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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 27.02.2018, 12:00
von Lösche Benutzer 16233
Ja, so würde ich das bewerten. "gilt nicht uneingeschränkt", aber einige Ergebnisse sind sicher übertragbar. Vor allem wenn sie der "allgemeinen Natur von Kindern" geschuldet sind

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 27.02.2018, 12:16
von RedsMama
Vronilein hat geschrieben: 27.02.2018, 12:00 Ja, so würde ich das bewerten. "gilt nicht uneingeschränkt", aber einige Ergebnisse sind sicher übertragbar. Vor allem wenn sie der "allgemeinen Natur von Kindern" geschuldet sind
Sicher, und noch dazu kommen auch die Vorlieben von einzelne Kinder und Eltern plus Kostellation Umgebung, Sprachen, Lebensweg und "angewendete Methoden". Ich warte auf dem Tag, an dem mir der Kleine sagt "Ich will aber kein PT sprechen, du kannst auch Deutsch reden!" um sofort eine zwei-wöchige Reise nach Portugal zu buchen :twisted:

Danke dir für den Buchhinweis, ich werde schauen, ob ich es in der Bücherei finden kann! :)

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 27.02.2018, 12:29
von seelenkind
Wir haben mit unserer Tochter beide Konstellationen durch, Vatersprache=Umgebungssprache genauso wie Muttersprache=Umgebungssprache und innerhalb der Familie relativ konsequentes OPOL. Ich verbalisiere viel, wiederhole korrekt, lese viel vor, hab in Mexiko gerne behauptet, dass es diese bestimmte Fernsehserie nur auf Deutsch gibt, während mein Mann nicht konsequent verbalisiert, kaum wiederholt und auch sonst schneller "aufgibt" als ich (immerhin antwortet er inzwischen wieder konsequent auf Spanisch, wenn er auf Deutsch angesprochen wird). Ergebnis: das Deutsch unserer Tochter war auch als wir noch in Mexiko gelebt haben grammatikalisch relativ sauber, die Zuordnung von Artikeln und die Fälle haben ihr nie Probleme gemacht, nur der Wortschatz war deutlich kleiner als wenn wir in Deutschland gelebt hätten, was sie aber schnell aufgeholt hat. Ihr Spanisch dagegen hat nach dem Rückzug nach D stark abgebaut, und das obwohl ich für das erste Jahr Allernverdienerin und mein Mann damit die Hauptbezugsperson war. Also meine persönliche Erfahrung ist, dass es was bringt, seine Kinder so viel wie möglich zuzutexten :lol:

Allerdings hat die Große auch mein Sprachtalent geerbt, ihr Papa hat leider keins- der lernt Deutsch seit dem Kindergarten und hat mit der/die/das bis heute Probleme.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 27.02.2018, 12:56
von RedsMama
seelenkind hat geschrieben: 27.02.2018, 12:29 Wir haben mit unserer Tochter beide Konstellationen durch, Vatersprache=Umgebungssprache genauso wie Muttersprache=Umgebungssprache und innerhalb der Familie relativ konsequentes OPOL. Ich verbalisiere viel, wiederhole korrekt, lese viel vor, hab in Mexiko gerne behauptet, dass es diese bestimmte Fernsehserie nur auf Deutsch gibt, während mein Mann nicht konsequent verbalisiert, kaum wiederholt und auch sonst schneller "aufgibt" als ich (immerhin antwortet er inzwischen wieder konsequent auf Spanisch, wenn er auf Deutsch angesprochen wird). Ergebnis: das Deutsch unserer Tochter war auch als wir noch in Mexiko gelebt haben grammatikalisch relativ sauber, die Zuordnung von Artikeln und die Fälle haben ihr nie Probleme gemacht, nur der Wortschatz war deutlich kleiner als wenn wir in Deutschland gelebt hätten, was sie aber schnell aufgeholt hat. Ihr Spanisch dagegen hat nach dem Rückzug nach D stark abgebaut, und das obwohl ich für das erste Jahr Allernverdienerin und mein Mann damit die Hauptbezugsperson war. Also meine persönliche Erfahrung ist, dass es was bringt, seine Kinder so viel wie möglich zuzutexten :lol:

Allerdings hat die Große auch mein Sprachtalent geerbt, ihr Papa hat leider keins- der lernt Deutsch seit dem Kindergarten und hat mit der/die/das bis heute Probleme.
:lol: :lol: Jetzt musste ich herzlich lachen! Ja, bei uns ist es auch so, ich bin bei weitem die gesprächigsten von uns beiden: singen, vorlesen (das Kind mag nur Gedichte :lol: ), verbalisieren, mit mir selber sprechen, mit der Familie telefonieren - mit ihm dabei - usw.. Und vor kurzem habe ich durch die TaMu herausgefunden, dass der Weltenbummler auch so eine Labbermaschine ist, der ständig mit ihr, mit den anderen Kinder und mit dem Spielzeug spricht. Hier zuhause spricht er dann mit mir, aber ich finde es nicht auffällig... :wink: Und dann in fremden Situationen sind wir beide meistens sehr ruhig. Schon lustig :D

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 27.02.2018, 16:20
von coccolone
RedsMama hat geschrieben: 27.02.2018, 11:57
nido56 hat geschrieben: 27.02.2018, 11:35 Uff, der Wikipediaartikel ist ja schon ein bisschen frustrierend. Also, verbessern bringt nichts. Man kann aber auch nicht davon ausgehen, dass Kinder die Zweitsprache irgendwann schon lernen werden, weil die Fehler fossilisieren. Dann kann man auch nicht mehr viel machen. Hm. Heisst das, dass man eben damit leben muss, wenn man ein sprachlich sehr unbegabtes Kind hat, dass es die Zweitsprache einfach nie lernen wird?

Gilt das nur für die Zweitsprache? Der Pirat macht auch in der Erstsprache für sein Alter noch viele Grammatikfehler. Typische Fehler, die normalerweise aber mit 4-5 abgelegt werden. Die Lehrerin rät, ihn sehr konsequent zu verbessern und auch aufzufordern, es korrekt zu wiederholen.
Aber hat der Pirat eine erste und eine zweite Sprache überhaupt, so wie die Definition geht? Die Teile hier: "A person's second language or L2, is a language that is not the native language of the speaker, but that is used in the locale of that person." also reine Umgebungssprache und "A person's first language is not necessarily their dominant language, the one they use most or are most comfortable with. For example, the Canadian census defines first language for its purposes as "the first language learned in childhood and still spoken" (...)." lässt denken, dass ein von Geburt an auf zwei Sprachen erzogenes Kind eben zwei "native languages" hat und nicht eine erste und eine zweite, und in diesen Fall gilt die Forschung für second language acquisition nicht uneingeschränkt. Sehe ich das richtig?
Richtig, L1 kann sich auf mehrere Sprachen beziehen. Im Grunde zählt jede Sprache, egal wieviele es sind, die ab Geburt gelernt wird als L1.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 27.02.2018, 17:45
von nido56
Ich denke schon, dass der Pirat eine Erstsprache hat. Die Sprache, in der er sein erstes Wort gesprochen hat und die bis heute die einzige ist, die er beherrscht. Dass er seit seiner Geburt auch Deutsch hört, bedeutet meiner Meinung nach nicht, dass es eine Erstsprache ist, da er sie ja bis heute nicht gelernt hat. Und aus dem Alter für den Erstsprache werben ist er ja nun mit 6 schon raus. Falls er jetzt noch Deutsch lernt, ist es also wohl eher eine Zweisprachigkeit.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 27.02.2018, 22:13
von Blumee
Oh, danke für eure zahlreichen Rückmeldungen und den Link! Viel schlauer was die praktische Anwendung betrifft fühle ich mich jetzt allerdings nicht :lol: Ich werde mal nach dem Buch stöbern, danke Larala.

Ich lege halt Wert auf korrektes Sprechen (und möglichst auch Schreiben), bestimmt in der Mutter/Hauptsprache. Also jetzt mal auf den Umgang zwischen Erwachsenen bezogen, klar machen Kinder noch viele Fehler und dürfen das auch ruhig. Aus meiner eigenen Erfahrung raus kann ich nur sagen, dass es bestimmte Fehler gab, die sich lange hartnäckig gehalten haben und wohl auch nicht verschwunden wären, wenn man mich nicht regelmäßig drauf hingewiesen hätte. Das war (zumindest bewusst) allerdings viel später, teilweise erst während der Pubertät. Hängt vielleicht aber auch mit der gängigen "Umgangssprache" ab, es gibt ja schon regional kleine "Schönheitsfehler", die eben typisch für die dortige Redensart sind und oft mit Dialekt in Zusammenhang stehen.

Ich denke, dass ich Deutsch und Französisch als meine Muttersprachen betrachten kann und beide sehr intuitiv gelernt habe. Viele Regeln kann ich auch heute noch meinem Mann zB nicht erklären, ich fühle oder höre einfach wie es richtig sein soll. Spannend wird es dann bei meinem Niederländisch, dass ich erst viel später während des Studiums gelernt habe. Die allermeisten Muttersprachler hören nicht raus, dass NL für mich eine "Fremdsprache" ist. Und trotzdem empfinde ich mein NL als ein sehr intuitives Sprechen, obwohl ich viel mehr Regeln gelernt habe. Und auch hier wurde ich - zum Glück - von Kommilitonen und Lehrern auf Fehler hingewiesen und verbessert. Deswegen wurmt mich die Frage ja so. Ich habe halt den Eindruck, dass das zum korrekten Lernen einer Sprache wichtig ist - selbst wenn man sehr intuitiv mit einer Sprache umgeht.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 28.02.2018, 01:40
von tania
meine kinder haben zwei elternsprachen, wobei die muttersprache viel stärker ist bei beiden als die vater- plus umgebungssprache. dazu haben sie noch eine "fremdsprache" - das englische. da verstehen beide alles und sprechen recht gut und gerne, aber mit italienischem akzent und alles außer einfachen floskeln nicht flüssig.

lustigerweise nehmen beide korrekturen des englischen gut an, korrekturen im italienischen dagegen GAR NICHT. (im deutschen machen beide kaum fehler, der kleine (5) manchmal noch bei starken/schwachen verben, aber wirklich nur selten.) vielleicht fühlen sie sich im italienischen zu sehr "zu hause" als dass sie irgendwie offen dafür wären es zu lernen/zu verbessern? im englischen dagegen "üben" sie begeistert.

kind5j will jetzt gerne spanisch lernen und merkt sich echt viele vokabeln und versucht sätze zu bilden. so lange ich da nur einmal korrigiere (wenn er es nochmal falsch sagt, lasse ich es), nimmt er es gut an.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 28.02.2018, 08:40
von Blumee
Kann ich mir gut vorstellen... Irgendwie nagt es ja auch etwas am Selbstbewusstsein, wenn man auf Fehler hingewiesen wird, und die Muttersprache empfindet man ja durchaus als "seins". Ich kann mich auch erinnern, dass es auch darauf ankam, WER mich korrigierte, und WIE :wink: Von meiner Mum konnte ich generell nicht so gut Verbesserungen annehmen. Veilleicht sollte ich mir das hinter die Ohren schreiben :lol:

Krass, und dein Sprößling möchte von sich aus eine vierte Sprache lernen, verstehe ich das jetzt richtig? Toll! Wie kommt er denn in Kontakt mit SP?

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 28.02.2018, 08:52
von Nusserl
die Kinder empfinden es ja nicht "als neue Sprache lernen" an sich.
meine Kinder sprechen ja Deutsch und Italienisch und die Umgebungssprache Züridütsch.
Die grosse jetzt in der Schule Englisch, aber sie versteht nicht, warum man Vokabeln lernen muss.

Die Mittlere hat von der Nanny ein paar Ausdrücke auf Spanisch gelernt. Das ist ja dem Italienischen sehr ähnlich und da macht es ihr momentan einfach Spass. Und vom Nachbarsmädchen hat sie ein paar englische Wörter aufgeschnappt. Macht ihr einfach Spass und mehrere Sprachen sind in unserem Dorf einfach normal.