Danke euch allen für den Zuspruch! Ich versuche es heute als schwierige Phase, als Durchhänger, zu sehen.
Genau über die Aspekte, Teazer, die du genannt hast, mache ich mir gerade viele Gedanken und ich schreibe sie hier einfach mal auf, um mich zu sortieren:
Ich bin mir da noch gar nicht so sicher, wie lange ich stillen möchte. Mein jetziges Ziel /Wunsch ist es, bis zum Beikoststart zu kommen und dann sehen, wie es weiter geht. Vielleicht läuft dann ja vieles einfacher und ich kann das Stillen lockerer nehmen und es mehr genießen. Dann hätte es sich alles gelohnt. Und dann ist alles offen.
Bezüglich der Vor- und Nachteile gibt es so viele ambivalente Gedanken und Gefühle...
Einmal ist da natürlich dieser emotionale Aspekt: ich finde das Stillen schön und innig. Ich finde das wunderbar, dass man sein Kind (wenn auch nur teilweise) ernähren kann.
Ich finde das Stillen, wenn es klappt, total praktisch. Aber leider ist es bei mir momentan halt sehr eingeschränkt praktisch. Praktisch ist, dass ich sie zur Not sofort stillen kann und damit Zeit überbrücken kann. Immer noch besser als immer überall hin den Flaschenkram mitzuschleppen. Das muss ich mir dann sagen. Wahrscheinlich ist das eher ein Hadern damit, dass ich nicht Vollstillen kann. Dieses Zwischending macht einem das immer wieder bewusst. Würde ich nur Fläschchen geben wäre es halt so, ich würde es nicht immer wieder in Frage stellen (oder doch???- wer weiß). Dieser Stressfaktor, mich immer wieder mit den Fragen " warum klappt es nicht? Ist sie satt? Wäre es besser abzustillen? Warum mach ich das eigentlich alles?" auseinanderzusetzen, wäre dann in meiner Vorstellung einfach weg. Und das Thema: Ernähren und Nähe geben/tanken wäre einfach eindeutig getrennt.
Auch wenn ich jetzt keine riesengroßen gesundheitlichen Bedenken habe, wenn sie nur Pre bekäme, so finde ich es doch gut, dass sie Muttermilch erhält und ich sie so doch besser ernähre. Und dass sie dann mit Beikoststart keine künstlichen Lebensmittel mehr bekommt. Denn ich selbst achte bei meiner Ernährung ja auch drauf, nicht zu viele künstliche Stoffe zu mir zu nehmen.
Was mir zu schaffen macht, ist der Gedanke der Abhängigkeit. So schön es ist, dass mein Kind mich braucht, und zwar in dem Moment nur MICH, macht mir gleichzeitig irgendwie Beklemmungen. Auch das mit dem Einschlafstillen. Wenn es denn funktioniert eine schöne Sache. Aber ich merke, dass ich mich schwer tue, nur das Saugbedürfnis zu erfüllen, also als Schnuller zu fungieren. Da werde ich immer total ungeduldig. Gleichzeitig bin ich zu bequem, sie durch andere Methoden (tragen) zum Schlafen zu bringen. Und eigentlich ist das ja jetzt unabhängig vom Stillen/nicht Stillen. Denn das könnte ich ja jetzt schon ändern, wenn es mich stört. Wobei ich den Eindruck habe, dass es beim Einschlafstillen doch wichtig ist, dass Milch kommt. Denn schafft sie es, den MSR auszulösen, dann schläft sie nach ein paar Schlücken ein. Genauso wenn ich dann doch noch mit BES stille. Es ist, als würde es sie beruhigen, dass die Nahrungsquelle funktioniert,
Ganz schlimm ist für mich der Gedanke, ihr die Brust zu entziehen. Sie will stillen und es würde mir irgendwie das Herz zerreißen, würde ich ihr das jetzt nehmen. Bei meiner Großen hat es mir zwar auch das Herz zerrissen, aber da war es ja so, dass sie nicht mehr wollte. Und das hat mich dann getröstet, dass ich ihr nichts weggenommen habe und dass ich nur mit meinem eigenen Kummer klar kommen musste.
Na und dann ist da noch dieser Bequemlichkeitsaspekt: manchmal ist Stillen wirklich anstrengend. Anstrengender als einfach kurz Pre zu machen und mit dem BES zu füttern. Und ich muss gestehen, dass ich da auch oft den Schlauch einfach geöffnet lasse, weil es bequem ist, dass sie dann einfach in Ruhe trinkt (und es dann recht schnell geht). Also ich tappe voll in die Stolpersteinfallen. Ich denke dann immer: ach, armes Baby, du musst sonst so kämpfen um die Milch, jetzt lass ich dir die Freude. Das ist dann so ein Trotzgedanke: hey, wenn ich nun dieses Ding schon benutzen muss, dann mache ich uns das Leben damit jetzt auch einfacher.
Ihre Unruhe beim Stillen ohne BES ist daher vermutlich leider teilweise auch hausgemacht :/
Zu meiner Schubtheorie:
ich weiß auch nicht- vielleicht bin ich nur auf meine " sie hat bestimmt Hunger"-Obsession hereingefallen. Andererseits erkenne ich inzwischen doch oft, ob sie eher hungrig-unruhig oder müde-unruhig oder nuckel-unruhig ist. Und wenn sie die Brust beschimpft , dann aber zufrieden ist, wenn mit BES wieder was kommt und es auch trinkt und nicht gleich einschläft, dann vermute ich doch, dass es tatsächlich Hunger war. Aber ich will natürlich auch nicht unnötig erhöhen. Sie trinkt aber dann auch einfach nicht, wenn ich ihr nur die Brust gebe, sondern meckert dann nur, dockt an, dockt ab. Das stimuliert die Brust dann ja auch nicht wirklich.
Das ist mein ewiges Gedankenkarussel. Ich bin einfach sehr ambivalent. Ich werde teilweise auch sauer, dass die Pre scheinbar so eine einfache Alternative ist. Und dass mir eigentlich fast jeder dazu rät, mir doch nicht den Stress zu machen und einfach die Flasche zu geben. Da kommt so wenig Verständnis und Zuspruch. Ich komme mir dann so blöd vor, dass ich am Stillen festhalte. Als würde ich es mir unbedingt (unnötig) schwer machen wollen. Als hätte ich eine Art Stillwahn. Dabei ist es doch eigentlich einfach ganz normal sein Baby zu stillen???!!!!! Da werde ich echt sauer und das macht mich trotzig und ich stille weiter aus Protest. Als Statement, dass es mich ankotzt, dass in unserer Zeit immer alles einfach und gradlinig sein muss. Und ich verdecke das BES nicht, wenn ich draußen damit stille. Ja, ich versuche mit jedem Mittel, auch wenn es abstrus aussieht, mein Kind weiter zu stillen.
So, jetzt ist mal alles raus, das tat schon gut. Jetzt habe ich euch alle vollgetextet
Ich wünsche euch einen schönen 2. Advent!
Liebe Grüße
Aria