Sandküste hat geschrieben:Kinsale hat geschrieben:Pupu, ich finde nicht, dass man Essen (das man in den Mund stecken und sehr intensiv spüren und schmecken soll) mit der Begegnung mit Menschen unbekannten Aussehens vergleichen kann.
Ich kann auch offen auf Menschen zugehen, wenn ich ohne je probiert oder auch nur gerochen habe, wie Schnecken schmecken, ablehne, welche zu essen. [emoji6]

Und Kinder achten doch eh nicht darauf, welche Hautfarbe ein Mensch nun hat. Meine zumindest nicht.
Doch, klar achten sie darauf. Sie messen dem lediglich weniger Bedeutung bei. Aber sie sind nicht farbenblind. Und klar kommen da auch manchmal Fragen. Und klar ist da im ersten Moment auch Neugier bzw Verunsicherung - sie lassen sich nur nicht so leicht von Vorurteilen leiten, weil sie noch nicht so sehr mit ihnen belastet sind, und so gewinnt die Neugier über die Verunsicherung. Für Kinder hat "andere Hautfarbe" wohl etwa den gleichen Stellenwert wie "ungewöhnliche Frisur" - sie sind da schlicht viel weniger vorbelastet. Blind sind sie dennoch nicht. Aber das ist ja hier auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass ich möchte, dass meine Kinder generell ungewohnten Dingen offen gegenüberstehen. Und klar - Skepsis darf und muss sein, sie sollen nicht blind zu allem "ja, hier!" schreien. Aber sie sollen auch NICHT blind "nein!" schreien. Und genau DAS ist es, was ich bei ihnen bemängele: dass teils das EINZIGE Kriterium, ein neues Essen anzulehnen, folgendes ist:
- sie kennen es nicht oder
- die Schwester hat es schief angeguckt
Und das alles, bevor sie es überhaupt mal genauer inspiziert haben.
Also fordere ich sie auf, sich einen Moment lang intensiver damit zu beschäftigen.
Ich zwinge sie nicht, es in den Mund zu stecken.
Ich zwinge sie nicht, es mögen zu müssen.
Ich zwinge sie nichtmal, es auf ihren Teller zu tun oder ähnliches.
Sie haben jederzeit die Wahl, es abzulehnen - aber erst dann, wenn sie es sich zumindest genauer angeschaut haben!
Ich stelle mich in die Küche und koche für die ganze Familie - und da gehört es meiner Meinung nach einfach dazu, dass man das auch ein wenig wertzuschätzen weiß, dass ich mir da Arbeit gemacht habe. Genauso wie es meine Kinder ärgern würde, wenn sie sich Mühe mit etwas gemacht haben (z.B. eine Sandburg bauen, ein Bild malen, weiß der Geier) und ich würde es nicht beachten, sondern das Bild wegwerfen ohne es überhaupt angeschaut zu haben. Das fänden meine Kinder blöd. Und ich finde es blöd, wenn meine Kinder "mag ich nicht" sagen, ohne das Essen überhaupt genauer angeschaut zu haben. Ich finde, sie dürfen ruhig lernen, dass Wertschätzung für alle gilt und wichtig ist.
Übrigens: der beste Weg, um zu erreichen, dass meine Kinder dem Essen positiv geneigt sind, ist, sie mitkochen zu lassen. Geht nicht immer, aber wenn, dann sind sie a) stolz drauf und b) wissen sie was drin ist. Das heißt noch lange nicht, dass sie es auch essen, aber sie sind offener dafür. Manchmal reicht auch, die Zutaten aufzuzählen, dass aus großer Skepsis ein Kosten folgt.
Und ich sag es nochmal: niemand wird zum Kosten gezwungen. Aber sie werden nachdrücklich darum gebeten, es wenigstens mal zu probieren. Mache ich bei meinem Mann übrigens genauso. Bei Freunden auch. Es hat sich noch niemand über seelische Gewalt oder unangemessene Methoden beschwert bisher...
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