Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Orca
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Orca »

Frohe Weihnachten in die Runde!

Unsere Stillgeschichte geht leider schwierig weiter :( vielleicht hat noch jemand irgendeinen Rat? Schnefima?

Nachdem wir den Stillstreik Mitte November irgendwie überwunden hatten, nimmt Mausi 1 die Brust nun seit 4 Wochen so gut wie gar nicht mehr an. Ganz gelegentlich klappt es mal. Ansonsten schwankt es je nach Tagesform zwischen Brust anschreien - Kopf wegdrehen - ein bisschen nuckeln und dann ausspucken - aufgedreht rumzappeln und zwischendurch wenige Schlucke nehmen - nervöses Andocken und Abdocken. Ein paar mal sah es aus als würde es besser, aber dann kam doch wieder ein Rückfall. Ich bin mittlerweile ratlos und völlig fertig. Ich Stille sie meistens im Schlaf. Die Wachphasen sind jetzt so ca 2h und es ist nicht einfach, sie dann hungrig in den Schlaf zu kuscheln um sie andocken zu können. Sie schläft dann auch selten länger als 30 Minuten. Nach wie vor würden sie beide in der Trage länger schlafen- das geht aber nicht, weil die Brüste ja dann für die Schwester blockiert sind.

Nur Nachts es irgendwie kein Problem... da trinkt sie auch wach (schläfrig).

Mausi 2 trinkt die ganze Zeit super, lässt sich durch Brust beruhigen und in den Schlaf stillen.

Das ganze ging gleichzeitig damit los, dass die beiden jetzt massiv fremdeln. Mausi 1 nochmal ausgeprägter als Mausi 2. Sie wollen eigentlich den ganzen Tag auf meinem Arm sein. Gleichzeitig. Selbst der Papa ist völlig abgeschrieben, wird zum Teil sofort angeschrien wenn er ihnen ins Gesicht schaut. An anderen Tagen ist Papa für 5 Minuten "okay", aber sobald es eine winzige Verstimmung gibt, sind sie untröstbar - außer von mir. Bei Besuch reicht es zum Teil wenn der zur Tür reinschaut und sie fangen an zu weinen.

Auch hier gilt, nachts ist alles anders - nachts kann auch Papa trösten.

Manchmal wenn Mausi 1 schon lange wach ist, schreit, die Brust nicht mimmt gebe ich eine Flasche. Aber Flaschen nimmt sie jetzt tagsüber auch ausschließlich noch von mir.

Mausi 2 nimmt Flasche nur noch im Schlaf als Dreamfeed.


Ich bin völlig erschöpft und ratlos. Wenn ich denken würde das macht das Leben einfacher, würde ich auf Flasche umsteigen/pre geben/was auch immer. Alles was hilft.aber mir fällt keine gute Lösung ein. :(
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AnnaFee
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von AnnaFee »

Oje, das hört sich sehr anstrengend an. Zum stillen/ nicht trinken habe ich keine Tat. Aber: wäre es eine Lösung wenn der Schlaf in der Trage nicht vorne, sondern auf deinem Rücken stattfindet? Dann Hättest du im Zweifel ein Kind hinten schlafend hinten und ein Kind stillend vorne.
Mit einer Trage geht Rückentragen meines Wissens ab kopfkontrolle, können die beiden ihren Kopf schon halten? Vorher geht zum Rückentragen ein Tragetuch.
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SchneFiMa
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von SchneFiMa »

Frohes neues Jahr!

Wie ist die Lage bei euch jetzt? Hat es sich etwas beruhigt?
Das Verhalten von Mausi 1 liest sich ganz stark wie eine Saugverwirrung. Gleich für zwei Kinder zu sorgen ist schwer, ich verstehe das voll und ganz. Man hat eigentlich mit einem ja schon alle Hände voll.

Viele Grüße
SchneFiMa mit
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Orca
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Orca »

Ach so ein Mist, ich hab es befürchtet :( obwohl es doch davor wochen/monatelang gut geklappt hat.

Denkst du, man kann da realistisch noch was machen?
Sonst müssen wir es vielleicht akzeptieren. Nach so vielen Schwierigkeiten bin ich langsam erschöpft. Bin aber froh, dass es nachts noch klappt das macht es wenigstens einfacher.

Mit dem fremdeln ist es zum Glück wieder etwas besser.
AnnaFee hat geschrieben: 26.12.2024, 09:33 Oje, das hört sich sehr anstrengend an. Zum stillen/ nicht trinken habe ich keine Tat. Aber: wäre es eine Lösung wenn der Schlaf in der Trage nicht vorne, sondern auf deinem Rücken stattfindet? Dann Hättest du im Zweifel ein Kind hinten schlafend hinten und ein Kind stillend vorne.
Mit einer Trage geht Rückentragen meines Wissens ab kopfkontrolle, können die beiden ihren Kopf schon halten? Vorher geht zum Rückentragen ein Tragetuch.
vielen Dank für deinen Tipp! Ich habe es zweimal ausprobiert und bisher mochten sie es nicht. Hab dann wieder abgebrochen. Aber wir werden es nochmal versuchen.
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Orca »

Wir haben in den Weihnachtsferien viel kuscheln können. Im Moment nimmt sie die Brust ein pasr mal am Tag kurz in den Mund zum nuckeln. Selten länger als 10 Sekunden. Manchmal lang genug, dass Milch kommt. Aber das scheint ihr dann gar nicht so richtig zu gefallen und sie deckt wieder ab.
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Orca »

Tja, wenn man sich mal beschwert... Gestern hat Mausi 1 beim unverbindlich kuscheln die Brust genommen und getrunken. Und das sogar zweimal! Einmal nachmittags und einmal abends. Sie hat zwischendurch mehrfach abgedockt und das saugen wirkte im Vergleich zu Mausi 2 schwächer, etwas unkoordiniert und ziellos. Es hat aber gereicht zum trinken.

Heute ist es wieder etwas schwieriger, sie nuckelt nur sporadisch kurz. Mir fällt es dann auch nicht leicht mich zu entspannen und der MSR dauert länger...
Nachts und im Schlaf ist weiterhin kein Problem, da saugt sie kräftig und effektiv. Also komplett verlernt haben kann sie es nicht in den letzten 5 Wochen. Schwer zu verstehen das alles.

Die Hoffnung ist definitiv wieder da, dass sich nochmal was verändert. Ich möchte es weiter versuchen mit kuscheln und anbieten ohne Druck. Gibt es noch etwas was man tun könnte?

Flasche gibt nur mein Mann nachts im Halbschlaf, mit dem geringsten möglichen Flow (Philipps Avent 1er/2er Sauger da muss sie sich schon ziemlich anstrengen). Die paar Stunden die ich so durchschlafen kann sind mir schon sehr wertvoll. Stillabstände nachts bleiben bei 1,5-2h je Kind, da kommt man einfach nicht zu so viel Schlaf ansonsten. Deshalb haben wir die Nächte immer noch in Schichten aufgeteilt. Würde es trotzdem Sinn machen, die Flaschen nachts komplett wegzulassen?
Mit Mausi 1 und Mausi 2 (35. SSW 07/24)
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Orca »

Noch ein Update...

Beim Googlen bin ich auf ein amerikanisches Buch gestoßen über bottle aversion/feeding aversion und beim lesen wurde uns sehr unangenehm bewusst, dass wir den Kindern wohl eine Fütterstörung antrainiert haben :cry:
Es ging hauptsächlich um Flaschenbabys, die die Flasche und dann irgendwann jede Nahrung ablehnen, weil sie von den Eltern aus Sorge ums Kind zu sehr unter Druck gesetzt werden. Häufig wird die Nahrung dann nur noch unter Zwang oder im Schlaf angenommen, sodass sich in der Familie alles nur noch darun dreht, das Baby zum Schlafen zu bringen um es füttern zu können. Das beschreibt den letzten Monat bei uns gut, bloß dass es bei uns Brust und Flasche betraf.

Wir haben aus der Neonatologie diese Sorge um das Gewicht ganz stark mit nach Hause genommen. Und im Nachhinein wird mir erst bewusst, wie pervers die ganzen "Tricks" mit der Flasche sind, die man gezeigt bekommt um endlich die Magensonde loszuwerden. Uns wurde wirklich gezeigt, dir Flasche dem schlafenden Baby in den verschlossenen Mund zu schieben, dort damit zu wackeln und gegen den Gaumen zu drücken und außen das Kinn zu kitzeln damit doch noch die letzten 20ml reingehen. Ganz so krass haben wir das zuhause natürlich nicht weitergemacht, aber der Fokus auf "die Flasche soll leer werden" und "ermutigen" ist schon geblieben. Kein Wunder dass sie jetzt die Flaschen ablehnen (Mausi 1 nimmt immerhin noch von mir aber nicht von meinem Mann). Auch beim Stillen am Anfang gibg es ja darum, das Kind erstmal dazu zu kriegen die Brust un den Mund zu nehmen/dann zu saugen/nicht einzuschlafen. Also ein sehr stark vorgegebener Prozess mit vielen Eingriffen, nicht durch das Kind geleitet.

Es müsste in der Klinik wirklich dazu erklärt werden, dass man sich spätestens ab ET/erreichen des Geburtsgewichtes komplett anders verhalten sollte.

Beim Stillen war bei mir immer sehr viel Druck dahinter aus dem Gedanken heraus "das muss klappen, sonst stehe ich alleine mit beiden da und was mache ich dann". Und habe den Druck mit etwas subtileren Methoden auch weitergegeben (Kind in die Stillposition schummeln, wenn es die eigentlich sofort ablehnt. Kind im Schlaf stillen. Kurz Flasche oder Schnuller geben, um gegen Brust zu tauschen). Kein Wunder dass das Kind dann verweigert!

Wir haben uns jetzt erstmal gegenseitig gelobt, solche Methoden nie wieder anzuwenden.

Bei Mausi 1 ging es ja schon etwas bergauf seit Neujahr. Die letzten 3 Tage habe ich also alle Tricks eingestellt und sie jetzt auch nicht mehr tagsüber im Schlaf gestillt (fiel mir schwer). Nur noch gelegentlich die Brust angeboten und ein Nein sofort akzeptiert. Auch das nicht leicht, ich hatte das Bedürfnis ihr die Brust alle 2 Minuten vor die Nase zu halten weil sie doch Hunger haben muss... konnte mich aber bremsen. Nachts trinkt sie ja gut, ich dachte notfalls holt sie sich da dann was sie braucht.
Es wurde immer besser und gestern hat sie sich fast ganz "normal" stillen lassen. Seltener, als ich es vermutet hätte, aber sie schien zufrieden und hatte nasse windeln.

Ich bin soooo erleichtert und das nimmt jetzt schon so viel Druck wieder raus. Mag mir nicht zu große Hoffnungen machen, aber es bewegt sich ja was.

Wir werden mal versuchen, ob sich auch die Beziehung zur Flasche noch retten lässt, weil es schon eine riesige Erleichterung wäre, wenn mein Mann die Kinder mal wieder ein paar Stunden tagsüber nehmen könnte. Ich denke das ist dann vor allem seine Baustelle.
Mit Mausi 1 und Mausi 2 (35. SSW 07/24)
Juli90
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Juli90 »

Liebe Orca,
vielleicht hilft es dir ein bisschen zu wissen, dass du mit dem Thema nicht allein bist. Meine Zwillinge kamen vor 3 Monaten an 35+4 zur Welt und wir mussten zwar nicht sondieren, aber wurden ebenso wie du zunächst an die Flasche getrieben und haben die beiden dort mit ähnlichen Methoden wie du fast mästen müssen. Dieser ständige Kontrollwahn führt wirklich dazu, dass man komplett seine Intuition und das Vertrauen in sich und in seine Kinder verliert. Alles dreht sich nur ums Gewicht und man vergisst darüber fast, die schönen Momente zu genießen. Dazu noch der ständige Vergleich zwischen den beiden…
Ich finde es ganz klasse, dass du nun nach dieser Erkenntnis einen neuen Weg einschlagen willst! Und deine Offenheit hat bei mir auch noch einmal einen Denkprozess angestoßen, ob ich meinen Kleinen nicht manchmal zu sehr an die Brust dränge - nur weil der Große eben ständig will. Dabei ist doch eigentlich bei beiden alles gut - sie sind eben nur unterschiedlich. Also danke dir sehr für deine Worte! Ich drücke dir fest die Daumen, dass jetzt alles entspannter bei euch wird.
Lieblingsjungs G + L (10/24)
Lösche Benutzer 24994

Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Lösche Benutzer 24994 »

Auch ich habe wenig Tipps, aber die gleiche Erfahrung mit meinem Frühchen im Krankenhaus gemacht. Wenn er bei mir nicht genug getrunken hat, dann hab ich geklingelt. Dann wurden mir Tipps gezeigt oder von den Schwestern übernommen. Und auch vorher beim sondieren musste oft einfach erhöht werden, obwohl vieles wieder ausgespuckt wurde.

Ich kenne sogar Mütter, die Teile der Milch weggeschüttet haben, damit sie sagen können, daß Kind hat alles getrunken.

Man bekommt da wirklich einen Zwang und eine schlechte Einstellung zu dem Thema Füttern /Stillen.

Ich konnte von meiner Erfahrung mit den großen Beiden profitieren, da ich wusste, wie es "normal" läuft und verstehe euch aber gut, dass man sich aufs Gewicht fokussiert.
Das geht ja beim Kinderarzt weiter...

Ich bewundere euch da fürs dranbleiben und Wege finden und freue mich, dass deine Tochter jetzt besser an die Brust geht. Hoffentlich bleibt das so und wird noch besser!
Orca
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Re: Fehlender Milchspendereflex? Frühgeborene Zwillinge

Beitrag von Orca »

Es ist total erschreckend, wenn man so darüber nachdenkt! Das scheint wirklich "normal" zu sein was ihr auch schreibt. Es tut mir auch so Leid für alle unsere Babys.

Definitiv war es sehr unangenehm sich da so wiederzuerkennen und wir haben uns beide ziemlich geschämt. Wir wissen ja eigentlich, dass man so mit seinen Kindern nicht umgehen soll. Aber es hat sich immer so angefühlt, als wäre das notwendig (aus der latenten Sorge und Überforderung heraus). Mein Mann meinte dann auch: Aber was soll ich sonst machen? Wenn sie schreien und Hunger haben. Aber im Moment ist es ja egal was er dann tut, sie nehmen die Flasche sowieso nicht.
MCM18 hat geschrieben: 08.01.2025, 11:08 Ich kenne sogar Mütter, die Teile der Milch weggeschüttet haben, damit sie sagen können, daß Kind hat alles getrunken.

Ja da waren wir auch kurz davor... Ich erinnere mich an eine Situation mit Mausi 2, die selbst mit Sonde fast 20% abgenommen und auch nach 3 Wochen das Geburtsgewicht noch nicht zurück hatte. Mein Mann hat ihr eine Dreiviertelstunde lang ganz geduldig mit allen Tricks den größten Teil einer Flasche gegeben und war darauf ziemlich stolz. Dann hat er entgegen unserer Intuition auf Anweisung der Pflege den kleinen Rest sondiert. Woraufhin die Arme Maus im großen Schwall alles erbrach. Er hast fast geweint und sich so schlecht gefühlt. Bei der nächsten Visite hat er versucht, von der Ärztin das okay zu holen, manchmal einen Rest übrig zu lassen. Aber es hieß nein, das muss alles rein.

Naja wir versuchen jetzt das beste daraus zu machen. Das gute ist ja, dass die Neonatologie hinter uns liegt und wir es jetzt in der Hand haben, etwas zu verändern.
Mit Mausi 1 und Mausi 2 (35. SSW 07/24)
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