koalina hat geschrieben: 12.03.2018, 13:11
Ich habe nicht alles gelesen, das vorab.
Als Kind wurde ich gezwungen zu essen. Sowohl probieren als auch aufessen. Das ich seit geburt Zöliakie und diverse unverträglichkeiten habe blieb unerkannt und interessierte niemanden. Das ich als Kind keine Nudeln, Kekse, Kuchen usw wollte. Pech gehabt. Du musst. Bei mir waren Bauchschmerzen und Durchfall so normal das ich wirklich nicht wusste das es das nicht ist. Ehrlich überrascht musste ich feststellen das es anders sein kann. Das war bitter.
Niemals, wirklich niemals würde ich mein Kind zu etwas zwingen. Das ist grausam. Ich esse auch nichts mehr "aus anstand", " um einen guten ersten Eindruck zu machen", auch nicht bei Chefs oder Einladungen vom bürgermeister. Interessanterweise finden die das gut. Und das nicht nur wegen der Unverträglichkeiten. Klar ist es für mich einfacher, da heute viele den Begriff kennen. Mich erschreckt die Erwartungshaltung. Ich erwarte von Gästen nichts, gar nichts. Es muss niemand irgendwas tun oder essen. Wir sind da weder beleidigt noch irgendwas. Und genau das macht es einfach. Jeder darf, keiner muss.
Nicht missverstehen. Aber ich weigere mich da. Durch das was ich erlebt habe nur aus Rücksicht auf wen auch immer etwas zu ertragen. Es hat auch etwas mit selbstachtung zu tun. Sonst nehme ich gern und viel Rücksicht. Hier hört es bei mir auf.
Dein Beitrag berührt mich sehr! Habe zwar keine Uncerträglichkeiten, aber mich würgt es teils bei essen, das ich nicht essen mag. Meine Eltern haben versucht mich zum Probieren zu zwingen und ich kenne den Ausspruch der Teller wird leer gegessen. Ich habe eine massive Essstörung und schiebe es z.T. zumindest auf meine Ernährungserziehung. Erfreulich ist, dass meine Mutter (mit ähnlicher Essstörung ) das mittlerweile genauso sieht. Jetzt wo der Junior da ist, haben wir uns drüber unterhalten und ich denke, sie würde heute einiges anders machen. Das finde ich echt super! !!
Mein Sohn wird nicht probieren müssen, nichts essen müssen, was ihm nicht schmeckt und, wenn er satt ist, soll er aufhören zu essen. Ich formuliere bewusst, er soll und nicht er darf aufhören! Ich möchte, dass er lernt auf seinen Körper und seine Intuition so gut wie möglich zu hören und sich und seinen Körper Wert zu schätzen. Genau diese Wertschätzung bringe ich meinem Körper nicht entgegen...
D.h. nicht, dass er lernen soll, sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Man kann Essen höflich ablehnen, sich kleine Portionen nehmen etc.
Kulturelle Zwänge als Begründung zu nehmen, sich Essen, das man nicht mag reinzuzwingen, lasse ich für mich und meine Familie nicht als Begründung gelten. Ich übernehme auch nicht ohne zu hinterfragen alle anderen Regeln und Rituale, warum sollte es beim Essen anders sein. Heutzutage gehe ich davon aus, dass sich auch Menschen anderer Kulturkreise über unsere Gepflogenheiten vorher informieren und eine Essensablehnung deshalb auch keinen Affront darstellen würde...
Übrigens, egal wie lang ich in der Küche stehe, würde ich NIE wollen, dass sich jemand was reinzwängt, dass er/sie nicht mag. Für mich ist es eher ein Beweis für Vertrauen und eine gute Beziehung, wenn geäußert wird, dass jemandem etwas nicht schmeckt. (Etwas anderes wäre es, wenn jemand mir vor den Kopf knallt: 'das schmeckt nicht!' Das tönt nach einer allgemeingültigen Feststellung und hat nichts mit dem persönlichen durchaus individuellen Geschmackserlebnis zu tun.)
Ich habe nichts dagegen, wenn jemand einzelne Komponenten aussortiert oder ggf. sogar nach einer schnellen Alternative fragt...
Ich finde es übrigens sogar unfair, wenn man vortäuscht, es schmecke einem und unterhält sich hinter dem Rücken der entsprechenden Person drüber, wie fürchterlich das oder schlimmer noch generell jedes Essen schmeckt. Würde ich sowas irgendwann im Nachhinein mitbekommen, wäre ich mega enttäuscht.
Aber es mag schon sein, dass Leute das unterschiedlich sehen. Gerade aus der älteren Generation. Aber das muss ja heutzutage nicht so fortgeführt werden.