Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Pupu
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Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von Pupu »

Oh Mann... Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt. Wahnsinn, wie schnell alles umschlagen kann.

Gestern lief einfach alles perfekt, vor allem das Stillen klappte super (OT: windelfrei auch! *strahl*) - meine Brust tat überhaupt nicht mehr weh (ausser Elina hat mal versehentlich die Warze kurz falsch im Mund gehabt, oder beim Andocken), meine Brüste fühlten sich relativ normal an (klar waren sie noch immer riesig und prall und dauernd am Auslaufen, aber das ist ja sicherlich normal - mein Milcheinschuss ist ja erst paar Tage her und Angebot und Nachfrage müssen sich erst einspielen) und überhaupt war alles toll.

Und nun sitz ich hier seit nachts um 3 und heule, weil plötzlich alles anders ist. Ich bin mit Schüttelfrost aufgewacht (ca. 3 Stunden nachdem wir abends ins Bett sind) und meine Brüste waren wahnsinnig prall und schmerzhaft... ich hätte vor Schmerzen aufschreien können, als ich nur versucht hab, aus dem Bett aufzustehen. Ich hab mich dann unter die heisse Dusche gestellt, um Milch auszustreichen - das war nur bedingt von Erfolg gekrönt. Zwar kam einiges aus der Brust gelaufen, aber ich hab die Technik nicht richtig drauf (mir hat es nie einer gezeigt) und so brachte das nur wenig Erleichterung. Stattdessen bin ich in der Dusche fast weggeklappt (zu heisse Dusche und Durst).
Ich hab also Kohl aufgelegt und mir mein Stillbuch geschnappt, aber so recht bringt mich das nicht weiter. Die Tipps bei "zuviel Milch" haben alle einen Haken. Innerhalb von 3 Stunden immer nur eine Brust geben: mach ich eh. Auf der anderen Seite Milch abdrücken: macht mein Körper von allein, indem er in Strömen ausläuft. Eispackungen: kommen nicht so gut bei Schüttelfrost. In Rückenlage stillen: geht bei uns nicht wegen zu grossem Busen. Homöopathie, Bachblüten und co: hab ich nicht da und ich wüsst auch nicht wo ich das bekommen sollte - in finnischen Apotheken jedenfalls nicht. Salbeitee: hab ich hierzulande noch nie gesehen, scheint es ebenfalls nur in irgendwelchen "Naturläden" zu geben (und ich kenne keinen in unserer Stadt). Bleibt der Pfefferminztee, den könnt ich noch trinken. Allerdings hab ich ein wenig Angst, zu sehr in der Milchproduktion rumzupfuschen. Nicht dass es am Ende ZU wenig Milch wird, da wäre keinem geholfen.

Was bleibt? Immer wieder anlegen - schön und gut, aber ich kann Elina doch nicht dauernd wecken und abfüllen. Wechselseitig anlegen, um bei beiden Seiten "Erleichterung" zu bekommen, wäre ja völlig kontraproduktiv zur Devise "immer nur eine Brust geben, damit das Angebot zurückgeht". Ausserdem bekäm sie dann ja nur Vordermilch in rauen Mengen, das ist auch nicht Sinn der Sache und würde ihr eher schaden als nützen. Quark haben wir nicht da, Kohlblätter hab ich schon aufgelegt. Aber die Brust schmerzt und schmerzt und es läuft und läuft...

Was kann ich nun tun? Fiebermedikamente? Macht das Sinn, mein eigenes Immunsystem zu unterdrücken, oder mach ich es damit nur schlimmer? Wie bekomme ich meine heissen, prallen, schmerzenden, auslaufenden Brüste wieder auf einigermassen Normalniveau? Wie zum Teufel soll ich schlafen? (Meine BHs stützen leider so gut wie null).

Ist das überhaupt eine Brustentzündung, oder ist das einfach nur Zufall, dass ich nachts besonders unter meinen Brüsten leide, und das Fieber ist davon unabhängig? Wenn es eine Brustentzündung ist, wo kommt die auf einmal her - beidseitig? Vom zu engen BH? Einen Milchstau hatte ich meines Wissens nach nämlich nicht (das hätte ich doch bemerken müssen, oder?). Nur ein wenig Durchfall gestern Abend.

Im Moment weiss ich mir nicht anders zu helfen als so normal wie möglich weiterzumachen mit dem Stillen und nur irgendwie zu versuchen, meine Brüste mit Kohl und gelegentlichem Ausstreichen weiter zu beruhigen...

(A propos ausstreichen, mach ich es damit womöglich ebenfalls schlimmer, wenn ich die falsche Technik drauf haben, weil es nichtvorhandene Nachfrage suggeriert?)

Fragen über Fragen... bitte um Hilfe! Ich weiss einfach nicht was ich tun soll.
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jusl
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Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von jusl »

Hast Du die Brustschmerzen ein- oder beidseitig (sorry falls ich es überlesen habe :oops: :D )?

LG;
Julia
Karlina

Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von Karlina »

Es ist natürlich schwer, auf die Entfernung eine Diagnose zu stellen, aber ich tu trotzdem mal mein Bestes ;)
Du sagst, die Schmerzen sind beidseitig. Brustentzündungen sind in den meisten Fällen einseitig, ganz selten aber auch auf beiden Seiten.

Sind die Brüste insgesamt schwer und hart oder fühlst du dazu noch deutliche Verhärtungen, die auch gerötet sind und besonders weh tun?

Im ersten Fall würde ich denken, du hast einfach Schmerzen weil noch viel zu viel Milch da ist. (Und eventuell einen anderen Infekt dazu?) In einem solchen Fall würde ich raten: Baby nach Bedarf trinken lassen und zwischendrin falls es zu schlimm wird nur das allernotwendigste am Besten unter warmem Wasser ganz vorsichtig ausstreichen bzw. auslaufen lassen wenn es so gut läuft wie du beschreibst. Auf milchhemmende Mittel würde ich verzichten um Angebot und Nachfrage nicht völlig durcheinander zu bringen. Normalerweise müsste sich das Ganze im Lauf der nächsten Tage einspielen.

Wenn du allerdings deutliche Verhärtungen hast musst du deine Kleine tatsächlich so oft wie möglich anlegen, damit sie den Stau abtrinkt. Am Besten mit ihrem Kinn in Richtung der Verhärtung. Vor dem Stillen gut wärmen damit es fließt, nach dem Stillen kühlen und Kohlblätter oder Quarkwickel. Falls die Kleine nicht so viel trinkt kannst du auch heiß duschen und die Verhärtung dabei ganz vorsichtig (!) ausstreichen.
Sollte die Brust komplett schmerzen und heiß sein und dein Fieber steigen: Ab zum Arzt! Bei einer Brustentzündung brauchst du Antibiotika. Stillen aber trotzdem so oft wie möglich!

Wünsche dir gute Besserung!!
Karlina

Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von Karlina »

Ach ja, vergessen: dein Tagesablauf sollte im Moment nur aus Stillen, kuscheln und SCHONEN bestehen.
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Pupu
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Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von Pupu »

Danke für die Infos schonmal.
Die Schmerzen sind tatsächlich beidseitig und ich merke nirgends irgendwelche Knubbel - höchstens das, was ich unter "Milchseen" verstehe (stand so im Stillbuch zum Thema ausstreichen), grossflächigere Zonen (so ca. 3cm Durchmesser?) wo eben viel Milch zu sein scheint und die ich dann auch mit dem Finger als Erhebung erspüren kann. Aber wenn das ein Milchstau sein soll, dann hab ich ziemlich viele davon, das kann ich also nicht glauben.

Also doch ein unabhängiger Infekt? Dann könnte ich ja möglicherweise meine Kleine damit anstecken? Soll ich da wirklich so oft wie möglich kuscheln, oder sollte ich sie in der Zeit, in der sie nicht stillt, lieber mit Papi kuscheln lassen um sie keinem unnötigen Risiko auszusetzen?
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jatta

Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von jatta »

Huhu,

ich kann leider nur eine ganz schnelle Antwort geben, da ich gleich los muß...deswegen in Stichpunkten:

- ab ins Bett und dort bleiben, alles andere delegieren, nur liegen, nichts machen und das Baby trinken lassen (auch wenn es keine Brustentzündung ist ;))
- Hebamme anrufen und kommen lassen
- mindestens alle 2 Stunden die Kleine anlegen, auch wenn sie schläft...probiere sie aufzuwecken
- wenn der Druck zu groß wird streiche die Milch ganz vorsichtig aus
- Quark, Kohl, Retterspitz auf die Brust
- falls Deine Hebamme Akupunktur macht, lass Dich von ihr nadeln
- lege Deine Kleine so an, dass sie die schmerzende Verhärtung wegtrinken kann: mit dem Kinn in Richtung der schmerzenden Stelle. Das geht am besten wenn Du im 4-Füßler über ihr hängst, denn da klappt es ohne (noch) größere Verrenkungen
- von Salbeitee, Pfefferminztee etc. würde ich erst einmal die Finger lassen
- vor dem Stillen die Brust anwärmen mit einem Waschlappen, Kirschkernkissen etc. und anschließend kühlen

Ich drück Dich mal und wünsche Dir alles alles Gute, dass dieser furchtbare Spuk bald vorbei ist. Ich fühle wirklich mit Dir, da ich am gleichen Tag wie Du nach der Geburt meiner Kleinen ebenfalls mit Brustentzündung flach lag.
Karlina

Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von Karlina »

Auch wenn es ein anderer Infekt ist sollst und musst du deine Kleine stillen. Das Tolle ist: Du gibst ihr die Antikörper dafür mit deiner Milch gleich mit. Anstecken wird sie sich vermutlich eh, du kannst dich ja nicht komplett von ihr fernhalten. Aber es spricht auch nichts dagegen, dass der Papa kuschelt :wink:
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Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von jusl »

MelB hat geschrieben: Du sagst, die Schmerzen sind beidseitig. Brustentzündungen sind in den meisten Fällen einseitig, ganz selten aber auch auf beiden Seiten.
Pupu, wie geht es Dir jetzt?
Dein Baby ist noch sehr jung - denkbar ist daher eine im KH erworbene Mastitis (die oft beidseitig auftritt). Das würdest Du daran merken, dass Deine grippeartigen Beschwerden nicht besser werden, beide Brüste weiterhin stark schmerzen. In diesem Falle solltest Du rasch ärztlich behandelt werden; damit ist nicht zu spaßen. Bis dahin, und begleitend zur ärztlichen Therapie (i.d.R. sind das Antibiotika): kühlen kühlen kühlen und ohne Einschränkung weiter stillen. Bettruhe!
Von Wärmeanwendungen rate ich eher ab, denn die entzümdeten Bereiche werden dann noch stärker durchblutet, was die Entzündung und damit den Druck auf das umliegende Gewebe weiter verschlimmern kann (dadurch werden Milchstaus erst begünstigt! und das Abszessrisiko kann steigen), das gleiche gilt für Brustmassagen, Milchausdrücken, Lymphdrainagen und dergleichen - hier ist Vorsicht angebracht.

Wenn Du aber im Verlauf des Tages merkst, dass es Dir wieder besser geht, dann fielen "knotige Brust" und "Grippegefühl" vielleicht nur zufällig zeitlich zusammen, ist natürlich nicht ausgeschlossen.
Also doch ein unabhängiger Infekt? Dann könnte ich ja möglicherweise meine Kleine damit anstecken?
Das hättest/hast Du längst ;-) - keine Kontaktbeschränkung nötig.

Ansonsten, bei anhaltenden Beschwerden: ab zum Arzt.

LG und gute Besserung,
Julia
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Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von Pupu »

Danke für die Antworten.
Knoten, die auf einen Milchstau hinweisen würden, hatte ich ja zu keiner Zeit... nur eben heisse, harte, schmerzende Brüste die zum Bersten gefüllt waren. Also scheint es doch eher ein unabhängiger Infekt zu sein?

Mittlerweile geht es mir etwas besser - ich fühle mich noch immer leicht fiebrig, aber bei weitem nicht so wie heut Nacht, wo ich völlig fertig war und Schüttelfrost hatte. Wäre es eine Brustentzündung, wäre das Fieber gleichbleibend hoch - oder?

Eine Hebamme habe ich übrigens nicht, ich bin insofern also auf mich gestellt. Ich könnte höchstens zum Arzt gehen. Wenn es sich verschlimmert werde ich das auch, aber solange es mir grad wieder etwas besser geht, werde ich wohl noch ein wenig abwarten.
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Re: Brauche Hilfe - ist das eine Brustentzündung?

Beitrag von Karlina »

jusl hat geschrieben:Von Wärmeanwendungen rate ich eher ab, denn die entzümdeten Bereiche werden dann noch stärker durchblutet, was die Entzündung und damit den Druck auf das umliegende Gewebe weiter verschlimmern kann (dadurch werden Milchstaus erst begünstigt! und das Abszessrisiko kann steigen), das gleiche gilt für Brustmassagen, Milchausdrücken, Lymphdrainagen und dergleichen - hier ist Vorsicht angebracht.
:oops: stimmt. man sollte zu sowas nicht antworten wenn gleichzeitig eine einjährige um einen herumwuselt. danke für die verbesserung!
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