Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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Daria
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Daria »

xknäckebrotx hat geschrieben:J
Die Frage ist trotzdem nicht beantwortet: Wenn eine Frau sich nicht imstande sieht, die "natürliche" Geburt anzugehen, warum auch immer das so ist: Was soll sie denn dann machen? Sich ihren Ängsten stellen, auch auf die Gefahr hin, verkrampft und unentspannt zu sein?
Nöö, würde ich nicht empfehlen, denn das endet doch meist aus diesen Gründen genau dort, wo sie es vorher auch gleich hätte haben können - ohne GEsichtsverlust vor sich selbst und ohne dann das schlechte GEwissen hinterher.
Natürlich ist es ihre völlig alleinige Entscheidung, ob sie einen KS dann vorzieht - ich wüsste nicht, wer ich bin, darüber zu richten. Ich kann es für das Kind gut oder schlecht finden. Aber bei solchen Ereignissen steht für mich die Mutter mit ihrer Sicherheit (also, ihr seelisches EMpfinden) und ihrem "Dahinterstehen" eindeutig im VOrdergrund. Ist ja nun auch nicht so, dass wir mit einem KS hier Kindesmisshandlung begehen würden.

Und ja, ich glaube ganz sicher, dass Schmerzempfindung und der Umgang damit kulturell und mentalitätsabhängig ist, guckt man nach Südamerika oder Afrika beispielsweise.
Viele Grüße von Daria mit Theo (02/08), Lotti (12/09) und Flora (07/12)
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xknäckebrotx

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von xknäckebrotx »

Und ja, ich glaube ganz sicher, dass Schmerzempfindung und der Umgang damit kulturell und mentalitätsabhängig ist, guckt man nach Südamerika oder Afrika beispielsweise.
Na oder eben nach Frankreich, England...
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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

Knäcke, ich für mich kann eine Entscheidung für einen Kaiserschnitt sogar sehr gut nachvollziehen und finde auch, dass die Entscheidung jeder Frau eigen sein muss - ich würde niemanden verurteilen, der sich gegen eine normale Geburt entscheidet. Für ich wäre nur wichtig, wirklich aufzuklären (wie das ja wohl deine Bekannten getan hat, also sich selbst aufgeklärt).

Ich seh das hier im Forum auch bei anderen Themen rund ums Thema Kind/Gesundheit: Es wird ganz viel erstmal mißtraut und hinterfragt, weil eben hier ganz viele die Erfahrung gemacht haben, dass einem gerade beim Arzt nicht immer alles gesagt wird. Bei PDA/Kaiserschnitt ist es denke ich ähnlich. Weil so lachs und teilweise unüberlegt damit umgegangen wird, gibt es eine kleine Gruppe an Gegnern, die das ganz kategorisch ablehnen. Würde überall gut über PDA, wie Impfung, Pränataldiagnostik etc. p.p. gut und ausführlich aufgeklärt, wäre auch die Gegnerschaft deutlich entspannter, als sie es jetzt ist, oder? Aber wie ich schon weiter oben schreib, betrifft das ja gesamtsgesellschaftlich relativ wenige. Man bekommt hier im Forum da manchmal einen verzerrten Eindruck und ich frage mich, wie schon beim Artikel gegen die "Nazi-Langzeitstillmütter", warum manche einen geschriebenen "Kampf" gegen so eine kleine Gruppe von Leuten vornehmen???
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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darkdragonsoule
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von darkdragonsoule »

ich kenne das buch leider auch nicht/habe es nicht.ich wollte aber schnell was dazu sagen:

die frauen die ich persöhnlich kenne und stark für einen ks einstehen bzw einen haben machen lassen aus angst oder überzeugung dass es so modernen,richtiger ist,waren in meinen augen nicht genügen aufgeklärt.sie wussten nicht viel von der natürlichkeit der geburt,und auch dass frau nicht kreischend am bett rüttelt während sie sich liegend mit den wehen quält.genau das bild haben viele frauen.
ich denke dass je mehr man vom vorgang der natürlichen geburt versteht,umso weniger kann man angst davor haben und schongarnicht sich einen ks wünschen.

heute muss immer alles schneller,bequemer,reiner,moderner sein.

ich habe bei der ersten geburt eine pda gehabt,ganz zum schluss.ich konnte nicht selbsständig pressen und mein sohn musste per saugglocke und zange,mit schnitt,aus mir raus geholt werden.ich wäre schon stolz gewesen wenn ich das selbst geschafft hätte.ausserdem fühlt es sich auch ganz anderst an wenn man das selbst macht als entbindet mich eine fremde person von meinem kind.

ich finde dass frauen viel besser aufgeklärt werden müssten.und nicht nur diese standartsachen die in den gängigen vorbereitungskursen erzählt werden.das ist mein körper,meine geburt und ich und mein kind müssen das schaffen.da möchte ich doch so viel über diese vorgänge wissen wie es geht.
Liebe Grüße von Jessi mit Y. 06,D. 08 und M. 010
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Stell dir vor es wär Krieg,und keiner geht hin!
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

stimmt, die meisten sind aber halt nicht wirklich aufgeklärt.
Ich hatte im engen Bekanntenkreis zwei ganz schlimmer Erfahrungen von Nebenwirkungen einer PDA - angeboten wurde es als "ach, nehmen sie das doch an, die Schmerzen muss man heute doch nicht mehr haben" - und heraus kamen Frauen, die wochenlang stark beenträchtigt waren, meine Freundin konnte sich nicht mal um ihr KInd kümmern, rutschte fast in eine Depression deswegen....so ein kleiner Schritt kann eben auch weitreichende FOlgen haben und das wird meist verschwiegen

Natürlich muss jedes Frau die Entscheidung für sich treffen - aber sie sollte sie gut aufgeklärt treffen. Und natürlich sind große Ängst auche in Grund.
Nachvollziehen, wirklich verstehen, das fällt mir ehrlich gesagt schwer in vielen Fällen. Aber die wiederum sind hier auch eher nicht zu treffen.

In einem anderen Forum würden solche Fragen ganz anders besprochen werden - da bekommt man eher zu hören, wie dumm man doch sei, sich das "heutzutage" noch anzutun.....
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tania
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von tania »

ich finde es wichtig und richtig, dass sich frauen entscheiden können, wie sie ihr kind auf die welt bringen wollen (genauso übrigens, ob sie überhaut ein kind bekommen wollen - pille, abtreibung, pipapo). es gibt tausendundeinen guten grund für einen kaiserschnitt (und nein - damit meine ich nicht die wochenendplanung des diensthabenden arztes.. :evil: ) und ob ein grund gut ist oder nicht entscheidet bitte jede frau für sich.

ich hatte eine natürliche horrorgeburt, unerträgliche schmerzen, konnte mich überhaupt nicht bewegen, hab gekotzt und geflennt die ganze zeit. der einzige grund, warum ich das nächste mal wieder so ne beschissene geburt möchte, ist, dass für mich stimmt, dass eine geburt ein tun meines körpers ist, dem ich folgen möchte. eine geburt soll mir mögichst nicht passieren, ich will so weit wie möglich dabei sein. habe mich zwar ob der schmerzen ziemlich abgemeldet gefühlt, aber die möglichkeit einer pda habe ich nicht mal in betracht gezogen (hab ich tatsächlich kein einziges mal dran gedacht). und die schmerzen waren auch nicht wie weggewischt - ich hatte mein baby nämlich nicht bei mir.

summasummarum empfehle ich schwangeren immer, mit jemand anders über geburt zu reden. eine missionarin für die natürliche geburt wird aus mir bestimmt nicht.

(und sollte das baby wieder steckenbleiben, gibt es nen kaiserschnitt - aber fix. sauerstoffunterversorgung will ich nich ein zweites mal!)

((ich sollte auch ma wieder jungle world lesen.))
tania mit sohn *09 und sohn *12
pinefloat
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von pinefloat »

Ich selbst hätte mich nie im Leben für einen Kaiserschnitt entschieden, aber einfach nur aus dem schlichten Grund, dass ich den Eingriff total beängstigend finde. Das hat aber weniger was mit dem Kaiserschnitt selbst zu tun sondern mehr mit der Tatsache, dass es eine OP ist, also der Körper aufgeschnitten. Der schlimmste Eingriff meines Lebens war das Ziehen eines Weisheitszahns.

Ich finde im Rückblick bezüglich des Geburtsschmerz diesen durchaus aushaltbar ohne Schmerzmittel, das hat nichts mit heroismus zu tun, sondern einfach damit, dass ich das so empfunden habe. Abstrakt wäre der Schmerz wahrscheinlich unaushaltbar gewesen, aber ich habe bei der Geburt eine Dynamik erlebt, das war alles sehr zielgerichtet und produktiv, daher konnte ich gut damit umgehen. Daher habe ich auch die Übergangsphase als unangenehmsten empfunden, eben weil es nicht so recht voran ging, aber auch das war ein abgegrenzter Zeitrahmen und das wusste ich die ganze Zeit.

Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn es einmal längere Zeit nicht mehr "vorwärts" gegangen wäre, wenn der Kopf auf einmal die Dynamik der Geburt bezweifelt und sich Gedanken um den Schmerz gemacht hätte. Ich bin zum Glück nicht in die Situation gekommen das beantworten zu können. Daher kann ich für meine Geburt sagen, dass es ohne Schmerzmittel ging, aber für andere Geburten lässt sich das m.E. nicht unbeding ableiten, dafür ist jede Geburt doch zu verschieden.

Was mich bei der Diskussion um die Schmerzfreiheit vs. Natürlichkeit der Geburt tatsächlich noch brennend interessieren würde, wäre die Empfindung des Kindes!

Braucht es für das Kind das Geburtserlebnis durch den Geburtskanal um "adäquat" auf der Welt zu landen oder ist ein Kaiserschnitt viel sanfter? Wie sieht's aus mit Anpassungsproblemen des Kindes nach der Geburt? Sind die bei Kaiserschnitten häufiger oder weniger häufig? Wobei in der Statistik ja alle Kaiserschnitte während der Geburt und Notkaiserschnitte herausgenommen werden müssten, sowie alle Saugglocken und PDA-Geburten (und was auch immer es noch alles gibt) auf der anderen Seite, sodass es wohl mehr als schwierig wird entsprechende Informationen zu finden.
Liebe Grüße,
A. und der Schnuff 07/09 und Märzmaus 03/12
xknäckebrotx

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von xknäckebrotx »

darkdragonsoule hat geschrieben: ich wäre schon stolz gewesen wenn ich das selbst geschafft hätte.
Ja aber warum denn? Also warum stolz bzw. warum stolzer? Weil es optimaler gewesen wäre? Aber geht's denn darum, immer alles so optimal wie möglich zu machen?

Ich versteh einfach die Sache mit dem "ich wäre stolz gewesen, WENN..." nicht. Es gibt doch genug Gründe, stolz auf sich zu sein, warum sucht frau dann DEN Grund, für den man sich irgendwie schämen sollte? Ist mir schleierhaft...
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

da ich davon ausgehe, dass Kinder gut für die Geburt gerüstet sind - alle Säugetiere werden so geboren - denke ich, dass es für das Kind schon verstörend sein kann, die Geburt per Kaiserschnitt zu erleben, erst recht ohne vorhergehende Wehen
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

xknäckebrotx hat geschrieben:Ja gerne!

Kostet das dann was oder tauschst du dafür eins deiner Bücher ein oder so?
Buch gegen Buch - also Buch gegen Ticket und dafür halt wieder Buch....aber ich habe mich leider geirrt, mein Konto ist blank :-(
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