Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

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nido56
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von nido56 »

Soviel ich weiß, ist Aktive Vaterschaft ein gängiger Begriff, der zB auch im Tierreich verwendet wird, wenn die männlichen Tiere direkt in die Aufzucht der Jungen involviert sind.
nido mit dem Piraten (01/2012)
Cecily
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von Cecily »

Ich lasse dir auch gerne unsere Geschichte da:
Bei beiden Kindern war es so, dass ich bis 1 Woche vor der Geburt gearbeitet habe und 2 Monate nach der Geburt wieder. Mein Mann hat jeweils 12 Monate Elternzeit genommen.

Während der Elternzeit beim Großen kam er sich erst ziemlich verlassen vor und sich dann auch einer "Vater-Kind-Gruppe" angeschlossen, die viel zusammen gemacht haben. Z.B. ins Theater gehen, ins Elterncafe etc. Bleibende Kontakte haben sich da jedoch nicht ergeben, dazu waren sie wohl zu unterschiedlich. Es war auf jeden Fall eine große Erleichterung, mal rauszukommen.

Bei der 2. Elternzeit hat er auf 450-Euro-Basis weitergearbeitet.

Nach der Elternzeit hat er eine 3/4-Stelle und ist an 3 Tagen nachmittags zuständig für die Kinder, an 1 Tag meine Mama, an 1 Tag ich.

Die Kinder haben eine tiefe Bindung zum Vater, wir hatten nie den Fall, dass sie nur mich für bestimmte Sachen haben wollten - es sei denn, es sind Spiele, die jeweils der eine besser kann als der andere.

Weiterhin teilen wir alle Sachen, die Kinder und Haushalt betreffen, mehr oder weniger gerecht. An den Wochenende verbringe ich oft mehr Zeit mit den Kindern, wenn er z.B. was nacharbeiten muss. Einfach, weil ich sie unter der Woche so selten sehe. Ich stehe mit den Kindern auf und wir haben 20 - 30 Minuten Frühstück-, Vorlese- und Kuschelzeit im Bett. Abends eben nur 2 Stunden und abwechselnd die Insbettbringzeit (hier wechseln wir uns jeweils bei den Kindern ab).

Wir hatten auch nie das Problem, dass immer eine Person die Nachtschichten machen musste, auch hier haben wir uns aufgeteilt bzw. teilen uns immer noch auf. Wir (= Eltern) schlafen zusammen ein und mein Mann geht bei Gequake zum Kleinen ins Bett und der Große kommt zu mir.

Ich wäre - gerade im ersten Jahr - lieber reduziert arbeiten gegangen und hätte die Zeit zusammen mit meinem Mann und den Kindern verbracht. Das ging aber nicht.

Für uns und auch für alle meine engen Freunde ist ein gleichberechtigtes Erziehungsmodell selbstverständlich.
Reh
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von Reh »

Als wir uns an die Kinderplanung gemacht haben, wollte ich gern ein halbes Jahr, oder 9 Monate, zuhause bleiben, und mein Mann die restliche Elternzeit nehmen. Dann bekam er aber einen viel besseren Job als Vorher, der ihm viel besser gefiel, und bei mir im Job wurde es immer schlimmer, bis ich dann sogar ein Beschäftigungsverbot bekam - und Kind 2 so geplant habe, dass ich keinesfalls noch wieder arbeiten gehen musste.

Eigentlich sollte Stupsi ab 2,5 Jahren in den Kindergarten gehen, aber zum einen nehmen die Kindergärten hier erst Kinder ab 3 Jahren und zum anderen sind wir umgezogen. Also bin ich im Moment mit beiden Kindern zuhause.
Stupsi fragt häufig nach meinem Mann und hängt auch sehr an ihm, wenn er da ist. Das fing in der Schwangerschaft mit Chilli an und war zeitweise sehr extrem.
Nachts haben wir geteilte Zuständigkeit: stillen mache ich, auf die Toilette begleiten macht mein Mann, und das von Anfang an bei beiden Kindern. In Phasen, in denen nicht geschlafen, sondern dauergenuckelt wird, geht er so ab 4 Uhr morgens mit dem Baby spazieren, damit ich ein, zwei Stunden schlafen statt nur dösen kann.

Was Kleidung, Arzt, und außerhalb von Corona, Aktivitäten der Kinder angeht, bin ich eher diejenige, die sich kümmert. Ich habe halt, mit den Kindern zuhause, immer mal Zeitfenster, in denen ich mich darum kümmern kann.

Kochen tue ich, mein Mann macht nur Nudelauflauf oder Fertigessen, aber dafür hält er mir fast immer beide Kinder aus der Küche raus, wenn ich in Ruhe kochen möchte. Dafür macht er die Wäsche ziemlich allein und lässt da kaum jemand anderen ran.

Wenn die Kinder im Kindergarten bzw in der Schule sind, nach meiner Elternzeit, planen wir, beide 75% zu arbeiten.
5 * im Herzen, Rehlein 02/18, Rehkitz 07/20, Reh-Mini 03/23

Ich kann Groß- und Kleinschreibung, mein Handy nicht immer...
Kobold
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von Kobold »

Dann mag ich doch auch mal erzählen.

Hier ist es so, dass ich drei Jahre Elternzeit angemeldet habe und der Papa ab Geburt fünf Monate Elternzeit genommen hat bzw. gerade in den letzten zwei Wochen seiner Elternzeit ist. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass das finanziell klappt. Er ist ein ganz ganz toller Papa und ich könnte mir, ganz ehrlich, nicht vorstellen, was er besser/anders machen müsste oder was es zu optimieren gäbe. Er hat sich von Tag 1 an ganz selbstverständlich genau so um unseren Sohn gekümmert, wie ich das tue (vom Stillen jetzt mal abgesehen). Und er hat es sich auch nie leicht gemacht á la "Ich glaube, er muss stillen." oder so. Ich empfinde unser Elterndasein zum jetzigen Zeitpunkt komplett "fair" geteilt bzw. würde so weit gehen, zu sagen, dass er sich an vielen Tagen mehr um unser Baby kümmert, als ich das tue. Um so größeren Bammel habe ich natürlich jetzt auch davor, wie unser Alltag wird, wenn er bald wieder seinem Vollzeitjob nachgeht. Durch Corona wird das aber wohl erst mal weiterhin im Home Office sein, was auf jeden Fall hilfreich ist.

Ob ich die drei Jahre Elternzeit wirklich durchziehe, weiß ich noch nicht. Ich bin in meinem Job nicht ganz glücklich gewesen (Schichtdienst und schwieriges Team). Der Plan ist aber sowieso, in spätestens 2-3 Jahren wieder schwanger zu werden. Ggf. würde ich bis dahin entweder mit wenigen Prozent in meinem Job weitermachen, vielleicht in einem anderen Bereich mit einem anderen Team, in Teilzeit in meinen alten Job zurück, den ich auch gerne gemacht habe, oder eben doch die drei Jahre zu Hause bleiben.

Ganz persönlich widerstrebt mir dieses klassische Rollenbild irgendwie sehr (Feminismus und Emanzipation ftw), andererseits muss ich sagen, dass ich in meinen Jobs bisher (leider) noch nie so wirklich zufrieden war, weshalb ich mich zu Hause mit Kind insgesamt ganz wohl fühle. Aber mal sehen, wie ich das bewerte, wenn ich dann demnächst wirklich den Großteil der Zeit alleine mit dem Baby bin.
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von Linnunrata »

Hey, ich wollte mich schon mal für eure ausführlichen und schönen Antworten bedanken, auf die ich natürlich so angemessen eingehen möchte, dass ich seit Tagen nicht dazu komme. Ihr kennt das sicher. :lol:
Mit dem großen Jungen, G *09/2017 und dem kleinen Mädchen L *11/2021.
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von Linnunrata »

AnnaKatharina hat geschrieben: 30.11.2020, 14:37 Bin ich die einzige, die den Begriff "aktive Vaterschaft" sehr eigenartig findet?
Gibt es auch eine aktive Mutterschaft? Oder ist Mutter-sein selbstverstänlich aktiv, weswegen das nicht dazu gesagt werden muss?
Ich finde es toll, dass eine gleichberechtigte Elternschaft für euch schon so selbstverständlich ist. :) War es das für eure Eltern auch schon?

Für meinen Mann war es zum Beispiel ein ganz bewusster Entschluss, es anders als sein Vater zu machen, der für seine Arbeit gelebt hat (Pfarrer), bzw. immer noch lebt, geht gerade in Rente, das wird spannend. Der sich nie zuständig gefühlt hat für die Belange zu Hause und nur sehr selten (Geburtstage und so) bewusst Zeit mit seinen Kindern verbracht hat.
Auch mein Vater lebt für seine Arbeit, in meiner Kindheit war er unter der Woche gar nicht zu Hause. So eine richtige Bindung haben wir nicht, auch wenn es hier durch sein Enkelkind besser geworden ist.

Das war zu der Zeit ganz normal. Heute sehen viele Eltern das zum Glück ganz anders. Aber offenbar ist es nicht so leicht, sich von den eigenen angelernten Rollenvorbildern und gesellschaftlichen Strukturen loszumachen. So zeigen Statistiken, dass viele Väter gerne mehr Elternzeit nehmen würden oder ihre Arbeitszeit reduzieren würden. Es aber aus diversen strukturellen und persönlichen Gründen (vermeintlich?) nicht geht. Wohingegen viele Frauen angeben gerne mehr arbeiten zu wollen.
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von Linnunrata »

Kobold hat geschrieben: 04.12.2020, 19:42 Ob ich die drei Jahre Elternzeit wirklich durchziehe, weiß ich noch nicht. Ich bin in meinem Job nicht ganz glücklich gewesen (Schichtdienst und schwieriges Team). Der Plan ist aber sowieso, in spätestens 2-3 Jahren wieder schwanger zu werden. Ggf. würde ich bis dahin entweder mit wenigen Prozent in meinem Job weitermachen, vielleicht in einem anderen Bereich mit einem anderen Team, in Teilzeit in meinen alten Job zurück, den ich auch gerne gemacht habe, oder eben doch die drei Jahre zu Hause bleiben.

Ganz persönlich widerstrebt mir dieses klassische Rollenbild irgendwie sehr (Feminismus und Emanzipation ftw), andererseits muss ich sagen, dass ich in meinen Jobs bisher (leider) noch nie so wirklich zufrieden war, weshalb ich mich zu Hause mit Kind insgesamt ganz wohl fühle. Aber mal sehen, wie ich das bewerte, wenn ich dann demnächst wirklich den Großteil der Zeit alleine mit dem Baby bin.
Ich glaube echte Emanzipation ist erst erreicht, wenn Haus- und Sorgearbeit als "echte" Arbeit aufgefasst wird. Irgendwann in den 60ern oder so wurde sogar mal diskutiert, ob man Haus- und Sorgearbeit nicht bezahlen sollte. Leider ist das völlig in Vergessenheit geraten und wird inzwischen nur noch als Herdprämie etc. verschrien.

Ich glaube als Frau ist es gut einen Exit-Plan aus dem Hausdasein zu haben, aber ob der nach 6 Monaten oder 6 Jahren (oder noch später) stattfindet, ist eigentlich egal.

Offenbar fällt es einigen Papas leichter, mehr Verantwortung für die eigenen Kinder zu übernehmen, wenn die Mama in der Zeit arbeitet. (Kinder zu Terminen bringen, was zu essen machen, etc.) Aber bei uns klappt das ehrlich gesagt auch so super. Gestern habe ich mich so erfolgreich zurück gezogen, um an meiner Abschlussarbeit zu arbeiten, dass ich die Türklingel ignoriert habe. Mein Mann hat sie überhört und nun müssen wir in vorweihnachtlichen Corona-Zeiten ein Paket bei der Postfiliale holen. :x
Mit dem großen Jungen, G *09/2017 und dem kleinen Mädchen L *11/2021.
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Re: Aktive Vaterschaft aus Mama-Sicht

Beitrag von Elena »

Linnunrata hat geschrieben: 06.12.2020, 11:07
AnnaKatharina hat geschrieben: 30.11.2020, 14:37 Bin ich die einzige, die den Begriff "aktive Vaterschaft" sehr eigenartig findet?
Gibt es auch eine aktive Mutterschaft? Oder ist Mutter-sein selbstverstänlich aktiv, weswegen das nicht dazu gesagt werden muss?
Ich finde es toll, dass eine gleichberechtigte Elternschaft für euch schon so selbstverständlich ist. :) War es das für eure Eltern auch schon?
Mein Mann ist in der klassischen Alleinverdiener-Hausfrau-Familie aufgewachsen, bei mir war das ganz anders. Meine Mutter ist 4 Jahre zuhause gewesen (da hatte sich mein Vater gerade selbständig gemacht), bis das zweite Kind im Kindergarten war, und hat dann 50% gearbeitet. Mittags war mein Vater da, der uns alltags vom Kindergarten abgeholt hat und gekocht hat. Das war tatsächlich durch meine gesamte Schulzeit so. Meine Mutter hat dann nämlich nach einigen Jahren ihre Stelle aufgestockt und so um die 75% gearbeitet, zeitweise auch 100%. Sie kam erst am frühen Nachmittag nach hause, während mein Vater eine Mittagspause hatte und wieder losfuhr, wenn sie nach Hause kam. Das meiste Hausarbeit war aufgeteilt zwischen den beiden, wobei es darüber nie Streit gab, jeder hat halt gemacht, was anstand.
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