hennnamae hat geschrieben:Bienenmeister, ich find dich klasse

Und ich beneide dich ein wenig
Und die Wohnung und der Keller sind immer noch entsetzlich voll. Ich weiß nicht, wo das Zeug alles herkommt. Das belastet mich echt.
Danke für die Blumen, aber beneiden brauch mich keiner. Es erfordert schon eine Menge Disziplin (manchmal auch Zeit), sich von unnötigen Sachen zu trennen. Und ich habe einen Partner, der es mit sich machen lässt, bzw. dem es nicht auffällt, wenn ich Dinge in seiner Abwesenheit entsorgt oder verschenkt habe. Wenn man einen Partner hat, der an seinen Dingen hängt, führt so ein Radikalkurs unweigerlich zu Konfrontationen. So ging es mit unserem Keller. Er wollte die Sachen darin aufheben, dabei hatte ich mir das "magische Jahr" gesetzt. Die Kellersachen in Kisten sortiert und ein Jahr nicht rangegangen (einfacher als man denkt

). Und dann ein Blatt Papier, aufgeschrieben, woran ich mich erinnern kann, was ich aus dem Keller brauche und die darf ich rausholen. Der Rest kommt ungeöffnet weg. Mein Mann hat nicht mitgemacht, aber Petrus. Der Keller ist voll Wasser gelaufen und nun muss alles zum Müllhof.
Eine Sache finde ich kann man immer machen: Überlegen, welche Erinnerungsstücke man wirklich benötigt, um sich zu erinnern. Brauche ich alle Geburtstagskarten, die ich bekommen habe, um mich an mein Geburtsfest vor xx Jahren zu erinnern? Ich klebe also die schönsten Fotos von der Feier ins Album und tackere eine paar Karten, die mir sehr wichtig sind, dazu. Vielleicht auch die Restaurantrechnung und notiere, welchen Cocktail ich getrunken oder was ich gegessen habe. Man muss das ja nicht gleich nach dem Geburtstag machen, vielleicht mit etwas zeitlichem Abstand. Erinnerungsgegenstände, die mich traurig machen, sortiere ich aus. Natürlich habe ich auch ein Kistchen mit Liebesbriefen und so, aber manchmal stelle ich fest, dass ich mich an etwas nicht mehr erinnern kann oder möchte, oder dass ich den Brief dazu nicht mehr benötige. Als meine Oma gestorben ist, habe ich jeden Geschenk-Anhänger, jeden Einkaufszettel aufgehoben, den ich finden konnte. Iirgendwann hat mich das sehr belastet und ich empfand, dass ich mich nicht durch die Masse besser erinnern kann, eher, wenn ich einzelne Stücke alleinstehend betrachten kann. Also habe ich die wichtigsten Sachen in ein Album geklebt, Gedichte, Rezepte usw. und mit Fotos ergänzt, und einem Stück Stoff, das ich aus einem Kleid herausgetrennt habe. So habe ich einen konkreten und würdigen Ort der Erinnerung geschafft und muss nicht mehr fürchten, eine unaufgeräumte, überquellende Schublade zu öffnen.
So kann man es eigentlich auf viele Dinge erweitern: Mein Mann hat früher Tennis gespielt und hat mehrere Schläger. Natürlich braucht er die nicht und im Gegenteil, sie unbenutzt verstauben zu sehen, macht mehr traurig als fröhlich. Bei seiner Mama habe ich Fotos besorgt, worauf er Tennis spielt. Ich möchte sie rahmen und aufhängen, vielleicht hilft ihm das mehr, als die staubigen Schläger. Vielleicht wird sein Interesse an dem Sport wieder geweckt und die Schläger werden wieder benutzt, kommen aus unserem feuchten Keller raus ans Tageslicht.
So versuche ich Ordnung zu schaffen, denn ich denke, die (Un-)Ordnung um uns herum, spiegelt die (Un-)Ordnung in unserem Geist. Nun hat jeder einfach ein anderes Temperament, ich brauche ein klares und ruhiges zu Haus um mich zu beruhigen und von Nervosität zu befreien. Andere brauchen ein kramiges Bad, mit Tuben und Fläschchen und Kerzchen und Dekoschals, um sich heimelig und geborgen zu fühlen.
Wen seine Unordnung (die nicht sichtbar sein muss) allerdings belastet, könnte es helfen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Ehrenamtlich habe ich mal bei Entrümpelungen geholfen und Menschen begleitet, sich von ihren Altlasten zu trennen. Das war eine sehr lehrreiche und auch traurige Zeit. Eine scheinbar aufgeräumte Wohnung kann soviel ungeklärtes in sich tragen, unglaublich. Eines kann ich sagen: Wer an dem Punkt angekommen ist, auszusortieren, war hinterher erleichtert und glücklich, den Schritt gewagt zu haben.