Selbstbeatimmter Medienkonsum?

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Elena
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Elena »

Nielaim hat geschrieben: 24.06.2020, 21:25 Vielen Dank für eure Antworten.

Mit Selbstbestimmung scheint es wohl überall schlecht zu gehen.
Wobei das Prinzip mit den Karten ja schon etwas selbstbestimmt ist.

Fernsehen darf mein Sohn so gut, wie nie. Hauptsächlich wegen der Kleinen will ich nicht, dass der Fernseher im Wohnzimmer läuft. Ausnahmen gab es natürlich schon.

Mal sehen, wie es wird, wenn die Kleine etwas älter wird....
Elena hat geschrieben: 24.06.2020, 10:56 Das war hier schon oft Thema mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, vielleicht bekommst du hier auch Eindrücke:
viewtopic.php?f=30&t=214571&hilit=Medienkonsum
Und Berichte über größere Kinder - vielleicht perspektivisch auch interessant:
viewtopic.php?f=201&t=216895&hilit=Medienkonsum
Vielen Dank für die Links - leider bin ich nicht berechtigt, diese Threads zu sehen :(
Ach schade... ehrlich gesagt liest man da fast überall: Selbstbestimmt klappt es nicht. Und mich wundert das nicht. :oops: Woher sollte das denn kommen? Wenn ein Kind früh den Weg des geringsten Widerstands lernt (Videos als Ablenkung in unangenehmen Situationen, elektronische Medien als Unterhaltung bei Langeweile etc.) - woher soll dann die Fähigkeit kommen, sich mit "anstrengenderen" Dingen zu befassen? Wie oft verdaddeln wir Erwachsenen Zeit auf eine Weise, von der wir wissen, dass das uns mehr schadet als nützt? Und wir WISSEN, das bestimmte Dinge nicht so gut für uns sind, können uns aber trotzdem nicht zusammenreißen. Warum soll ein Kind, das noch total nach Lustprinzip und im Hier und Heute lebt (und leben soll!), das können?

Insofern finde ich die Idee des selbstbestimmten Medien-/Süßigkeitenkonsums in vielen Fällen etwas verlogen. Denn echte Selbstbestimmung erhoffen sich die Eltern meistens nicht, sondern sie hoffen, dass das Kind von selbst möglichst wenig konsumiert. :lol: Letztendlich gewähren sie eine Freiheit, haben dabei aber eine klare Hoffnung an das Kind, wie es mit dieser Freiheit umzugehen hat - und verlangen dabei vom Kind etwas, das es gar nicht leisten kann.
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Missie »

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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Linda89 »

Hab nur den Ausgangspost gelesen. Unbeaufsichtigt YouTube würde ich auf gar gar gar keinen Fall machen!!!! Da können richtig miese Sachen kommen! Ton und Bild von Zeichentrick und dann plötzlich Porno Bild. Ich hab keinen Kindern schon oft erklärt, dass sie auf keinen Fall alleine YouTube schauen dürfen und dass das sehr gefährlich sein kann. Amazon Prime oder irgendwelche Apps gerne, aber nie nie nie alleine YouTube.
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Linda89 »

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Elena
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Elena »

Elena hat geschrieben: 24.06.2020, 22:26Wenn ein Kind früh den Weg des geringsten Widerstands lernt (Videos als Ablenkung in unangenehmen Situationen, elektronische Medien als Unterhaltung bei Langeweile etc.) - woher soll dann die Fähigkeit kommen, sich mit "anstrengenderen" Dingen zu befassen?
Das klingt jetzt so, als ob ich jedes Mausgucken, wenn man im Stau steht, verdammen würde. So krass meine ich das gar nicht. Aber ich bin schon der Meinung, dass es auf lange Sicht besser ist, mal ein wütendes Kind beim Zähneputzen/Kochen/Bahnfahren zu ertragen, als jedes Mal reflexartig das Handy rüberzureichen. Ich weiß, die meisten Familien bewegen sich irgendwo dazwischen. Aber ich persönlich habe gute Erfahrungen damit gemacht, in solchen Situationen lieber mal Ärger auszuhalten, als gleich für elektronische Ablenkung zu sorgen. Denn im ersten Fall entwickelt das Kind fürs nächste Mal eine Strategie, selbst mit der Situation klarzukommen (vielleicht erst nach dem 10. Mal), im andern Fall kommt beim nächsten Mal reflexartig der Ruf nach Mausvideo.

Wir sind 5 Jahre lang einmal pro Woche erst mit einem, dann mit zwei und am Ende mit drei Kindern fast anderthalb Stunden mit Öffis quer durch die Stadt zum Schwimmkurs gefahren - und abends zurück. Da hat es zahlreiche Situationen gegeben, in denen eine Mausapp für Ruhe gesorgt hätte. :lol: Beim ersten Kind waren wir allerdings noch smartphonelos (zumindest mausapplos) und überhaupt hätte meine Akkuleistung das nicht hergegeben. Jedenfalls kam ich gar nicht auf die Idee. Ich habe aber müde oder motzige Kinder mit Spielen, Kuscheln, Rumlaufen unterhalten. Etwas, das sie später dann auch untereinander konnten. Ja, das war anstrengend. Aber ich finde, es hat sich total gelohnt.
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Missie »

Ja, das sehe ich auch so. Daher sind wir nach langem hin und her bei unserer Regelung gelandet. Es gibt keine Medien bei Langeweile oder zur Ablenkung. Und ich finde Spiele auch sehr viel besser als Videos.
Habe letztens noch meinem Großen erklärt, dass Fernsehen Langeweile nicht beheben, sondern nur zeitweise überdecken kann.
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von mama2008 »

Ich finde man darf sich aber durchaus auch einfach mal berieseln lassen. Wir, ich selbst nutze das sehr selten, aber wenn, dann find ich das nicht schlimm. Und auch meine Kinder dürfen sich mal berieseln lassen.
Meine Kids sind älter, wir haben hier vor Corona die Regelung gehabt, Montag bis Donnerstag keine Medien bzw der große nutzt 1 std sein Handy. Freitag und Wochenende jeweils 1,5 std. Seit Corona sind es 1,5 std am Tag. Einfach daher, dass sehr viel mehr Zeit zur Verfügung ist.
Als meine Kinder kleiner waren gab es medienfreie Tage, an den anderen wurde besprochen, was gewünscht ist, das war mal ne halbe Stunde Tablett, mal Sendung mit der Maus, mal ein Film.
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Elena »

Missie hat geschrieben: 24.06.2020, 23:07 Ja, das sehe ich auch so. Daher sind wir nach langem hin und her bei unserer Regelung gelandet. Es gibt keine Medien bei Langeweile oder zur Ablenkung.
Das sehe ich im Prinzip auch so, deshalb unterbinde ich manchmal auch Hörbuchkonsum. Z.B. fangen meine Kinder öfter nach vielen Tagen, in denen sie irgendwas Tolles mit Playmobil oder Lego aufgebaut und bespielt haben, irgendwann an, stattdessen Hörbücher zu hören und rumzuliegen/zu malen/zu häkeln. Ich finde das natürlich auch okay, aber irgendwann merke ich, dass sie das Hörbuch anschalten, um einem Konflikt untereinander (was wird gespielt?) aus dem Weg zu gehen oder um sich nicht der Realität zu stellen, dass DIESES Playmospiel jetzt ausgereizt ist und man alles aufräumen, mal saugen und dann was Neues anfangen sollte. :lol: Das ist der Zeitpunkt, an dem ich zum gemeinsamen Aufräumen blase, und danach ist wieder eine Woche lang kein Interesse an Hörbüchern da.

In dem Fall sehe ich nicht das Hörbuch an sich als Problem an, sondern den Grund, warum es eingesetzt wird. Ich möchte, dass meine Kinder lernen, sich selbst zu beobachten, nicht nur beim Medienkonsum, sondern auch bei anderen Tätigkeiten, und durchaus auch zu hinterfragen, ob ihnen das jetzt gerade guttut. Und das ist natürlich bei jedem anders.

@mama2008: Ja, berieseln lassen finde ich auch mal okay. Mache ich ja auch. Dieses Bedürfnis scheint bei meinen Kindern aber weitgehend durch Vorlesen abgedeckt zu sein. Wir lesen abends 30-60 min vor und in den Ferien/am Wochenende auch mittags nochmal 30 min (wir lesen fast nur Sachen, die wir Erwachsenen auch mögen, deshalb ist das auch für uns eine schöne Zeit jeden Tag). Das sind so die Tageszeiten, besonders mittags, wo berieseln hier auch gut in den Biorhythmus passt. Manchmal gucken sie stattdessen mittags auch Maussendung. Finde ich auch okay. Ich fände es aber ihrem Alter nicht so entsprechend (sie sind 7 bis 11), wenn sie reflexartig jeden Tag nach Fernsehen/Computer/Handydaddeln fragen würden oder wenn das länger wäre als die Sendung mit der Maus. Nach meinem Gefühl brauchen meine Kinder eigentlich keine/kaum Berieselung. Sind sie in der Stimmung, in der Erwachsene sich berieseln lassen würden, hängen sie 20 min seufzend auf dem Sofa rum, wissen nix mit sich anzufangen - und starten dann plötzlich irgendeine neue Beschäftigung. Ich will das Berieselnlassen also nicht verteufeln, aber ich habe Zweifel daran, dass es (für Kinder UND Erwachsene!) in der jeweiligen Situation die beste Strategie ist. Eine Runde spazieren oder joggen gehen, sich einfach still hinsetzen und die Gedanken schweifen lassen, lesen... das alles wären ja Alternativen, die ich tief in meinem Herzen für besser halte. Ich mache es selbst trotzdem oft genug anders und gestehe das auch meinen Kindern zu, aber ich möchte nicht, dass sie Medienkonsum als einzige Standardstrategie kennenlernen, mit solchen Situationen umzugehen.
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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Sassenach »

Linda89 hat geschrieben: 24.06.2020, 22:31 Hab nur den Ausgangspost gelesen. Unbeaufsichtigt YouTube würde ich auf gar gar gar keinen Fall machen!!!! Da können richtig miese Sachen kommen! Ton und Bild von Zeichentrick und dann plötzlich Porno Bild. Ich hab keinen Kindern schon oft erklärt, dass sie auf keinen Fall alleine YouTube schauen dürfen und dass das sehr gefährlich sein kann. Amazon Prime oder irgendwelche Apps gerne, aber nie nie nie alleine YouTube.
Wir haben seit 2 Jahren (?) YouTube Kids auf dem tablet installiert (jedes Kind hat seinen Account - das finde ich super, weil sie doch jeder andere Videos anschauen)
Bisher ist mir da noch nie was unpassendes aufgefallen.
Gruß Sassenach

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Re: Selbstbeatimmter Medienkonsum?

Beitrag von Linda89 »

Okay, YouTube Kids kenne ich nicht. Ich selbst kriege manchmal sehr krasse Sachen vorgeschlagen und von anderen Eltern, die YouTube (ich meine auch mit Kinderbeschränkung) nutzen, hab ich eben genau diesen Fall beschrieben bekommen. Hab dann gegoogelt und rausgefunden, dass das gar nicht so selten ist...
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