Missie hat geschrieben: 24.06.2020, 23:07
Ja, das sehe ich auch so. Daher sind wir nach langem hin und her bei unserer Regelung gelandet. Es gibt keine Medien bei Langeweile oder zur Ablenkung.
Das sehe ich im Prinzip auch so, deshalb unterbinde ich manchmal auch Hörbuchkonsum. Z.B. fangen meine Kinder öfter nach vielen Tagen, in denen sie irgendwas Tolles mit Playmobil oder Lego aufgebaut und bespielt haben, irgendwann an, stattdessen Hörbücher zu hören und rumzuliegen/zu malen/zu häkeln. Ich finde das natürlich auch okay, aber irgendwann merke ich, dass sie das Hörbuch anschalten, um einem Konflikt untereinander (was wird gespielt?) aus dem Weg zu gehen oder um sich nicht der Realität zu stellen, dass DIESES Playmospiel jetzt ausgereizt ist und man alles aufräumen, mal saugen und dann was Neues anfangen sollte.

Das ist der Zeitpunkt, an dem ich zum gemeinsamen Aufräumen blase, und danach ist wieder eine Woche lang kein Interesse an Hörbüchern da.
In dem Fall sehe ich nicht das Hörbuch an sich als Problem an, sondern den Grund, warum es eingesetzt wird. Ich möchte, dass meine Kinder lernen, sich selbst zu beobachten, nicht nur beim Medienkonsum, sondern auch bei anderen Tätigkeiten, und durchaus auch zu hinterfragen, ob ihnen das jetzt gerade guttut. Und das ist natürlich bei jedem anders.
@mama2008: Ja, berieseln lassen finde ich auch mal okay. Mache ich ja auch. Dieses Bedürfnis scheint bei meinen Kindern aber weitgehend durch Vorlesen abgedeckt zu sein. Wir lesen abends 30-60 min vor und in den Ferien/am Wochenende auch mittags nochmal 30 min (wir lesen fast nur Sachen, die wir Erwachsenen auch mögen, deshalb ist das auch für uns eine schöne Zeit jeden Tag). Das sind so die Tageszeiten, besonders mittags, wo berieseln hier auch gut in den Biorhythmus passt. Manchmal gucken sie stattdessen mittags auch Maussendung. Finde ich auch okay. Ich fände es aber ihrem Alter nicht so entsprechend (sie sind 7 bis 11), wenn sie reflexartig jeden Tag nach Fernsehen/Computer/Handydaddeln fragen würden oder wenn das länger wäre als die Sendung mit der Maus. Nach meinem Gefühl brauchen meine Kinder eigentlich keine/kaum Berieselung. Sind sie in der Stimmung, in der Erwachsene sich berieseln lassen würden, hängen sie 20 min seufzend auf dem Sofa rum, wissen nix mit sich anzufangen - und starten dann plötzlich irgendeine neue Beschäftigung. Ich will das Berieselnlassen also nicht verteufeln, aber ich habe Zweifel daran, dass es (für Kinder UND Erwachsene!) in der jeweiligen Situation die beste Strategie ist. Eine Runde spazieren oder joggen gehen, sich einfach still hinsetzen und die Gedanken schweifen lassen, lesen... das alles wären ja Alternativen, die ich tief in meinem Herzen für besser halte. Ich mache es selbst trotzdem oft genug anders und gestehe das auch meinen Kindern zu, aber ich möchte nicht, dass sie Medienkonsum als einzige Standardstrategie kennenlernen, mit solchen Situationen umzugehen.