NinaSteph hat geschrieben:
Wir erziehen unser Kind eigentlich sehr autonom. Es soll sich später selbst für Dinge entscheiden, die ihm wichtig sind. Wir taufen ihn zB. auch nicht.
Wie soll man sich FÜR oder GEGEN was entscheiden, wenn man es nicht ausprobiert und kennen gelernt hat? Nicht nur beim Essen - auch bei der Religion. Erst wenn ich eine Sache probiere habe ich einen Bezugspunkt. Dann geht es mir damit entweder gut und ich bleibe dabei. Oder es geht mir gut, ich will aber trotzdem etwas anderes probieren und schauen ob das gleich gut, besser oder schlechter ist. Oder es ist nicht gut, dann kann ich es ablehnen und mir etwas anderes suchen.
Deswegen finde ich gut und wichtig dass Eltern Richtlinien vorgeben. Wiederum auch hier, beim Essen wie bei der Religion. Wir geben unsere Überzeugung weiter. Wenn das Kind beginnt zu hinterfragen oder neugierig ist, dann geben wir Antworten. Sowohl ehrlich neutrale als auch subjektiv gefärbte die unsere Meinung darstellen - jedoch klar gekennzeichnet als solche. Manchmal kann man bevor man antwortet fragen, was das Kind glaubt. Wir müssen nicht alles zerreden. Auch müssen die Erklärungen möglichst klar und einfach sein.
Wenn du sagst, du erziehst autonom, dann musst du auch deinem Kind zugestehen sich zu ernähren wie es selbst will.
Ich bin ganz ehrlich - ich erziehe NICHT autonom. Ich bestimme dass wir ab und zu in die Kirche gehen, ich bestimme in welche Schule mein Kind geht, ich bestimme was mein Kind isst. Weil ich der Erwachsene bin und Kinder Entscheidungen von dieser Tragweite mMn nicht treffen können. Es überfordert sie. Natürlich gehe ich auf mein Kind ein, wenn ich zB. merke es möchte nicht in die Kirche oder ihm schmeckt kein Brokkoli. Aber ich gebe trotzdem klar meinen Weg vor.
Kinder brauchen Klarheit. Und wir brauchen Mut zu entscheiden.
Und DANN - später - müssen wir sie in die Autonomie entlassen. Das beginnt mMn zu unterschiedlichen Zeitpunkten und ist ein jahrelanger Prozess.
Wenn du nicht möchtest, dass kein Kind Tiere oder Tierprodukte isst, dann ist das - zumindest in den ersten Jahren DEINE Entscheidung. Wenn du möchtest, dass sich dein Kind später für oder gegen eine Religion entscheidet, dann gib ihm die Möglichkeit eine etwas besser kennen zu lernen.
Wenn du dein Kind jedoch frei und autonom erziehen möchtest - was weder besser noch schlechter ist als das vorgeben (!) - dann musst du ihm auch die freie Wahl lassen in dem was es isst. Ohne Manipulation. Ohne besorgtes Gesicht. Ohne innerlich gehen seinen Weg zu sein.
Ich möchte wirklich beide Wege als vollkommen gleichberechtigt hinstellen. Wichtiger ist hinter welchen Weg du stehst. Denn sonst sendest du Doppelbotschaften aus die dein Kind verwirrt.
Und natürlich ist das oberste Prinzip jeder Erziehung der Respekt vor der Würde des Kindes und dass du im besten Sinn handelst. Aber das muss ich ja im SuT eigentlich nicht dazu sagen... *lächel*