Probieren einfordern ja oder nein

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

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Elena
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Elena »

talismama hat geschrieben: Im Sommer haben wir oft Wassermelone gegessen, die er stets ablehnte mit den Worten "Das mag ich nicht". Und da sage ich schon "Du kannst nicht wissen, ob du es nicht magst, wenn du nicht probiert hast. Also probier doch erstmal!" - Und keine Sorge: ich habe ihn nicht gezwungen, er hat sie nicht nur zuliebe gegessen und er dufte trotzdem Kekse essen. ;-)
Dann ist ja gut. :lol:

Ich habe übrigens ein Kind, das sich IMMER auf Aufforderungen, etwas zu probieren, weigern würde. Schon aus Prinzip. Da bringt es mehr, nichts zu sagen. Die Schwester ist anders, zu ihr sage ich schon mal "Probier doch mal, ich glaube, das würde dir schmecken". Und manchmal probiert sie es dann auch. Ich denke, die Aufforderung oder Bitte oder der Vorschlag zu Probieren wird bei unterschiedlichen Kindern sehr unterschiedlich ankommen und Unterschiedliches Auslösen. Deshalb vielleicht auch die schwierige Diskussion hier. :roll:

Mir ist es nicht wichtig, dass meine Kinder sehr viel verschiedenes essen. Mir ist es wichtig, dass sie sich gesund ernähren und: Dass sie sich benehmen können im Sinne von: den andern nicht durch exzessives "Igitt!" den Appetit verderben oder freundlich ablehnen und nicht motzen, wenn sie woanders etwas nicht essen möchten oder gerade etwas auf dem Tisch steht, das sie nicht mögen. Beides lässt sich hier problemlos ohne Probierzwang oder Probierbitten erreichen.
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Sakura
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Sakura »

talismama hat geschrieben:Und da sage ich schon "Du kannst nicht wissen, ob du es nicht magst, wenn du nicht probiert hast.
Dieser Satz läuft für mich nicht unter Probierzwang, sondern unter klassischer Logik.
Probierzwang - wie auch immer das zu definieren ist - hat mindestens die Threadstarterin so beschrieben:
jana03 hat geschrieben:interessieren ob eure Kinder alle Lebensmittel beim essen probieren müssen oder ob sie frei auswählen dürfen was sie essen?
Da sehe ich eine großen Unterschied zu dem, was Sina oben beschreibt.


Dass man Sachen plötzlich und grundlos nicht mehr mag: ja, kenne ich. Ich habe bis ca. Schulanfang begeistert irgendeine Wurstsorte gegessen. Ab da wurde mir übel, wenn sie mir meine Mutter aufs Brot gemacht hat. Ich habe wohl auch als Kleinkind mal gedünstete Karotten gegessen, ab dann 30 Jahre gar nicht mehr oder nur roh. Es gibt bestimmt eine Handvoll Lebensmittel, die ich mal eine Zeitlang sehr gern gegessen habe, und dann irgendwann nicht mehr ran konnte.
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Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
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vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)

xiongmao
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von xiongmao »

Ich habe als Kind Omas Käsesuppe geliebt. Hab sie immer gewünscht, wenn ich bei ihr war und hab die nächsten zwei Tage die Reste gegessen. Einmal hab ich zu viel gegessen und mir war etwas übel. Nicht doll, aber es reichte, um meine geliebte Suppe mit Übelkeit zu verbinden in meinem Kopf. Ich hab erst über 10 Jahre später wieder angefangen, sie zu essen.
Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten.
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Großmaus
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Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Kinsale hat geschrieben:Pupu, ich finde nicht, dass man Essen (das man in den Mund stecken und sehr intensiv spüren und schmecken soll) mit der Begegnung mit Menschen unbekannten Aussehens vergleichen kann.
Ich kann auch offen auf Menschen zugehen, wenn ich ohne je probiert oder auch nur gerochen habe, wie Schnecken schmecken, ablehne, welche zu essen. [emoji6]
;)
Und Kinder achten doch eh nicht darauf, welche Hautfarbe ein Mensch nun hat. Meine zumindest nicht.
Lösche Benutzer 5914

Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Lösche Benutzer 5914 »

mamoto hat geschrieben:Gerade zum Beispiel Melone nicht probieren und sagen man mag sie nicht: ich kann den Geruch von Honig und Zuckermelonen nicht ausstehen. Ohne sie je probiert zu haben, kann ich ganz sicher sagen, ich mag sie nicht. Weil mich der Geruch ( so ists auch bei Käse und Fleisch und was weiß ich noch) abstößt. Und Wassermelone riecht auch sehr stark. Ich kann das Kind also gut verstehen.
Ich trinke übrigens auch keinen Sekt, weil der für mich stinkt. Hab es irgendwann mal an Silvester probieren sollen ( so mit 20) und musste spucken. Fazit: riecht komisch, kann ich nicht ohne brechreiz essen/trinken. Oh und ich habe sehr häufig ein Problem mit der Haptik beim essen. Ich kann echt nix essen, was glibberig ist. Nix. Kein Pudding, kein Milchreis, nix in der Art. Also wollte ich auch noch nie Austern probieren, weil die eben leider schon so aussehen wie wackelpudding und mir bei der Vorstellung das essen zu müssen leider schon wieder schlecht wird.
Warum gesteht man sowas also Kindern nicht zu? Nur weil sie es noch nicht so erklären können?
Zum Thema Geruch: da bin ich geteilter Meinung. Auf der einen Seite finde ich gerade jetzt in der schwangerschaft, dass der Geruchsinn für mich enorm hilfreich ist, um zu schauen, ob ich etwas essen kann oder nicht. Ich habe jetzt ja über 2 Monate mehrmals täglich gespuckt und mir wird (aber das ist ganz Tagesformabhängig) auch bei bestimmten Lebensmitteln übel. Dinge, die ich sonst mag, gehen irgendwie nicht oder ich vertrage sie für den Moment nicht. Ich habe mir schon mein Brötchen mit Kochschinken belegt, den ich sonst gerne esse, habe daran gerochen und wusste "Nein, kann ich gerade nicht essen!" Aber auf der anderen Seite habe ich auch schon den Geruch mancher Dinge nicht gemacht, dennoch probiert und fand, dass sich der Eindruck von dem Lebensmittel für mich ändert, wenn Geruch und Geschmack zusammenkommen. Bei Fisch war das lange so, dass ich den Geruch nicht mochte und deshalb nicht probiert habe. Aber mit dem Probieren hat sich das für mich geändert, das Erlebnis ist mit dem in-den-Mund-stecken irgendwie ganzheitlicher geworden und ich mag seitdem gerne Fisch und finde den Geschmack auch nicht mehr so streng.

Du fragst "Warum gesteht man das Kindern nicht zu?" - Ich frage mal zurück: hast du hier irgendwen gelesen, der Kinder nicht zugesteht, Dinge nicht zu mögen oder aus bestimmten Dingen abzulehnen? Ich habe hier eigentlich ausschließlich (wenn ich mich recht erinnere) von Eltern gelesen, die schon gerne möchten, dass ihre Kinder probieren, aber niemand hat das "durchgesetzt", erzwungen oder den Kindern ein "Nein" als Antwort darauf nicht zugestanden.

Ich denke übrigens, dass mein Sohn mir das erklären könnte, wenn er Gründe für deine Ablehnung hätte. Er konnte mir auch zu dem Risotto, dass er nach dem Probieren in großen Mengen gegessen hat (!), sagen "Das sieht matschig aus!" - aber da täuschte ihn seine Ablehnung durch die Optik/Haptik. Er mochte es trotzdem und hat es nach dem Probieren gerne gegessen. Ich könnte mir eher vorstellen, dass es bei ihm so ist, wie Elena schreibt: wenn man ihm sagt, er solle probieren, tut er es aus Prinzip nicht, weil wir es ihm sagen. Er hat selbst die Oreo-Kekse, die seine Schwester lobpreisend anbot mit den Worten"Mmmmh, saulecker, die musst du probieren!" nicht gegessen. Aber auch da wächst man ja mit seinen Erfahrungen und seinen Kindern. Meine Tochter fand den Rat "Probier das doch, ich denke du magst das!" nicht problematisch.
xiongmao
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Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von xiongmao »

Sandküste hat geschrieben:
Kinsale hat geschrieben:Pupu, ich finde nicht, dass man Essen (das man in den Mund stecken und sehr intensiv spüren und schmecken soll) mit der Begegnung mit Menschen unbekannten Aussehens vergleichen kann.
Ich kann auch offen auf Menschen zugehen, wenn ich ohne je probiert oder auch nur gerochen habe, wie Schnecken schmecken, ablehne, welche zu essen. [emoji6]
;)
Und Kinder achten doch eh nicht darauf, welche Hautfarbe ein Mensch nun hat. Meine zumindest nicht.


Dazu mag ich mich mal selber zitieren, aus dem "Alltagsrassismus"-Thread:



xiongmao hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob es hier hin gehört, aber ich kopiere einfach mal. Eine Facebook-Freundin aus den USA postete das letztens, den Namen hab ich mal durch andere Wörter ersetzt.
This is a story that makes me proud of my daughter, but not so proud of myself... My daughter was 3 and we were visiting someone in prison for the first time. I was very nervous, but at three, for her, it was just another adventure. We visited in an open visiting room and she made friends with a little boy who was a bit younger than she was. He was the son of a man that befriended the person we were visiting. Every mother's dream, they played, shared and made it easier for us adults to visit and talk....That night while at our hotel room, I asked her how she felt about the day. She replied, "Oh Mommy, that purple boy was soooooo nice!"...Well, the boy was a black child and very dark, but certainly not purple!!....We were going back to visit the next day and I was afraid she may call him purple and wasn't sure how well that would go over, so I tried to explain to her that he was dark brown and not purple. No matter what I said, she still insisted he was purple. Finally, I put my arm next to hers and said, what color would you say I am? She looked at my arm then at my face with a look that said I was the dumbest person in the world and said, "Not his skin Mommy, his shirt!!" I indeed felt like the dumbest person alive. I am not prejudice in any way, but I'd pointed out something she hadn't even noticed and I never noticed the color of his shirt....Fortunately, I learned a lot from that experience and it has made me a better person. I'm profoundly grateful that my amazing daughter still feels the same.
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Grünfrosch »

Elena hat geschrieben: Ich habe übrigens ein Kind, das sich IMMER auf Aufforderungen, etwas zu probieren, weigern würde. Schon aus Prinzip. Da bringt es mehr, nichts zu sagen.
Das ist hier genauso. Und ich weiß auch genau, wie sich das anfühlt, denn ich war genauso. :lol:
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Pupu »

Sandküste hat geschrieben:
Kinsale hat geschrieben:Pupu, ich finde nicht, dass man Essen (das man in den Mund stecken und sehr intensiv spüren und schmecken soll) mit der Begegnung mit Menschen unbekannten Aussehens vergleichen kann.
Ich kann auch offen auf Menschen zugehen, wenn ich ohne je probiert oder auch nur gerochen habe, wie Schnecken schmecken, ablehne, welche zu essen. [emoji6]
;)
Und Kinder achten doch eh nicht darauf, welche Hautfarbe ein Mensch nun hat. Meine zumindest nicht.
Doch, klar achten sie darauf. Sie messen dem lediglich weniger Bedeutung bei. Aber sie sind nicht farbenblind. Und klar kommen da auch manchmal Fragen. Und klar ist da im ersten Moment auch Neugier bzw Verunsicherung - sie lassen sich nur nicht so leicht von Vorurteilen leiten, weil sie noch nicht so sehr mit ihnen belastet sind, und so gewinnt die Neugier über die Verunsicherung. Für Kinder hat "andere Hautfarbe" wohl etwa den gleichen Stellenwert wie "ungewöhnliche Frisur" - sie sind da schlicht viel weniger vorbelastet. Blind sind sie dennoch nicht. Aber das ist ja hier auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass ich möchte, dass meine Kinder generell ungewohnten Dingen offen gegenüberstehen. Und klar - Skepsis darf und muss sein, sie sollen nicht blind zu allem "ja, hier!" schreien. Aber sie sollen auch NICHT blind "nein!" schreien. Und genau DAS ist es, was ich bei ihnen bemängele: dass teils das EINZIGE Kriterium, ein neues Essen anzulehnen, folgendes ist:
- sie kennen es nicht oder
- die Schwester hat es schief angeguckt

Und das alles, bevor sie es überhaupt mal genauer inspiziert haben.
Also fordere ich sie auf, sich einen Moment lang intensiver damit zu beschäftigen.

Ich zwinge sie nicht, es in den Mund zu stecken.
Ich zwinge sie nicht, es mögen zu müssen.
Ich zwinge sie nichtmal, es auf ihren Teller zu tun oder ähnliches.
Sie haben jederzeit die Wahl, es abzulehnen - aber erst dann, wenn sie es sich zumindest genauer angeschaut haben!

Ich stelle mich in die Küche und koche für die ganze Familie - und da gehört es meiner Meinung nach einfach dazu, dass man das auch ein wenig wertzuschätzen weiß, dass ich mir da Arbeit gemacht habe. Genauso wie es meine Kinder ärgern würde, wenn sie sich Mühe mit etwas gemacht haben (z.B. eine Sandburg bauen, ein Bild malen, weiß der Geier) und ich würde es nicht beachten, sondern das Bild wegwerfen ohne es überhaupt angeschaut zu haben. Das fänden meine Kinder blöd. Und ich finde es blöd, wenn meine Kinder "mag ich nicht" sagen, ohne das Essen überhaupt genauer angeschaut zu haben. Ich finde, sie dürfen ruhig lernen, dass Wertschätzung für alle gilt und wichtig ist.

Übrigens: der beste Weg, um zu erreichen, dass meine Kinder dem Essen positiv geneigt sind, ist, sie mitkochen zu lassen. Geht nicht immer, aber wenn, dann sind sie a) stolz drauf und b) wissen sie was drin ist. Das heißt noch lange nicht, dass sie es auch essen, aber sie sind offener dafür. Manchmal reicht auch, die Zutaten aufzuzählen, dass aus großer Skepsis ein Kosten folgt.

Und ich sag es nochmal: niemand wird zum Kosten gezwungen. Aber sie werden nachdrücklich darum gebeten, es wenigstens mal zu probieren. Mache ich bei meinem Mann übrigens genauso. Bei Freunden auch. Es hat sich noch niemand über seelische Gewalt oder unangemessene Methoden beschwert bisher...

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Nuala
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Re: Probieren einfordern ja oder nein

Beitrag von Nuala »

Ich sehe und handhabe es wie Pupu.
Und wir haben ein lustiges Spiel: den Trommelwirbel. Alle klopfen mit den Zeigefingern am Tisch während das Kind den Löffel selbst zum Mund schiebt und sobald es drin ist, klatschen wir einmal in die Hände und sagen "Tschschsch!!!" Meine Kinder lieben das. Allein dafür kosten sie gerne was Neues (oder auch was altes). Wer aber absolut nicht will muss nicht.
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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