auf jeden Fall haben.
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