Ich habe schon viele schlaflose Stillnächte in diesem Forum verbracht und möchte mich ersteinmal bei allen, die diese Seite betreiben ganz herzlichen bedanken! Und auch bei allen Stillmüttern, die ihre Geschichten hier teilen und aus ihren eigenen Erfahrungen Ratschläge ziehen können!! Das ist echt super, dass es diesen Ort und diesen Austausch gibt!!
Leider ist auch unsere Stillgeschichte sehr schwierig verlaufen bisher. Ich habe einen 12 Wochen alten Sohn (mein erstes Kind) und wir haben schon von Anfang an Probleme, die jedoch immer schlimmer wurden. Wir haben 2x versucht vollzustillen, aber beide Male hat er nicht mehr zu bzw. sogar abgenommen, sodass wir nicht vom Zufüttern loskamen. Unser Sohn kam sehr groß und schwer zur Welt (4320g, 58cm, 36cm KU) und ist in der Gewichtskurve schon komplett runtergerutscht...Er ist sehr lang und schmal. Diese Woche wurde nun im Nachhinein ein verkürztes posteriores Zungenbändchen diagnostiziert und sowohl das Zungen- als auch das Oberlippenband wurden durchgetrennt. Diesen Eingriff nehme ich nun zum Anlass, nochmal mit voller Power durchzustarten, um unsere Stillsituation zu verbessern! Ich würde mich freuen, wenn ich dafür hier die passende Begleitung finden könnte!
Ich gehe erstmal die üblichen Fragen durch:
* Ist Euer Baby ein Junge oder ein Mädchen? Junge
* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, wenn ja, mit was (Muttermilch, Formulanahrung)? Schreibt bitte die Mengen auf (wie oft und wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
Ja, wir füttern seit Tag 5 Premilch zu. Unsere Hebamme wollte uns am Anfang das Abpumpen nicht zumuten, später haben wir dann doch noch einen Anlauf mit ihr gestartet aber das war sehr sehr frustrierend für mich. Da hatte sich ja schon in meinem Kopf festgesetzt, dass ich nicht genug Milch habe und als dann in der Flasche nach 1 Stunde Power Pumpen nur 20ml (und die auch quasi nur aus der rechten Brust) waren und meine Brustwarzen dafür wund, habe ich mich echt schrecklich gefühlt. Zu der Zeit hat mein Sohn dann sowieso mit intensivem ganztäglichem Clustern begonnen, sodass ich dachte, wir kriegen es auch ohne Pumpen in den Griff. Seitdem habe ich keinen neuen Anlauf gewagt und wäre auch sehr froh, wenn ich da drumrum käme...
Anfangs haben wir nur 10ml Pre mit der Spritze nach jedem Stillen gegeben. Das haben wir dann irgendwann ausgeschlichen und für knapp 2 Wochen vollgestillt. Dann hat er aber leider wieder abgenommen. Da er zu diesem Zeitpunkt 6 Wochen alt war, dachten wir wir könnten statt der vielen Spritzen am Tag 1 Flasche geben (ca 100-170ml). Das war leider ein Fehler, weil dann der Stillstreik kam. Wir sind wieder auf Spritzen umgestiegen und hatten uns mit 200ml pro Tag gut eingependelt, das Gewicht stieg. Dann kam der nächste Stillstreik (diesmal entweder durch den Finger während der Spritzen bedingt, wir hatten nämlich früher immer direkt in den Mund gespritzt, aber das wollte er da dann plötzlich nicht mehr, deshalb habe ich es immer über den Finger gegeben, oder bedingt durch den 8 Wochen Sprung). Da wir Angst hatten, dass er wieder abnimmt, wenn er sich so gar nichts aus der Brust holt, sahen wir uns gezwungen noch mehr zuzufüttern und haben wegen der Menge und weil ja mit den Spritzen auch der Streik eingetreten war, wieder zur Flasche gegriffen. Nochmal ein schlimmer Fehler, denn dann folgte erst der schlimmste aller Stillstreiks!! Ich war fertig mit den Nerven (unser Sohn auch) und kurz davor abzustillen. Als letzte Maßnahme habe ich Kontakt zu einer IBCLC Beraterin aufgenommen und nun füttern wir seit etwas mehr als 2 Wochen mit dem BES (mittlerweile rotes Ventil) zu. Wir sind durch die ganzen Streiks aber leider nun bei einer Premilchmenge von 600 im Maximum sogar 700ml am Tag angekommen
* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: Wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?
Derzeit schaffe ich leider häufig nur 8-9 Stillmahlzeiten am Tag - aber ich versuche das zu ändern! J. stillt schon immer sehr sehr lange, wir sind mittlerweile denke ich so bei 45 Min pro Mahlzeit, was schon eine Verbesserung ist, jedoch sicher am BES liegt! Wir haben den Rhythmus Schlafen, Stillen, "Spielen"(Wach-Phase), so komme ich aber natürlich nur auf 1x Stillen pro Schläfchen. Ich verscuhe nun auch, wenn die "Spiel"-Phase mir lang genug erschien (min. 30 Minuten) nocheinmal vor dem Schlafen anzulegen, aber häufig ist er dann einfach noch zu satt, weil der Abstand zu klein war. Tagsüber sind die Schläfchen zwischen 30 Minuten und (selten mal) 3 Stunden lang!
Nachts ist die erste Schlafphase zwischen 3-5 Stunden, dann stille ich mindestens 30 Minuten, eher eine Stunde mehr oder weniger effektiv (auch meistens nur mit der rechten Brust, da er die linke ohne BES derzeit ziemlich verschmäht). Wenn ich Glück habe schläft er dann nochmal 2 Stunden, aber das eher selten. Meistens ist es ab dann eher so ein alle 20-60 Minuten mal für 5 Minuten trinken, dann wieder einschlafen usw.
* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig hat es Stuhlgang?
So exakt gezählt habe ich nicht, aber es sind schon 5-6 volle Windeln denke ich. Stuhlgang sammelt er gerne mal über mehrere Tage an und dann gibt es wieder 1-2 Tage hintereinander, an denen er mehrere Portionen rauslässt. Aber alles im Normbereich denke ich.
* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme?
Also J. hat direkt nach der Geburt im Kreißsaal links getrunken (komischerweise ging da die rechte Brust nicht, und heute ist es andersrum). Ich hatte dann auch direkt einen Tag später einen großen Riss links in der Brustwarze, der im Krankenhaus gelasert wurde. Aber ich habe trotzdem auch immer links angelegt. Zudem hatte er auch direkt ein Stillbläschen an der Lippe. Im Nachhinein macht das alles mit dem verkürzten Zungenband natürlich Sinn...damals hat es leider weder die Stillberaterin im KH noch unsere Nachsorgehebamme gemerkt. Unseren ersten Stillstreik hatten wir ab Tag 4 donnerstags, als wir aus dem KH nach Hause kamen. Das war wohl vor Hunger, mein Milcheinschuss kam nämlich erst Samstags. Deshalb haben wir ja ab Freitag die Premilch gegeben. Er ließ sich in den ersten Tagen zu Hause auch nur im Stehen anlegen, obwohl ihm KH im Liegen und die Wiegehaltung auch geklappt hatten. Das war für uns ein großer Schock, als wir zu Hause ankamen und direkt mit so einer Situation konfrontiert waren. Ich dachte damals wegen der anstrengenden Geburt sei meine Milch später dran, heute denke ich es war die zu geringe Stimulation - einmal durch sein fehlerhaftes Saugen und durch das viele Schlafen (tlw. 4-5 Stunden) im KH. Ich hatte die Schwester gefragt, aber sie meinte ich bräuchte ihn nicht wecken...
* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
Also er bekommt jetzt ja schon seit 3-4 Wochen keine künstlichen Sauger mehr. Den Schnuller hatten wir sowieso nur super selten mal für 5 Minuten gegeben, Flasche hatte ich ja schon beschrieben. Hütchen hatten wir nie.
* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
Ich bin seit etwas über 2 Wochen mit einer IBCLC Beraterin in Kontakt. Aber sie macht sich derzeit etwas rar... dank ihr haben wir aber das Zungenband-Thema nochmal angestoßen. Ich bemühe mich auch um einen Osteopathie-Termin, aber das ist nicht so leicht.
* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen könnten? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
Wie schon beschrieben wurden diese Woche das Zungen- und Oberlippenband durchtrennt. Wir sind fleißig dabei die Mundmotorik-Übungen zum Wundmanegement zu machen.
Ich musste während der Schwangerschaft L-Thyroxin (50er) nehmen. Danach entschied meine Fraunärztin nach den Nachsorge-Blutwerten bräuchte ich es nicht mehr. Seit 6 Wochen habe ich es abgesetzt, ich habe letzte Woche beim Hausarzt Blut abnhemen lassen zur Kontrolle, aber ich muss jetzt leider warten, bis er aus dem Urlaub zurück ist, um zu erfragen, ob alles ok ist. Aber ich glaube eigentlich schon.
Ich habe versucht mich kurz zu fassen, aber ich wollte auch nichts unerwähnt lassen, was mir wichtig erscheint....
Was ich mir also im Wesentlichen von einer möglichen Betreuung hier erhoffe ist die Premilch nach und nach zu reduzieren und weniger "abhängig" vom BES zu sein. Ich würde mir wünschen, dass J. wieder kräftiger saugt, wenigstens so gut wie vor den letzten Stillstreiks (seitdem ist es nämlich besonders schlecht) oder sogar noch effektiver. Selbst mit dem BES hat er nur selten Phasen in denen er saugt-schluckt-saugt-schluckt usw... aber klar, der arme kleine konnte ja mit der Zunge auch nie anders!
Wir kommen im Alltag gut mit dem BES zurecht, wenn ich es nicht komplett "loswerde" könnte ich mich auch damit arrangieren. Schon alleine die Vorstellung, es nur 2-3x am Tag zu benutzen fände ich toll. Natürlich wäre es eine schöne Vorstellung für mich , wenn wir ab der Beikost nur noch meine Brust und keine Pre mehr bräuchten! Das Vollstillen will ich mir gar nicht als Ziel setzen, ich denke das würde mir nur selbst zu viel Druck machen!
Letztendlich bin ich über jede friedliche Stillmahlzeit mit BES glücklich, im Vergleich zu den Brustschreiphasen ist das schon echt toll und ich hätte es mir vor wenigen Wochen kaum vorstellen können, dass es irgendwann mal wieder so gut klappt. Trotzdem hat mich die Frenotomie jetzt natürlich darin bestärkt es nochmal richtig anzugehen, unsere Situation zu verbessern und seine Saugkraft zu trainieren und nicht nur bis zur Beikost auszuharren.
Hier noch unser Gewichtsverlauf:
10.5. 4320g Geburt KH
12.5. 4050g U2 KH
13.5. 3955g Entlassung KH
14.5. 3860g Hebamme
ab hier wurde zugeüttert und täglich von der Hebamme gewogen, die Werte habe ich aber nicht mehr. Zwischenzeitl. hatten wir versucht die Pre wegzulassen, als das Gewicht stagnierte haben wir sie aber wieder dazugegeben. Nach 3 Wochen hatte J. sein Geburtsgewicht wieder erreicht. Dann haben wir nochmal versucht die Pre auszuschleichen, das hat auch für ein paar Tage bis zur U3 gut geklappt
14.6. 4660g U3 Kinderarzt
ca. 21.6. 4500g Hebamme -> ab hier wurde wieder zugefüttert (knapp unter 2 Wochen Vollstillen)
25.6. 4,7 kg (Hebamme kam seltener zum Wiegen, dazwischen haben wir unsere Erwachsenen-Waage alle paar Tage zur Kontrolle benutzt, bis wir festgestellt haben, wie ungenau sie ist)
27.6. 4,8kg Erwachsenen-Waage
29.6. 4,8kg
30.6. 4,6-4,8kg (hier haben wir die Schwankungen festgestellt)
1.7. 4,7kg
2.7. 4600g Hebamme
6.7. 4860g Hebamme
8.7. 4840g eigene Waage (die haben wir dann gekauft)
10.7.4880g eigene Waage
13.7. 5000g eigene Waage
16.7. 5140g eigene Waage
19.7. 5040g eigene Waage
20.7. 5070g eigene Waage, 680ml Pre (ab hier habe ich für mich die Milchmenge festgehalten, an dem Tag war ich bei der Beraterin)
21.7. xxxx 640ml Pre (wir hatten vereinbart nur freitags und dienstags zu wiegen)
22.7. xxxx 670ml Pre
23.7. 5270g eigene Waage 650ml Pre
24.7. xxxx 570ml Pre
25.7. xxxx 570ml Pre
26.7. xxxx 550ml Pre
27.7. 5460g eigene Waage 490ml Pre
28.7. xxxx 520 ml Pre
29.7. xxxx 510ml Pre
30.7. 5480g eigene Waage 610ml Pre
31.7. xxxx 700ml Pre
1.8. xxxx 640ml Pre
2.8. xxxx 540ml Pre
3.8. 5590g eigene Waage 600ml Pre
4.8. xxxx 710ml Pre
5.8. xxxx 580ml Pre
6.8. 5680g xxxxPre (steht noch aus)
Die Pre-Mengen variieren so, da ich ihm immer nach Bedarf gebe und zu jeder Mahlzeit. Haben wir mal wegen eines langen Schläfchens eine Stillmahlzeit am Tag weniger, dann ist die Menge gleich so unterschiedlich, da er ja pro Mahlzeit schon so 50-150ml Pre dazu trinkt.
Ich würde mich freuen, von euch betreut zu werden!!
Viele liebe Grüße
Stella