Dorkas hat geschrieben: 11.05.2024, 22:56
Also ich habe schon viele stillende Frauen in der Öffentlichkeit gesehen, aber „Oberteil runterschieben, dass beide Brüste offen zu sehen sind“ war bisher nicht dabei.
Hier möchte ich mich anschließen.
Ich kenne VIELE Frauen, die stillen.
Und ich kenne auch Kinder, die kein Tuch über dem Kopf akzeptiert hätten. Aber ich kenne exakt NIEMANDEN, der unterwegs in der Öffentlichkeit mit zwei nackten Brüsten dasitzt.
Nicht eine.
Ich selbst habe mich (des seitlichen Einblicks wegen) in der Öffentlichkeit meist für diese Variante entschieden:
Bauch bedeckendes Kleidungsstück [z.B. Tanktop oder Kleid] von einer Brust komplett runterziehen, gleichzeitig aber das obere Kleidungsstück [Langarmshirt z.B.] hochschieben.
Wenn ich (im Sommer z.B) kein "oberes Kleidungsstück", sondern nur ein Kleid trug, dann hatte ich ein dünnes Strickjäckchen/Bolero o.ä. dabei, das den seitlichen Einblick verringert und das Kind nicht stört. Sowas passt auch in die Handtasche.
Ich muss also gestehen, dass ich an dieser Stelle des Threads zuerst an einen Troll-Account dachte:
Mandyxxx hat geschrieben: 11.05.2024, 19:37
Sie ist tatsächlich sehr offenherzig. Sie zieht meistens ihr komplettes Oberteil nach unten und sitzt offen da mit beiden Brüsten offen.
Dann fielen mir aber doch gleich mehrere Szenarien ein, die dazu führen könnten, dass jemand, der selbst (noch?*) nicht gestillt hat, den Eindruck bekommen könnte, jemand lege immer beide Brüste frei. Allen gemeinsam ist: Ihr seht Euch nicht so sehr häufig und/oder nur zu Hause.
A) das letzte Mal, als Du Deine Freundin hast stillen sehen, war bei ihr oder Dir zu Hause und das Baby noch sehr klein. Ihr kennt Euch gut genug und sie hatte kein Problem, vor Dir mehr auszuziehen, als unbedingt nötig, so dass sie es so handhaben konnte, wie es damals am günstigsten war für sie:
z.B. weil sie zum Anregen der Milchmenge Wechselstillen gemacht hat (wo man häufig die Seite wechselt). Oder weil sie manchmal parallel abgepumpt hat. Oder das Baby mit viel Hautkontakt in Bauchlage anfangs am besten andocken (oder sie so mehr Oxytocin für einen besseren Milchspendereflex produzieren) konnte. Oder oder oder ...
Und seither hast Du sie nicht gesehen, nimmst aber an, dass sie ihr 12 Monate altes Baby unterwegs immernoch genauso stillt, wie in den ersten paar Wochen/Monaten zu Hause ...
B) Du hast sie nur einmal gesehen, und da hatte sie (z.B. auf einer Feier) etwas an, das zum Stillen echt ungünstig war: ein trägerloses, ohne BH tragbares Satin-Oberteil eines Abendkleides wurde einer Bekannten von mir z.B. mal zum "Verhängnis": sie hatte gedacht, trägerlos sei ja super, da man an alles leicht rankommt - aber das Teil war dann so verstärkt mit Stäbchen und wattiert, dass sich eben NICHTS einfach oben rausholen ließ, sondern zum Stillen auf der Seite, an der NICHT der seitliche Reißverschluss war, quasi das ganze Oberteil vorn runtergeklappt werden musste ...
Nunja

(Aber sie war weder Trauzeugin noch Taufpatin o.ä. wichtiges, und konnte sich ab dem zweiten Versuch dann zurückziehen.

)
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Deshalb möchte ich mich hier anschließen:
Kirby hat geschrieben: 12.05.2024, 13:53
Mit deiner Freundin solltest du ein offenes Gespräch führen, vielleicht hast du da ganz andere Vorstellungen, als es tatsächlich der Fall sein wird. Man merkt an deinen Formulierungen, dass du sensibel mit dem Thema umgehen möchtest und das finde ich schön.
Ich vermute, Deine Freundin sitzt in der ersten Reihe, weil sie wichtig für Dich ist (Trauzeugin z.B.)
Sie wollte Dir damit, dass sie zusagt, auch in der ersten Reihe stillen zu können, sicherlich die Sorge nehmen, dass sie plötzlich verschwunden ist, wenn sie gebraucht würde. Oder dass ihr Kind laut weinen könnte.
Falls Du sie länger nicht gesehen hast: trefft Euch doch erstmal samt Kind in einem Café und schau, ob sie jetzt ihr Einjähriges unterwegs nicht einfach völlig anders stillt als Du in Erinnerung hast.
In der ersten Reihe ist man tatsächlich oft sehr blickgeschützt, was den Rest der Gesellschaft anbelangt - besonders, wenn rechts und links jemand Vertrautes sitzt. Dann sieht höchstens der Pfarrer/Redner etwas, den man schlicht vorher informieren kann.
Falls Ihr aber von vorn Filmaufnahmen der gesamten Zeremonie macht (in Kirchen eher unüblich) sieht das anders aus.
Sprich halt mit ihr darüber.
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Zur Adoption: Alles Gute dafür! Wenn es soweit ist/näherrückt, komm gern wieder. Tragen, Schlafen, Beikost , Erziehung ... Es gibt so viele Themen, die mit Adoption genauso wichtig sind

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Und Flasche geben kann man auch babygerecht und bedürfnisorientiert (eher aufrecht gehalten, so, dass das Baby das Tempo bestimmt, mit Seitenwechsel, mit Hautkontakt, ...).
[*Einige Adoptivmütter versuchen es (je nachdem, wie früh sie von der Adoption erfahren und wie jung ihr Kind dann sein wird) auch mit dem Stillen: Vielleicht magst Du Dich mal zum Thema Adoptivstillen oder "Induzierte Laktation" belesen.
Das ist aber wirklich (!) kein Muss und es gibt tausende andere Arten, einem Baby gute Eltern zu sein und Bindung aufzubauen, als Energie in Milchbildung zu investieren. Ich wollte es nur der Vollständigkeit halber erwähnt haben.]
Alles Gute für Dich und Deine Familie, und eine schöne Hochzeit wünsche ich Euch!