Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Was kommt nach dem Vollstillen?

Moderatoren: klecksauge, Mondenkind

Antworten
Lösche Benutzer 24617

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von Lösche Benutzer 24617 »

chennai hat geschrieben: 11.03.2018, 15:56
sens hat geschrieben: 11.03.2018, 15:40 Mit "WER genau und WAS genau hat deine Schwiegermutter davon" meinte ich eigentlich: "WER genau und WAS genau hat JEMAND davon, wenn du den Fisch isst, wenn du ihn nicht magst."
Aber das ist doch ganz klar: Wenn man für Gäste kocht, gibt man sich Mühe und freut sich, wenn diese Mühe dadurch belohnt wird, dass es den Gästen schmeckt. Da die Schwiegermutter ja nicht weiß, dass Schwiegertochter nur so tut, als würde es ihr schmecken, hat sie diese Belohnung ja trotzdem. Und das ist ja auch der Sinn dessen, dass man manchmal vortäuscht, dass es einem schmeckt oder gefällt oder was auch immer.
Es beantwortet die Frage nicht so ganz. Nicht so ganz tief, wie sie gemeint war.
Wenn ich mich freue, daß alle auf meiner Party meinen Salat essen, dann freue ich mich ja MIT ihnen, weil ich ihnen eine Freude machen wollte und es mir gelungen ist. Wenn den Salat NIEMAND isst, dann ist mein Salat immer noch ok, aber ich bin vielleicht enttäuscht. Abr nicht weil keiner gegessen hat, sondern weil er niemandem geschmeckt hat. Meine Bemühungen, das Schnippeln usw, habe ich ja dann gemacht damit sich die anderen freuen und nicht damit sie essen.
Wenn sie sich freuen daß sie den Salat nicht essen müssen, weil er zB eklig für sie riecht, dann ist das doch besser als wenn ich es ihnen reinrücke?
Klingt doch schon fast sadistisch.
Wenn ich wirklich Interesse an meinen Gästen habe, macht es mir keine Freude wenn sich jemand quält.
Benutzeravatar
chennai
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7506
Registriert: 04.04.2009, 21:41

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von chennai »

Naja, das ist schon klar, Sens, ich glaube, die meisten haben sich dann ja aber auch so im Griff, dass man ihnen nicht anmerkt, dass sie sich das Essen reinquälen. Und es ist ja schon auch so, dass man sich dann als Vortäuschender wieder daran erfreuen kann, dass es den Gastgeber so freut, dass es allen so schmeckt ;) Sicher kann das zu absurden Situationen führen - da kennt ja jeder den ein oder anderen Film, aber ich empfinde es trotzdem ein Zeichen der Höflichkeit und nicht der Verlogenheit, auch wenn man natürlich auch Letzteres darin sehen kann.

Apropos Film: Wir haben neulich mal den Film "The invention of Lying" - "Lügen macht erfinderisch" angeschaut - so erstrebenswert finde ich absolute Wahrheit zu jeder Zeit nun auch nicht, muss ich sagen ;)
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
Lösche Benutzer 17612

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

chennai hat geschrieben: 11.03.2018, 16:21
Apropos Film: Wir haben neulich mal den Film "The invention of Lying" - "Lügen macht erfinderisch" angeschaut - so erstrebenswert finde ich absolute Wahrheit zu jeder Zeit nun auch nicht, muss ich sagen ;)
Ich versuche gerade meinen Kindern - die ja schon älter sind- das Feingefühl zu vermitteln, zwischen einer "schlechten" Lüge und einer " guten" Lüge zu unterscheiden. Und ja, beim Essen gehört das als Gast - manchmal- dazu. Bei Erwachsenen IMHO zumindest. Klar muss man unterscheiden zwischen : " Das schmeckt total fad und ich hätte lieber etwas anderes" und " wenn ich davon noch einen Bissen esse, kübel ich auf den Teller".

Eine Freundin von uns ist eine total liebevolle, engagierte Gastgeberin und steht immer viele Stunden in der Küche, um ihre Gäste zu beglücken. Sie ist die schlechteste Köchin die ich kenne- die Frau kann einfach nicht abschmecken und verkorkst selbst die einfachsten Gerichte, die mein Sohn schon kochen kann. Ganz furchtbar. Mein Mann und ich essen mittlerweile vorher schon eine Kleinigkeit, dann dort den Anstandshappen um am Ende satt zu sein.
Ganz im Ernst- was soll ich denn sagen? Bisher hat mir noch 0,0 gar nicht geschmeckt was ich dort gegessen habe. Wir kennen uns auch zu gut, um irgendwelche spektakulären Unverträglichkeiten aus dem Hut zu zaubern. Was ich auch gar noch wollen würde- ich bin mir ganz sicher dass sie dann noch ein Extragericht für mich kochen würde das genauso scheusslich wäre :oops:
Also reiß ich mich halt zusammen um sie nicht traurig zu machen, so lange es mir nicht den Magen hebt wenn ich dort etwas esse.
Lösche Benutzer 16233

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von Lösche Benutzer 16233 »

Ich mag mich da jetzt den Erklärungen von Chennai und EllenRipley mal bequem anschließen, da sie recht genau wiedergeben was ich dazu auch gesagt hätte :)

Und doch: meine Tochter wäre enttäuscht wenn ich ihren Sandkuchen nicht essen möchte, oder wenn ich das Stück Banane nicht esse, dass sie großzügig mit mir teilen möchte ;)
deshalb mach ich ihr hin und wieder die Freude und beiße todesmutig in ihre Banane...

Und sens, ich finde du gehst da mit dem Salat Beispiel auch tiefer als nötig - zumindest für mich wird es dann auf dieser Ebene absurd.
Denn: Ich bin eben doch enttäuscht wenn 10 leute meinen Salat probieren, und ihn dann wieder ausspucken. Das ist ein blödes Gefühl.
Natürlich möchte ich meine Freunde nicht zwingen Dinge zu essen, die ihnen nicht schmecken. Aber umgekehrt möchte ich manchmal ihr gekochtes essen, obwohl es mir nicht schmeckt, um ihnen eine Freude zu machen und somit ihre Mühe zu schätzen.

100% Wahrheit um jeden Preis finde ich auch nicht gut. Die sogenannte "white lie" hat schon ihre daseinsberechtigung. Man möchte die Gefühle von Menschen dir man gern hat vielleicht nicht unnötig verletzen - vor allem wenn diejenigen einfach nichts dafür können. Das heißt ja nicht, dass man sie mit der konfrontation nicht trotzdem verletzen würde.
Lösche Benutzer 24617

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von Lösche Benutzer 24617 »

Vronilein, genau darum ging es mir aber, daß ich so "tief" gebohrt habe: Es macht dieses ganze Konzept, jemandem zuliebe etwas reinzwängen, einfach leer. Ist es nicht sinnlos so etwas zu tun? Bzw unterhält sich das Systhem nicht, weil "man es so macht"? Es wird nicht vom Sinn getragen, sondern von denen die es tun. Ein Selbstläufer, der nur funktioniert, weil sich viele an diesen Kodex halten. (Und eicht, weil es wirklich einen tiefen Sinn ergibt)
Natürlich kann ja jeder machen was er will, und das finde ich auch gut, die Welt ist bunt. Trotzdem, wie die eine Geschichte mit dem Jungen mit den Tränen in den Augen beschrieb, leiden viele Menschen drunter, weil man sich dem ganzen Gedankenkonstrukt nicht entziehen "darf". Wer sagt, daß er etwas nicht mag, ist unten durch.
Für mich macht es übrigens einen Unterschied, wenn mir jemand zusteckt, daß er keinen Fisch(oder, oder...) isst, als wenn am Tisch gemäkelt, ge"mosert" oder sonst wie abfällig über´s Essen geredet wird. Denn wie man´s verpackt, sagt ja wirklich etwas über die Wertschätzung aus.
Lösche Benutzer 24617

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von Lösche Benutzer 24617 »

"Wahrheit" kann man auch sagen, ohne einem die Faust ins Gesicht zu schlagen.
Benutzeravatar
samsara
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1391
Registriert: 20.09.2012, 23:12
Wohnort: am Bodensee

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von samsara »

Die Diskussion hier finde ich sehr interessant und bringt mich echt zum Nachdenken. Ich bin zB ein total unkomplizierter Esser was Variation und Menge angeht, ich esse also normalerweise immer alles auf und es schmeckt mir auch. Allerdings bin ich Vegetarier und habe eine richtig schlimme Erinnerung an eine Orchesterfreizeit nach Ungarn mit puh... 15?, wo die Gastfamilie am Sonntag extra irgendwelche kleinen Vögel zubereitet hat. Ich wusste, dass das was Besonderes ist und dachte, sie fühlen sich angegriffen, wenn ich es nicht esse. Also habe ich mich überwunden und dieses Ding gegessen, ich weiß noch heute ganz lebhaft, dass mir die Tränen in die Augen schossen und es einfach nur eklig für mich war. Ich bin immer noch etwas traumatisiert, denke ich.
Jetzt bin ich wie gesagt ein ganz unkomplizierter Esser (das würde in meinem Umfeld wirklich jeder unterschreiben). Wie muss es bitte für Menschen sein, die empfindlicher auf bestimmtes Essen reagieren, wenn sie es essen müssen und wo das auch häufiger vorkommt, dass sie sich vor etwas ekeln? Mir reicht dieses einmalige Erlebnis aus der Jugend echt fürs ganze Leben, ich will so etwas nie mehr erleben müssen. Vielleicht ist es also auch zu leicht dahergesagt, wenn man meint, man müsse sich manchmal der Höflichkeit halber einfach zusammenreißen, wenn man selber eher einen robusten Magen hat.

Zurück zum Thema aufessen bei Kindern: Meine Kinder sind da total unterschiedlich, der eine bekommt schnell das Würgen und lässt sich dennoch ab und zu mit Nachtisch locken, wenigstens zu probieren. Mittlerweile hat er den Würgereiz dann auch so im Griff, dass er es gesittet in die Serviette spucken kann, wenn es wirklich nicht schmeckt und damit Ost das Thema beendet. Der andere ist dagegen absolut unbestechlich und dafür nicht ganz so wählerisch. Wenn der nein sagt, kann man nichts anderes tun als es zu akzeptieren. Ich sehe das Thema sehr entspannt und sitze da vieles aus, statt ein Fass aufzumachen. Hat bisher zumindest gut geklappt.
Kleiner Wolf *07/2012 und Miniwolf *07/2015
Sophia85
gehört zum Inventar
Beiträge: 467
Registriert: 02.07.2017, 16:48

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von Sophia85 »

Ich stimme prinzipiell zu, dass Höflichkeitslügen ihren Wert haben und dem gesellschaftlichen Miteinander zuträglich sind, auch wenn das Ausmaß, in dem diese in unserer Kultur normal und erwartet sind, meiner Meinung nach absurde Züge angenommen hat.

Es macht für mich aber grade Vertrautheit aus, dass man unter engen Freunden und in der Familie offener und ehrlicher sein kann. Warum soll ich mein Kind daher nötigen, zuhause etwas zu essen, das es nicht mag? Zuhause ist doch grade der Ort und Mama doch grade die Person, wo und zu wem man einfach sagen kann, ih nee, bäh, das mag ich nicht.

Ich bin ja auch nicht traurig oder beleidigt, wenn mein Mann nicht mag, was ich gekocht habe. Ich wäre es eher, wenn er mir vorspielen würde, er möge es.

Wir haben einen gemeinsamen Freund, der eine, ähm, etwas spezielle Persönlichkeit hat und einfach immer direkt sagt, was er denkt. Der ist so extrem wählerisch beim Essen, dass ich ihn vorher schon immer frage, ob er eine Idee hat, was er haben möchte, und wenn er hier ist, nehme ich ihn mit in die Küche und lasse mir von ihm beim kochen helfen. Dann ist er nämlich mit Schuld, wenns eklig wird. :lol: Vielleicht klappt das mit meinem Sohn später ja auch, wenn er alt genug ist.

Ich hätte eigentlich nur ein Problem damit, wenn sich mein Kind so einseitig ernährt, dass die Gesundheit gefährdet ist.
Zum ersten Mal Mama, Sohn wurde 04/2017 geboren.
Lösche Benutzer 17612

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Wie kann man einer Person denn sagen dass die ganze Familie bislang dort noch nicht gegessen hat das uns geschmeckt hat ( außer das eine Mal, als wir Pizza bestellt haben?)
Ich habe/hätte kein Thema damit zu sagen " ich esse nicht gerne Fisch" weil: es bleibt dann bei mir, ist ja meine "Schuld" dass ich das nicht mag. Also wenn es eine prinzipielle Abneigung ist.
Wenn aber nun die besagte Freundin extra Chili koch weil mein Mann und ich das so gerne essen und es einfach nur so gar nicht schmeckt ( ganz im Ernst, mein Mann hat mich später gefragt wie man es fertigbringen kann, Geschmack aus Zutaten herauszukochen....), da gibt es keinen netten Weg.
Entweder ich esse eine halbwegs glaubwürdige Portion, oder ich sage ihr, dass es mir bei ihr generell nie schmeckt. Das ist doch furchtbar.


Der Kleine isst übrigens nichts das er nicht möchte, und auch keinen Bissen mehr als er möchte. Er muss sich aber auch X Mal auftun, weil ich es HASSE essen wegzuwerfen und eben Essen, das einmal auf dem Teller war, hier niemand mehr will.

Der Große isst auch mal Sachen die ihm nicht schmecken.
Kürzlich aß er eine große Portion eines Auflaufs, sagte mir hinterher dass ich das nicht nochmal kochen brauche, es habe ihm nicht geschmeckt. Als ich ihn fragte warum er dann so viel davon gegessen hat war die Antwort : er hatte mordsmäßig Hunger und war zu faul um aufzustehen, um sich ein Brot zu schmieren.
Benutzeravatar
chennai
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7506
Registriert: 04.04.2009, 21:41

Re: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt...?

Beitrag von chennai »

Samsara, ich finde, da muss man aber halt unterscheiden: Keiner hat hier je gesagt, auch ein Vegetarier solle sich doch gefälligst mal zusammenreißen und die von der Großtante liebevoll gekochten Nierchen und Leber schmatzend zu verspeisen. Und genauso gilt für mich auch die Unterscheidung, wie Ellen sie beschrieb, ob man nun das Essen reichlich fad oder zäh oder faserig empfindet und lieber was anderes hätte oder ob einen wirklich das Würgen kommt. Aber da es immer mehr Menschen mit Unverträglichkeiten und Würgereflexen zu geben scheint, können sich ja wenigstens die, die einen halbwegs normalen Magen haben, hin und wieder der Höflichkeit halber zu ner white lie hinreißen lassen und Appetit vortäuschen, auch wenn es nicht ganz dem eigenen Geschmack entspricht.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
Antworten

Zurück zu „Beikost und Familientisch“