Mein Kind ist so unemphatisch

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Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Bei uns ist es eher so, dass er sich entschuldigt, weil er WEISS, dass wir das nicht okay finden, nicht weil er "fühlt", dass es nicht okay war.

Es kommt auch nie vor, dass er z.B. merkt, wenn ein neues Kind in die Gruppe kommt, dass man das Kind wenigsten mal begrüßen könnte.

Auch meine Kolleginnen "ignoriert" er, er sagt inzwischen Hallo, weil ich ihm das eingeschärft habe, aber er redet sonst nicht mit ihnen. Er ist auch total "unhöflich". Auf der anderen Seite hat er sich begeistert von der Gymnasiallehrerin verabschiedet und hat ihr gesagt wie sehr er sich auf sie freut und hofft, dass er sie ihm Unterricht hat.

Ich war jetzt eigentlich froh, dass es in der Schule so viel besser läuft und er generell einen zufriedenen Eindruck macht.

Das Gespräch hat mich jetzt doch nachdenklich gemacht.

Rücksichtslos zu hause ist er nicht so doll, denn er weiß, dass Verhalten x zu Folge y führt.

Besprechen kann man eigentlich viel mit ihm. Aber das speichert er dann ab und kann es auf "Neues" nicht anwenden.

Wahrscheinlich kann ich eh nichts machen, sondern nur auf learning by doing hoffen.
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joko
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von joko »

Cecily hat geschrieben: 19.05.2023, 11:37 Langeweile hat er nicht mehr so viel, über störendes Verhalten beklagt sich auch keiner, schulisch ist okay, aber aufgrund deutlicher Unlust und 0 Ehrgeiz völlig unter dem, was er machen könnte.
Cecily hat geschrieben: 19.05.2023, 11:37 Wenn ein bestimmtes Verhalten "angebracht" wäre (Oma aufheitern z.B.) kommt da nix.
Du schreibst von meinem Sohn2, oder?
Er ist 13..

Ich frage mich langsam auch, was da los ist. Momentan ist das Thema Freunde aktuell. Er hat keine "guten" Freunde, und hat echt keine Ahnung, warum das so ist und was er dafür machen muss.
Der KV gibt ihm die "Schuld" , das ist nicht gerade hilfreich. Er kommt mit vielen gut aus, aber das ist nur oberflächlich.

Was die schulischen Leistungen angeht, ja. Wie du es beschreibst.

Mein großer Sohn ist sehr mitfühlend und sozial, und Sohn2 wirkt gegen ihn noch unempathischer.
Wenn es mir schlecht geht (krank, Kopfschmerzen..) muss ich eigentlich ganz detailliert und übertrieben erklären, DASS ich krank bin. Sonst versteht er es nicht. Und eigentlich nervt es ihn dann auch bloß.
Er sagt zwar, dass ich ihm leid tue usw, aber ich denke manchmal, er sagt es, weil es "erwartet" wird.

In seiner Klasse ist ein Mädchen, das öfter mal weint. Das erzählt er, und wenn ich sage: hast du mal mit ihr gesprochen/sie aufgemuntert (sie kennen sich schon ganz lange)..nö, warum. Was soll ich da sagen...

Lösung hab ich leider keine 😔
"Fasst frischen Mut; so lang ist keine Nacht, dass endlich nicht der helle Morgen lacht." (Macbeth/Shakespeare)
februarkind16
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von februarkind16 »

Mein 8jähriger ist ganz ähnlich. Ich hoffe auch immer noch, dass das was wird.
Inzwischen denke ich aber eher, dass er einfach so ist. Es gibt ja auch bei den Erwachsenen da große Unterschiede, bei manchen schüttel ich da auch nur mit dem Kopf- wie leider ganz oft bei meinem Sohn.
Mama mit großem Sohn (02/15) und kleinem Sohn (07/19) und kleinem Sternchen (09/18)
Mau
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Mau »

Also ich war (und bin noch manchmal 🙈 ) so ähnlich. Wenn jemand geweint hat, habe ich mitgeweint, aber wie trösten geht, war mir ein Rätsel. Und wenn die Person genauso traurig gewesen wäre und mir das ausführlich erzählt hätte, wäre es mir egal gewesen, solange sie nur normal funktioniert. Als ich dann alt genug war um abstrakt zu denken, habe ich gedacht, dass es gar keinen Unterschied machen würde, ob die Welt untergeht oder nur ich sterbe. Also rein logisch schon, aber gefühlt war es dasselbe. Klar wusste ich, dass andere Menschen im Inneren auch ein Bewusstsein und Gefühle haben müssen, aber gefühlt habe ich das nicht. Dementsprechend war es mir kaum möglich emotional eine andere Perspektive einzunehmen und zu merken, was jemand Anderem gerade helfen könnte und meine eigenen Bedürfnisse zurückzunehmen. Ich war aber ziemlich angepasst, deswegen ist es kaum aufgefallen. Höchstens mal in Gruppenarbeiten, wenn ich die Anderen ohne schlechtes Gewissen ausgenutzt habe. Welche Floskel erwünscht ist, lässt sich ja gut lernen. Ist dann vielleicht nicht perfekt, aber gut genug um nicht ganz so negativ aufzufallen.
Mit über 20 wurde es dann nach und nach besser. Romantische Beziehungen funktionieren nämlich nicht, wenn man derart egoistisch ist... Inzwischen sind mir die Gefühle der Menschen, die mir nahestehen wirklich wichtig und auch mit weniger nahestehenden Menschen kann ich immer besser mitfühlen. Ein inneres Bedürfnis mich bei meiner Tante, die ich nur gelegentlich sehe, für ein Geschenk zu bedanken uÄ habe ich aber immer noch nicht. Ich gebe mir aber Mühe nicht zu unhöflich zu sein. Mein Kind hat nochmal ganz viel verändert, sie ist der erste Mensch, der mir tatsächlich genauso wichtig ist wie ich selbst. Und zwar nicht nur, weil das so erwartet wird, sondern wirklich.

Also es gibt Hoffnung :lol:
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Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Es hilft mir echt schon zu lesen, dass das auch bei anderen Kindern/Erwachsenen üblicher ist als erwartet.

Mau, sehr schön, dass du Gruppenarbeiten in den Raum wirfst, die sind hier nämlich auch eine Katastrophe - entweder er findet schon keine_n Partner_in (weiß selbst nicht warum) oder er möchte alles bestimmen und ist beleidigt und will gar nicht mehr mitmachen, wenn es nicht so läuft wie er das will. Ich habe allerdings Hoffnung, da ich ihm fürs jetzige Referat nochmal die Grundregeln des menschlichen Miteinanders erklärt und ihn gezwungen habe, bei dem Mädchen anzurufen. Es schien sich recht harmonisch zu entwickeln und Dienstag wollen sie das vorstellen.

Ich weiß nicht recht - fühlst du dich denn "schlecht"? Du meinst, dass das Egoismus war / ist?

Joko, genau wie bei uns, auch mit Flo. Wenigstens ein Anzeichen, dass es nicht an meiner schlechten Erziehung liegt. Der Wicht korrigiert seinen Bruder auch öfters ("schmatz nicht so", "bohr nicht in der Nase am Tisch" "sag doch mal hallo"......). Echt strange...
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jessy80
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von jessy80 »

Daß erinnert mich am meinen mittleren, der sejbr traurig war als ich mal krank war, es stellte sich heraus das er traurig war, weil ich mich dann nicht um IHN kümmern konnte...Ja, danke auch
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Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

jessy80 hat geschrieben: 19.05.2023, 14:29 Daß erinnert mich am meinen mittleren, der sejbr traurig war als ich mal krank war, es stellte sich heraus das er traurig war, weil ich mich dann nicht um IHN kümmern konnte...Ja, danke auch
Ja, Maxi hat auch klar und deutlich gesagt, dass er traurig ist, weil Oma nicht den Erdbeerkuchen für seine Kommunion backen kann :shock:
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Sabina
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Sabina »

Das könnte ich oder mein Sohn sein, Cecily. Bei meiner Kleinen scheint es ähnlich zu werden. Ich spüre nicht, WESHALB etwas falsch war, fühle diverse Sachen auf emotionaler Ebene nicht oder anders. Die Situationen mit nicht begrüsster Kollegin, nicht bespasster Oma, kein Interesse an der Cousine…das sind 1:1 ich oder mein Grosser. Wir haben aber auch entsprechende Diagnosen/Verdachtsdiagnosen. Über den Intellekt haben wir gelernt uns angepasst zu verhalten. Klappt oft gut, manchmal eher nicht.
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Sabina hat geschrieben: 19.05.2023, 15:31 Das könnte ich oder mein Sohn sein, Cecily. Bei meiner Kleinen scheint es ähnlich zu werden. Ich spüre nicht, WESHALB etwas falsch war, fühle diverse Sachen auf emotionaler Ebene nicht oder anders. Die Situationen mit nicht begrüsster Kollegin, nicht bespasster Oma, kein Interesse an der Cousine…das sind 1:1 ich oder mein Grosser. Wir haben aber auch entsprechende Diagnosen/Verdachtsdiagnosen. Über den Intellekt haben wir gelernt uns angepasst zu verhalten. Klappt oft gut, manchmal eher nicht.
Meine Freundin meinte auch, ich solle das mal abklären lassen. Nicht weil es "unhöflich" ist, sie habe eher das Gefühl, dass er sich selbst (und nicht nur andere) nicht einschätzen könne...

Er hat allerdings keine beeinträchtigenden Zwänge oder so (er ist sehr empfindlich mit seinen Socken, aber sonst eigentlich nichts). Und - in meinen Augen - auch keine unaushaltbaren Wutausbrüche oder sonstige erhebliche Probleme. Kleinere Sachen, ja, aber eigentlich ist es der zwischenmenschliche Bereich.

Er gleicht halt auch viel über den Kopf aus.

Ich weiß gar nicht, ob ich da was anstoßen sollte, keine Ahnung. Was "macht" man denn da?
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Plueschwuschel »

Cecily hat geschrieben: 19.05.2023, 16:07 Ich weiß gar nicht, ob ich da was anstoßen sollte, keine Ahnung. Was "macht" man denn da?
Dem Kind scheint alles an "sozialem Schmierstoff" abzugehen - das, was Menschen häufig so tun, um einander zu zeigen, dass sie in Verbindung sind/sein wollen, notfalls auch eingesetzt aus "macht-man-halt-so-Gründen".
Finde ich übrigens sehr schwer, diese Praktiken, also z.B. ohne eigene tragende Rolle Trösten, Nachfragen, Bestätigen, Smalltalken plus den ganzen Höflichkeitskram (hat ja eigentlich alles eher mit der Erfüllung sozialer Erwartungen als mit wirklichem Nachfühlen zu tun) von wahrer Empathie zu trennen. Gerechtigkeitsempfinden (auch auf andere, nicht nur auf sich selbst bezogen!) empfinde ich dafür als einen viel "härteren" Marker.

Was tun - ist das Kind unglücklich? Klingt jetzt nicht so. Sollte es selbst ein paar, hm, Verhaltensweisen einüben wollen, um "besser anzukommen", hat es in euch passende Ansprechpartner:innen.
Ansonsten den Menschen so nehmen, wie er ist, ohne dran zu ziehen und ständig Veränderung des ganzen Daseins zu fordern.

(Autismus oder Neurodivergenz allgemein hat übrigens nichts mit "beeinträchtigenden Zwängen" zu tun, falls das grad eine Hintergrundüberlegung gewesen sein sollte. Falls Dein Kind sich im Spektrum bewegt, sorgt es sehr gut für sich, indem es eben nicht automatisiert maskiert.)
Nur drei können einander in die Mitte nehmen: Schulkind E. (12/11), Kindergartenkind H. (07/17), Baby P. (03/19)

und Sternenkind Jannis (07/10)
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