Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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cocotte
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von cocotte »

Hallo!
hajar hat geschrieben:
ich häng mich hier mal mit dran. Hab zwar noch nicht alles durchgelesen - ist ja sooo ein langer Thread :) aber das Thema Zweisprachigkeit interessiert mich.
Genauso geht es mir auch.

Bei uns ist es so, dass ich Deutsche bin und mit unserer Tochter daher auch nur deutsch spreche, mein Mann ist Deutscher und Franzose und selber zweisprachig aufgewachsen und spricht mit ihr französisch.

Anfangs hatte er echt Bedenken, ob es ihm gelingt, da seine "Herzenssprache" doch eher das Deutsche ist (die Familie hat immer in DL gelebt). Hinzu kommt, dass unsere gemeinsame Sprache in der Beziehung auch immer nur deutsch war, und er sich das daher gar nicht vorstellen konnte, in meiner Gegenwart immer frz. zu sprechen. Aber er hat es geschafft, von Geburt an redet er wirklich nur frz. mit ihr und mittlerweile ist das das Normalste von der Welt. Ich bin superstolz auf meinen Mann, seine Geschwister haben es nämlich nicht geschafft ihre Kinder zweisprachig zu erziehen. Gut ist, dass ich auch recht gut frz. spreche, und dass wir direkt in Grenznähe wohnen, sodass die Kleine die Möglichkeit hat, später mal einen französischen KiGa zu besuchen.

wir halten uns also auch an das Prinzip "eine Person - eine Sprache", wobei ich aber sehr viel französische Kinderlieder mit unserer Maus singe, und bei Besuchen bei den Schwiegereltern wird eigentlich nur frz. gesprochen, d.h. dort hört sie mich zumindest auch mal die andere Sprache sprechen, was ich aber eigentlich ganz gut finde.
marscygale hat geschrieben:
Ich finde das Quatsch, entweder ich stehe zu meiner Sprache oder nicht. Ausser ich bin schon zweite Generation und bin mir unsicher, das kann ich nachvollziehen.
Also, mein Mann hat sich vorher auch so einen Kopf gemacht, wie er mit solchen Situationen umgehen wird, und mittlerweile handhabt er es so, dass er "draussen", d.h. in Babygruppe, bei Geburtstagen, Festen, etc. natürlich auch Frz. spricht, aber das Gesagte für Mithörende evtl. noch mal auf Deutsch wiederholt, wenn es im Zusammenhang irgendwie wichtig ist, dass die Anderen verstehen, was er gesagt hat.

So, jetzt hab ich hier gleich ein Riesenposting hinterlassen... :oops:

Ich freue mich jedenfalls auf regen Gedanken- und Erfahrungsaustauch zum Thema Zweisprachigkeit.

LG
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen

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Hilde Domin
maryam
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von maryam »

bei meinem Sohn Sami ist es so das mein Mann ganz konsequent Arabisch (Marrokanisch) mit ihm spricht.
Ich selber spreche Deutsch mit ihm.
Sami selber mischt.Es gibt gegenstände die er immer entweder mit der einen oder anderen Sprache benennt wie bei dem Begriff Milch er nutzt hierfür nur das Arabische Wort in der Aussprache kennt aber den Begriff auch im passiven Wortschatz.

Zusätzlich hatten wir die große Möglichkeit das Sami in einen Deutsch Arabischen Kindergarten geht.Dort sind beide Sprachen selbstverständlich.Zur Zeit gibt es eine Arabische und drei Erzieherinnen die mit den Kindern Deutsch sprechen.
Alle Sprechen egal wann mit den Kindern immer ihre Sprache.

Zusätzlich wird die Sprachentwicklung durch ein extra Sprachlernprogram Konlab gefördert.In diesem wird den Kindern b.s.w der unterschiedliche rhytmus beim Sprechen verdeutlicht.

Das ein Kind wie hier beschrieben zwar zwei Sprachen beherrscht aber nur eine Anwendet ist laut der logopädin die bei uns sprachbegutachtungen macht bis zu einem bestimmten Alter normal.Unsere Logopädin ist auf mehrsprachigkeit spezialisiert.

Hauptsache wir als Eltern sprechen konsequent weiter unsere jeweilige Sprache mit dem Kind.
Mein Sohn Sami ist am 29.01.07 geboren.
Mein zweiter Sohn Adam ist am 09.08.16 geboren.
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hajar
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von hajar »

Das klingt ja auch logisch, finde ich. Ein Kind kann ja vieles verstehen, aber selber eben bestimmte Ausdrücke in der einen Sprache bevorzugen. Warum auch nicht?
Da würde ich mir gar keinen Kopf drum machen... :D Hauptsache das Kind kommuniziert überhaupt verständlich!

My 2 cent für heute abend :P

Gute Nacht!
Grüße von hajar mit unendlich geliebtem Sohn (03/09)

Danke für eure Hilfe beim Ausmisten!!! Ich bin so frei. :-) Jetzt.
asujakin
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von asujakin »

Halli Hallo

Dann möcht ich mich auch dazu gesellen. Ich selbst hab bis zu meinem 6. Lebensjahr nur englisch gesprochen (der Großteil meiner Familie kommt aus den USA) Dann kamen wir (durch Scheidung, meine Mutter ist Deutsche) durch Deutschland und ich lernte deutsch. Das ging super schnell. Kontakt zur Family ist super, Besuche sind regelmäßig, Emails und Telefonate eigentlich mehrmals die Woche.

Mein Mann ist zwar "part-asian" aber er spricht nur schwäbisch :mrgreen:

Er spricht deutsch mit unserem Zwerg - Familiensprache ist vorwiegend deutsch, aber nicht ausschließlich. Wenn wir US-Besuch haben wird natürlich ausschließlich englisch gesprochen - dann auch vom Papa. Manchmal wenn wir einkaufen sind, sprechen wir auch englisch (meist, wenn wir vorher mit den USA telefoniert haben).

Ich spreche meist (nicht konsequent zu 100%) Englisch wenn ich mit dem Zwerg alleine bin.

Wenn wir unter Menschen sind, nehmen wir die "Umgebungssprache" ein - alles andere empfinde ich als unhöflich und ich möchte auch, dass mein Kind trotz allem gewohnt ist zu "switchen" und beide Sprachen zu sprechen. Er soll MICH auch deutsch sprechen hören mit der Umgebung (nicht nur mit meinem Mann), denn ich hab natürlich etwas andere "Umgangswörter" als mein Mann (natürlich sind wir beide höflich, aber bestimmte Redewendungen, Wortspiele, Redensarten usw. sind doch individuel und davon kann der Zwerg nur profitieren!). Das find ich einen ganz wichtigen Punkt. Wenn unser Neffe da ist (der leider nicht 2-sprachig erzogen wird, obwohl meine Schwester besser englisch kann als deutsch) spreche ich mit ihm ja deutsch. Ich stell mir das schwer vor beim spielen einfach die Sprache unter den beiden ständig zu wechseln, damit ich konsequent Englisch mit dem Zwerg sprechen kann.

Ich selbst bin ja nicht konsequent durch OPOL erzogen worden und spreche dennoch beide Sprachen fließend wie eine Muttersprache. Ich finde diese "offene Art" mit den Sprachen umzugehen hat mich nur flexibler gemacht. Natürlich versuchen wir OPOL im Grunde zu verwenden - aber ein paar "Lücken" halten wir uns eben auch - so wie eben die "Umgebungssprache" (wo ich dann auch deutsch mit dem Zwerg spreche) oder eben wenn wir als Familiensprache "aus Versehen" mal ne Weile Englisch sprechen...

Joah - so ist das bei uns... :mrgreen: Ich denk so individuel wie die Familien sind - so individuel ist auch die Handhabung. Wir machen es, so wie es sich für uns richtig anfühlt und nicht was Erziehungsratgeber empfehlen. Ich kenn genug Familien, bei denen es genauso so auch wunderbar klappt und die Kids nicht durcheinander sind und beide (oder alle 3) Sprachen super sprechen.

Achja - und wir werden mit Babyzeichensprache beginnen, sobald er uns auch eher anschaut - ist ja noch sehr klein :mrgreen: Damit erleichtern wir ihm die Verbindung der beiden Sprachen und er kann sich früher ausdrücken durch die Handzeichen - find ich wichtig für alle Beteiligten.

Und...ich bin kein Fan von "Ich möchte unbedingt, dass mein Kind eine zweite Sprache lernt", sondern ich bin dafür, dass man nur dann in einer "anderen Sprache" mit dem Kind spricht, wenn's eine Herzenssprache ist - auf keinen Fall aber eine erlernte Sprache...

Joah ich glaub das war's von uns soweit - wie der Kleine die Sprachen benutzen wird? Das kann ich euch in 2 Jahren erzählen :wink: da er aber so viele Situationen hat, wo er Englisch sprechen MUSS (also mit den Tanten, Onkels, dem Uropa usw.) mach ich mir keine Sorgen...

Grüßle
asu
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

für mich gibt es zwei "draußen". einmal im bus oder auf der straße - da rede ich deutsch mit meinem kind, wie wenn wir alleine sind. und wenn wir mit freunden/bekannten sind, rede ich italienisch (bzw bei menschen mit denen wir englisch sprechen englisch). das benenne ich aber nicht höflichkeit, ist aber wohl nur meiner abneigung gegen den begriff geschuldet (keine abneigung gegen das konzept höflichkeit :wink: ).
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von chennai »

asujakin hat geschrieben: Achja - und wir werden mit Babyzeichensprache beginnen, sobald er uns auch eher anschaut - ist ja noch sehr klein :mrgreen: Damit erleichtern wir ihm die Verbindung der beiden Sprachen und er kann sich früher ausdrücken durch die Handzeichen - find ich wichtig für alle Beteiligten.
Das is ja mal witzig, mein Mann will das auch. Ich mach halt mit, steh aber nicht so 100 % dahinter, muss ich gestehen...

Ansonsten auch interessant, was du zu OPOL zu sagen hast. Der große Vorteil bei dir ist halt, dass du wirklich ebenfalls 2-sprachig bist. Mein NL ist nun nicht gerade perfekt...
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von asujakin »

@channai und du machst dennoch mit, obwohl du nicht ganz dahinter stehst?

Ich muss sagen, die Zeichen sind wirklich ganz einfach und größtenteils international. Es ermöglicht dem Kind eben, sich auszudrücken, weeeeiiiit bevor es beginnt zu sprechen. Das mildert oftmals den Frust, der entsteht, wenn Kinder sich nicht verstanden fühlen und ständig nur auf was zeigen.

Ich bin gespannt, wie dieses Konzept bei uns klappen wird. Ich denk halt, gerade auch für ein zweisprachiges Kind ist es von Vorteil, weil es etwas hat, was konstant bleibt. Das Zeichen ist immer gleich. Und so kann es auch beide Sprachen verbinden und versteht schnell dass monkey ein Affe ist und obwohl es verschieden klingt doch genau das gleiche Zeichen hat. :wink: Bei dem ganzen "Sprachenwechsel" eben so ne Art "Sicherheitsanker". So nach dem Motto - "egal welche Sprache ich benutze, oder wenn ich auch mal garkeine benutze - das Zeichen versteht man immer".
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Joanna
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Joanna »

Zeichensprache? Sagt bitte etwas mehr dazu! Habe nie was von diesem Konzept gehört :oops: Klingt ganz interesant. Wocher nimmt man die Zeichen? Erfindet man sie selber?
LG
Joanna

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asujakin
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von asujakin »

Also natürlich kannst du auch Zeichen selbst erfinden, aber es gibt dazu auch Bücher, die diese (einfachen) Zeichen schon vorgeben. Somit könnte das Kind rein theoretisch auch mit anderen Kindern kommunizieren, die dieselben Zeichen verwenden. Viele davon sind international gleich. Dazu gibt's spezielle Bücher. (Kleinere Ausgaben mit 30 Zeichen oder große mit 300).

Du machst zB zu gewissen Worten (Tiere, Lebensmittel, Mama, Papa, Hunger, Durst, mehr, fertig, haben, müde usw.) ein Handzeichen - welches Sprache mit Zeichen verbindet. Da die Kinder diese Zeichen schon früher beherrschen, als sie sprechen können, ermöglicht das eine bessere Kommunikation zwischen Eltern und Kind - zudem ist es ne prima Förderung und das Gehirn muss schön vernetzen und arbeiten *hihi*

Hier mal ein Video dazu:

http://www.youtube.com/watch?v=snJvS3N_khY

Gruß
asu
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coccolone
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von coccolone »

Wir haben J auch Zeichensprache beigebracht und er benutzt sie immer noch gerne. Das erste Mal hat er mit ca. 9 Monaten beim Wickeln das Zeichen fuer Milch gemacht. In England gibt es Kurse, in denen man mit den Kindern spielt, singt und dabei halt Zeichensprache verwendet. Ich bin sehr ueberzeugt von diesem Konzept und wuerde es immer wieder machen und auch weiter empfehlen. Die Zeichensprache, die wir verwenden, basiert auf BSL (British Sign Language) - manche Zeichen sind fuer Kinder vereinfacht.
"You can't start a new chapter in your life, if you keep re-reading the last one."
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