Pustemuffin hat geschrieben:Noch eine Ergänzung zu unserer Historie. Der Gnubbel hat ja bereits mit wenigen Wochen schon viel geschrien. In meiner Ahnungslosigkeit und der Tatsache, dass es ja mit dem Stillen nicht so recht klappte, habe ich eben wirklich immer Hunger vermutet und ihm bei nahezu jedem Brüllen die Brust angeboten. Rückblickend betrachtet kommt es mir wirklich ein bisschen wie "den Mund stopfen" vor.
Ein Baby stillt nicht, wenn es nicht möchte und lässt sich den Mund nicht stopfen, wenn es das nicht mag.
Und es ist ja kein Fehler, einem so kleinen Baby erstmal die Brust anzubieten, wenn es weint, denn die Wahrscheinlichkeit, dass es Hunger ist, die ist in dem Alter doch recht hoch. Und selbst wenn nicht, dann ist die Brust ein vertrauter, wohlriechender, heimeliger Ort, der von Babys gerne zum Kuscheln angenommen wird.
Ich würde mir deswegen keine Gedanken machen, ob das richtig oder falsch war, es gibt eigentlich kein falsch in dem Zusammenhang, nur ein schauen und ausprobieren, was dem Baby gut tut.
Was das ausweinen betrifft: Die eigentliche Festhaltetherapie von Jirina Prekop wurde für eine bestimmte Personengruppe entwickelt (Menschen mit Autismus, Verhaltensauffälligkeiten, mit geistiger Behinderung oder psychischen Störungen) und ist wirklich sehr speziell.
Schlussendlich geht es darum, dass Kind so lange festzuhalten, bis es ruhig wird und sich nicht mehr wehrt, sich anschmiegt. Vorher 'darf' auf keinen Fall losgelassen werden, größere Kinder sollen auch nicht zur Toilette gehen, sie 'dürfen nach Herzenslust regredieren' und einfach in die Hose machen und werden weiter gehalten. Hört das Kind auf zu weinen ohne sich anzuschmiegen, darf auch nicht losgelassen werden, denn es könnte ein 'Trick' des Kindes sein, der Festhaltung zu entkommen (Zitat: "Es kann sein, daß das Kind einen Fluchtweg in Form von Selbststimulation gefunden hat, zum Beispiel [...] beobachtet es hinter dem Rücken der Mutter seine Finger. Hier sollte der Fluchtweg versperrt werden: Das Kind wird in einer anderen Lage gehalten, das Licht wird gelöscht, es wird mit Küssen auf den Mund an seiner oralen Stimulation gehindert.").
Erst, wenn es sich anschmiegt, so die Theorie, haben sich seine negativen Gefühle aufgelöst und das Festhalten wird zur liebevollen Umarmung.
Das kann gerne auch mal Stunden dauern.
Jirina Prekop hat auch das Buch 'Der kleine Tyrann' geschrieben und ich kann nur empfehlen, mal einen Blick in ihre Literatur zu werfen, ihr Blick aufs Kind und sein Verhalten sind schon sehr speziell.
Das, wovon hier berichtet wird, also dass die Kinder sich, umhüllt vom Tuch beruhigen zum Beispiel, das hat keine Vergleichswerte zu Prekops eigentlichem Ansatz, ein sich wehrendes, schreiendes Kind in eine Umarmung zu
zwingen und es darin verharren zu lassen, bis es tut, was von ihm erwartet wird.
Dass Babys Halt brauchen, Schreiphasen haben, in denen sie sich ausweinen wollen, ohne 'schschsch, alles ist gut- Trost', wird auf der Geburtskanalseite ja schön beschrieben.
Ein schreiendes Baby im Arm zu halten oder ins Tuch zu binden ist aber nicht das gleiche wie das, was Prekop befürwortet. Ihr Ansatz ist strikt und klar, weil sie voraussetzt, dass alle Kinder die gleichen Bedürfnisse haben, die alle gleich behandelt werden sollen. DEN Ansatz gibt es aber nun mal nicht für alle und es gibt mittlerweile viele Berichten von Menschen, denen ihr Ansatz nicht gut getan hat.
Es ist so heikel und sensibel, das Festhalten durchzuführen, dass ich niemandem raten würde, das einfach so, nach der Lektüre von Internetseiten oder eines Buches, ohne fundierte Unterstützung nachzumachen.
Es ist so emotional und eine solche Gratwanderung, die wirklichen Bedürfnisse des Kindes zu erspüren und es die Gefahr ist groß, sich auf das zu versteifen was im Buch steht ('erst loslassen, wenn das Kind weich wird und sich anschmiegt'), dass alle Beteiligten daran mehr leiden könnten als es ihnen hilft.