Camille1984 hat geschrieben: 25.06.2020, 10:06
Bei uns klappt interessanterweise der selbstbestimmte Süßgkeitenkonsum recht gut.
Bei uns gibts auch eine offen zugängliche Schublade, in der jedes Kind seine Kiste mit Zeug hat von Karneval, Halloween, Geschenken, Sankt Martin. In der Schublade sind dann auch noch (meistens) Süßigkeiten, die allen bzw. den Eltern

gehören. Da können die im Prinzip immer dran, sie tuns aber nicht. Sie haben recht klar im Kopf mittlerweile, dass Süßigkeiten ungesund sind, und gelernt, dass zu bestimmten Zeiten eben nichts gegessen werde sollte. Sie nehmen sich ca. jeden zweiten Tag etwas, so in der Größenordnung von einem halben bis maximal einem ganzen Riegel Schokolade. Das finde ich völlig okay. Wenns deutlich mehr wäre oder der Umgang damit sonst irgendwie bedenklich, würde ich etwas unternehmen. Außerdem sorge ich durch gesundes Essen zu passenden Zeiten dafür, dass sich das Bedürfnis nach Süßem in Grenzen hält.
Insofern ist der Konsum nur bedingt "selbstbestimmt", ich habe ja auch durch meine Erziehung massiv manipuliert.

Was ich allerdings als meine ureigene Aufgabe als Elternteil ansehe.
Ich würde meine Einstellung zur "Selbstbestimmung" vielleicht so zusammenfassen: Ich glaube nicht daran, dass Menschen es sozusagen von Geburt an in sich tragen, bestmöglich für sich selbst zu sorgen. Verführungen gehören zum Leben dazu, und ein freier, selbstbestimmter Mensch sollte im Stande sein, Verführungen auch widerstehen zu können - und ihnen natürlich auch mal mit Genuss nachgeben.

Dahin zu kommen, ist aber Arbeit, und die müssen bei Kindern (auch) die Eltern leisten. "Selbstbestimmter Konsum" ist für mich nicht "unkontrollierter Konsum, in den niemand reinredet". Damit wird man leicht von den Verführungen bestimmt und ist eben genauso wenig frei, wie wenn die Eltern ständig alles bestimmen.