Das sehe ich auch so. Und: Das mechanische Entschuldigen kann beim Kind ja auch die Erwartung auslösen, dass damit alles wieder okay ist. Man entschuldigt sich, das andere Kind wird vielleicht gezwungen, die Entschuldigung anzunehmen (Hand geben oder so!) und fertig. Die Kinder können sich überhaupt nicht mit dem Konflikt selbst und ihren Gefühlen auseinandersetzen und ihnen wird die Möglichkeit genommen zu sagen "Ich entschuldige mich jetzt nicht, weil..." oder "Ich nehme die Entschuldigung aber nicht so einfach an, weil...". Als ob jeder Konflikt der Welt einfach mit "Entschuldigung" aus der Welt geschafft werden könnte. Da macht man es sich ganz schön einfach...Sandküste hat geschrieben:Bei diesem "jetzt entschuldige dich aber brav bei dem Kind" nimmt man dem Kind doch wichtige Entwicklungen einfach weg. Da bleibt ja kein Raum für Erleben, Erkenntnis, Einsehen, Beobachten - für das Lernen.
Mir ist eine wirkliche Gefühlsregung halt lieber als eine floskelhafte oberflächliche Entschuldigung.
Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
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Elena
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
genau das meinte ich auch mit "automatischer Entschuldigung und alles wieder gut", konnte es nur nicht so gut ausdrücken....Elena hat geschrieben:Das sehe ich auch so. Und: Das mechanische Entschuldigen kann beim Kind ja auch die Erwartung auslösen, dass damit alles wieder okay ist. Man entschuldigt sich, das andere Kind wird vielleicht gezwungen, die Entschuldigung anzunehmen (Hand geben oder so!) und fertig. Die Kinder können sich überhaupt nicht mit dem Konflikt selbst und ihren Gefühlen auseinandersetzen und ihnen wird die Möglichkeit genommen zu sagen "Ich entschuldige mich jetzt nicht, weil..." oder "Ich nehme die Entschuldigung aber nicht so einfach an, weil...". Als ob jeder Konflikt der Welt einfach mit "Entschuldigung" aus der Welt geschafft werden könnte. Da macht man es sich ganz schön einfach...Sandküste hat geschrieben:Bei diesem "jetzt entschuldige dich aber brav bei dem Kind" nimmt man dem Kind doch wichtige Entwicklungen einfach weg. Da bleibt ja kein Raum für Erleben, Erkenntnis, Einsehen, Beobachten - für das Lernen.
Mir ist eine wirkliche Gefühlsregung halt lieber als eine floskelhafte oberflächliche Entschuldigung.
viele Grüße
S. mit den beiden Jungs D. (11/06) & J. (02/10)
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
Ich finde Freundlichkeit und Höflichkeit sehr wichtig - und dazu gehören für mich auch 'bitte' und 'danke'.
Allerdings finde ich es ziemlich fürchterlich, wenn dies Kindern 'antrainiert' wird als wären es Kunststückchen wie das Pfötchen geben des Hundes (was mich ebenfalls manchmal befremdet). Zumal dann , wenn Wortwahl (bitte, danke, entschuldigung, gern geschehen) und Tonfall sich nicht entsprechen und sofort klar ist, dass hinter dem sich Bedanken kein eigentlicher Dank steht, ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Das mach ich mit ironischem Unterton nur wenn ich vom Verhalten mir Fremder genervt bin (Einkaufswagen in den Fersen etc.)
Meine Tochter bedankt sich sehr häufig, aber das liegt wohl eher daran, dass wir dies ebenfalls tun, auch bzw. insbesondere in der Familie. Ich bedanke mich häufig (wenn ich es empfinde!) bei meinen Mitmenschen, meinem Mann und natürlich auch bei meiner Tochter, die das dann einfach übernommen hat und bei vertrauten Personen dann auch selbst tut.
Gegenüber Fremden erwarte ich es (noch) nicht - sondern übernehme das selber und gehe davon aus, dass sie immer besser einschätzen kann, wann man um etwas bittet und sich dafür bedankt.
Eine Ermahnung zum Bedanken oder Bitten finde ich fürchterlich herablassend - auch, wenn man seinen Kindern beibringt, dass nur ein Wort (nicht das Verhalten) die Voraussetzung für eine erwünschte Handlung/Gabe ist.
Aber an sich halte ich 'Danke', 'Bitte' und andere Höflichkeitsformeln für durchaus beibringenswert!
Allerdings finde ich es ziemlich fürchterlich, wenn dies Kindern 'antrainiert' wird als wären es Kunststückchen wie das Pfötchen geben des Hundes (was mich ebenfalls manchmal befremdet). Zumal dann , wenn Wortwahl (bitte, danke, entschuldigung, gern geschehen) und Tonfall sich nicht entsprechen und sofort klar ist, dass hinter dem sich Bedanken kein eigentlicher Dank steht, ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Das mach ich mit ironischem Unterton nur wenn ich vom Verhalten mir Fremder genervt bin (Einkaufswagen in den Fersen etc.)
Meine Tochter bedankt sich sehr häufig, aber das liegt wohl eher daran, dass wir dies ebenfalls tun, auch bzw. insbesondere in der Familie. Ich bedanke mich häufig (wenn ich es empfinde!) bei meinen Mitmenschen, meinem Mann und natürlich auch bei meiner Tochter, die das dann einfach übernommen hat und bei vertrauten Personen dann auch selbst tut.
Gegenüber Fremden erwarte ich es (noch) nicht - sondern übernehme das selber und gehe davon aus, dass sie immer besser einschätzen kann, wann man um etwas bittet und sich dafür bedankt.
Eine Ermahnung zum Bedanken oder Bitten finde ich fürchterlich herablassend - auch, wenn man seinen Kindern beibringt, dass nur ein Wort (nicht das Verhalten) die Voraussetzung für eine erwünschte Handlung/Gabe ist.
Aber an sich halte ich 'Danke', 'Bitte' und andere Höflichkeitsformeln für durchaus beibringenswert!
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
- rueckenwind
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
wobei meine Wortwahl 'beibringenswert' mich jetzt doch stört - vielleicht ersetzt ihr das einfach durch 'vorlebenswert'...
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
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Lösche Benutzer 1828
Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
Man muss das aber halt nicht beibringen - das tun sie ja von allein, wenn es ihnen wichtig ist.
- Kinsale
- ModTeam-Trageberatung
- Beiträge: 7558
- Registriert: 26.10.2010, 19:12
Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
Das steht für mich außer Frage. Und klar versuchen wir, höflichen Umgang vorzuleben, bisher auch recht erfolgreich. Wie gesagt, mein Kind bedankt so ab und zu auch öffentlich
Zur Höflichkeit gehört für mich nicht immer unbedingt ein bitte und danke. Mir ist bei weitem lieber, mein Kind fragt in freundlichem Ton, ob ich ihm irgendwas gebe, als dass es ein gebelltes Bitte!! für eine höfliche Frage hält.
Zur Höflichkeit gehört für mich nicht immer unbedingt ein bitte und danke. Mir ist bei weitem lieber, mein Kind fragt in freundlichem Ton, ob ich ihm irgendwas gebe, als dass es ein gebelltes Bitte!! für eine höfliche Frage hält.
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Wortgewitter
- alter SuT-Hase
- Beiträge: 2965
- Registriert: 03.07.2011, 21:40
Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
Genau das ist ja der Punkt. Ich glaube, dass kann man nur persönlich regeln - also, wie möchte ICH persönlich in meinen Grenzen wahrgenommen werden. WEnn mein Sohn sauer ist und mich anmault und es MICH stört, dann sage ich das. Aber dazu muss man einen entscheidenden Schritt machen, nämlich von einer allgemeinen Das-macht-man-nicht-Grenze in eine persönliche Beziehung gehen. Klingt nach Wortklauberei, ist aber von der Qualität her einfach ein so großer Unterschied!
Wortgewitter mit Groß (5/09) und Klein (11/11) und Winzigklein (8/15)
und zwei **
ClauWi Trageberaterin (GK 5/2012, MK 6/2013)
Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte Dich wiegen und kleinsingen,
und Dich begleiten, schlafaus und schlafein... R.M. Rilke
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Lösche Benutzer 1828
Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
Stimmt.
Und ist auch von Beziehung zu Beziehung und von Situation zu Situation abhängig.
Mein Mann ist sehr genervt, wenn es am Tisch abends heißt "Butter" - statt "Kann ich mal bitte die Butter haben" - ich nicht, alle sind müde, ich weiß, keiner ist dem anderen übel gesonnen, ist halt einfach gerade so.
Und ist auch von Beziehung zu Beziehung und von Situation zu Situation abhängig.
Mein Mann ist sehr genervt, wenn es am Tisch abends heißt "Butter" - statt "Kann ich mal bitte die Butter haben" - ich nicht, alle sind müde, ich weiß, keiner ist dem anderen übel gesonnen, ist halt einfach gerade so.
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Wortgewitter
- alter SuT-Hase
- Beiträge: 2965
- Registriert: 03.07.2011, 21:40
Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
Ganz genau, das ist total unterschiedlich! Manchmal kann ich einem aufgeregt gebrülltem 'Befehl' nachkommen, weil ich das okay/nachvollziehbar/wasauchimmer finde. Manchmal fühle ich mich aber angegriffen oder 'befehligt' und mag nicht reagieren. Find ich auch nicht schlimm. Schlimm finde ich, wenn ich nun mein Kind erniedrige oder zwinge. Wenn ich sage 'Du, ich find das gerade ziemlich unfreundlich von Dir' ist das ja was anderes als wenn ich nun meine Wahrnehmung und Deutung über die des Kindes stelle und es zwinge, sich anzupassen 'sag schön bitte, dann kriegst du das'/'nicht in diesem Tonfall!' etc.
Und, um auf dein obiges Argument einzugehen, DAS ist ja die wertvolle Übung daran. Das man lernt, wie man so einen Konflikt der Wahrnehmungen und INteressen möglichst ohne großen Schaden löst (und ich finde des Schaden, den eine Beziehung nehmen kann, wenn die Kinder dressiert werden, viel größer als den, wenn man sich auf einer respektvollen Ebene streitet!).
Und, um auf dein obiges Argument einzugehen, DAS ist ja die wertvolle Übung daran. Das man lernt, wie man so einen Konflikt der Wahrnehmungen und INteressen möglichst ohne großen Schaden löst (und ich finde des Schaden, den eine Beziehung nehmen kann, wenn die Kinder dressiert werden, viel größer als den, wenn man sich auf einer respektvollen Ebene streitet!).
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- Kinsale
- ModTeam-Trageberatung
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- Registriert: 26.10.2010, 19:12
Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"
Ja, Du hast recht. Es kommt auf die Situation an.
Und ich finde es wichtig, mit den Kindern darüber im Gespräch zu sein, warum ein Verhalten in manchen Situationen ok und in anderen nicht in Ordnung ist.
Dass Bitte eben kein Zauberwort ist, und nicht in allen Fällen zum Erfolg führt, so wie ein dahin geworfenes "Entschuldigung" eine Situation nicht immer bereinigen kann, muss ja auch vermittelt werden.
Und ich finde es wichtig, mit den Kindern darüber im Gespräch zu sein, warum ein Verhalten in manchen Situationen ok und in anderen nicht in Ordnung ist.
Dass Bitte eben kein Zauberwort ist, und nicht in allen Fällen zum Erfolg führt, so wie ein dahin geworfenes "Entschuldigung" eine Situation nicht immer bereinigen kann, muss ja auch vermittelt werden.