Ich hoffe hier ist der richtige Ort, um mich mal darüber auszuheulen und ja vielleicht sogar hilfreiche Inputs zu bekommen.
Zum Verständnis mal ganz von Anfang an:
Das Stillen war in den ersten Lebenstagen meiner Tochter noch recht unauffällig und sah zunächst ganz gut aus. Das hatte uns sehr erleichtert, nachdem das Stillen bei meiner ersten Tochter das erste halbe Jahr wegen eines zu kurzen posterioren Zungenbands sehr schwierig war. Das hat sich allerdings schnell geändert, sie hat sich bald alle paar Schlucke verschluckt und/ oder hörbar Unmengen an Luft gezogen, musste während den Stillmahlzeiten mehrmals zum Rülpsen rumgetragen werden, bevor es weitergehen konnte und sie hat sich einfach so schwer getan. Das Zungenband wurde erfolgreich getrennt ( Bei einer Spezialistin, ist nach wie vor nichts verwachsen, gut verheilt und die Zunge voll beweglich), aber am Saugverhalten hat sich trotz Logopädie kaum etwas verändert. Es hat sich so entwickelt, dass sie nur noch im Liegen gestillt werden konnte und auch das irgendwann verweigert hatte und partout nicht mehr an die Brust wollte - ohne andere Sauger zu kennen.
Dh das Stillen ging dann auch nur noch im Halbschlaf und letztendlich Schlaf - und zwar nicht nur Übergangsweise ein paar Wochen, sondern leider dauerhaft. An dem Punkt sind wir heute noch. Stillen im Schlaf und im Liegen bei Dunkelheit.
Laut unserer aktuellen spezialisierten Logopädin hat sie zwar motorisch alle Möglichkeiten, hat aber nach der Zungenbandtrennung kein bewusstes Saugmuster erarbeitet. Das was ihr gerade wohl noch beim Stillen hilft, ist, dass sie halt im Schlaf noch auf ein paar Neugeborenenreflexe zum Saugen zurückgreifen kann - die sich ja aber auch immer mehr abbauen. Wach weiß sie tatsächlich überhaupt nicht mehr, was sie mit der Brust anfangen soll. Sie wach und nicht müde liegend an die Brust zu bekommen ist fast unmöglich, weil alles andere spannender ist. Auf dem Arm ist sie völlig überfordert mit dem Angebot und nimmt die Brustwarze zwischen die Finger und schiebt sie sich unsicher in den Mund, um dann vorsichtig reinzubeißen. Sie verhält sich wie meine damals abgestillte 2jährige, die nicht mehr weiß wie das Stillen geht. Vor ein paar Wochen hat sie tatsächlich manchmal noch angedockt, aber dann nur mit der Zunge geflattert und wenn die Milch dann tatsächlich lief hat sie wieder losgelassen, weil das Muster halt völlig ungeeignet ist, um Milch zu verarbeiten. Auf dem Arm hat das Stillen auch als ganz kleines Baby schon nicht gut funktioniert.
Mein Problem ist u.a., dass sie auch schlafend nicht zuverlässig gut trinkt. Auch da ist das Saugmuster grottig, mit viel Luftschlucken, aber immerhin saugt sie da mal. Da ich sie nur sehr müde oder im Schlaf stillen kann, ist sie meistens schon tief eingeschlafen bevor überhaupt mein oft sehr verzögerter MSR einsetzt oder sie trinkt halt einfach nur sehr kurz bis der Tiefschlaf kommt. Bewusst so richtig satttrinken kann sie sich so halt nicht. Der limitierende Faktor scheint nicht der Hunger zu sein, sondern der Zeitpunkt wann der Schlaf einsetzt. Den kann ich mit Brustkompression, Wechselstillen und Ärgern ein wenig hinauszögern, aber oft ist da nichts mehr zu machen. Ich hab gefühlt ein Zeitfenster von 5-10 Minuten.Wenn sie da nicht trinkt, trinkt sie nicht mehr.
Wenn sie zum einschlafen an die Brust will, nuckelt sie auch nur - auch über einen Milchspendereflex hinweg. Gesaugt wird erst, wenn ihr Schlaf einsetzt.
Zudem schläft sie nur noch 2-3 mal tagsüber, sodass ich nur 2-3 Chancen hab, sie zu stillen. Wenn davon zB einmal nicht klappt, wird es richtig eng. Und ist das nicht überhaupt für ein 8monatiges Baby etwas wenig?
Nachts kommen noch 3-5 Mal dazu, aber nur wegen meiner Eigeninitiative und Wecker stellen. Ansonsten würde sie sich vielleicht selber 2mal melden. Sobald sie morgens wach ist, ist sie wach. Da geht dann erstmal auch nichts mehr, auch wenn das letzte Stillen viele Stunden her ist.
Außerdem muss ich nach jedem Stillen Pumpen und auch Abends und nachts nochmal extra, damit die Milchproduktion überhaupt aufrecht erhalten bleibt.
Seit 2 Monaten etwa ist sie beikostreif und isst phasenweise unterschiedlich gut. Mal trinkt sie gut und isst wach auch 3x gerne und viel Brei und mal - so wie gerade - stillt sie richtig schlecht, mag aber auch partout keinen Brei und kann feste Kost noch nicht so gut verarbeiten. Diese Phasen finde ich emotional brutal anstrengend.
Wenn nichts funktioniert und ich mich auf gar nichts verlassen kann - weder dass sie beim Stillen genug trinkt, noch dass sie danach was isst oder trinkt.
Besonders belastend ist auch, dass sich mein ganzer Tagesablauf auf diese 2-3 Schläfchen ausrichtet, damit sie diese zuhause/ oder in einem anderen Bett machen kann um Stillen zu können. Das behindert jegliche Tagesausflüge als Familie oder Unternehmungen mit meiner großen Tochter.
Ich hatte mir eine innerliche Frist gesetzt, dass ich die Flasche einführen möchte, wenn sich bis März nichts gebessert hat und wir mal unterwegs sein können, ohne, dass das Kind hungert. Wenn das im Frühling nicht funktioniert, geh ich nämlich ein.
Mit unserer Logopädin hatten wir die Flasche dann mal testweise ausprobiert, in der Hoffnung damit das Saugen besser stimulieren zu können. Das hat allerdings so gar nicht funktioniert. Meine Tochter war zwar interessiert und hat sie in den Mund genommen, aber von sich aus nur gekaut und jedes Saugen musste man vorher mit Massage durch den Sauger am Gaumen mehrmals anregen. Das war so mühsam, dass sich das nicht als Exit- Strategie eignet.
Jetzt steh ich da und es funktioniert gerade gefühlt überhaupt nichts mehr. Gerade so gut genug, um über den Tag zu kommen, aber nicht um ein bisschen mehr da draußen am Leben teilzuhaben. Und nichtmal Aufgeben kann ich das Stillen, weil es (gefühlt?) keine Alternative gibt.
Ausbaufähig mit Potenzial ist allerdings noch eine Konstruktion von der Logopädin - eine Milchflasche mit Schlauch im Deckel, über den sie wie aus einem dünnen Strohhalm trinken kann. Darüber kann sie inzwischen auf ein paarmal 10-50ml Milch trinken. Mag sie halt aber auch nur sporadisch.
Es funktioniert mit ihr irgendwie gar nichts ritualisiert - weder essen noch Trinken, sondern immer nur so Häppchen- oder schlückchenweise. Dadurch bin ich nie richtig entspannt ohne Hintergedanken an ihre Ernährung, weil es irgendwie nie ein „jetzt ist sie mal satt“ gibt, sondern nur ein „jetzt mag sie nicht, vielleicht später“. Ich wäre so gern mal auf dem Spielplatz mit den beiden während ich das Essenthema mal 2 Stunden beiseite legen kann, weil ich wüsste, dass sie erstmal satt ist und sich meldet, wenn sie Hunger/ Durst hat und dann auch was isst/trinkt.
Vielleicht muss ich mich nur entspannen.
Allerdings hilft mir ihre Gewichtsentwicklung dabei nicht gerade. Seit ihrer Geburt im Juni bis Anfang November war sie konstant auf der 75. Perzentile und ist durch einen Infekt mit Krankenhausaufenthalt und Umstellung auf 3 Schläfchen/3mal Stillen, aber noch nicht beikosteif auf die 50. abgesunken, da sie im November ca 300g abgenommen hatte. Die 50. Perzentile konnte sie ne Weile halten, ist inzwischen aber auf die 35. weiter abgerutscht. In dieser Zeit ist sie auch mobil geworden, hat Robben, Krabbeln, Sitzen und Stehen gelernt, was dann laut Kinderärztin eine ganz normale Gwichtsentwicklung sei. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist meine Tochter abgesehen von unserem Still- und Essstress ein kleiner energiereicher Wirbelwind, unfassbar neugierig, fast immer gut gelaunt und immer auf Achse. Aktuell würde sie gerne laufen lernen
Puh, das war viel. Respekt, wer sich das alles durchliest.
Ich hoffe einfach so sehr, dass irgendeine Strategie der NAhrungsufnahme bis zum Frühling so stabil wird, dass wir entspannt unterwegs sein können.