Ich schreibe heute hier, weil ich quasi ständig kurz vor dem Abstillen bin. Ich weiß gar nicht so genau was ich erwarte, denn ich hatte vor Ort schon so mega viel kompetente Unterstützung und will hier eigentlich niemandes Zeit umsonst in Anspruch nehmen... vielleicht suche ich ja nur Austausch? Zuspruch? Doch noch rettende Ideen? Hier gibt es ja doch ein großes Schwarmwissen, vielleicht ist euch so ein schwieriger Fall schon mal untergekommen. Unter meinen Freunden und Bekannten finde ich auch einfach niemanden, mit dem ich über meine Stillprobleme so richtig reden kann - die haben irgendwie alle einfach stillen können... oder behaupten es...oder wollten nicht...
Mein Problem ist, dass ich seit 8 Wochen mit Schmerzen stille - erst waren die Brustwarzen blutig, inzwischen zum Glück "nur" noch sehr gereizt und extrem empfindlich. Ich versuche mal in Kurzform zu schildern, was ich schon alles versucht habe und entschuldige mich jetzt schon für die Länge des Textes:
Das Zungenbändchen meines Sohnes war zu kurz und wurde jetzt insgesamt 3 mal geschnitten, zuletzt von einer absoluten Expertin auf dem Gebiet in seiner 4. Lebenswoche. Mit jedem Schneiden hat sich die Situation etwas verbessert.
Insgesamt 3 Stillberaterinnen (die arbeiten eng zusammen) und eine Hebamme haben geschaut wie wir anlegen und haben das für gut befunden bzw noch ein paar Tipps gegeben. Besonders nahe gelegt wurde mir das asymmetrische Anlegen und intuitives Stillen - ich kann das Video zum asymmetrischen Anlegen auswendig und habe das Buch zum intuitiven Stillen inhaliert, mit wenig durchschlagendem Erfolg...
Eine Logopädin die gleichzeitig Stillberaterin ist, hat mir Übungen für seine Zungenbeweglichkeit gezeigt, die wir jeden Tag machen.
Ich habe einen starken Milchspendereflex der das Baby beinahe ertränkt, deshalb soll ich zurückgelehnt und intuitiv stillen und ihm die Brust von Anfang an formen und festhalten, um den Milchfluss etwas zu verlangsamen. Letzteres hilft tatsächlich ein bisschen.
Weil ich immer wieder an den Punkt komme wo ich es kaum aushalte, haben die Stillberaterinnen mir jetzt ein Stillhütchen mitgegeben, das den Milchfluss abbremsen soll, die Theorie ist, dass er versucht den Milchfluss mit Zunge oder Kiefer abzuklemmen. Dagegen spricht für mich, dass es mir besonders weh tut wenn er auf dem Trockenen nuckelt und wenn er trinkt die Schmerzen nur minimal vorhanden sind, aber ich will nicht ausschließen, dass es doch so ist. Was mir schon auffällt ist, dass er meiner Meinung nach den Mund oft nicht weit genug aufmacht oder klemmt, aber ich kann es 20 mal neu versuchen und kriege es nicht anders hin und nicht mehr Brust in seinen Mund.
In mir sträubt sich gegen die Hütchen noch alles, weil ich bei meiner Tochter schlechte Erfahrungen gemacht habe. Meine Brustwarzen waren damals trotz Hütchen wund und zur Krönung ist mir dann nach 6 Wochen die Milch zurückgegangen und die Zunahme war nicht mehr gut - damals habe ich dann noch bis meine Tochter 10 Monate alt war pumpgestillt.
Das klingt jetzt so als würde ich mich über den Tipp der Fachleute wegsetzen... das will ich gar nicht, ich bin denen so unheimlich dankbar, dass sie uns noch nicht ganz aufgegeben haben, es ist für mich vom Gefühl her mit den Hütchen halt wirklich der allerletzte Versuch, bevor ich wirklich hinschmeiße.
Jetzt das Seltsamste: nachdem ich bei der Stillberatung war und den Tipp mit Brust geformt halten (und Stillhütchen) bekommen habe, haben wir eine Woche (weiterhin ohne Hütchen) beinahe schmerzfrei gestillt. Mit jedem Tag wurde es besser. Ich habe das vorsichtig als Erfolg durch das Formen der Brust verbucht... Aber: ich habe seither nichts verändert (bis auf eine leichte Erkältung die uns nervt) und seit ein paar Tagen wird es mit jedem Tag wieder schlechter. Die Brustwarzen glühen, mir graust es vor jedem Anlegen und ich könnte nur heulen. Ich bin jetzt völlig ratlos und empfinde die Schmerzen noch schlimmer als vorher, weil ich jetzt ja weiß wie es sein könnte... An entspanntes Einschlafstillen oder clustern ist so überhaupt nicht zu denken.
Zu einem Vasospasmus passen die Symptome nicht, deswegen schließe ich das eher aus. Zwischen dem Stillen sticht es manchmal in der Brustwarze oder sie jucken etwas, fand bisher aber keiner verdächtig für einen Pilz. Nach dem Stillen sind die Brustwarzen kaum noch verformt, das war anfangs viel schlimmer, höchstens im Mundwinkel manchmal noch etwas gequetscht oder die Unterseite minimal platt, aber egal wie ich mich bemühe, daran bekomme ich nichts geändert. Er ist inzwischen auch so groß und schwer und kräftig, das macht es nicht leichter mit dem Anlegen... Die Schmerzen sind bei Stress oder Müdigkeit schlimmer, aber ich denke das liegt eher am sensibleren Schmerzempfinden, und mal ganz ehrlich, daran wird sich mit Baby und Kleinkind und Mann der ab Januar wieder arbeitet erst mal nichts ändern...
Ich bin so traurig, denn ich würde einfach so gerne ohne Sorgen stillen können. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit unser letztes Kind, also meine letzte Chance. Gleichzeitig zweifle ich so an mir, wie es sein kann, dass ich das Kind einfach nicht gescheit angelegt bekomme, wo doch überall steht, dass das die Hauptursache für schmerzende Brustwarzen ist. Auf der anderen Seite hätte mir das doch jemand vom Fach gesagt, wenn wir es so falsch machen würden. Wenn ich irgendwo lese Stillen sollte angenehm sein, ist das wie ein Schlag ins Gesicht... So groß mein Wunsch zu Stillen auch ist, ich weiß nicht wie lang ich mit den Schmerzen noch weiter machen kann... und es beeinflusst ja auch die Beziehung zu meinem Sohn, weil ich die Zeit momentan so wenig genießen kann mit ihm.
Ich weiß, dass ihr nicht gern parallel zu schon stattfindender Beratung helfen wollt, aber so wie ich es verstanden habe gehen allen inzwischen die Ideen aus, deswegen wollte ich diesen Weg nicht unversucht lassen. Ein neutraler/neuer Blick auf das Ganze schadet ja vielleicht nicht. Also falls noch jemand eine rettende Idee hat, ich wäre demjenigen so unglaublich dankbar, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen...