Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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fritzeline
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von fritzeline »

marscygale hat geschrieben:Fritzeline, sicher entwickelt sich die deutsche Sprache "besser", wenn zu Hause beide Eltern deutsch sprechen, nur deutsche Hörspiele etc. angeboten werden. Jedes Elternteil sollte in der Sprache sprechen, mit der er sich am wohlsten fühlt, denn das merkt das Kind meiner Meinung nach.

Mein Kind hört mich eben sehr oft französisch sprechen, da mein Partner eben kein deutsch spricht. Das tut aber dem Erlernen der beiden Sprachen keinen Abbruch, nur dass er eben französisch etwas besser als deutsch spricht, also vom "kindlichen" Wortschatz her, da er eben mehr Kontakt zu französischen Kindern hat.
Wie alt ist denn dein Sohn gerade, wenn ich fragen darf? Ich mache mir da auch keine zu grossen Gedanken bzw. Sorgen. So wie bei euch hört sich das ganz normal an und da wollen wir auch hin. Für mich ist nur wichtig, dass er eben immer in der Lage sein wird, sich mit seinen deutschen Grosseltern verständigen zu können und dass er auch in Deutschland zurecht kommt (sprachlich), wenn wir dann doch mal wieder dahin zurück ziehen.

Ich hab nur ein klein wenig Angst, dass das Englisch vielleicht zu dominant werden könnte. Noch reden wir Deutsch zu Hause und noch redet mein Mann Deutsch mit ihm, aber ich möchte nicht ausschliessen, dass sich das mal ändert. Jetzt hat mein Mann ja täglich Englisch um sich und vielleicht gewöhnt er sich so sehr daran, dass es für ihn auch natürlicher wird, Englisch mit dem Kleinen zu sprechen. Aber selbst dann, wenn ich bei Deutsch bleibe, dann ist da ja eigentlich keine Gefahr gegeben, dass der Kleine davon so gar nix mitbekommt :lol: Ich werd dennoch mal schauen, ob ich hier auch ein paar Deutsche finde, die man sich zu Freunden machen kann. Kann ja nicht schaden - auch mir nicht.

Bei Marseille werd ich direkt neidisch, wenn ich an das Meer und eure Sommer denke während ich im verregneten Birmingham bei meinem 5 o'clock tea sitzen werde den ganzen Sommer über :mrgreen:

Und @Thistle: Das klingt auf jeden Fall auch interessant und ist ja wirklich das gleiche wie bei uns, nur umgekehrt wie du schon sagtest. Also eigentlich wie es bei meinem Mann war als er ein Kind mit englischen Eltern in Deutschland war. Bei ihm klappte es wie gesagt super und er spricht beides perfekt. Ich denk also, ihr seid da auch auf einem guten Weg.

@all: Warum ich mir diese Gedanken überhaupt mache: Freunde meines Mannes sind ein Britisch-Holländischer Mix mit 2 Kindern, die in England wohnen. Bei denen ist es so, dass die KInder nicht viel Holländisch verstehen, aber angeblich hat die Mutter immer Holländisch mit ihnen gesprochen. Nur versteht der Mann wohl kein Wort Holländisch und so war Englisch dann doch sehr dominant, sowohl zu Hause als auch im sonstigen Umfeld. Ich kenn die Leute aber noch nicht und kenn so nur die Erzählungen meines Mannes. Ich bin aber schon gespannt, sie mal kennenzulernen.
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marscygale
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

:lol: jaja, heut wars schon sehr frühlingshaft bei uns 8) obwohl die Meeresluft im Zentrum von Marseille, wo wir wohnen, nicht zu riechen ist, aber is ja nebenan :D

Also, dass Kinder, wenn regelmässig/durchgehend (!) ein Elternteil die Sprache spricht, die Sprache dann nicht verstehen, glaube ich nicht. Ich kann mir eher vorstellen, dass die Kinder vielleicht nur so "tun" als ob sie es nicht verstehen, oder eben verstehen, aber nicht sprechen.

Mein Sohn ist jetzt 4 Jahre alt, er spricht beide Sprache schlechter als andere gleichaltrige durchschnittlich gut sprechende Kinder, ob deutsch oder französisch. Er mischt jedoch nie, hat das auch nie gemacht und spricht mit mir ausschliesslich deutsch und springt auch ansonsten ohne Probleme zwischen den Sprachen. Ich organisiere hier jeden Mittwoch einen deutsch-Treff und die grÖsseren Kinder sprechen dann auch deutsch untereinander, alle so mit französischen Akzent (also was so die Satzstellung etc. angeht).
Grüsse
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fritzeline
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von fritzeline »

Ich denke auch, es ist unmöglich, eine der Sprachen nicht zu verstehen, wenn man sie gewöhnt ist von klein auf und auch sonst fällt es Kindern ja viel leichter, Sprachen hinzuzulernen als Erwachsenen. Also auch wenn man mit einem 5jährigen, der nur Deutsch kann, in ein anderssprachiges land ziehen würde, würde er sich die Sprache aneignen. Von daher erscheint es mir wirklich unvorstellbar, dass zweisprachige Kinder nicht wirklich beide Sprachen kennen. Dass sie die vielleicht nicht SO gut beherrschen wie einsprachige Kinder ist natürlich, aber hey, dafür sind es ja auch 2 Sprachen! Ich denke aber auch, dass dein Kleiner seine Französisch-Defizite noch aufholen wird, weil es einfach die dominante Sprache ist und er dort ja auch mal zur Schule gehen wird. Somit kann er dann mal eine Sprache perfekt und Deutsch so gut wie perfekt. Was will man mehr? :)

Auf deinen ersten Satz geh ich jetzt aber nicht weiter ein...pöh :-P
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

mein kind versteht inzwischen eindeutig alle drei sprachen sehr gut, spricht selber sehr wenig und macht auch manchmal so mischwörter. aus occhi und augen macht er so was wie auki oder so. sorgen mache ich mir aber absolut keine. wir halten uns auch nicht sklavisch an OPOL. das wird schon, das schafft er :mrgreen:
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Mami22As »

Also ich bin hier auch die einzige Deutschquelle fuer meine Kinder. Ab und an kommen meine deutschen Freundinnen vorbei und wir quatschen und die reden dann auch deutsch mti meinen Kindern, oder eben Oma und Opa per Skype ab und zu. Ich habe von Anfang an nur deutsch mit beiden gesprochen und sie verstehen mich einwandfrei (hoeren ist was anderes :D ). Adam (knapp 4) strengt sich an deutsch zu reden und manchmal uebersetze ich Saetze, die er in englisch sagt, ins deutsche und bitte ihn es zu wiederholen. Das macht er auch ganz gerne, manchmal ist er auch frustriert denn die Woerter koennen ja manchmal ganz schoen lang werden im deutschen :). Sie koennen einige Liederchen singen und ansonsten alltaegliche Saetze sagen wie "Marty ist weggelaufen" oder "Kann ich meinen Saft haben" oder "I wanna sleep on the Fussboden" oder "Mama, I go on the Fussweg because there's Autos auf der Strasse" :P .

Manchmal werd ich leicht panisch weil ich Angst habe, dass ich den Faden verlier und sie nicht weiterlernen bzw. ich aufgebe aber nun mach ich es schon so lange und mittlerweile ist es auch ganz normal deutsch mit ihnen zu reden, Anfangs war es komsich mit einem Baby ne andere Sprache zu reden. Meine US Freundinnen hier akzeptieren die andere Sprache auch, keiner beschwert sich, dass sie mich nciht verstehen. Ich red ja nicht ueber Quantenphysik mit den beiden, es geht meist um belanglose Dinge ueber die man halt mit Kindern diskutiert.

Ich habe die beiden heute in der deutschen Samstagsschule in Houston angemeldet. Ab August geht es los, einmal die Woche fuer zwei STunden zur Spielgruppe und dann - in ein paar Jahren - dann auch normaler Schulunterricht.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Ängste, dass die weniger dominante(n) Sprache(n) zu kurz, hat jeder glaub ich. Da hängt ja so viel mehr mit dran, als nur das einfache Sprechen.
Treffen mit gleichsprachigen Kindern/Erwachsenen, hab ich als vorteilhaft empfunden, Samy weiss ganz genau wer auch deutsch spricht bzw. es nicht versteht und stellt sich da ganz drauf ein.

Übrigens geht Samy schon zur Schule, zur Vorschule, hier gibt es leider keinen Kiga, ab und zu geht er Mittwoch vormittags in eine Art KIndergarten, is aber sehr teuer. Wie ist das in den anderen Ländern (Staten, England, Italien etc.)? Wie wird da die Mehrsprachigkeit aufgenommen?
Grüsse
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von EhUKr »

Mein Sohn geht an eine englisch-sprachige Schule, ich glaub an der Schule ist die grosse Mehrheit zwei- oder mehrsprachig. Die meisten ghanaischen Kinder sprechen zuhause wenigstens noch eine lokale Sprache oder die Sprache des nicht-ghanaischen Elternteils, die nicht-ghanaischen Kinder sind zum grossen Teil nicht aus englisch sprachigen Ländern und sprechen somit zuhause auch eine andere Sprache. Insofern ist die Zweisprachigkeit viel eher normal als die Einsprachigkeit und somit mit keinen Problemen verbunden. An der Schule wird ausschliesslich Englisch gesprochen, da es eben für viele Kinder nicht die Erst-Sprache ist, Die Schule ist, wie die meisten Schulen hier, eine Tagesschule, die Kinder essen Mittag dort und am Nachmittag gibts Activities, Sport, Kunst etc.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von marscygale »

Das hört sich ja nett an. Hier in Frankreich ist, obwohl wir in einer multikulturellen Stadt leben, Mehrsprachigkeit immernoch ein zwiespältiges Thema. Die Franzosen sind eben sehr stolz auf ihre Sprache. Ich spreche durchgehend deutsch mit meinem Sohn, und wenn ich sage, ich spreche nie französisch mit ihm, dann finden das manche hier schon komisch bzw. sehen es als ein Ablehnen der französischen Sprache an. Deutsch gehört ja noch zu den "guten" Sprachen, ist es jedoch kurdisch, rumänisch etc. wird es schon als negativ betrachtet. Bzw. als ein Verweigern des sich-integrieren-wollen (Gruss an unseren Präsidenten :roll: )
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

hier finden es alle ganz toll, dass unser sohn mehrsprachig aufwächst - italiener haben ja auch grundsätzlich eher ein problem mit fremdsprachen wegen traditionell besonders miesem schulunterricht.. :roll: es wird von allen als totaler vorteil fürs kind angesehen. wir kennen ansonsten niemand mehrsprachiges, ach doch, ein chinesisch-italienisch-englisches kind :D .

mit schule und kindergarten weiß ich nicht. wir wollen unser kind eh zu hause behalten (außer er will von sich aus), deshalb machen wir uns da keinen kopf. und da wir beide zu hause sind, kriegt er alle sprachen auch relativ gleichmäßig ab (englisch als umgangssprache zwischen meinem mann und mir und halt unsere jeweiligen muttersprachen).

ich fand es nie schwierig, mit meinem kind deutsch zu reden. ich finde es eher schwierig, mit anderen kindern NICHT deutsch zu reden :oops: . mit babies und kleinstkindern spreche ich immer deutsch. wenn sie älter werden geht das natürlich nicht mehr und es für mich ganz merkwürdig, ein kind auf italienisch anzusprechen.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Mami22As »

MEhrsprachigkeit ist hier auch ganz normal. Hier in Texas gibt es viele Mexikaner und die meisten Kinder wachsen mit Englisch und eben Mexikanisch auf. Viele uebersetzen fuer ihre eltern, weil die es nie gelernt haben englisch zu reden.

Ich = als Deutsche - bin hier eher die Ausnahme und werd immer mit grossen Augen angeschaut und gefragt, wie ich das denn haendele mit den beiden Sprachen. Dabei machen es die Mexikaner ja auch nicht anders...

Es gibt hier auch einen deutschen Kindergarten aber jeden Tag eine Stunde nach Houston rausfahren udn dann wieder heim ist zu viel. Von daher muss die Samstagsschule herhalten. Fuer ein Jahr (32 Samstage) zahlen wir - fuer beide Kinder - etwa 800 dollar.
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