Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Benutzeravatar
blueberry
Mod a.D.
Beiträge: 11075
Registriert: 03.09.2007, 14:18
Wohnort: Deutschland

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von blueberry »

Will sagen:

Es ist eigentlich nicht an DIR, etwas nachzuweisen, sondern an IHM.

Wenn jetzt jemand zu mir käme mit dem Vorschlag, allen Fünfzehnjährigen standardmäßig den kleinen Finger der nicht-dominanten Hand zu amputieren und und mir sagen würde, "Belege mir doch erstmal wissenschaftlich, dass es BESSER ist, den Finger DRAN zu lassen!", stünde ich auch ziemlich blöd da und hätte da keine Studien dazu.

Wer sollte das denn auch finanzieren und wer hätte Interesse an Studien, die die Überlegenheit des Finger-Dranlassens belegen, wenn sich damit nullkommagarkein Geld verdienen ließe?

Wenn überhaupt werden doch Studien hauptsächlich dann finanziert, wenn ökonomische Interessen dahinter stehen.

Und wo diese ökonomischen Interessen im Falle des unnatürlich frühen Abstillens (insbesondere in einem Alter, von unter 12 Monaten, in dem die allermeisten Babies dann ja Formulanahrung bekommen - und wenn es nur für ein, zwei Monate bis zum ersten Geburtstag und anschließend vielleicht noch eine Abendflasche bis zum Alter von 12+x Monaten ist) liegen, ist ja nun nicht schwer zu erraten.
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
Benutzeravatar
blueberry
Mod a.D.
Beiträge: 11075
Registriert: 03.09.2007, 14:18
Wohnort: Deutschland

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von blueberry »

Jana208 hat geschrieben: 13.01.2024, 07:54 Es geht ja gar nicht darum, dass Pre besser sein soll, als Muttermilch, das ist ja unbestritten.
Sondern um die Frage, dass seine Ansicht nach Stillen über den 12. Monat hinaus keine positiven Effekte mehr habe. Also nach der Logik eben nicht mehr sein muss. Und das bestreite ich eben und suche Daten, die diese These stützen. Klar will ich damit jetzt nicht Tage meines Lebens verbringen, das zu beweisen. Aber n bisschen Zeit nehme ich mir dafür schon. 😜
Auch da: Beweislast umkehren.
Soll ER doch Belege dafür finden, dass es KEINE positiven Effekte hat, länger als 12 Monate zu stillen!

Ich sähe nicht ein, da in die Defensive zu gehen. Das impliziert doch, dass Du Deine Entscheidung verteidigen müsstest (weil irgendwie zweifelhaft), er SEINE (Kind U1 abstillen) aber nicht.

Das stimmt doch so nicht. Kinder U1 oder U2 abzustillen ist menschheitsgeschichtlich deutlichst seltener und ein sehr junges Phänomen. Er müsste also DIR beweisen, dass SEINE Entscheidung entweder VORTEILE oder eben zumindest keine Nachteile dem Weiterstillen gegenüber hat.
blueberry mit großem und kleinem Frühlingskind (2010 und 2013)
feuerdrache
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7780
Registriert: 08.07.2010, 14:11
Wohnort: Österreich

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von feuerdrache »

Ufff ich fürchte, das ist eine Sache mit dem anderen Vater, bei der du keine Chance hast

Alleine die Art wie er auf deine Argumente reagiert und sie doch sehr von oben herab zerlegt.

Er will ja gar nicht belegt bekommen, dass es positive Effekte hat. Denn dann müsste er sich eingestehen, dass das Vorgehen, sein eigenes Kind so früh abzustillen vielleicht nicht so super war.
Und- die Tatsache dass er er über deinen Mann versucht Einflussnahme auf eure Stillbeziehung zu nehmen.

Vielleicht tu ich ihm unrecht, aber seine Wortwahl ist doch eher dominant, von oben herab und bestimmend. Kommt zumindest so bei mir an, ein wenig süffisant und mit dem Unterton- ich weiß es und du bist ein Dummchen.

Alleine dass er sich das Recht heraus nimmt Einfluss aufdie Dauer eurer Stillbeziehung zu nehmen macht mich unglaublich wütend und richtig aggressiv. Das steht niemanden zu, das ist eine Einmischung in einen unglaublich intimen Bereich des Lebens. So als würde er eure bevorzugte Sexvariante kommentieren und ändern versuchen. Als Unbeteiligter.

Mir hat übrigens gereicht als Argumentation pro LZS dass es einen Einfluss auf Asthma hat und meine älteren beiden Kinder habe ich auf massiven Druck von aussen (mein Vater und meine Familie mit ähnlichen aggressiven Argumenten) mit 8 und 10 Monaten abgestillt. Sie hatten dann viele Jahre schweres Asthma, ständige Lungenentzündungen (mehrere pro Winter) ect. Die beiden Jüngeren habe ich 2+ Jahre gestillt, kein Asthma, keine Lungenentzündung unter 10 Jahre. Alleine die Wahrscheinlichkeit für Asthma zu senken war ausreichend für mich.
Benutzeravatar
LilyGreen
Power-SuTler
Beiträge: 6614
Registriert: 10.02.2017, 13:11
Wohnort: mittig

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von LilyGreen »

Ich sehe das wie feuerdrache.
Die Art wie er kommuniziert zeigt für mich, dass er sich - weil er dir methodisch überlegen ist - für im Recht hält. Und zwar ohne bereit zu sein, seine Meinung und seinen Standpunkt tatsächlich kritisch zu hinterfragen.
Denn das was blueberry schreibt ist ein wichtiger Fakt: stillen ist mit keinerlei Profit verbunden. Daraus ergibt sich, dass Daten an dieser Stelle vor allem aus dem Blickwinkel der Sozio-Wissenschaften erhoben werden. In Verbindung mit der ethischen Unmöglichkeit ein wirklich randomisiertes Studiendesign anzulegen können die erhobenen Daten nicht die Klarheit haben die er fordert.
☀️ Summer Child (6/16) ☀️
Jana208
ist gern hier dabei
Beiträge: 88
Registriert: 19.02.2022, 11:31
Wohnort: Hamburg

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Danke, LilyGreen, das ist auch ein super Punkt. Ich warte mal, ob noch was kommt.

Um noch ein bisschen Kontext zu geben:

1. Sein Sohn wurde nicht "absichtlich" u1 abgestillt, sondern es hat sich so ergeben. Die Mutter wurde m.E. nach der Geburt in Bezug aufs Stillen von Klink und 1. Hebamme nicht ausreichend betreut, es musste zugefüttert werden und wurde auch nie versucht, zum Vollstillen zu kommen. So wurde er die ersten Monate kontinuierlich teilgestillt, bis er dann mit 8 Monaten nicht mehr an die Brust wollte. Ob die Mutter unter anderen Voraussetzungen länger gestillt hätte, weiß man natürlich nicht.

2. Warum fragt er überhaupt, wann wir denn abstillen oder wie lange wir noch stillen? Er sieht bei Playdates zuhause oder auf dem Spielplatz immer mal, wie meine Tochter an die Brust will, während sein Sohn in seinen Augen nicht so klammert und das braucht. Ist natürlich Quatsch, sein Sohn ist in anderen Situationen genauso auf Mama fixiert und ich finde es ja eh die dümmste aller Denkweisen zu glauben, dass Abstillen das richtige sein soll, um ein Kind vermeintlich unabhängiger zu machen. Weil klar, mein Kind hat ein Bedürfnis, also sorge ich dafür, dass ich das bald auf die bevorzugte Art nicht mehr erfülle. Ähm, klar.

Nun ja, aber im Moment ist eh Ruh an der Front, vllt hat er heute Abend oder morgen, wenn er nicht dran ist mit der Einschlafbegleitung, wieder Zeit, seine Meinung abzusondern. 😜
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
Benutzeravatar
LilyGreen
Power-SuTler
Beiträge: 6614
Registriert: 10.02.2017, 13:11
Wohnort: mittig

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von LilyGreen »

Mir ist noch eine Argumentationslinie eingefallen.

Offensichtlich ist es schwer, Daten zu finden die auf dem Niveau einer klinischen Studie „beweisen“ dass Normalzeitstillen (ja, das schreib ich jetzt so provokant) als Alleinstellungsmerkmal Mutter und/oder Kind einen „Benefit“ bringen.
Warum es schwierig ist solche Daten zu erheben habe ich oben angerissen - und unterschlagen, dass auf der anderen, nicht-stillen-Seite massive wirtschaftliche Interessen stehen. Sowohl industrielle als auch volkswirtschaftliche.
Kulturhistorisch und entwicklungsbiologisch ist das Stillen von Kleinkindern aber tatsächlich normal. Diese Norm hat sich erst in den letzten 2-3 Jahrhunderten verändert - und zwar bedingt durch gesellschaftliche (!) Faktoren, nicht wissenschaftliche Erkenntnisse.
Das bringt uns zu dem Punkt: zum jetzigen Zeitpunkt ist die Ernährung von Kindern ohne Muttermilch eine Abweichung von der entwicklungsbiologischen Normalität, deren (größer) Nutzen sich nicht beweisen lässt. Angesichts der Privilegien des Lebens im Westen kann man natürlich der Ansicht sein, dass der Unterschied derart gering ist, dass sich stillen nicht „lohnt“. Für mich sind die statistischen Hinweise jedoch ausschlaggebend genug, einen Benefit zu sehen (und für die WHO auch).
Wo es jedoch kritisch wird und was mMn der eigentliche Grund eures Disputs ist: dein Kumpel verlässt die Ebene der gesundheitlichen Faktoren und nutzt stillen um ideologische Stereotype zu bedienen. Er bewegt sich argumentativ auf der Ebene, die wir (normalzeit)stillenden alle kennen und die wir alle hassen: Die Schuld am Verhalten des Kindes liegt bei der Mutter - und dort explizit im „abnormen“ Stillen. Das geht halt einfach gar nicht und ich kann verstehen dass dich das triggert. Ich finde aber auch, dass das der Punkt ist über den du diskutieren solltest.
☀️ Summer Child (6/16) ☀️
Seiltänzerin
Profi-SuTler
Beiträge: 3292
Registriert: 13.10.2019, 20:56

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Seiltänzerin »

Du kannst deinen Bekannten ja bei Gelegenheit mal fragen, ob sein Kind IMMER NOCH die Plastik-/Gummibrust bekommt, also Flasche/Schnuller.
mit den drei Wirbelwinden (2015,2019,2021)
Seiltänzerin
Profi-SuTler
Beiträge: 3292
Registriert: 13.10.2019, 20:56

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Seiltänzerin »

blueberry hat geschrieben: 13.01.2024, 07:57 Abendflasche bis zum Alter von 12+x Monaten
Ich kenne nicht wenige (ich selbst eingeschlossen), wo x zwischen 24 und 36 lag.
mit den drei Wirbelwinden (2015,2019,2021)
Jana208
ist gern hier dabei
Beiträge: 88
Registriert: 19.02.2022, 11:31
Wohnort: Hamburg

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

@LilyGreen:
Du hast total Recht, er sieht eine Eigenschaft, in der sich mein Kind von seinem unterscheidet und führt den Unterschied aufs Stillen zurück. Was halt auch super unwissenschaftlich ist.
Könnte ich ja auch machen:
Dein Sohn hat im letzten Winter jeden Monat Antibiotika gegen Mittelohrentzündung bekommen und meine Tochter hatte noch nie eine? Wird wohl am Stillen liegen. Dein Sohn hat ständig n roten Po und super empfindliche Haut? Liegt wohl am Stillen? Er ist deutlich launischer, schlecht gelaunt, wenn er nicht geschlafen hat, will sein Spielzeug nicht so teilen wie meine Tochter? Tja, liegt wohl am fehlenden Stillen. Ist doch super dämlich einfach.

@Seiltänzerin:
Das Argument zieht hier leider nicht. Der Sohn nimmt keinen Schnuller und kriegt nur noch max. 1x am Tag (morgens) die Flasche. Das ist weniger als ich stille, würde ihn also vermutlich nicht überzeugen. 😝
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
Benutzeravatar
Mäusebaby
Miss SuTiversum
Beiträge: 13895
Registriert: 02.11.2015, 22:00
Wohnort: Bodenseekreis

Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Mäusebaby »

Vielleicht hilft der Artikel über eine brasilianische Studie auch: https://www.spiegel.de/gesundheit/schwa ... 24066.html#

Hier noch ein bisschen differenzierter: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ ... chenkinder.

https://www.stillen-institut.com/media/ ... n-2020.pdf bezieht sich auf einige Studien, die das RKI auch in entsprechenden Publlikationen zitiert.
Liebe Grüße
Mäusebaby mit ihrem Weihnachtswunderwunschkind (09/2015) und zwei **
"The only time you should look down on somebody is when you're trying to help them up."
Antworten

Zurück zu „Stillforum“