Diskussionsthema vegan

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

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Giraeffchen
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Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Giraeffchen »

Mutterhenne, ich glaube, dann sind wir gedanklich gar nicht so weit auseinander! :D

Lalumama hat geschrieben: Ich finde es nur schade, dass Veganer oft als militant und extremistisch wahrgenommen werden.

Ich nehme nicht die Gruppe 'Veganer' so wahr, sehr wohl aber einzelne Menschen aus dieser Gruppe, die ich persönlich kenne. Das muss ich leider so sagen, weil es so ist. Ich kenne aber auch vollkommen andere Veganer, die eben gar nicht so sind. Das ist doch eigentlich immer so, oder? Es gibt immer solche und solche und dazu noch ganz viel dazwischen.


Thema Fleisch: Ich finde es nicht schlimm, wenn _mal_ ein Würstchen gegessen wird, was einfach ein Würstchen auf einer Feier ist, zum Beispiel.
Das hindert mich aber nicht daran, in meinem Alltag sehr wohl und gut zu schauen, was ich essen mag und was ich kaufe.
Ich kenne Menschen, die essen das dann nicht. Muss jeder selber entscheiden.
Ich sehe auch einen Riesenunterschied zwischen: 'Ich esse _mal_ ein Würstchen, ohne Bioherkunftsnachweis' und 'Ich esse jeden Tag Billligfleisch vom Discounter.'
Man muss im Leben ständig Entscheidungen für sich treffen, die man verantworten kann.
Ich kenne auch Menschen, die nicht Auto fahren, um dabei keine Tiere zu töten. Die gibts. Für die Mücken auf der Windschutzscheibe genauso schützenswert sind wie die Kuh auf der Weide.
Und das können sie gerne tun, solange sie a. nicht das Gleiche von mir verlangen und mich b. nicht dafür verurteilen, dass meine individuelle Schmerzgrenze, was Tierleid anbetrifft, höher zu liegen scheint.
Denn es scheint doch wirklich für jeden Menschen anders zu sein, geht ja auch aus diesem thread hervor.
Tiere z. B. für Nahrungsmittel, Bekleidung oder Unterhaltung leiden zu lassen oder gar zu töten, ist vermeidbares Leid, denn ich kann mich gut ernähren, kleiden und unterhalten, ohne dass einem Tier dadurch Schaden zugefügt wird.

Mit Menschen verhält sich im Grunde ähnlich. Alles, was wir konsumieren, beeinflusst das Leben von anderen Menschen. Auch hier gilt es, Leid für andere zu vermeiden, jedoch ohne, dass man sein eigenes Leben dafür aufgibt.
Jedes Produkt, sei es ein Auto, Handy, Kleidung oder elektronisches Gerät wurde unter bestimmten Bedingungen für uns hergestellt. Und selbst wenn wir etwas „made in Germany“ kaufen und hoffen, dass die Arbeitsbedingungen gut waren, wurden die ursprünglichen Rohstoffe meist unter schlimmen Zuständen aus den Minen geholt.
Da kann man sich auch fragen, wie man denn überhaupt noch leben kann oder man versucht eben, Schaden für andere so gut wie möglich zu vermeiden. Z. B. fairtrade kaufen, nicht jedes Jahr das neueste Handy, Dinge länger benutzen und wenn möglich, reparieren lassen. Druck auf Regierungen ausüben, um z. B. Arbeitsbedingungen in Nähereien oder Minen zu verbessern. Organisationen unterstützen, die sich vor Ort z. B. gegen Mädchenbeschneidungen, für Frauen- und Kinderrechte einsetzen etc.
Ich glaube dir, dass du dich gut ernähren, kleiden und unterhalten kannst, ohne das einem Tier dadurch ein Schaden zugefügt wird. Du beschreibst, wo deine Grenze liegt und das ist individuell.
Andere Menschen können sich vielleicht nicht gut ernähren ohne Fleisch, konsumieren aber achtsam. Ist denen nun zu unterstellen, dass sie damit vermeidbares Leid auslösen?
Was ist mit Menschen, die durch Allergien und Unverträglichkeiten eingeschränkt sind, Soja z.B. nicht vertragen, Milchprodukte aber sehr wohl? Ist es vermeidbares Leid, wenn sie z.B. Sahne nutzen, statt sich teure Ersatzprodukte (die es ja durchaus und auch hochwertig gibt) zu kaufen?
Darf man darüber urteilen? Kann man da überhaupt eine Grenze ziehen?

Ich stimme dir vollkommen zu, dass wir auf dieser Erde kaum schadfrei leben können. Unsere Ressourcen sind für dieses Jahr seit August (?) schon aufgebraucht und natürlich verbrauchen wir weiter und weiter.
Es geht ja nur so, wie du es auch schreibst. Schaden für andere so weit wie möglich zu vermeiden, selber Verantwortung zu übernehmen.
Vielleicht nutzt der Fleischesser gar kein smartphone und schützt dafür an andere Stelle Menschen, die als Minenarbeiter ausgenutzt werden. Kann man das gegeneinander aufwiegen? Ich glaube nicht.
Wenn jeder achtsam tut was er kann, dann ist das gut. Achtsamkeit ist das ganz große Handlungsargument, finde ich.
Ich bin auch jemand, der sich oft mehr Achtsamkeit wünscht, in so vielen Bereichen. Weniger Lethargie und mehr Nachdenken, mehr Transparenz und auch generelle Bereitschaft, sich da aktiv auseinanderzusetzen und zu handeln, statt nur zu konsumieren, als ob das alles konsequenzlos wäre.

Aber ich kann dabei nicht meine Wertmaßstäbe auf andere übertragen und die Gefahr ist ganz schnell da bei diesem Thema. Das merke ich auch bei mir selber immer wieder. Ich denke, wenn ich das kann, können andere das auch.
Aber vielleicht schaffen die was, was mir noch nicht gelingt?
Liebe Grüße, GiraeffchenBild mit dem großen Knopf und dem Herbstwichtel


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"Es ist gefährlich,
zu lange zu schweigen.
Die Zunge verwelkt,
wenn man sie nicht gebraucht."

(Astrid Lindgren)
EhMibima

Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von EhMibima »

yvi ich hab gelesen daß bei sehr, sehr viele Tieren der Bolzenschuss nicht wirkt! Schweine werden lebendig gebrüht! Kühen werden bei lebendigem Leib die Beine abgesägt.(kopfüber an Ketten hängen sie). 180 000 schwnagere Kühe werden jährlich geschlachtet(zahl hab ich von einem tierschutzverein), was mit den (noch lebenden)Kälbchen dabei passiert kann man sich denken. Wer beim Bolzenschuss stirbt, hat "Glück". Die Tiere spüren, was los ist, wenn sie die Schreie ihrer Artgenossen höre, das Blut sehen, die Angst riechen.
es tut mir leid daß ich es so ausmale, aber wenn ein Schlachthof "human" sein soll, hört es bei mir auf. Schlachthöfe sind die Hölle.

zum Thema landwirtschaft will ich jeden abend was schreiben weil mir +tags mein "baby" auf mir herumklettert. "leider" schlaf ich immer um 21uhr ein- eigentlich auch mal ganz gut.
Yvi19
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Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Yvi19 »

Sicher nicht. Hier geht es aber ja darum wie man es für sich selbst richtig findet. Ich war in meiner Kindheit regelmäßig beim Schlachter und habe das nie als brutal empfunden. Ich hatte auch nie das Gefühl dass Angst herrschte.

Ich esse immer mal wieder konventionelle Sachen. Das halte ich aber definitiv für falsch. Ähnlich wie den Einkauf bei h&m. Mir gelingt es noch nicht ganz drauf zu verzichten.

Meist esse ich aber von einem kleinen Hof oder vom Jäger. Und da bin ich mir noch nicht ganz sicher, wie meine Einstellung ist. Ich glaube dass ich das ok finde. Aber das ist der Grund für die Diskussion die ich hier eröffnet habe.
Wild finde ich auf jeden Fall ok. Bei Kuh und Pute bin ich noch nicht so sicher.

Eier finde ich völlig ok. Milch nicht so. Wobei es mir bei Milch eher drauf ankommt wie lange das Kalb bei der Mutter bleiben durfte.

Milch Produktion bedeutet aber auch Fleisch Produktion. Die nachkommen sind halt über. Mir wäre das glaube ich recht das Tier dann auch zu schlachten. Aber sicher bin ich noch nicht. Keine kuhe mehr auf der Wiese fänd ich aber auch schade.

Wolle, Seide, Bienenwachs, Honig finde ich total sinnvoll. Warum man da verzichtet ist mir auch noch nicht klar geworden.

Vor allem Bienen brauchen wir alle. Wenn die aussterben weil wir lieber stevia nutzen, wäre das furchtbar.
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Giraeffchen
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Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Giraeffchen »

Lalumama hat geschrieben: Und alle die biofleisch kaufen (tut ihr das wirklich alle? Über 95 Prozent kommt aus Massentierhaltung, da bin ich immer etwas skeptisch, wenn alle vom biobauern um die ecke erzählen). Sagt ihr nein danke, wenn ihr eingeladen seid und die Herkunft eben nicht mehr genau nachverfolgen könnt? Esst ihr nie mal ne Bratwurst irgendwo?
In dem Zusammenhang: Kaufen denn alle Veganer immer nur die wirklich einwandfreien Ersatzprodukte? Aus regionalem Soja beispielsweise? Essen sie nie mal auf einem Grillfest die vielleicht eigens für sie eingekauften Veggieprodukte, die aber leider von Aldi sind und sagen konsequent immer nein danke, obwohl jemand versucht hat, auch an sie zu denken bei der Planung des Grillens?
Die Zutatenlisten lesen sich ja zum Teil auch ein bisschen nach Chemiebaukasten.
Und die Herkunft ist da auch nicht so problemlos nachverfolgbar, oder?

Es IST einfach sehr schwer, da seinen Weg zu finden, finde ich.
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Seerose
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Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Seerose »

Lalumama hat geschrieben: Ich finde es nur schade, dass Veganer oft als militant und extremistisch wahrgenommen werden.
Das ist allerdings schade, nehme ich z. B. diese Menschen als das schlichte Gegenteil wahr. Zudem noch sehr empathisch, kritisch, sich mehr als andere Gedanken machend und sehr reflektiert.

Ich vermute, ich kenne evtl. mehr Veganer als Nichtveganer.

Jetzt kenne ich aber diese Menschen nur live so wie sie vor mir stehen und nicht aus Foren.
Denn mit den Foren ist das immer so ne Sache.. Warum bin ich in einem Forum, wen will ich dort belehren, warum und muß ich wirklich immer allen und jedem erzählen wie ich mich ernähre und was ich von denen halte, die sich anders ernähren als ich selbst?

Und natürlich gibt es noch zig andere, auch schöne Gründe warum man in Foren schreibt. ;-)


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Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von EhMibima »

yvi, Auch wenn du nicht die Angst auf dem Schlachthof gespürt hast, heißt es ja nicht, daß es den Tieren so wie dir ging. gerade (manche?)Kinder gehen noch ganz unbedarft an solche Sachen heran. Eher neugierig. Empathie entwickelt sich auch erst.
Yvi19
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Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Yvi19 »

Oh, da landeten ein paar Beiträge dazwischen. Bienesmama, darf ich mal fragen, woher du die Daten hast, auf welche Art der Tötung sich das bezieht und auf wie vielen Schlachthöfen du schon warst?

Ich habe einige bolzenschüsse gesehen. Bei Schwein und Pferd. Und Sorry aber dabei merkt man nix mehr und es ist auch nicht so schwierig, als dass das ständig schief gehen würde. Und natürlich Leben die dann noch. Bolzenschuss dient ja der Betäubung. Aber merken tun sie nix mehr. Da muss man sich schon echt doof anstellen.
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Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Seerose »

Ich find mich in Giraeffchens vorletztem Post sehr gut wieder.

Danke dafür. ;-)

Muß ich nicht soviel tippen.


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Lösche Benutzer 1828

Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Hat denn mal jemand "Earthlings" geschaut? Da werden auch Schlachthöfe gezeigt. Gut, in den USA - aber was ich an Videos gesehen habe (ich war noch in keinem persönlich), sah nicht viel anders aus.
Lösche Benutzer 1828

Re: Diskussionsthema vegan

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Yvi19 hat geschrieben: Wolle, Seide, Bienenwachs, Honig finde ich total sinnvoll. Warum man da verzichtet ist mir auch noch nicht klar geworden.

Vor allem Bienen brauchen wir alle. Wenn die aussterben weil wir lieber stevia nutzen, wäre das furchtbar.
Wolle - wegen der Haltung und der Schur, die oft auch sehr brutal abläuft. Schafe werden oft dem mulesing unterzogen.
Seide - die Raupen werden lebendig getötet.

Das sind die Gründe.
Honig - erschließt sich mir auch nicht.
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