Betreuungsnotfallplan Kindergarten

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lalelu2
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von lalelu2 »

Ich glaube, dass mit der Ampel ist bei euch falsch rübergebracht worden:
Grün bedeutet: alles in Ordnung
Gelb bedeutet: es gibt Maßnahmen, um den Personalausfall auszugleichen. Die sind individuell festgelegt. In der Regel: -Reduzierung der Angebote für die Kinder
-Reduzierung von Eingewöhnungen
- Überstunden und Verlängerungen des Personal
- Personal nimmt nicht an Fobis teil, hat keine Verfuegungszeit, gibt seine Teambesorechungszeit auf, kann keine Überstunden nehmen, hat Urlaubssperre
-Gruppen werden zusammengelegt
- freiwilliger Verzicht der Betreuung

Rot bedeutet: es gibt Einschränkungen bei den Öffnungszeiten: auch hier nicht sofort das volle Programm, sondern z.B. die Nestgruppe muss früher schließen oder ab 15 Uhr nur noch Notbetreuung. Eine komplette Schließung habe ich persönlich noch nie erlebt.

Was den freiwilligen Verzicht angeht: leider gibt es kaum noch Bereitschaft, freiwillig zu verzichten. Wir dürfen aber einen gewissen Schlüssel nicht unterschreiten, also werden dann im nächsten Schritt die Öffnungszeiten komplett eingeschränkt.

Zur Frage, warum hat es vor Corona geklappt: Zumindest hier in RLP gab es den Maßnahmenplan schon vor Corona. Allerdings denke ich auch, dass er, zumindest in meinem Erleben, seltener zum Einsatz kam:
Ich denke, die KollegInnen sind insgesamt mehr belastet und gesundheitlich angegriffen. ( in meinem Team hatte jeder mindestens dreimal Corona trotz Impfungen, manche haben seitdem dauerhafte Probleme) Zusaetzlich ist zeitgleich mit dem Ende der Corona-Pandemie das gute -Kita -Gesetz in Kraft getreten: das bedeutet in RLP: bei geringerem Personalschlüssel bleiben die Kinder wesentlich länger in der Kita. Jedes Kind hat Anspruch auf ein Essen. in meiner Einrichtung haben Ende Juni 2021 49 Kinder gegessen, Ende Juli mussten mir plötzlich 110 verköstigen, ohne zusätzliches Personal, ohne zusätzliche Räumlichkeiten. Das bedeutet: wir brauchen statt zwei Essens Gruppen die von vier ErziehrInnen betreut werden 5 Gruppen, die von 10 betreut werden, zusätzlich müssen die anderen im Hof betreut werden, es sind also mindesten 11 Leute in der Mittagszeit nötig, und dann ist schon keiner mehr übrig, der wickeln könnte oder gar vorlesen oder kuscheln.

Ich kann ja nur für RLP sprechen, aber hier ist es eher die Realität, das ständig am Personallimit gearbeitet wird.
Dazu kommt, dass die Wertschätzung der Eltern auch immer weiter sinkt, die Eltern wünschen sich in erster Linie Betreuung, je mehr desto besser. Die KollegInnen haben aber den Anspruch an sich, wertvolle pädagogische Arbeit zu machen. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr darauf, dass die Kita eine Bildungseinrichtung ist, sondern es geht den meisten um Betreuung, so viel und solange wie möglich, das steht in starkem Widerspruch zu dem, was wir uns alle für die Arbeit wünschen.

Hinzu kommen immer mehr administrative Aufgaben, Dokumentationen, Entwicklungsbereiche, Berichte für Gerichte und Hugendaemter….

Jemand schrieb hier: was macht es für einen Unterschied, wenn nur die Hälfte des Personals da ist:
Das macht einen Riesenunterschied (abgesehen davon, dass es nicht legal ist) : Hier bedeutet das; Die KollegInnen verbringen ihren Tag im Durchgang zu zwei Räumen, um diese gleichzeitig zu betreuen, ein(e) Erzieherin betreut beim Essen alleine 18-25 Kinder, ich denke, jeder hier kann sich vorstellen, dass das weit entfernt von einer angenehmen, kingerechten Essensathmosphaere ist.
Für Beschäftigung mit einzelnen oder Kleingruppen bleibt keine Zeit: zwei Kollegen übernehmen am Fließband die ganze Wickelarbeit, während die anderen betreuen.
Ich glaube nicht, dass sich das jemand fuer sein Kind wünscht rund ganz gewiss erfüllt es auch nicht unseren eigenen Anspruch a die Arbeit.

Dieses nicht erfüllen der eigenen Ansprüche und der ständige Stress durch die schlechten Arbeitsbedingungen, der ständige Druck führt zu einer Zunahme von Burnoutsyndromen und Krankheiten überhaupt.

Die Lösungen, die die Politik zu bieten hat, sind doch sehr zweischneidig: die zusätzlichen Regenerationstage zum Beispiel, generieren einen Personalausfall, der wieder von den anderen ausgeglichen werden muss,
Ungelernte Unterstützungskraefte dürfen viele Tätigkeiten nicht ausführen: Eingewöhnungen, paedagogische Angebote, Wntwicklungsberuchte und Gespräche, außerdem dürfen sie nicht in Randzwiten eingesetzt werden. D.h. All diese Di he werden auf weniger Köpfe der ohnehin schon bis zur Grenze belasteten Kollegen verteilt.

Also, nicht falsch verstehen: ich bin selber eine berufstätige Mutter und brauche zwangsläufig Betreuung, da ich keine Alternative habe, ich habe da vollstes Verständnis für, aber das Problem ist ein politisches, dass nicht in den Kitas gelöst werden kann. Wer jedem Betreuung zusichert, muss auch dafür sorgen, dass diese gewährleistet werden kann. Die verbliebenen (meistens durchaus motivierten ) Fachkräfte bis weit über ihre Grenzen hinweg zu belasten, wird das Pro len höchstens verschärfen
Sorry, für den langen Text, ich denke, wir alle wünschen uns zuverlässige Betreuung die auch noch qualitativ hochwertig ist, unter den derzeitigen Bedingungen ist dies aber nicht möglich. ( zumindest in RLP) ich komme hier regelmäßig mit den verschiedenen Arbeitskreisen in Kontakt, und die Situation ist überall gleich/ zuwenig Personal, zu hohe Krankenstände, zu hohe Belastung…
Seifenblasenfrau
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Seifenblasenfrau »

Aber wieso gibt es denn niemanden, der/die Erzieherin werden will? Das sind doch bloß vier Jahre Ausbildung, in denen man kein Gehalt bekommt, aber bestenfalls ne Menge Schulgeld bezahlt, um sich dann in einem völlig überholten System in veralteten Häusern kaputtzuarbeiten. Das macht doch Spaß, wieso will das niemand? 🤪
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JoJu
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von JoJu »

Die Regenerationstage wurden bei uns einfach an die weihnachtsschließzeit dran gehängt, Zack ist das Problem wieder bei den Eltern gewesen…
Wintermädchen (08.01.2015, ungeplante Hausgeburt)
Weihnachtsjunge (25.12.2016, ungeplante Alleingeburt)
Ungeplanter Herzenswunsch in 09/2018 zu den Sternen umgekehrt...und ein neues Wunder für Mai 2023 geschickt
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Nane85
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Nane85 »

Ich bin im Vorstand einer Elterninitiative und das Thema ist echt schwierig. Wir sind eingruppig mit 4 Erzieherinnen (alle Teilzeit). Kürzlich sind zwei wegen Krankheit ausgefallen. Die verbleibenden 2 (zusammen 1,4 Stellen) haben es so gut es ging aufgefangen, einen Tag mussten wir dennoch schließen. Und es gab natürlich Gemecker - aber was sollen wir machen? Zudem zieht auch dieses Auffangen wieder einen Rattenschwanz nach sich, denn irgendwann wollen die Überstunden auch genommen werden.

Bei einer Gruppe ist ein zusätzliches Problem, dass "bitte nur bringen, wenn es unbedingt nötig ist" nichts bringt, weil eben dennoch zwei Fachkräfte da sein müssen, egal ob für 5 oder 15 Kinder.
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Brianna
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Brianna »

Meine Kinder haben die Kita mittlerweile beide verlassen. Bei uns gab es vor Corona schon regelmäßig gestrichenes Programm oder verkürzte Öffnungszeiten. Das haben aber viele Eltern gar nicht mitbekommen. Die gekürzten Öffnungszeiten betreffen nämlich immer zuerst die Ganztagskinder. Da arbeiten beide Elternteile so, dass Betreuung bis 14.30 Uhr nicht ausreicht. Da war dann anstatt 16.45 Uhr plötzlich heute um 15.30 Uhr oder gar um 14.30 Uhr zu. Bei den anderen kam es nur an, wenn für alle Freitags um 13.00 Uhr zu war und nicht wie sonst für die Halbtagskinder um 14.30 Uhr Schluss war.
Mit Corona wurde es nur schlimmer.
Seitdem ist mit Ganztagsplatz um 15.30 Uhr Schluss. 😵‍💫
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feuerdrache
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von feuerdrache »

Beim Lesen stellt sich mir die Frage- wie definieren die Verantwortlichen, wer daheim sein Kind betreuen kann- bei Selbstständigen?`

Die Direktorin der Nachbargemeinde hat sogar gemeint, der Gemeindeärztin (alleinerziehende Mutter im Corona Notdienst) die Betreuung verweigern zu können, weil sie ja im Haus sei. Und ständig bei Notfällen Hausbesuche gemacht hat, Coronakranke behandelt hat- da kann man doch kein Kind unter dem Schreibtisch aufbewahren?
Und ich musste mit unserer Direktorin sehr deutlich werden- weil ich keine Kinder am Traktor mitnehmen kann, oder beim ackern noch bei der Hausaufgabe helfen kann.
Auch ein Installateur oder Zimmerer kann doch nicht einfach das Kind auf die Baustelle mitnehmen? Als Selbstständiger, wurde aber hier gemeint, das ginge schon man solle halt Büroarbeit machen.... sehr lustig.

Und was ich mich noch frage- wenn man die vollen Beiträge zahlen soll, aber nur die Hälfte der Betreuung bekommt- (im Extremfall dann gar keine Betreuung bekommt) - also hält das rein rechtlich? Kassieren und keine Leistung erbringen dafür?
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JoJu
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von JoJu »

Lohn muss ja auch bei Krankheit erstmal 6 Wochen weitergezahlt werden, von daher wird das schon gehen…als während covid keine notbetreuung genutzt wurde, gab es für volle Monate das Geld zurück. Das aber nur zu der Zeit, als ausschließlich systemrelevante Eltern ihre Kinder bringen durften. Ein Tag notbetreuung und es war der gesamte Monatsbeitrag fällig.
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von lalelu2 »

JoJu hat geschrieben: 02.06.2023, 17:06 Die Regenerationstage wurden bei uns einfach an die weihnachtsschließzeit dran gehängt, Zack ist das Problem wieder bei den Eltern gewesen…
Aber bei euch wird es doch auch eine Höchstzahl an Schließtagen im Jahr geben? Zwei zusätzlich ist hier nicht möglich, was zur Folge hat, dass jeder der 20 MA dieses Jahr vier weitere Urlaubstage hat. Da der Träger vorgibt (um Personalengpaesse vorzubeugen) dass Max zwei Kräfte gleichzeitig Urlaub nehmen dürfen und manche Wochen gesperrt sind, ist das rechnerisch schon ein Ding der Unmöglichkeit….
splischsplasch
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von splischsplasch »

Nane85 hat geschrieben: 02.06.2023, 17:54 Ich bin im Vorstand einer Elterninitiative und das Thema ist echt schwierig. Wir sind eingruppig mit 4 Erzieherinnen (alle Teilzeit). Kürzlich sind zwei wegen Krankheit ausgefallen. Die verbleibenden 2 (zusammen 1,4 Stellen) haben es so gut es ging aufgefangen, einen Tag mussten wir dennoch schließen. Und es gab natürlich Gemecker - aber was sollen wir machen? Zudem zieht auch dieses Auffangen wieder einen Rattenschwanz nach sich, denn irgendwann wollen die Überstunden auch genommen werden.

Bei einer Gruppe ist ein zusätzliches Problem, dass "bitte nur bringen, wenn es unbedingt nötig ist" nichts bringt, weil eben dennoch zwei Fachkräfte da sein müssen, egal ob für 5 oder 15 Kinder.
Ich schließe mich dir an, mein Mann ist auch im Vorstand einer größeren Elterninitiative als Kassenwart mit ca. 20 Erzieherinnen und Zweitkräften. Es gibt einfach kaum Bewerbungen und die paar Bewerberinnen gingen dann zur Stadt, weil da etwas mehr bezahlt wird. Elternverein kann aber nicht mehr zahlen, weil die Zuschüsse ewig nicht an Tarifsteigerungen angepasst werden.
Die Leitung ist nur noch am Rotieren und Löcher im Dienstplan stopfen, alle haben massiv Überstunden.
Personal muss halt erstmal ausgebildet werden.

Und ja, auch wenn es Mist für die Eltern ist: Vielleicht steigt dann mal endlich der politische Druck wenn die Eltern selber als Arbeitskräfte fehlen.
Und so hart wie so ein Ampel-Schrieb ist, ist es wenigstens die ehrliche Bankrotterklärung des Betreuungssystem.
Sohn 1 (08/18), Sohn 2 (08/21), Tochter (09/25) und Ehemann
Serafin
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Serafin »

Hier arbeiten quasi alle Eltern, sobald das Kind ein Jahr ist Vollzeit. Wenn es Ausfälle gibt, wird als erstes Programm zurück gefahren. Dann werden Leiharbeiter angefordert. Auf die Eltern abwälzen funktioniert nicht da alle Eltern arbeiten. Da wäre der Aufstand im Land groß.
kleiner Maulwurf 12/15
kleiner Schildkröterich 05/19
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