Leben mit Einzelkind

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Füchschen
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von Füchschen »

Hier wohnt auch ein Einzelkind.

War nie so geplant, aber es passt für mich absolut.
Er wird von allen verwöhnt, ja weil er momentan das einzige Enkelkind bzw. der einzige Neffe ist.
Aber er kann teilen und weiß, dass man nicht immer alles bekommt.

Spielen kann er wunderbar alleine und er vermisst nichts. Er war eher wütend und meinte er würde ausziehen wenn ich einen Freund hätte, weil ich ja automatisch dann auch ein Kind bekomme ^^
Füchschen mit ihrem Jungfuchs Merley (12/08)
Lösche Benutzer 24994

Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von Lösche Benutzer 24994 »

Ich bin auch Einzelkind. Ich habe mir immer Geschwister gewünscht, obwohl ich gar nicht wusste, was das dann so im Alltag bedeuten würde. Aber ich habe mir manchmal einfach einen Spielpartner gewünscht.
Besonders in der Grundschulzeit war das so.

Was mein Gemeinschaftsgefühl stark befriedigt hat, war mein Ehrenamt. Ich war von der fünften Klasse bis zum Ende des Studiums sehr aktiv beim Technischen Hilfswerk. Es war eine tolle Gemeinschaft mit gemeinsamer Aufgabe und ich hatte dort eine Art erweiterte Familie.
Gibt es denn eventuell etwas, was deine Tochter interessieren könnte wie Pfadfinder, Kirchengruppe, Hilfsorganisationen? Von dort kenne ich viele die gute Gemeinschaften gefunden haben.

Was mich manchmal traurig macht, ist die Vorstellung, dass ich aus meiner Familie die letzte bin. Wenn meine Eltern und mein Onkel irgendwann nicht mehr sind, dann gibt es nur noch mich von dieser Seite der Familie.
Aber dann denke ich mir, es geht ja doch noch weiter mit meinen Kindern.

Achso ich musste erst lernen, dass Streiten auch gut ist und bin tatsächlich beim Teilen nicht so großzügig wie mein Mann, der aus einer Großfamilie kommt.
Elena
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von Elena »

Unser Nachbarskind ist Einzelkind und SEHR sozial und hilfsbereit. Ich habe bei ihr allerdings immer den Eindruck, dass sie einfach viel mehr "erwachsenen" Umgang erlebt als meine Kinder. Sie spricht erwachsener und verhält sich so erwachsen-höflich, das assoziiere ich sonst nicht mit einer 12jährigen. Kann aber natürlich auch Charakterzug sein.

Ansonsten kann ich (obwohl ohne eigene Anschauung) sehr gut nachvollziehen, was MCM18 übers Ehrenamt und kirchliche oder andere Gruppen schreibt! Vielleicht wäre das etwas - zumindest in einigen Jahren?
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schneebesen
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von schneebesen »

Ich bin kein richtiges Einzelkind. Meine Schwestern sind 15 und 13 Jahre älter, aber sind früh ausgezogen wegen Ausbildung und Studium usw. Und so war ich im Alltag halt schon allein, oder im Urlaub. Auch meine Eltern sagen das mittlerweile selbst so. Zum Glück gab es in der Nachbarschaft drei gleichaltrigen Mädchen, mit denen ich befreundet war. Das hat die Kindergarten - und Grundschulzeit gehalten. Ab der fünften Klasse sind alle auf verschiedene Schulen gewechselt, da hat es sich dann verlaufen. Über die Kirchengemeinde hatte ich zwar dann eine gewisse Clique, aber so DIE richtige beste Freundin war da nicht dabei. Und da ist auch heute keine Freundschaft mehr da.

Richtig vermisst als Kind habe ich eigentlich nichts. Ich fand nur Familienfeste immer stinklangweilig, weil auch meine Cousins und Cousinen alle älter waren. Und auch meine Großeltern waren alte, kranke, tatrige Leute zu denen ich keinen Bezug hatte. Erst hier in der Familie meines Mannes habe ich jetzt erlebt, wie es ist mit fitten Großeltern, die sich einbringen. Und wie toll das ist, wenn gleichaltrige Cousins und Cousinen da sind.
Aber ich denke, da zieht der Spruch: man vermisst nur, was man kennt.

Was Elena schreibt empfinde ich auch. Dieses "erwachsener" sein, weil es einfach ein anderes Umfeld gab. Vieles was mein Mann erzählt aus seiner Kindheit und Jugend in der Großfamilie habe ich halt nie erlebt ( meine Schwestern schon ehr).

Ob der Einzelkindstatus etwas mit "sozial sein" zu tun hat, weiß ich nicht. Ich glaube, da spielt wirklich mehr der Charakter rein und was einem im Umfeld vorgelebt wird.

Materielles teilen ist aber auch anders als das Teilen von Aufmerksamkeit. Das ist denke ich automatisch mit mehreren Kindern anders, wie mit nur einem, sowohl als Kind als auch Eltern. Ob das besser oder schlechter ist ... Ich weiß es nicht und hoffe einfach das wir es für unsere Kinder richtig machen.
Aber auch dabei, denke ich, spielt der Charakter und die Lebenseinstellung der Eltern eine größere Rolle und nicht ob ich 1, 2 oder 5 Kinder am Tisch sitzen habe.
unterwegs mit Frühlingsmädchen ´15, Sommerjunge ´17 und Herbstjunge `20

Meist unterwegs mit Handy, sorry für evtl. Rechtschreibfehler
nido56
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von nido56 »

Ich bin Einzelkind und habe es immer gehasst.

Zu unserem größten Bedauern ist der Pirat leider auch ein Einzelkind, was mir für ihn sehr leid tut. Aber daran lässt sich nichts ändern.

Dass Einzelkinder nicht teilen können halte ich für ein Gerücht. Im Gegenteil, wenn man alles im Überfluss hat, ist es einfacher zu teilen, als wenn man alles vor seinen Geschwistern verteidigen muss.

Was ich schon sowohl bei mir als auch beim Piraten merke, ist dieses ewige im Mittelpunkt stehen. Man ist gewöhnt, dass man das wichtigste im Leben der Erwachsenen ist und immer von irgendwem Aufmerksamkeit bekommt. Das prägt einen schon. Ich finde, viele Einzelkinder neigen schon dazu, schnell alles auf uns zu beziehen und sich schwer im Hintergrund halten zu können.

Auf der anderen Seite erzeugt das auch schnell ein Gefühl von großer Verantwortung. Wenn ich die Erwartungen, Wünsche und Träume meiner Eltern nicht erfülle, dann tut es niemand.

Einsam war ich nie. Ich hatte immer Freunde und auch einen Cousin, mit dem ich ein sehr enges Verhältnis hatte. Aber Freunde ersetzen Geschwister nie. Wenn man sich mit Freunden streitet, sind die vielleicht weg. Geschwister bleiben, auch wenn man sich mit ihnen die Köpfe einschlägt. Das ist schon nochmal etwas anderes.

Der Pirat ist für sein Alter schon etwas zu sehr auf mich bezogen. Ich spiele halt viel mit ihm, weil er ja sonst oft niemanden hätte. Seine Freunde sieht er in der Schule, aber nachmittags sind hier alle sehr verplant und einfach rausklingeln zum Spielen gibt es hier leider nicht. Daher ist unser Verhältnis vermutlich enger als dass der meisten Kinder mit ihren Müttern.

Materiell verwöhnt ist er absolut. War ich auch. Das finde ich aber nicht schlimm. Ich bin heute überhaupt nicht materiell anspruchsvoll und habe auch beim Piraten nicht das Gefühl, dass ihm die Berge von Spielsachen schaden.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Larala
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von Larala »

Die Studienlage ist da ziemlich eindeutig: Einzelinder sind im Allgemeinen nicht unglückicher, einsamer, verwöhnter oder sozial inkompetenter als Kinder mit Geschwistern. Materielle Verwöhnung (mit Spielsachen und so) ist meiner Ansicht nach nur dann ein echtes Problem, wenn damit mangelnde Aufmerksamkeit kompensiert wird. Also wenn das Kind emotional vernachlässigt und dann zum Ausgleich mit Geschenken überhäuft wird. Dann sind aber nicht die Spielsachen das Problem, sondern die Vernachlässigung. Das Einzelkinder von ihren Eltern mehr Aufmerksamkeit bekommen als Geschwisterkinder, ist nach dem, was ich dazu gelesen habe, sogar sehr positiv für sie. Im Durchschitt sind Einzelkinder glücklicher als Geschwisterkinder.

So viel mal zur wissenschaftlichen Meinung ;)

Ich bin mit einem älteren Bruder aufgewachsen und habe mir ganz oft gewünscht, es gäbe ihn nicht. Meine Tochter ist Einzelkind und ich sehe das überwiegend positiv. Von anderen Eltern höre ich immer wieder, wie praktisch das sei, wenn man zwei Kinder hätte, weil die sich dann miteinander beschäftigen würden, während man ein Einzelkind ständig bespaßen müsse. Aber ganz ehrlich: Das kann so sein, muss aber nicht. Mein Bruder und ich haben uns ständig gestritten. Ständig. Und wenn wir uns nicht gestritten haben, sind wir uns aus dem Weg gegangen.

Ich würde mir wünschen, dass meine Tochter auch mal ab und zu ohne uns auskäme und sich alleine beschäftigen würde. Andere meinen immer, dass sie das nicht kann/tut, liegt daran, dass sie Einzelkind ist. Ich vermute da inzwischen andere Ursachen.

Meine Tochter ist sehr sozial und hat viele Freund:innen. Sie kann mit anderen Kindern auch gut teilen, helfen, trösten etc. Wir sind viel mit anderen Familien verabredet, so dass sie auch viel mit anderen Kindern spielt. Wenn wir zu Hause sind, genießen wir alle die Ruhe. Meine Tochter braucht nämlich, genau wie wir Eltern, Zeit um zur Ruhe zu kommen. Ich glaube, wenn wir noch ein Kind hätten, wären wir alle sehr viel gestresster und unausgeglichener. Es ist also wirklich gut so wie es ist.
mit der Ritterin vom "Ni" 5/17
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joko
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von joko »

Larala hat geschrieben: 12.08.2022, 10:04 wie praktisch das sei, wenn man zwei Kinder hätte, weil die sich dann miteinander beschäftigen würden, während man ein Einzelkind ständig bespaßen müsse. Aber ganz ehrlich: Das kann so sein, muss aber nicht. Mein Bruder und ich haben uns ständig gestritten. Ständig. Und wenn wir uns nicht gestritten haben, sind wir uns aus dem Weg gegangen.
Ja, das ist hier eben auch so... Es gibt einfach keine Garantie.
Larala hat geschrieben: 12.08.2022, 10:04 Ich würde mir wünschen, dass meine Tochter auch mal ab und zu ohne uns auskäme und sich alleine beschäftigen würde. Andere meinen immer, dass sie das nicht kann/tut, liegt daran, dass sie Einzelkind ist.
Ich konnte mich sehr gut alleine beschäftigen, auch heute noch. Ist mir oft lieber, als Gesellschaft zu haben.
Der große Sohn kommt auch gut alleine klar.
Der zweite Sohn gar nicht. War schon immer so. Er langweilt sich schnell und ist auch schwer für irgendwas zu begeistern. Zocken und yt schauen fesselt ihn stundenlang, das wars.
"Fasst frischen Mut; so lang ist keine Nacht, dass endlich nicht der helle Morgen lacht." (Macbeth/Shakespeare)
Elena
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von Elena »

Larala hat geschrieben: 12.08.2022, 10:04
Ich würde mir wünschen, dass meine Tochter auch mal ab und zu ohne uns auskäme und sich alleine beschäftigen würde. Andere meinen immer, dass sie das nicht kann/tut, liegt daran, dass sie Einzelkind ist. Ich vermute da inzwischen andere Ursachen.
Meine Große und meine Kleine können sich hervorragend alleine beschäftigen, die Mittlere nicht so gut. Bei denen ist das total Charaktersache.

Ich habe nochmal über unser 12jähriges Nachbarsmädchen (Einzelkind) nachgedacht. Sie hat eigentlich viel Kontakt zu anderen Kindern, weil sie bisher immer in Ganztagsbetreuung war und dann auch nachmittags viele Termine (Mannschaftssport u.ä.) hatte. ABER was ihr völlig fehlt, sind komplett unbeaufsichtigte Kontakte unter Gleichaltrigen. Alle Kontakte laufen immer in einem beaufsichtigten, geregelten Rahmen ab. In der Kita, In der Schule/OGS; im Verein. Verabredungen mit Freundinnen gab/gibt es zwar, aber nicht so wahnsinnig viel, schon wegen der langen Betreuungszeit nachmittags, da ist danach nicht mehr viel Zeit für anderes. Ich könnte mir vorstellen, dass sie so "erwachsen" redet und denkt, weil sie zwar andere Kinder um sich hatte und hat, aber eben immer nur in einem moderierten Rahmen.

Meine Kinder kommen mit ihrer Art nicht so gut klar, glaube ich. Vielleicht sind sie irritiert von einer Gleichaltrigen, die immer freundlich lächelt und mit allem einverstanden ist. Das ist jetzt natürlich übertrieben dargestellt, aber so erlebe ich sie, sie ist nie unbefangen. Keine Ahnung, ob das Verhalten irgendwie "typisch" für Einzelkinder ist, falls es da etwas Typisches gibt. Aber bei ihr habe ich schon oft gedacht, dass man ihr sehr anmerkt, dass sie vor allem mit Erwachsenen zusammen ist.
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FuFu
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von FuFu »

Oh, da kenne ich aber auch ein solches Exemplar, was kein Einzelkind ist, deren Schwester ist total anders. Und ich war manchmal vielleicht auch so :oops: war auch kein Einzelkind…
Kann natürlich sein, dass das Einzelkind-Dasein das nochmal verstärkt, aber vieles ist doch auch Charakter, oder?
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Klein-FuFu Dez. 2012
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Re: Leben mit Einzelkind

Beitrag von anirahtaK »

hier auch: ich Einzelkind, Mann hat einen Bruder und Tochter ist Einzelkind.
Ich selber hab glaub ich nur ab und an mal einen älteren Bruder vermisst, der etwas auf mich aufpassen würde (Wunschdenken, hätte ja nicht so sein müssen.) Ich habe als Teenie gerne "eine himmlische Familie" geguckt, wegen der vielen Kinder und weil es insg. recht harmonisch war (inzwischen sehe ich diese Serie schon kritisch, damals halt nicht).
Teilen kann ich, solang es ausgewogen bleibt. Sozial naja ich glaub das ist eher typsache ;)

Tochter... hm ich weiß nicht, ob sie gerne Geschwister hätte - ich glaube nicht. Sie ist gerne alleine, die Kontakte in der Schule bis Nachmittags reichen ihr völlig.
Dauerbespaßt wurde sie hier nie - ich habe schon immer meinen Freiraum geschätzt und bewahrt, damit ich nicht unausstehlich werde. Das hat sie so akzeptiert und kommt glaub ich gut damit klar.
Ein weiteres Kind hätte hier viel Ungleichgewicht reingebracht, ich habe ganz ehrlich nicht die Kapazität dafür, weil ich mich dann viel mehr zurücknehmen müsste, und das würde mich unzufrieden machen und somit hätte keiner in der Familie was davon.

Alle anderen Eigenschaften vom Nachwuchs sind glaube ich Typsache und wären mit Geschwistern nicht anders.

Moppetüte *12.12
- eines Tages fällt dir auf, dass du 99% gar nicht brauchst -
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