Ich bin leider sehr verzweifelt wie es bei mir und meinem Sohn (14 Wochen) um das Stillen steht. Hier der "Still-Werdegang":
Er ist leider ein Kaiserschnittkind und war überfällig. Im Krankenhaus hat er schon schwierig getrunken, lies sich nicht richtig andocken. Die Schwestern sind schnell mit der Flasche (Pre, Tee!) und Stillhütchen und Nuckel gekommen. Ich wusste es als Erstmama auch nicht besser, die Geburtsvorbereitung durch meine Hebamme fiel aufgrund von Corona eher mau aus. Zudem gab man uns im Krankenhaus eine Leihpumpe mit nach Hause, die ich zu Beginn auch nutzte.
Die ersten 2 Wochen zu Hause lief es dann relativ gut mit dem Stillen. Meine Hebamme versicherte mir, dass er gut trinkt und richtig anliegt. Jedoch steigerte sich sein Gewicht nur gering.
Urplötzlich nahm er dann innerhalb von 4 Tagen 80g ab woraufhin bei meiner Hebamme die Alarmglocken schrillten. Warum es zur Gewichtsabnahme kam, können wir uns nicht erklären. Nach Rücksprache mit ihr und dem Kinderarzt haben wir angefangen zuzufüttern und regelmäßig das Gewicht gewogen (Leihwaage aus Apotheke) sowie das Gewicht vor und nach dem Stillen geprüft (hier gab es meist nur eine Zunahme von 20g, also viel zu wenig laut meiner Hebamme). Es hat fast 4 Wochen gedauert bis er sein Geburtsgewicht überschritten hatte. Die Zeit war sehr belastend und stressig für mich.
Seitdem sind wir vom Zufüttern nicht mehr weg gekommen. Irgendwann waren meine Brustwarzen so wund und schmerzhaft, zudem bildete sich ein Vasospasmus heraus. Ich biss die Zähne bei jedem Anlegen zusammen. Meine Hebamme meinte dazu, ich solle meine Brustwarzen mit Salbe usw. pflegen und dann wird das besser. Wurde es aber nicht.
Ich fühlte, dass etwas nicht richtig läuft und sie mir nicht helfen kann oder will. Irgendwann fing der kleine Mann an unruhig an der Brust zu werden. Dockte sich an und ab, schrie, drückte den Rücken durch.
Da habe ich mich dann an eine Stillberaterin gewandt die gleich feststellte, dass er eine Saugverwirrung hat und nicht richtig andockt. Daher kommt wohl auch der Vasospasmus.
Also sollte ich das richtige Anlegen mit ihm üben. Gar nicht so einfach! Immer wenn ich ihn korrigiere weint er total, schreit und lässt sich kaum beruhigen. Auch das Herandrücken seines Kopfes an meine Brust finde ich alles andere als schön und angenehm. Er verliert dann zunehmend das Vakuum und seine Mund wird immer kleiner, bis es irgendwann für ihn passt. Dann saugt er zwar aber wird irgendwann wieder unruhig. Die Brust ist danach trotzdem weicher.
Irgendwann habe ich es sein lassen, aus Angst vor einem Bruststreik und weiterhin die Zähne beim Stillen zusammen gebissen.
Ich habe versucht meine Milchmenge zu steigern durch Unmengen Stilltee, Piulate, Lactaval, Galega Tabletten, immer wieder anlegen aber so richtig brachte nichts den Durchbruch.
Nachts ist die Stillsituation noch am besten. Er lässt sich problemlos anlegen, die Brust ist voll und läuft nachts auch gelegentlich aus. Zum Abend hin wird es dann immer weniger. Nun hat er schon einige Nächte durch geschlafen, was einerseits gut ist aber für mich schmerzlich, weil ich die positive Stillsituation nicht habe :-/
Er bekommt aktuell 4-5 Flaschen á 100ml Pre und ich versuche ihn wenigstens 6-8 x anzulegen. Seitdem ist seine Gewichtszunahme sehr gut.
Mein Wunsch ist es wieder mehr zu stillen oder sogar voll. Jede Flasche könnte ich aus dem Fenster schmeissen. Ich weiß um die gesunden Vorteile der Muttermilch und habe Angst, dass dieses Industriepulver schädlich für ihn ist und sich negativ auf seine (spätere) Gesundheit auswirkt. Ich vertraue dem Zeug nicht, mir bleibt aber aktuell keine andere Wahl.
Ich habe angefangen wieder abzupumpen, mal sind es 40ml mal sogar 120ml.
Meine Stillberaterin hat als letzte Option noch ein BES ins Spiel gebracht. Ich bin hin und her gerissen ob wir das noch versuchen sollen. Das ganze abpumpen, Flasche geben, sterilisieren stresst mich sehr. Mein Umfeld meint, ich solle es nicht so schwer nehmen und mich nicht unter Druck setzen, schließlich nimmt er nun gut zu und wächst.
Auch habe ich meine Schilddrüsenwerte checken lassen (hashimoto liegt vor) aber diese sind in Ordnung.
Mir schlägt die Situation sehr auf die Psyche. Abends weine ich oft weil ich nach dem Kampf an der Brust entnervt zur Flasche greife. Es tut mir so weh ihn nach der Flasche immer zufrieden und lächelnd zu sehen. Ich fühle mich als Versagerin und schlechte Mutter die ihr Kind nicht satt bekommt. Zudem bin ich sowieso als Mutter sehr unsicher, habe Angst ihm weh zu tun oder irgendwas falsch zu machen.
Was könnt ihr mir raten? Was soll ich tun? immer wieder korrigieren, Bruststreik in Kauf nehmen? nur noch abpumpen so lange es irgendwie geht und Flasche geben?
Lieben Dank für´s Lesen