Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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jusl
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von jusl »

Hallo pistache,
- sie hat von Anfang an richtig super zugenommen (ihr aktuelles exaktes Gewicht kenne ich nicht, aber bei der Geburt wog sie 3500 g und mittlerweile liegt sie bei knapp über sechs Kilo),
- sie hat immer nasse Windeln und auch mehrmals am Tag Stuhlgang,
- sie ist gut gelaunt und putzmunter und entwickelt sich prächtig, und:
Insbesondere die ersten beiden Punkte belegen ganz eindeutig, dass Dein Baby grundsätzlich an genug Milch herankommt. Über die Frage, ob Du genug Milch hast o.ä., brauchst Du Dir also offensichtzlich keinerlei Gedanken zu machen.
Nun mein Problem: seit einigen Wochen kommt es immer wieder zu vereinzelten Stillmahlzeiten, bei denen sie weint und schimpft -
Es könnte auch sein, dass sie eigentlich gerade gar nicht trinken mag. ;-)
Babys regen sich dann auf, nuckeln zur Beruhigung um die Aufregung loszuwerden, dann kommt aber Milch und sie regen sich wieder auf. Kreislauf. ;-)
(bei der ich auch den Eindruck habe, dass sie weniger Milch gibt bzw. dass die Milch dort nicht so gut fließt)
Das ist nicht schlimm. Bei den meisten Frauen ist das nicht komplett gleichverteilt, genauso wie man für gewöhnlich einen etwas kräftigeren Arm hat oder auf einem Auge besser sieht als auf dem anderen.
Ich hatte auch mittlerweile Besuch von einer Stillberaterin, die mir riet, warme nasse Umschläge zu machen und die Brust zu massieren, Stillen bei Hautkontakt… alles schön und gut, aber wenn mein Kind bereits Hunger hat und weint, dann habe ich für so etwas keine Zeit und will sie einfach nur anlegen… oder?
Dem Rat kann ich mich nur anschließen. Wenn Dein Baby bereits Hunger hat und weint - eher loslegen! ;-) Babys sollten nicht weinen müssen, bis auf ihre Hungerzeichen reagiert wird, sondern schon VORHER was kriegen (z.B. wenn sie Suchbewegungen machen, aufwachen, mit den Fäustchen wedeln, leise meckern....)
In meinem Kopf hat sich dann irgendwann festgesetzt (da das öfter am Abend passiert, oft so gegen sieben, bei der letzten Mahlzeit um zehn läuft es komischerweise oft wieder besser), dass ich am Abend einfach nicht mehr genug Milch für mein Kind habe, dass sie mich bereits "leergetrunken" hat,
Achtung: Solche "Kopfprobleme" können den Milchspendereflex verzögern (d.h. die Milch ist zwar grundsätzlich "da", kann aber nicht "raus"). Du hast auf jeden Fall genug Milch für Dein Baby, sonst würde es ja nicht super zunehmen und reichlichst ausscheiden. DAS muss sich bei Dir festsetzen!..
und dass ich mir die Milch besser "aufsparen" muss, ich habe mich also bemüht, gewisse Mindestabstände zwischen den Mahlzeiten einzulegen - aber das ist Quatsch, nicht wahr?
Richtig, absoluter Quatsch. Aufsparen und Mindestabstände einhalten ist eine (gut funktionierende) ABSTILL-Methode.
Das hat mir auch die Stillberaterin gesagt, dass ich das bloß aus meinem Kopf rauskriegen soll - je mehr ich anlege, desto mehr Milch wird gebildet!
Deine Stillberaterin hat damit 100%ig Recht.
Was soll ich tun?
Ganz klare Antwort:
* Nach Bedarf weiter stillen (bitte keine zu langen Nachtpausen - 8-12 mal sollte Dein Baby in 24 Stunden trinken, denn das ist eine NORMALE Trinkhäufigkeit für Stillbabys, die für gewöhnlich auch NÖTIG ist für eine reichliche Milchbildung).
* Aus den bislang bekannten Fakten vernünftigerweise den Schluss ziehen, dass Du SELBSTVERSTÄNDLICH genug Milch hast.
* Künstliche Sauger weglassen.
Ist das wirklich so? Ganz sicher?
Wenn er einmal eingesetzt hat, dann fließt die Milch?
Klares Ja.

Ich hoffe das hilft Dir weiter,

Rückfragen immer gerne und LG
Julia
pistache
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von pistache »

Vielen herzlichen Dank, Julia! Das hilft mir sehr weiter.
pistache
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von pistache »

Dazu habe ich jetzt doch noch eine Frage:
jusl hat geschrieben:Aufsparen und Mindestabstände einhalten ist eine (gut funktionierende) ABSTILL-Methode.
Das mit den "Mindestabständen" dachte ich deswegen, weil ich davon ausging, dass es einfach eine gewisse Zeit braucht, bis sich nach einer Stillmahlzeit wieder genug Milch für eine neue Mahlzeit gebildet hat? Ist das nicht so?
Ist es tatsächlich so, dass sich die meiste Milch erst während des Stillens bildet?
jusl
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von jusl »

Das mit den "Mindestabständen" dachte ich deswegen, weil ich davon ausging, dass es einfach eine gewisse Zeit braucht, bis sich nach einer Stillmahlzeit wieder genug Milch für eine neue Mahlzeit gebildet hat? Ist das nicht so?
Nein, das ist nicht so. In der Zeit zwischen zwei Mahlzeiten bildet sich nur sehr wenig Milch (das Völlegefühl, das man nach einigen Stunden Stillpause wahrnimmt, wird v.a. durch erhöhte Durchblutung und Gewebswasser veursacht, dazu kommt ein bisschen Milch).
Wenn man immer wartet, bis sich die Brust voll anfühlt, dann stillt man auf Dauer ab, denn für die Brust ist Völlegefühl ein Zeichen für "es wird mehr produziert als getrunken wird, also Produktion herunterfahren!".
Ist es tatsächlich so, dass sich die meiste Milch erst während des Stillens bildet?
Ja. Erst mit Einsetzen des MSR, der die Milch aus den milchbildenden Zellen heraus in die Milchgänge presst, wird neue Milchproduktion in den milchbildenden Zellen angeregt.

LG
Julia
pistache
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von pistache »

Danke, Julia!
Genau das musste und wollte ich hören, um meinen Kopf zu beruhigen! Das hilft mir jetzt wirklich sehr!
jusl
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von jusl »

Freut mich. :D
pistache
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von pistache »

Es kommen trotzdem noch neue Fragen auf :oops:.
jusl hat geschrieben:dazu kommt ein bisschen Milch).
Wenn man immer wartet, bis sich die Brust voll anfühlt, dann stillt man auf Dauer ab, denn für die Brust ist Völlegefühl ein Zeichen für "es wird mehr produziert als getrunken wird, also Produktion herunterfahren!".
Aber wenn die Brüste so voll sind, dann läuft doch gerne mal Milch aus? Das ist dann echt nur ein "bisschen" Milch?

Ich muss jetzt nochmal auf unsere Nächte zu sprechen kommen. Mein Kind schläft wirklich meist von 22 bis 6 Uhr - ich kann ja auch nix dafür 8). Das sind nun mal acht Stunden, seit drei Wochen. Ich habe aber das Gefühl, dass mein Körper sich gut daran gewöhnt hat.

Ich muss sie doch nicht mitten in der Nacht wecken, wenn sie nun einmal durchschläft und es ihr damit gut zu gehen scheint? Sie wacht morgens um sechs auf und lacht mich erstmal an, sie schreit dann auch nicht gleich los, sondern wirkt echt entspannt… und dann lege ich sie natürlich sofort an (bin in der Regel vor ihr wach und warte schon auf sie :wink: ).

Und - auch wieder eine Kopfsache, wahrscheinlich - ich mag dieses Prall-Brust-Gefühl, weil ich dann eben denke, jaaa, so bekomme ich mein Kind schön satt… die Morgenmahlzeiten sind so herrlich entspannt… wie bekomme ich das Verkrampfte am Abend aus meinem Kopf raus?
jusl
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von jusl »

Aber wenn die Brüste so voll sind, dann läuft doch gerne mal Milch aus? Das ist dann echt nur ein "bisschen" Milch?
Ja.
Zumal das Auslaufen häufig nur in den ersten Monaten der (evtl. auch nur ersten) Stillzeit auftritt, danach sind die winzigen Schließmuskeln rund um die BW kräftiger, so dass kaum oder gar nicht mehr ungewollt Milch austritt.
Ich muss jetzt nochmal auf unsere Nächte zu sprechen kommen. Mein Kind schläft wirklich meist von 22 bis 6 Uhr - ich kann ja auch nix dafür 8). Das sind nun mal acht Stunden, seit drei Wochen. Ich habe aber das Gefühl, dass mein Körper sich gut daran gewöhnt hat.
Das ist schön. Selbstverständlich musst Du daran nichts ändern, wenn es Euch allen damit gut geht.
Falls aber Probleme auftauchen, die auf zu seltenes Stillen zurückzuführen sind, dann ist die erste sinnvolle Maßnahme, die langen Stillpausen nachts aufzuheben, das sollte man einfach im Hinterkopf behalten.
Wo schläft Dein Baby denn? Alleine oder bei Dir?
Und - auch wieder eine Kopfsache, wahrscheinlich - ich mag dieses Prall-Brust-Gefühl, weil ich dann eben denke, jaaa, so bekomme ich mein Kind schön satt… die Morgenmahlzeiten sind so herrlich entspannt… wie bekomme ich das Verkrampfte am Abend aus meinem Kopf raus?
Keine Ahnung :lol: - vielleicht über Sach-Infos? Wie gesagt, pralle Brüste sind ein Zeichen für ÜBERproduktion, und die Brüste wirken dieser Überproduktion (sinnvollerweise!) für gewöhnlich selbstregulativ, d.h. ganz von allein, durch VERRINGERUNG der Produktion entgegen. Wenn man ständig wartet, bis die Brüste voll und prall sind, dann hat man bald abgestillt - genau so funktioniert dieser Selbstregulationsmechanismus ja.
Davon abgesehen: Die Milch fließt bei prallen Brüsten keineswegs besser oder schneller oder so. Pralle Brüste sind nichts anderes als eine SCHWELLUNG. Schwellungen können Milchgänge abdrücken und so den Milchfluss beeinträchtigen.

LG
Julia
pistache
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von pistache »

Danke, Julia, deine Sach-Infos sind wirklich enorm informativ und hilfreich für mich.

Mein Baby schläft bei uns im Zimmer, anfangs bei uns im Bett, aber das geht mittlerweile nicht mehr gut, das es nur 1,40m breit ist - deswegen bin ich sehr dankbar, dass sie jetzt auch problemlos in ihrem eigenen Bettchen schläft, neben unserem.
Nach dem letzten Stillen am Abend schläft sie meist ein, dann lege ich sie schlafend um und das klappt sehr gut.

Ich höre sie immer, bei jedem kleinsten Geräusch. Wie gesagt, morgens muss sie nicht schreien, um mich aufzuwecken, ich höre ihre Bewegungen und werde davon wach und lege sie dann gleich an.

Jetzt hoffe ich auf entspanntes Stillen heute abend… vielleicht helfen die neuen Infos in meinem Kopf ja und tragen dazu bei. :wink:
jusl
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Re: Weinen bei Stillmahlzeiten - bitte um Hilfe!

Beitrag von jusl »

Na, dann ist ja alles bestens - viel Erfolg mit der Kopfsache. ;-)

Wenn weitere Fragen auftauchen, kannst Du Dich jederzeit gerne melden.

LG
Julia

PS: Nicht wundern, falls Dein Baby irgendwann demnächst mit Durchschlafen wieder aufhört. Sowas ändert sich gerne immer mal wieder, das ist ganz normal.
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