Kommentare zum Stillen...

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Krachbum
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Krachbum »

Seifenblasenfrau hat geschrieben: 12.07.2023, 23:31 Jetzt steht im Link, dass Karies vor allem durch Mutter und Co ans Kind übertragen werden, aber hier im SuT hieß es auch schon, dass das überholt sei. Kann da noch jemand was dazu sagen?
Ich hatte dazu mal was gefunden, müsste aber nochmal suchen.
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Krachbum
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Krachbum »

Krachbum hat geschrieben: 13.07.2023, 06:16
Seifenblasenfrau hat geschrieben: 12.07.2023, 23:31 Jetzt steht im Link, dass Karies vor allem durch Mutter und Co ans Kind übertragen werden, aber hier im SuT hieß es auch schon, dass das überholt sei. Kann da noch jemand was dazu sagen?
Ich hatte dazu mal was gefunden, müsste aber nochmal suchen.
https://www.zm-online.de/artikel/2023/z ... gesundheit

Sehr ausführlich mit Quellenangabe. Ganz kurz: die Bakterien werden durch uns Eltern und Geschwister schnell auf ein Kind übertragen, aber Karies wird seit 2015 nicht mehr zu den Infektionskrankheiten gezählt, weil diese Keime zur natürlichen Besiedlung des Mundes gehören. Die "Ansteckung" lässt sich schlicht überhaupt nicht verhindern.
Ausschlaggebend für einen negativen Verlauf sind Ernährung und Mundhygiene.
Stillkinder haben (zuerst) ein etwas geringeres Kariesrisiko.
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Grizzly
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Grizzly »

Ja, ich hatte damals auch dazu hier gefragt und selbst recherchiert, weil ich mir Gedanken über die Ansteckung von Bärchen gemacht hatte. Da kam auch raus, dass das veraltet ist und Glas teilen usw. kein Problem. Die Quelle habe ich leider nicht mehr zur Hand.
Grizzly mit Bärchen (07/2021)
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ShinyCheetah
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von ShinyCheetah »

Stillkinder Ü1 haben je nach Studie ein etwas erhöhtes Kariesrisiko (oder es gibt keinen signifikanten Effekt des Stillen). An der Sorge der Zahnärzte ist also schon "was dran". Einen deutlich höheren Einfluss haben aber der sozioökonomische Status (ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, der beeinflusst die Ernährungsgewohnheiten und die Zahnhygiene) und Fluoridgabe. Ich hoffe also, die KiÄ weist mindestens genauso streng drauf hin, dass Zahnpasta mit Fluorid ab dem ersten Zahn alternativlos ist.

Wenn man den Kindern nächtliches Stillen ab 1 verbietet, müsste man konsequent auch Wasser verbieten. Das reduziert nämlich auch die Remineralisierung der Zähne. Aber wenn es 30°C sind, will man dann ernsthaft das Kind bis zum Morgen durstig lassen, weil das das Kariesrisiko um ein paar Promille reduziert? Und jeder einzelne Magen-Darm-Infekt - eine Katastrophe für die Zähne! Konsequenterweise sollten wir unsere Kinder also aus Kita und Co raushalten, solange sich MD durch "alle 20 min die ganze Nacht über erbrechen" zeigen kann.
;)

Also ich will damit sagen, vieles hat Einfluss und am Ende muss man abwägen. Ich finde es furchtbar, wenn ab 12 Monaten durch Kinderärzte so ein Druck aufgebaut wird. Für mich war es allerdings eh stimmig, beide Kinder mit ca. 18 Monaten nachts abzustillen. Früher wär das unglaublich schwierig gewesen (ich weiß tatsächlich gerade bei F nicht, ob es überhaupt möglich gewesen wäre ohne massives Schreien lassen über Monate). So fand ich es einen guten Kompromiss.
mit Sohn F (Ende September 18)
und Tochter V (Ende Juni 21)


The trick to happiness wasn't in freezing every momentary pleasure and clinging to each one, but in ensuring one's life would produce many future moments to anticipate. Shallan Davar/Brandon Sanderson
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Krachbum
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Krachbum »

Hiermal das Fazit aus dem Artikel (auf jeden pro Langzeitstillen, veröffentlicht in "Zahnärztliche Mitteilungen"):
"Fazit
Im Ergebnis besagen alle Leitlinien und internationalen Empfehlungen, dass Stillen mindestens in den ersten sechs Lebensmonaten erhebliche Vorteile für die Entwicklung eines Kindes hat und daher empfohlen werden sollte. Die teils widersprüchlichen Studien zu den Zusammenhängen von Langzeitstillen und ECC deuten auf den weiterhin erhöhten Forschungsbedarf zu dieser Thematik, um eindeutige Empfehlungen zu erarbeiten.

Hier zeigt sich zudem die Diskrepanz von Forschung und Erfahrung in der täglichen Arbeit als Kinderzahnarzt. Fälle von ECC bei gestillten Kindern mit typischer Lokalisation an den Glattflächen der OK-Frontzähne kommen in der Praxis vor und können nicht immer auf eine kariogene Beikost, eine unzureichende Mundhygiene oder fluoridfreie Zahnpasta zurückgeführt werden.

Die vorgestellten Studien und die prozentuale Anzahl an ECC-Fällen bei gestillten Kindern in der Praxis verglichen mit ECC-Fällen aus anderen Gründen zeigen in toto aber auch, dass auch bei längerem Stillen und Langzeitstillen die gesamtkörperlich positiven Effekte im Vordergrund stehen. Größere Bedeutung zur Vermeidung von ECC in der Beikostphase haben demnach neben einer gesunden Ernährung und täglicher optimaler Mundhygiene mit Fluorid die Vermeidung von Schnullern und Saugern sowie der halbjährliche Zahnarztbesuch.

Sowohl unter dem ganzheitlich medizinischen Aspekt als auch mit zahnmedizinisch-kieferorthopädischem Fokus profitieren gestillte Kinder in vielerlei Hinsicht, so dass auch eine Stillzeit über zwölf Monate hinaus unterstützt werden kann – idealerweise unter fachlicher Begleitung."
Umgedacht
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Umgedacht »

Da der Text keine eindeutige Aussage trifft (vermutlich mit Absicht) liegt es einfach an den Eltern was für sie machbar und zumutbar ist. Selbst, wenn man alles richtig macht, kann Karies oder sonst was entstehen. Ich würde mir da nicht so viele Sorgen machen. Unsere Kinderzahnärtzin hat gesagt nachts lieber nicht stillen und selber lange gestillt. Es geht halt nicht immer nach Lehrbuch.
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Kaba
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Kaba »

Danke für eure ganzen Antworten und Links. Ich selbst habe für mich die Risiko-Nutzen-Abwägung eh schon getroffen, ich hatte nur überlegt, ob ich das nächste Mal was mitnehm um mich auf eine evtl. Diskussion einlassen zu können. Aber wahrscheinlich kommt der Hinweis eh nur standardmäßig bei der U6.

Eure Quellen erinnern mich auf jeden Fall dran, dass das Baby nicht ständig alle Zahnbürsten klauen sollte, (noch) seltener die Apfelschorle mittrinken darf und vielleicht nach dem Eis essen nochmal extra gründlich Zähne putzen sollte :oops: Und einen Zahnarzttermin muss ich für beide Kinder (und mich) auch mal wieder ausmachen.

Der Hinweis "Nächtliches Stillen kann u.U. Karies begünstigen" hätte mich auch gar nicht gestört. Aber dass sie mit 13 Monaten durchschlafen "muss" und ich sie quasi mit dem Stillen davon abhalte, fand ich halt irgendwie etwas realitätsfremd und unnötig Stress erzeugend. Ich hab die Große ab ca. 18 Monate auch nicht mehr in den Schlaf gestillt, nachts wach wurde sie trotzdem (ich weiß gar nicht mehr, ob ich da dann noch gestillt habe, wahrscheinlich schon). Und ich find halt 2-3mal nachts wach werden und schnell wieder einschlafen super und sehe da (außer halt dem eventuellen Kariesrisiko) überhaupt keinen Grund, was zu ändern.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Kaba »

ShinyCheetah hat geschrieben: 13.07.2023, 07:07
Wenn man den Kindern nächtliches Stillen ab 1 verbietet, müsste man konsequent auch Wasser verbieten. Das reduziert nämlich auch die Remineralisierung der Zähne. Aber wenn es 30°C sind, will man dann ernsthaft das Kind bis zum Morgen durstig lassen, weil das das Kariesrisiko um ein paar Promille reduziert? Und jeder einzelne Magen-Darm-Infekt - eine Katastrophe für die Zähne! Konsequenterweise sollten wir unsere Kinder also aus Kita und Co raushalten, solange sich MD durch "alle 20 min die ganze Nacht über erbrechen" zeigen kann.
;)
Naja, 30° hat es ja nicht immer und selbst wenn Kinder jede Nacht einmal aufwachen, um Wasser zu trinken ist das wahrscheinlich schon was anderes, als häufiges nächtliches Stillen. Und klar kann man nicht immer alle Risiken ausschalten - aber das Stillen ist da halt doch ein besser kontrollierbarer Risikofaktor (genauso wie Zähne putzen, Zuckerkonsum..) als der MD-Infekt.
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ShinyCheetah
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von ShinyCheetah »

Ganz klar. Und wenn du darum zu dem Schluss kommst, dass du nachts abstillen möchtest, ist das auch völlig legitim. Genau so legitim ist es zu sagen "Ich ergreife andere Präventivmaßnahmen (regelmäßiges Putzen mit Fluorid, keine Süßigkeiten etc.) und warte mit dem nächtlichen Abstillen bis Zeitpunkt X, weil ich der Ansicht bin, dass mein Kind und ich insgesamt vom nächtlichen Stillen noch sehr profitieren".
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erdbeerbrot
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von erdbeerbrot »

Man kann dabei sicher auch in die Waagschale werfen, ob man (also das Kind) vielleicht familiär ein höheres Kariesrisiko hat.
In meiner Familie ist zB Karies trotz eher nicht ganz ao vorbildlicher Prävention kein Thema.
Wenn aber zB ich, mein Partner oder ein Geschwisterkind oder das Kleinkind selbst schon ein Problem mit der Zahngesundheit hätte, hätte ich E vielleicht nicht erst mit 2,5 nachts abgestillt.
Mit 12/2017 und 06/2020
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