Wenn das Dorf fehlt ...

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Elena
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von Elena »

feuerdrache hat geschrieben:

Verklärt das Dorf nicht zu sehr, denn die Kinderwelt war und ist hier nicht so heil wie ihr das gerne sehen würdet. Klar, anders als in der Stadt. Aber auch anders als in der Vorstellung
Da hast du sicher Recht, allerdings erstehe ich sowohl den Artikel als auch die Diskussion hier eher als Diskussion um das sprichwörtliche Dorf, nicht das reale. Also eine Gemeinschaft, in der man sich umeinander kümmert, aufeinander verlässt und - ja, auch einmischt und alle irgendwie an Betreuung und Erziehung beteiligt sind. So ein "Dorf" kann man sich meiner Meinung nach auch aufbauen, wenn die Bedingungen günstig sind, durch Kontakte in der Nachbarschaft, im Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis.
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Sakura
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von Sakura »

jente hat geschrieben:gegen Abstillen/Nuckel/frühe Anstattkost usw zu diskutieren
Das betrifft aber eher die Babyzeit / Kleinkindzeit, wenn die Kinder sowieso noch überwiegend am Rockzipfel hängen. Das Dorf fehlt später, uns fehlt es auch. Erwachsenen außer den Eltern, die die Kinder gut kennen, ansprechen können, sich auf Hilfe verlassen könnten, sich mit ihnen reiben, an ihnen wachsen, von ihnen lernen....

Meine Kinder gehen bewusst wenige Stunden pro Tag in den Kindergarten, weil sie sonst Tag und Nacht nur mit mir zusammen wären, und ich es nicht gut finde, wenn Kinder immer nur mit einem einzigen Erwachsenen zusammen sind (manchmal ist der Papa da, aber eben meistens nicht). Ansonsten... tja...
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Sarasu
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von Sarasu »

Eigentlich geht es eher um Clan als um ein Dorf im modernen Sinne. Darum dass die Menschen den größten Teil ihrer Geschichte in mittelgroßen Gruppen zusammen gelebt haben, in denen sich alle gegenseitig unterstützt haben.

Sohn L. 7/10 und Tochter E. 8/14
Sohn L. Juli 2010 und Tochter E. August 2014, Sommersternchen 2013

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In der Weite des Meeres sieht man die gesegelte Meile nicht. Aber sie ist gesegelt!
Elena
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von Elena »

Und heutzutage werden diese Gruppen eben durch professionelle Hilfe (Putzhilfe, Erzieher, Pfleger) zu einem großen Teil ersetzt. Das hat Vor- und Nachteile...
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swimfan
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von swimfan »

Ich les mal mit
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Lösche Benutzer 20611

Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von Lösche Benutzer 20611 »

Ich auch erstmal nur, ist spät...


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jente
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von jente »

Sarasu hat geschrieben:Eigentlich geht es eher um Clan als um ein Dorf im modernen Sinne. Darum dass die Menschen den größten Teil ihrer Geschichte in mittelgroßen Gruppen zusammen gelebt haben, in denen sich alle gegenseitig unterstützt haben.

Sohn L. 7/10 und Tochter E. 8/14
Das ist schon klar. Allerdings wird mMn auch das Leben in diesen Clans idealisiert. Das funktionierte aus meiner Sicht nämlich auch nur dann gut für den Einzelnen, wenn man nicht zu weit herausfiel und sich zB an die vorgegebene Rollenverteilung und Meinung hielt. Und meine Liste an Diskussionsthemen oben war keinesfalls abschließend gemeint, sondern lässt sich beliebig auf jedes Alter erweitern - wer Anregungungen sucht, braucht ja nur mal im "Schwiegermutterthread" und anderen hier im Forum lesen.
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Binelein
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von Binelein »

Elena hat geschrieben:Und heutzutage werden diese Gruppen eben durch professionelle Hilfe (Putzhilfe, Erzieher, Pfleger) zu einem großen Teil ersetzt. Das hat Vor- und Nachteile...
Ich sehe eher Vorteile. Wenn ich eine Putzhilfe bezahle, ist sie Dienstleister und ich kann ihr klare Anweisungen geben. Ist es eine private Hilfe, muss ich dankbar sein und aufpassen, dass ich sie nicht beleidige, wenn ich es anders gemacht haben will.

Ebenso die Erzieher im Kindergarten: sie sind Dienstleister und ich kann viele Sachen angeben, wie es für mein Kind gilt. Es ist verlässlich, der Kindergarten sagt nicht mal ab, weil es nicht geht.
Passt jemand privat auf, muss ich eher hinnehmen, wie es dort läuft. Bin abhängig, dass es klappt und die Leute nicht absagen. Und bin wieder verpflichtet zu Dankbarkeit und ggf Gegenleistung.
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rueckenwind
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von rueckenwind »

Ich denke da kommen einige Faktoren zusammen, zum einen ist unsere Vorstellung vom Individuum noch gar nicht so alt oder gar selbstverständlich und es gibt viele Gesellschaften, in denen das Spannungsfeld zwischen einzelner Person und Gruppe ganz anders ist, zum anderen haben sich einfach die Vorstellungen von Kindheit, Persönlichkeitsausbildung, Familie in den letzten Generationen in unseren Breitengraden deutlich verändert und das hängt sicherlich auch mit dem Fehlen des sprichwörtlichen "Dorfes" zusammen.

Ich für meinen Teil bin da zwiegespalten - einerseits macht mich die räumliche Distanz zu anderen Familienmitglieder manchmal traurig und wären sie näher ließe sich vieles sicherlich leichter organisieren, andererseits bin ich auch wieder sehr froh, den Kontakt so sehr selbst bestimmen zu können und unabhängig zu sein.

In dem knappen Jahr, das ich in Zentralasien verbracht habe, hatte ich oftmals den Eindruck, dass die ausgeprägten Klanstrukturen oftmals den Kontakt nach Außen stark begrenzten und die 'stärksten' Mitglieder der Großfamilie ziemlich deutlich die Richtung vorgaben. Das widerspricht dann in vielem einfach doch sehr unserem Bild vom selbstbestimmten Individuum. Andererseits ist man innerhalb dieser Strukturen niemals allein und nur selten auf Hilfen von 'Außen' angewiesen.

Wir sind momentan dabei, umzuziehen und ich würde mir oftmals wünschen, dass einfach mehr Menschen da wären um mal die Kinder zu übernehmen, gemeinsam zu kochen o.ä., aber leider sind eigentlich alle Freunde sehr weit verteilt und unglaublich eingespannt in Beruf, Familie (so wie wir selbst ja auch). Ich bin sehr gespannt, wie sich das hier im Ort (eher ländlich) gestalten wird.
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
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Jia
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Re: Wenn das Dorf fehlt ...

Beitrag von Jia »

Mir fehlt "das Dorf" manchmal schon sehr. Da mein Mann eine akademische Karriere anstrebt und ich beruflich auch flexibel bin, ist klar, dass wir frühestens in 7-10 Jahren wirklich "ankommen", vorher müssen wir mit befristeten Arbeitsverträgen leben und entsprechend oft umziehen. Dass wir jetzt schon 5 Jahre in Berlin sind und wahrscheinlich noch mind. 2 Jahre bleiben werden, ist da schon lang. Die Familie lebt 700 km entfernt in der Schweiz, die Freunde (oft von der Arbeit, deshalb mit ähnlicher Problematik) sind quer über den Kontinent verstreut. Und da ich selbst nicht so der extrovertierte Typ bin, bleiben viele Bekanntschaften in der näheren Umgebung entsprechend oberflächlich. Bevor wir Kinder hatten, war das auch kein Problem, aber so langsam vermisse ich gleichgesinnte Freunde in Reichweite schon. Sich da ein tragfähiges Netz aufzubauen, ist (wie im Artikel geschildert) tatsächlich Arbeit, zu einem Zeitpunkt, wo ich eigentlich sowieso schon genug sonst zu tun habe. Und eben, da wir wohl noch mehrfach umziehen werden, ist das auch immer vorübergehend, danach muss man wieder bei fast Null beginnen. Alles deutlich schwieriger als zu Zeiten, wo man sein ganzes Leben im Dorf verbracht hat...

Umso wichtiger finde ich, dass man sich Unterstützung holt, wo man sie bekommen kann. Und das muss eben nicht nur auf die Umgebung beschränkt sein. Auch ein virtuelles Dorf kann in vielen Bereichen sehr hilfreich sein, und das SuT ist hier eine meiner Lieblingsecken. Gerade wenn man als Mutter mehr Rat als konkrete tatkräftige Hilfe braucht, geht das online ja genauso gut. Und es ist schön, dass man da fast jede noch so "peinliche" Frage stellen kann, gerade weil man keine Fassade aufrecht erhalten muss.
Mit Maikäfer (2014) und Junikäferchen (2016)
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