Lalumama hat geschrieben: Ich finde es nur schade, dass Veganer oft als militant und extremistisch wahrgenommen werden.
Ich nehme nicht die Gruppe 'Veganer' so wahr, sehr wohl aber einzelne Menschen aus dieser Gruppe, die ich persönlich kenne. Das muss ich leider so sagen, weil es so ist. Ich kenne aber auch vollkommen andere Veganer, die eben gar nicht so sind. Das ist doch eigentlich immer so, oder? Es gibt immer solche und solche und dazu noch ganz viel dazwischen.
Thema Fleisch: Ich finde es nicht schlimm, wenn _mal_ ein Würstchen gegessen wird, was einfach ein Würstchen auf einer Feier ist, zum Beispiel.
Das hindert mich aber nicht daran, in meinem Alltag sehr wohl und gut zu schauen, was ich essen mag und was ich kaufe.
Ich kenne Menschen, die essen das dann nicht. Muss jeder selber entscheiden.
Ich sehe auch einen Riesenunterschied zwischen: 'Ich esse _mal_ ein Würstchen, ohne Bioherkunftsnachweis' und 'Ich esse jeden Tag Billligfleisch vom Discounter.'
Man muss im Leben ständig Entscheidungen für sich treffen, die man verantworten kann.
Ich kenne auch Menschen, die nicht Auto fahren, um dabei keine Tiere zu töten. Die gibts. Für die Mücken auf der Windschutzscheibe genauso schützenswert sind wie die Kuh auf der Weide.
Und das können sie gerne tun, solange sie a. nicht das Gleiche von mir verlangen und mich b. nicht dafür verurteilen, dass meine individuelle Schmerzgrenze, was Tierleid anbetrifft, höher zu liegen scheint.
Denn es scheint doch wirklich für jeden Menschen anders zu sein, geht ja auch aus diesem thread hervor.
Ich glaube dir, dass du dich gut ernähren, kleiden und unterhalten kannst, ohne das einem Tier dadurch ein Schaden zugefügt wird. Du beschreibst, wo deine Grenze liegt und das ist individuell.Tiere z. B. für Nahrungsmittel, Bekleidung oder Unterhaltung leiden zu lassen oder gar zu töten, ist vermeidbares Leid, denn ich kann mich gut ernähren, kleiden und unterhalten, ohne dass einem Tier dadurch Schaden zugefügt wird.
Mit Menschen verhält sich im Grunde ähnlich. Alles, was wir konsumieren, beeinflusst das Leben von anderen Menschen. Auch hier gilt es, Leid für andere zu vermeiden, jedoch ohne, dass man sein eigenes Leben dafür aufgibt.
Jedes Produkt, sei es ein Auto, Handy, Kleidung oder elektronisches Gerät wurde unter bestimmten Bedingungen für uns hergestellt. Und selbst wenn wir etwas „made in Germany“ kaufen und hoffen, dass die Arbeitsbedingungen gut waren, wurden die ursprünglichen Rohstoffe meist unter schlimmen Zuständen aus den Minen geholt.
Da kann man sich auch fragen, wie man denn überhaupt noch leben kann oder man versucht eben, Schaden für andere so gut wie möglich zu vermeiden. Z. B. fairtrade kaufen, nicht jedes Jahr das neueste Handy, Dinge länger benutzen und wenn möglich, reparieren lassen. Druck auf Regierungen ausüben, um z. B. Arbeitsbedingungen in Nähereien oder Minen zu verbessern. Organisationen unterstützen, die sich vor Ort z. B. gegen Mädchenbeschneidungen, für Frauen- und Kinderrechte einsetzen etc.
Andere Menschen können sich vielleicht nicht gut ernähren ohne Fleisch, konsumieren aber achtsam. Ist denen nun zu unterstellen, dass sie damit vermeidbares Leid auslösen?
Was ist mit Menschen, die durch Allergien und Unverträglichkeiten eingeschränkt sind, Soja z.B. nicht vertragen, Milchprodukte aber sehr wohl? Ist es vermeidbares Leid, wenn sie z.B. Sahne nutzen, statt sich teure Ersatzprodukte (die es ja durchaus und auch hochwertig gibt) zu kaufen?
Darf man darüber urteilen? Kann man da überhaupt eine Grenze ziehen?
Ich stimme dir vollkommen zu, dass wir auf dieser Erde kaum schadfrei leben können. Unsere Ressourcen sind für dieses Jahr seit August (?) schon aufgebraucht und natürlich verbrauchen wir weiter und weiter.
Es geht ja nur so, wie du es auch schreibst. Schaden für andere so weit wie möglich zu vermeiden, selber Verantwortung zu übernehmen.
Vielleicht nutzt der Fleischesser gar kein smartphone und schützt dafür an andere Stelle Menschen, die als Minenarbeiter ausgenutzt werden. Kann man das gegeneinander aufwiegen? Ich glaube nicht.
Wenn jeder achtsam tut was er kann, dann ist das gut. Achtsamkeit ist das ganz große Handlungsargument, finde ich.
Ich bin auch jemand, der sich oft mehr Achtsamkeit wünscht, in so vielen Bereichen. Weniger Lethargie und mehr Nachdenken, mehr Transparenz und auch generelle Bereitschaft, sich da aktiv auseinanderzusetzen und zu handeln, statt nur zu konsumieren, als ob das alles konsequenzlos wäre.
Aber ich kann dabei nicht meine Wertmaßstäbe auf andere übertragen und die Gefahr ist ganz schnell da bei diesem Thema. Das merke ich auch bei mir selber immer wieder. Ich denke, wenn ich das kann, können andere das auch.
Aber vielleicht schaffen die was, was mir noch nicht gelingt?


