Tja, und was ist nun egoistischer: ein weiteres Kind uuuuundbedingt zu wollen - auch wenn es vielleicht Einschränkungen mit sich bringt? Oder auf die eigene bessere Stelle zu beharren, das Leben so einigermaßen angenehm zu halten, wie es denn nun mal gerade ist?
Also ehrlich, aus meiner Perspektive und meinem Menschenbild heraus fühlt sich das Zweite egoistischer an.
Aber ich mag da nicht werten: Denn ich finde, ein bisschen Egoismus gehört wohl zu unserem Menschsein notwendig dazu ... Denn wenn es uns mit Entscheidungen - noch dazu so wichtigen - nicht gut geht, dann wird es unserem Umfeld auch nicht gut damit gehen. Ist es aber eine stimmige Entscheidung, dann wirst Du auch dazu stehen können, wenn es mal schwer fällt! Und Du hast es doch bereits bewiesen: Du hast es auch geschafft, als Dein Mann Dich verlassen hat ... Du hast in vielerlei Hinsicht "worst case" erlebt! Und bist trotzdem nicht daran kaputt gegangen ... Was soll jetzt schlimmer werden?
Ich wünsche Dir, dass es besser wird: dass Dein Mann dieses Mal zu Dir steht, dass Schwangerschaft und Geburt besser werden ...
Aber natürlich werden Phasen der Überforderung kommen, Phasen, in denen Du alles infrage stellst ... Die Hormone tun da schon das ihre dazu ... sorry, ist leider so ...
Aber diese Phasen wird es auch so geben: Stell Dir die Szenen vor, dass Du in 10 Jahren Deinem Mann sagst, dass Du ihm zuliebe auf ein zweites Kind verzichtet hast, weil Du Sorge hattest, dass es wieder schlechter wird; dass Du ebenfalls in 10 Jahren Deiner Mutter sagst, dass Du ihretwegen auf ein zweites Kind verzichtet hast, weil Du mit ihr im Haus wohnen bleiben wolltest, weil Du ihr nicht die Betreuung zweier Kinder zumuten wolltest ... Ich höre da mal Deinen Mann, der Dir sagt, wie schön es doch wäre, nun zwei Kinder hier zu haben ..., Deine Mutter, die sich danach gesehnt hätte, mal unbefangen zwei Enkel zu betreuen ... - Der Große wird ja schnell größer ...; wie sie Dir sagt, dass sie doch in ihrer Wohnung zusammengerückt wäre, wie Du Räume bei ihr hättest nutzen können o.ä.
Unsere Fantasien haben da schon ihre eigene Macht, unserer Umwelt Dinge in den Mund zu legen, die sie so überhaupt nicht sehen. Du hast Vermutungen, ich äußere meine mal als Außenstehende ... Wie sie es wirklich sehen, wirst Du nur im Gespräch herausfinden - wenn sie es denn jetzt schon einschätzen können.
Denn ein solches Kind hat doch "Zauberkräfte" - gerade dem eigenen Papa gegenüber, aber auch der Oma gegenüber ...
Wie wird es Dir in 10 Jahren gehen, wenn Du die eine oder die andere Entscheidung gefällt hast?
Meine Kinder hier sind 3 Jahre auseinander. Die spielen soooo toll miteinander!!! JAAA, sie streiten auch. JAAA, es wäre viel ruhiger hier im Haus, wenn nur eine da wäre. Viel weniger anstrengend; gerade die zweite ist oft soooo laut ... Aber es wäre langweilig. Es würde was fehlen. Egal welches Kind nicht wäre. Sie würden sich gegenseitig fehlen. Sie sind ein Geschenk füreinander.
Meine Eltern wundern sich, wie oft ich sie sich selbst überlasse. Ich glaube, die Generation unserer Eltern hat vieles nicht getan, was uns Geschwister so zusammenführt, wie ich das heute bei so vielen erlebe. Wir waren niemals so dicke als Kinder, weil unsere Eltern uns da eher getrennt haben. Okay, meine Schwester und ich haben als Erwachsene gut zusammengefunden und sind heute sehr, sehr dankbar füreinander. Aber ich habe den Eindruck, dass Geschwister heute viel mehr miteinander tun als in meiner Kindheit ...
Und gleichzeitig geht es Einzelkindern viel besser als Einzelkindern zu meiner Zeit.
Dein Kind wird Dir also nichts vorwerfen - so nicht oder so ... Gleichzeitig wird es Dinge geben, die nicht so gut waren für ihn, die er Dir vorwerfen mag. Widersprüchlich? Ja. Ist es. Will damit sagen, dass er Dir beide Entscheidungen vorwerfen kann und beide Entscheidungen für gut befinden kann, weil es für beide Gründe gibt. Es gibt Gründe, warum es besser ist, der jüngere Geschwisterteil zu sein, und welche, warum es besser ist, älter zu sein. Ja. Ist so. Ist aber nicht zu ändern.
Ach so. Vergessen. Dein Mann wird sich nicht genug einbringen. Punkt. Nicht weil er faul ist. Aber weil man es uns nicht recht machen kann. Weil es einfach nicht geht. Wenn Dir die Decke auf den Kopf fällt, weil Du Dich nur um die Kinder kümmerst, er dann arbeitet (oder auch nicht), sind Männer anders als wir. Ausnahmefrauen mit Ausnahmemännern bitte mal weghören ... Aber ich gehörte zu der Kategorie, die die Hormone hier echt lahm gelegt haben. Er hat zu wenig gemacht. Er hat aber viel gemacht. Er hätte es mir nicht recht machen können. Und gleichzeitig wusste ich, dass er es toll gemacht hat. Du wirst auch fertig sein mit den Nerven, wenn Du Dich gegen Dein Gefühl entscheidest. Ob Du ihm also nun vorwirfst, dass er sich zu wenig einbringt - oder dass er Dich am zweiten Kind hindert (tut er das eigentlich? Hörte sich nicht so an ...!!) ... Ist doch eigentlich egal, oder?
So, sorry. Viel und wirr geschrieben. Ich hoffe, Du kannst mit manchen Absätzen was anfangen ...
Übrigens - ja, Deine Erfahrung mit Deinem Vater, das tut mir auch leid - und es lässt verstehen, warum Du heute so viele Fragen hast! Aber eine Frage brauchst Du Dir niemals zu stellen, nämlich die, ob Du es auch alleine schaffen wirst. Das tust Du!!! Gerade Du - hast es doch bewiesen. Warst verantwortlich für Deine Schwester; hast die schwierige Situation mit Deinem ersten Kind gemanagt. Was also soll Dich umhauen?
Überhaupt