Mein Kind ist so unemphatisch

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lunovis
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von lunovis »

Cecily hat geschrieben: 26.11.2020, 16:15
blauelagune hat geschrieben: 26.11.2020, 15:46 Mein Mittlerer hat in der ersten Klasse Harry Potter gelesen in der Schule. Da war er beschäftigt. Die Lehrerin hat ihn und seinen Kumpel, auch sehr weit, auch manchmal rausgeschickt vor die Tür aufs Sofa zum Lesen, damit sie den anderen etwas erklären konnte.
Jaaaa - bei Harry Potter vergisst man alles um sich herum. Aber so weit ist er noch nicht mit dem lesen. Also, er könnte es lesen und verstehen, aber das ist ihm zu mühsam, zu klein gedruckt, zu viel Text auf einer Seite. Schule der magischen Tiere wäre was unter Umständen.... Von der Länge / Bebilderung / Schriftgröße sind diese Erst- & Zweitlesebücher schon gut, nur inhaltlich findet er die meiste nicht lesenswert. Wir lesen gerade "Wir Kinder vom Möwenweg", wo sie Plätzchen backen, das geht ganz gut. Für "richtige" Bücher reicht es nicht.
Ich kann mich nur wiederholen und Comics empfehlen, wenn er noch nicht soweit ist ;)

Bei uns läuft es ähnlich, nur dass mein Sohn nicht durch Stören auffällt. Leider geht er auch in der jahrgangsübergreifenden Klasse und an einer Schule, die sich Binnendifferenzierung auf die Fahne schreibt, ziemlich unter. Er liest viel und macht sein Ding, nutzt die Pausen für "normale" Kinderspiele mit seinen Kumpels, aber nach dem Mittag ist sein Kooperationsakku merklich aufgebraucht und er braucht erstmal etwas Beschäftigung in seinem Sinne.

Ich denke am Ende hilft es am Meisten, Techniken zu entwickeln, mit Langeweile umzugehen ohne zu stören. Denn die wird es für ein HB-Kind sehr wahrscheinlich immer wieder geben.
Und natürlich schauen, ob im Unterricht irgendwie auf ihn zugegangen werden kann. Aber dazu fehlt ja ggf in diesem Corona-Jahr auch von Lehrerseite die Kapazität mehr als sonst.

Die Mathehelden (das Knobelheft) nutzt mein Großer auch gerade als Beschäftigung. Beim Mathekänguru könntest du zB noch Altaufgaben runterladen. Vielleicht wäre auch ein LÜK-Kasten mit Aufgaben für größere Klassen gut. Durch die Möglichkeit der Selbstkontrolle bietet sich das mE gut zum selbstständigen Arbeiten an.
lunovis mit dem großen Sohn (9/13), der ziemlich großen Tochter (9/16), dem großen Kleinen (10/19), der Babymaus (5/24), den Sternengeschwisterchen und ganz besonders tollem Mann
Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

lunovis hat geschrieben: 26.11.2020, 17:17
Cecily hat geschrieben: 26.11.2020, 16:15
blauelagune hat geschrieben: 26.11.2020, 15:46 Mein Mittlerer hat in der ersten Klasse Harry Potter gelesen in der Schule. Da war er beschäftigt. Die Lehrerin hat ihn und seinen Kumpel, auch sehr weit, auch manchmal rausgeschickt vor die Tür aufs Sofa zum Lesen, damit sie den anderen etwas erklären konnte.
Jaaaa - bei Harry Potter vergisst man alles um sich herum. Aber so weit ist er noch nicht mit dem lesen. Also, er könnte es lesen und verstehen, aber das ist ihm zu mühsam, zu klein gedruckt, zu viel Text auf einer Seite. Schule der magischen Tiere wäre was unter Umständen.... Von der Länge / Bebilderung / Schriftgröße sind diese Erst- & Zweitlesebücher schon gut, nur inhaltlich findet er die meiste nicht lesenswert. Wir lesen gerade "Wir Kinder vom Möwenweg", wo sie Plätzchen backen, das geht ganz gut. Für "richtige" Bücher reicht es nicht.
Ich kann mich nur wiederholen und Comics empfehlen, wenn er noch nicht soweit ist ;)

Bei uns läuft es ähnlich, nur dass mein Sohn nicht durch Stören auffällt. Leider geht er auch in der jahrgangsübergreifenden Klasse und an einer Schule, die sich Binnendifferenzierung auf die Fahne schreibt, ziemlich unter. Er liest viel und macht sein Ding, nutzt die Pausen für "normale" Kinderspiele mit seinen Kumpels, aber nach dem Mittag ist sein Kooperationsakku merklich aufgebraucht und er braucht erstmal etwas Beschäftigung in seinem Sinne.

Ich denke am Ende hilft es am Meisten, Techniken zu entwickeln, mit Langeweile umzugehen ohne zu stören. Denn die wird es für ein HB-Kind sehr wahrscheinlich immer wieder geben.
Und natürlich schauen, ob im Unterricht irgendwie auf ihn zugegangen werden kann. Aber dazu fehlt ja ggf in diesem Corona-Jahr auch von Lehrerseite die Kapazität mehr als sonst.

Die Mathehelden (das Knobelheft) nutzt mein Großer auch gerade als Beschäftigung. Beim Mathekänguru könntest du zB noch Altaufgaben runterladen. Vielleicht wäre auch ein LÜK-Kasten mit Aufgaben für größere Klassen gut. Durch die Möglichkeit der Selbstkontrolle bietet sich das mE gut zum selbstständigen Arbeiten an.
Comics liest er nach deinem Tipp inzwischen mit Begeisterung :D

Die dürfen aber nicht mit in die Schule, weil da die anderen Kindern mitschauen wollen. Freitags nach der Schule darf er sich meistens alleine einen Comic aussuchen (meistens ist es Lego).
Missie
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Missie »

Cecily hat geschrieben: 26.11.2020, 15:30
Missie hat geschrieben: 26.11.2020, 15:15 Bei uns wird im Januar auf Hochbegabung getestet (und ASS) und sollte sich das bestätigen, bekommt Nr1 seinen ganz eigenen Wochenplan und kann dann komplexere Aufgaben bearbeiten. Ein bisschen läuft s jetzt schon so, aber nur ein bisschen und inoffiziell...
Er bleibt dann trotzdem vorerst in seiner Klasse, muss ja auch sozial noch viel lernen.

Also vllt hilft es doch, testen zu lassen?!
Darf ich fragen, warum ihr getestet habt? War es ihm auch in der Schule langweilig?
Wir testen erst nächsten Januar. 😉 Ja, ihm ist's super langweilig... Er konnte auch schon vor Schulbeginn gut lesen und er hat einfach ein unfassbares mathematisches und technisches Verständnis - seine Lehrerin kommt da aus dem Staunen nicht heraus, sagt sie. Er ist den anderen ein riesiges Stück voraus und das, obwohl er ja nur zwei Schulstunden am Tag am Unterricht teilnimmt (mehr ist aufgrund von Stören, Wutanfällen und tlw fremdaggressiven Verhaltens nicht tragbar).
Die Schule hat uns gebeten, den IQ testen zu lassen, außerdem muss er ja zur Diagnostik, weil er eine Schulbegleitung braucht und da wird standardmäßig auch der IQ bestimmt.
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lunovis
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von lunovis »

Cecily hat geschrieben: 26.11.2020, 17:24 Comics liest er nach deinem Tipp inzwischen mit Begeisterung :D

Die dürfen aber nicht mit in die Schule, weil da die anderen Kindern mitschauen wollen. Freitags nach der Schule darf er sich meistens alleine einen Comic aussuchen (meistens ist es Lego).

Ach, doof, aber auch verständlich im üblichen Schulsetting. Aber dann ist etwas Spannenderes zum Malen sicher auch nicht passend, oder?

Ich wollte gerade das Malen-nach-Zahlen-Heft "Drachen" von Ravensburger empfehlen. So als Abwechslung zu Mandalas. Es gibt auch Hefte, bei denen man die Zahl für die Farbe erst ausrechnen muss. Oder Rechenmandalas.
Oder vielleicht Punkt-zu-Punkt-Malhefte mit großen Zahlen (für Erwachsene gibt es welche bis 8000 oder so). Ich dachte noch an "Punkt für Punkt – Ein Dino-Comic zum Verbinden und Ausmalen" von Thade & Jasper Precht. Geht nur bis 100, macht aber durch den Comic viel Spaß.

Wäre etwas aus der 1000-Gefahren-Reihe vielleicht was für Maxi? Das sind Bücher im 'Choose your own adventure'-Stil, Leseniveau 3./4.-Klasse. Hat erstmal viele Seiten, aber durch das Auswählen ist es gar nicht so viel und vielleicht spannender zu lesen.

Aber das sind alles nur Beschäftigungsideen... Ich würde euch natürlich wünschen, dass sich strukturell etwas ändert.
lunovis mit dem großen Sohn (9/13), der ziemlich großen Tochter (9/16), dem großen Kleinen (10/19), der Babymaus (5/24), den Sternengeschwisterchen und ganz besonders tollem Mann
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Batinka »

Zum reinen Beschäftigen wollte ich auch gerade Rechen-Malen nach Zahlen empfehlen. Ansonsten haben sie bei uns noch Rechtschreiben (heißt tatsächlich einfach so, 1 und 2 hatten wir schon) und meine Tochter liebt Sudoku, kann er da schon richtige?
Um es gibt Kinder-Kreuzworträtselbücher.
Sonst habe ich keine Ideen, mag dir aber da lassen das „xy ist doch Baby!“ bei meiner Tochter und ihren Freundinnen im Spiel auch immer mal wieder vorkommt, ohne dass es eine der anderen übel nimmt.
Die Arbeit läuft Dir nicht davon, wenn Du Deinem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis Du mit der Arbeit fertig bist.

12-10-7
muggel
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von muggel »

Ich habe auch an HB gedacht. Nur ist es halt nicht damit getan, dass er ein paar Arbeitsblätter mehr machen darf. Oft brauchen Hochbegabte einfach noch anderen Input. Lies sich dazu mal ein. Ich hatte total ein falsches Bild von Hochbegabung. Ich habe mich damit beschäftigt als mein Sohn abgeklärt wurde. Er hing in der Schule immer müde rum und Kia riet zur Testung. Ich dachte sicher nicht, da mein Bild von einem HB Kind war, dass sie sich selbst Lesen und Schreiben beibringen oder so. Dem ist nicht so. Bei der Recherche habe ich dann in den Beschreibungen meinen Sohn im vielen wieder erkannt.
Viele HB Kinder werden negativ auffällig in der Schule durch die ständige Unterforderung.
Mit Oktober 2011 muggelchen an der Hand und November 15 muggelbaby
Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Missie hat geschrieben: 26.11.2020, 18:55
Cecily hat geschrieben: 26.11.2020, 15:30
Missie hat geschrieben: 26.11.2020, 15:15 Bei uns wird im Januar auf Hochbegabung getestet (und ASS) und sollte sich das bestätigen, bekommt Nr1 seinen ganz eigenen Wochenplan und kann dann komplexere Aufgaben bearbeiten. Ein bisschen läuft s jetzt schon so, aber nur ein bisschen und inoffiziell...
Er bleibt dann trotzdem vorerst in seiner Klasse, muss ja auch sozial noch viel lernen.

Also vllt hilft es doch, testen zu lassen?!
Darf ich fragen, warum ihr getestet habt? War es ihm auch in der Schule langweilig?
Wir testen erst nächsten Januar. 😉 Ja, ihm ist's super langweilig... Er konnte auch schon vor Schulbeginn gut lesen und er hat einfach ein unfassbares mathematisches und technisches Verständnis - seine Lehrerin kommt da aus dem Staunen nicht heraus, sagt sie. Er ist den anderen ein riesiges Stück voraus und das, obwohl er ja nur zwei Schulstunden am Tag am Unterricht teilnimmt (mehr ist aufgrund von Stören, Wutanfällen und tlw fremdaggressiven Verhaltens nicht tragbar).
Die Schule hat uns gebeten, den IQ testen zu lassen, außerdem muss er ja zur Diagnostik, weil er eine Schulbegleitung braucht und da wird standardmäßig auch der IQ bestimmt.
Das sehe ich völlig ein und das wäre eine Situation, in der ich auch testen würde. Sorry übrigens, ich hatte das schon mal gelesen von dir, könnte das jetzt aber nicht direkt in Zusammenhang bringen. :oops: Wenn es bei uns soweit gehen sollte, dass seine Verhalten "nicht tragbar" ist, würde ich schon was machen. Aber jetzt? Wenn ich jetzt testen würde, würde sich eigentlich nichts ändern. Ich weiß ja eh, dass er schlau ist und dass er gefördert werden sollte - machen wir ja normalerweise auch. Alles, was ihn interessiert hat zu bzw. gehen wir derzeit nicht hin.

Morgen sollte die Klasse zur Generalprobe in die Oper gehen - er hatte einen Gutschein gewonnen - fällt aus. Wir gehen im Winter regelmäßig in die Oper, ins Museum, ins Theater, ins Planetarium etc. - geht alles nicht.

Und alles, was ich so ranschaffe, hat er quasi in ein paar Stunden durch. Z.B. hat er zum Geburtstag einen Elektrobaukasten bekommen, den er super fand. Er hat alle Sachen gemacht, die vorgeschlagen wurden, hat das (keine Ahnung wie) an diverse andere Sachen angeschlossen und hat jetzt - in seinen Augen - alle Möglichkeiten durch. Wiederholungen mag er gar nicht.

Anders als Flo - der immer und immer wieder die selben Bücher vorgelesen bekommen will - will er nie ein Buch mehrfach vorgelesen haben.

Auf Empfehlung haben wir jetzt "Der Zahlenteufel" geholt und lesen das abends. Inzwischen kommen wir in Bereiche, die ich gar nicht mehr selbst einfach so rechnen kann (z.B. Wurzeln) und er findet es super.
lunovis hat geschrieben: 26.11.2020, 19:26
Cecily hat geschrieben: 26.11.2020, 17:24 Comics liest er nach deinem Tipp inzwischen mit Begeisterung :D

Die dürfen aber nicht mit in die Schule, weil da die anderen Kindern mitschauen wollen. Freitags nach der Schule darf er sich meistens alleine einen Comic aussuchen (meistens ist es Lego).

Ach, doof, aber auch verständlich im üblichen Schulsetting. Aber dann ist etwas Spannenderes zum Malen sicher auch nicht passend, oder?

Ich wollte gerade das Malen-nach-Zahlen-Heft "Drachen" von Ravensburger empfehlen. So als Abwechslung zu Mandalas. Es gibt auch Hefte, bei denen man die Zahl für die Farbe erst ausrechnen muss. Oder Rechenmandalas.
Oder vielleicht Punkt-zu-Punkt-Malhefte mit großen Zahlen (für Erwachsene gibt es welche bis 8000 oder so). Ich dachte noch an "Punkt für Punkt – Ein Dino-Comic zum Verbinden und Ausmalen" von Thade & Jasper Precht. Geht nur bis 100, macht aber durch den Comic viel Spaß.

Wäre etwas aus der 1000-Gefahren-Reihe vielleicht was für Maxi? Das sind Bücher im 'Choose your own adventure'-Stil, Leseniveau 3./4.-Klasse. Hat erstmal viele Seiten, aber durch das Auswählen ist es gar nicht so viel und vielleicht spannender zu lesen.

Aber das sind alles nur Beschäftigungsideen... Ich würde euch natürlich wünschen, dass sich strukturell etwas ändert.
Diese Rechenmandalas machen sie auch in der Schule, aber halt nur im Bereich bis 20. Das könnte schon was sein. Die 1000-Gefahren-Reihe kenn ich nicht, ich schau mal.
Batinka hat geschrieben: 26.11.2020, 20:40 Zum reinen Beschäftigen wollte ich auch gerade Rechen-Malen nach Zahlen empfehlen. Ansonsten haben sie bei uns noch Rechtschreiben (heißt tatsächlich einfach so, 1 und 2 hatten wir schon) und meine Tochter liebt Sudoku, kann er da schon richtige?
Um es gibt Kinder-Kreuzworträtselbücher.
Sonst habe ich keine Ideen, mag dir aber da lassen das „xy ist doch Baby!“ bei meiner Tochter und ihren Freundinnen im Spiel auch immer mal wieder vorkommt, ohne dass es eine der anderen übel nimmt.
Das ist ja irgendwie beruhigend, ich fand, das klang so herablassend. :(

Ich habe jetzt das

Das große Rätselbuch für clevere Kinder: ab 8 Jahre. Geniale Rätsel und brandneue Knobelspiele für Mädchen und Jungen. Logisches Denken und Konzentration spielend einfach steigern

und das

Das Forderheft Mathematik 1: Mathematische Herausforderungen zum Nachdenken und Vertiefen

bestellt.
muggel hat geschrieben: 26.11.2020, 21:31 Ich habe auch an HB gedacht. Nur ist es halt nicht damit getan, dass er ein paar Arbeitsblätter mehr machen darf. Oft brauchen Hochbegabte einfach noch anderen Input. Lies sich dazu mal ein. Ich hatte total ein falsches Bild von Hochbegabung. Ich habe mich damit beschäftigt als mein Sohn abgeklärt wurde. Er hing in der Schule immer müde rum und Kia riet zur Testung. Ich dachte sicher nicht, da mein Bild von einem HB Kind war, dass sie sich selbst Lesen und Schreiben beibringen oder so. Dem ist nicht so. Bei der Recherche habe ich dann in den Beschreibungen meinen Sohn im vielen wieder erkannt.
Viele HB Kinder werden negativ auffällig in der Schule durch die ständige Unterforderung.
Ich hab dazu schon ein dickes Buch gelesen, das von der dghk empfohlen wurde. Es gibt ja auch diverse Hinweisblätter und Bücher mit Anregungen für Lehrer....

Bei allem, was ihn interessiert, ist er mit absoluter Konzentration und Begeisterung dabei. Wir waren auf zwei MINT-Veranstaltungen, da war ich echt baff.

Gestern kam er aus der Schule und hatte 9 von 24 Arbeitsblättern gemacht, die sie bis zum letzten Schultag machen sollen. Der Lehrer gibt die ihm auch früher. Er macht das - mit Ausnahme vom Schreiben, da macht er halt Fehler - auch super. Nur sind es halt immer Wiederholungen von den selben Sachen.

Ich bin heilfroh, dass wir ihm nichts "beigbebracht" haben, so dass er wenigstens schreiben lernen kann. Gestern das "G".

Er erinnert mich sehr an meinen Patensohn vom "Werdegang". Und mein Patensohn ist ziemlich einsam. Er hat ca. seit der 3. Klasse (vorher war er sehr beliebt) quasi keine gleichaltrigen Freunde mehr, weil er alle immer vor den Kopf stößt und nicht bereit ist, bei Sachen "mitzumachen", die ihn nicht interessieren. Z.B. haben alle Fußball gespielt und er wollte nie mitspielen. Jetzt machen alle mit ihren Handys rum und er will keins. Dabei sagt er dann anderen dann auch klar, dass ihn das nicht interessiert und er das langweilig und blöd findet. Und deshalb steht er immer daneben.

Vielleicht mache ich mir auch zu viele Sorgen. Im Ergebnis: Mädchen Kletten in die Haare schmeißen geht natürlich nicht und ich habe das mit ihm besprochen, fand das jetzt aber (wahrscheinlich anders als die Mädchenmütter, die die Kletten rausschneiden mussten) nicht schlimm.

Das quatsche, Quatschmachen etc. macht mir Sorgen, weil er alle stört und sich dadurch selbst isoliert.

Am meisten macht mir aber Sorgen, dass er vielleicht irgendwann am Ende alleine und unglücklich dasteht.

Aber vielleicht packe ich die Probleme besser nach und nach an und freue mich einfach mal, dass er jetzt gute Freunde hat und glücklich ist. Ich hab eine Begabung dafür, mir im Vorfeld zu viele Sorgen zu machen.

Tut mir leid, dass das alles so wirr und merkwürdig rüberkommt, so fühle ich mich gerade.
Cecily
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von Cecily »

Ich musste das Thema jetzt nochmal hochkramen, weil mich gestern meine beste Freundin auf Maxis "komisches Verhalten" auf der Kommunion angesprochen hat.

Ganz liebevoll und dezent auch meine Mama und meine Schwester.

Er ist jetzt 9,5 und in der 4. Klasse. Langeweile hat er nicht mehr so viel, über störendes Verhalten beklagt sich auch keiner, schulisch ist okay, aber aufgrund deutlicher Unlust und 0 Ehrgeiz völlig unter dem, was er machen könnte.

Er ist sehr schwer in der neuen Klasse angekommen, seit den Ferien ist es aber okay und jetzt steht ja auch der Schulwechsel an.

In meinen Augen hat er innerhalb der Kernfamilie in Sachen Empathie deutlich zugelegt, wobei das klar "erlernte" Verhaltensweisen sind. Er checkt also "Mama ist gestresst und müde, jetzt mache ich xy" oder Ähnliches.

Außerhalb der Familie ist es deutlich schwieriger.

Beispiel Kommunion: Meine Schwester hatte ihr Baby dabei, das er noch nie gesehen hatte. Wir haben natürlich viel von dem Baby erzählt und Bilder gezeigt und gesagt, dass sie kommt.

Flo (5) hat sich begeistert auf das Baby gestürzt, wollte tragen und kuscheln und angucken und war sehr interessiert an seiner Cousine. Maxi hat ihr in den Hintern gekniffen und ist dann gegangen. Meine Schwester hat er auch nicht so begeistert begrüßt wie sonst, die konnte ja nicht wie sonst wild spielen. Meine Schwester ist da chillig, hat es mir halt erzählt.

Meine Mama ist ja schlimm gestürzt und war lange im KH. Er ist nur widerwilllig 1 x mit zu Besuch ins KH gekommen. Während Flo dann Omas Bein gestreichelt hat und sie getröstet hat, saß er gelangweilt in der Ecke. er ruft Oma auch nicht an, schickt keine WA etc., während Flo oft Videos und liebe Grüße und ich vermisse dich schickt.

In der Klasse gibt es "eigentlich" viele nette Kinder, die auch gerne mit ihm befreundet wären. Er möchte aber in die coole Jungs-Clique, obwohl er die alle nicht mag und die gemein zu ihm sind. An den anderen hat er kein Interesse. Es geht ihm da eher darum, zu den Coolen zu gehören, obwohl er deren Interessen gar nicht teilt.

Wenn er (egal ob Kind oder Erwachsener) auf etwas angesprochen wird, das ihn interessiert, gehen alle Beteiligten begeistert raus aus dem Gespräch / Spiel. In Grenzen ist er auch bereit auf andere zuzugehen (bei Freunden oder um den coolen Jungs zu imponieren).

Er ist wohlgemerkt kein Außenseiter, geht offen auf andere zu und ist jetzt auch nicht unbeliebt.

Aber er ist / wirkt ganz enorm "egoistisch". Vom Charakter her ist er das eigentlich nicht, finde ich. Oder doch? Er teilt gerne, er ist großzügig, er hilft auch gerne. Aber nur, wenn er will.

Wenn ein bestimmtes Verhalten "angebracht" wäre (Oma aufheitern z.B.) kommt da nix. Dazu: Seine Oma hat er jede Woche gesehen, sie spielt immer ausgiebig mit den beiden, macht tolle Ausflüge etc. Also ein enger Teil der Familie.

Auch komisch: Mein Arsch-Vater hat den Jungs mal vor dem Haus aufgelauert und ihnen erzählt, dass er mein Vater und damit ihr "richtiger" Opa ist. Seitdem erzählt er überall, dass der Mann meiner Mutter, der sich seit seiner Geburt um ihn liebevoll kümmert und 0 Unterschied zwischen den Jungs und "seiner" Enkelin macht, nicht sein "richtiger" Opa ist.

Flo kam das ganz verstört zu mir, hat meine Erklärung, dass es nicht darauf ankommt, wer biologisch mit einem verwandt ist, sondern wer sich um einen kümmert und einen lieb hat.
Er hat dann den Unterschied total verstanden, Maxi nicht. Seinen - in seinen Augen "richtigen" Opa will er aber zum Glück auch nicht sehen.



Sorry, langer Text. Ich bin ein bisschen ratlos. Erkläre ich ihm jetzt immer, was "man" von ihm erwartet? Das mache ich in vielen Situationen sowieso schon. Er fällt öfters negativ auf :(
jali
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von jali »

Ich kann dir nichts schlaues dazu sagen, kenne aber das Problem in deutlich abgeschwächter Form, bei meiner kleinen Tochter. Die findet es zwar bei Fehlverhalten (oft Hauen ihrer Schwester oder uns Eltern wüst Beschimpfen/Hauen) blöd, wenn wir danach sauer sind und entschuldigt sich deswegen auch (manchmal zumindest). Man hat aber nicht das Gefühl, dass ihr ihr Verhalten auch nur ansatzweise leid tut. Sie sieht da nur ihre Perspektive. Hat auch null Probleme damit am Wochenende um 6 30 Uhr lautstark loszuschimpfwn, wenn gerade Hörspiele aus irgendeinem Grund nicht funktionieren. Dass alle anderen aufwachen, ist ihr komplett egal.
Was bei ihr so merkwürdig ist, ist dass sie sich an anderen Stellen regelrecht über Kleinigkeiten zermartert. Z.b. dass sie zur Seite geschaut und dabei ein bisschen von einem Brief gelesen hat, der offen auf dem Tisch ihrer Tischnachbarin lag, was die nicht gut fand. Da hat sie noch Monate später ein schlechtes Gewissen, obwohl die Sitznachbarin das längst vergessen hat. Ebenso, wenn ihr ein Keks angeboten wurde, den sie angenommen hat, und im Nachhinein fragt sie sich, ob sie vielleicht etwas falsch verstanden hat (niemand war sauer, alles ok, aber sie kann nicht aufhören sich darüber Gedanken zu machen). Dass ihre Schwester weint, weil sie sie richtig doll gekniffen hat, beschäftigt sie aber nie. Sie wird vielmehr immer richtig wütend, wenn man sowas mit ihr später, wenn sich alle beruhigt haben, besprechen möchte. Ist quasi nicht möglich, weil sie dann richtig wütend wird und einem vorwirft ihr schlechte Laune zu machen, obwohl sie sich ja beruhigt hat.

Keine Ahnung, wie man Empathie an den richtigen Stellen lernt. Meine Große war schon von Anfang an fast überempatisch...
Mit zwei Töchtern (2011 und 2014)
jali
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Re: Mein Kind ist so unemphatisch

Beitrag von jali »

Deutlich abgeschwächt deshalb, weil es bei uns wirklich nur die Kernfamilie betrifft. In der Schule ist sie eher überangepasst und hat Angst Sachen falsch zu machen.
Mit zwei Töchtern (2011 und 2014)
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