fördern, unterfordern oder überfordern ?

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milkshake
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Re: fördern, unterfordern oder überfordern ?

Beitrag von milkshake »

hm, ein gedanke schwirrt trotz alledem schon lange in mir: meine eltern haben mich eher unterfordert bzw. nicht entsprechend meiner fähigkeiten gefördert (ich durfte zb nicht aufs gymnasium obwohl ich sehr reif und empfohlen dafür war, meine eltern hatten zu schlechte erfahrungen mit meinen geschwistern gemacht) und in mir steckt diese angst dass ich emilys neigungen/interessen übersehe und sie dann einfach versickern....es fällt mir manchmal schwer dinge zu erkennen :oops:

weiß jemand was ich meine?
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kja1985

Re: fördern, unterfordern oder überfordern ?

Beitrag von kja1985 »

whoopsy2006 hat geschrieben:
erst gestern hatte ich ein weiteres gespräch mit dem papa von emily, in dem er mir erzählte wie wichtig es für ihn gewesen sei früh lesen zu lernen, es hätte sein selbstwertgefühl enorm gesteigert. natürlich trifft er damit einen punkt bei mir, denn mit emilys äußerlicher "andersartigkeit" (sie ist dunkelhäutig) wird sie sicher an grenzen stoßen.

was denkt ihr darüber`? stärkt es das selbtsbewußtsein und selbstwertgefühl eines kindes wenn es zb in der 1. klasse weiter ist als die anderen kinder?
Ich habe zwei dunkelhäutige Cousinen die sehr gefördert wurden und auch beide studiert haben. Wirklich selbstbewusst sind sie aber beide nicht und nie gewesen. Ich denke es ist sinnvoller ihr einfach den Rücken zu stärken, in dem man sie annimmt wie sie ist und ihr ihr Fähigkeiten bestätigt.
kja1985

Re: fördern, unterfordern oder überfordern ?

Beitrag von kja1985 »

P.s. Zu deinem letzten Beitrag: bei mir wars genauso. Ich hatte einigermassen gute Noten, meine Eltern haben mich aber trotzdem auf die Realschule geschickt. Einerseits weil meine Brüder auf dem Gymnasium ziemlich miserabel waren und andererseits weil ich auch gerne auf die Realschule wollte. Auch später haben sie mich nie wirklich zu Leistung motiviert. Manchmal hat mich das gestört. Aber es war auch eine sehr schöne druckfreie Kindheit und Schulzeit, dafür bin ich auch dankbar. Ich finde nicht, dass man unbedingt alles aus sich herausholen muss. Man muss einen Weg finden um glücklich werden zu können mit der Leistung die man erbringt.
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Seerose
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Re: fördern, unterfordern oder überfordern ?

Beitrag von Seerose »

whoopsy2006 hat geschrieben:
was denkt ihr darüber`? stärkt es das selbtsbewußtsein und selbstwertgefühl eines kindes wenn es zb in der 1. klasse weiter ist als die anderen kinder?
Ich seh das gerade und hab jetzt nicht mal den Thread zu Ende gelesen, aber hier kann ich aus eigener Erfahrung ne ganz klare Antwort geben:

NEIN

Also ich kann nur für mich sprechen.. Ich würde sagen, ich war in der 1. Klasse deutlich weiter als alle anderen Kinder. Ich konnte lesen und schreiben und zwar so, daß ich mit 5 Jahren Postkarten aus dem Urlaub (war so'n Kindererholungsaufenthalt von der DB;-) an meine Eltern geschickt habe und aus der Erinnerung war ich damals ganz stolz, daß ich ein Taschenbuch mit 5 mein eigen nennen konnte, daß laut Einband für Kinder ab 10 Jahre war (ich glaub, das war "die Zitronenkinder aus der Haifischgasse" :lol: ). Auf gut Deutsch ich konnte lesen und schreiben sagen wir wie ein Schulkind in der dritten Klasse oder so. So, ich schreib das hier ja nicht zum ersten Mal, aber ich muß das immer wieder erwähnen, denn ich denk wirklich, daß ich ein regelrechtes Trauma habe, was die Grundschulzeit betrifft. Nicht weil es so schrecklich war, einfach weil es eine sinnlose, leere Zeit war mit einer pädagogisch vollkommen unfähigen Lehrerin. Unfähig deshalb, weil sie z. B. nach 3 Wochen in der ersten Klasse, die Aussage machte, daß die und die Kinder später mal auf's Gymnasium kommen und Abitur machen würden. Sie machte das vor der Klasse, es handelte sich um 5 Kinder, und sie deutete mit den Fingern auf die Kinder und lobte sie über alles. Ich war dabei, aus o. g. Grund, die anderen 4 Kinder waren dabei, weil es sich um die eindeutig "bravsten" Kinder handelte.

Ich habe mein erstes Schuljahr damit verbracht den anderen Kindern ihre Hausaufgaben ins Hausaufgabenheft einzutragen (also nicht die HA selbst, sondern nur eben die Aufgaben, die sie zu Hause lösen sollten), einfach weil ein Großteil dies eben mangels Schreibfähigkeit selbst nicht konnte. In der zweiten Klasse hatte ich dann meine Trotzphase, was kein Wunder nach dem ersten Schuljahr war. Ich hasste die Lehrerin, die Lehrerin hasste mich (klar, ich konnte alles, ließ aber die Lehrerin spüren, daß ich sie nicht leiden konnte). In der dritten und vierten Klasse hatte ich dann wieder eine Lehrerin, die mich über den grünen Klee lobte und als wir Mitte der vierten Klasse umzogen, bekam ich ein Abschlußzeugnis mit lauter Einsen, obwohl noch nicht mal die Mitte des Schuljahres erreicht war ("Vorschußlorbeeren").

Sagen wir so, ich hätte Spaß haben können an der Grundschule, mit der "richtigen" Lehrerin eben.... :?

Was dann in der 5. Klasse Gymnasium passierte, muß ich jetzt wohl nicht ausführen. Eine wahre Katastrophe! Es hagelte einen 5er nach dem anderen, u. a. deswegen weil ich ja noch nie gelernt habe zu lernen.... :?

Zur Frage selbst:

Ich war bestimmt nicht selbstbewußter als andere Kinder. Schon gar nicht weil ich Lesen und Schreiben konnte und die anderen nicht. Das war kein Selbstbewußtsein, das Gefühl. Evtl. eine gewisse Überheblichkeit, eine Geringschätzung der anderen, da mir ja vor allem die Lehrerin (!!!! :shock: :shock: ) immer wieder vermittelte, daß die anderen "ein bißchen doof" seien. Es kann sich kein besseres Selbstwertgefühl herauskristallisieren, wenn einem immer wieder gesagt wird wie toll man angeblich ist und wie doof die anderen seien. Vor allem, wenn man, um dies zu erreichen nichts, absolut nichts tun mußte. Im Gegenteil, das sind eher schädliche Gefühle für ein Kind, wenn es immer wieder gelobt wird ohne sich jemals angestrengt zu haben. :evil:
__________________________________________________

Liebe Grüße,
Seerose
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Talgaro
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Re: fördern, unterfordern oder überfordern ?

Beitrag von Talgaro »

Seerose, deine Grundshculzeit ist wirklich schlecht gelaufen :? . Ich finde es aber anders rum nicht gut Kinder künstlich in ihrem Eifer zu bremsen. Wenn sie das Alphabet mit vier Jahren kennen wollen muss ich ihnen nicht vor den Latz knallen "Du bist dafür noch zu klein." Mein Großer ist auch im Kognitiven weiter als Gleichaltrige, den Zahlenraum bis 20 hat er schon mit vier Jahren verlassen. Aber er ist trotzdem auf einer Schule, wo er sich wohl fühlt und wo es als selbstverständlich angesehen wird, dass jeder unterschiedlich weit ist. Seine Lehrerin hat ihm gleich zu Beginn einen Zweitklässler zur Seite gestellt, damit der ihm die Multiplikationsmaterialien zeigt, während die anderen Kinder eben andere Sachen machen. Es ist doch sowieso eine Illusion, das das Alteretwas darüber aussagt, wie weit das Abstrakte Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit und anderes ist. Fast jeder hat Schwächen hier und Stärken da. Eine Schule die alle Kinder immer das Gleiche machen läßt ist in meinen Augen eh gaga. Da braucht es vorher auch keine "ehrgeizigen" Eltern, die Kinder haben doch eh schon einen sehr verschiedenen Hintergund.

Aber zur Ausgangsfrage zurück, alles was vom Kind auskommt würde ich unterstützen, aber nicht von mir aus Sachen zu "Fördern" suchen. Lieber wirklich das Ausbauen, was das Kind interessiert. Ich finde es nämlich schlimm, wie manche Kinder/Jugendlichen zwar recht gut in der Schule sind, aber keinen Schimmer haben, was sie richtig gut können bzw was ihre Interessen sind. Bei uns hat die mit dem besten Abischnitt nicht gewußt, was sie überhaupt nach der Schule machen will (gut das tifft auf viele zu - aber sie hatte einfach gar keine Interessen :? ).
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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milkshake
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Re: fördern, unterfordern oder überfordern ?

Beitrag von milkshake »

@talgaro

geht dein kleiner auf eine montessori-schule?

du hast recht mit den stärken und schwächen. aber ich finde es auch ungemein schwierig heute eine gute schule zu finden. und meine kleine ist nicht mal im schulalter!
Flieg, geliebte Susi, flieg!
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Talgaro
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Re: fördern, unterfordern oder überfordern ?

Beitrag von Talgaro »

Ja, er ist auf einer Montessorischule (staatlich, also ohne Schulgeld). Die Montessorikindergärten gibt es jetzt schon so lange (ich habe z.B. mal gelesen, dass auch Anne Frank schon auf einer Montessorischule war) und sind sowohl bei Pädagogen, Eltern und Kindern beliebt. Warum gibt es immer noch wo wenige?

Gibt es in Hamburg nicht auch alternative Schulen?
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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