Doku über Helikoptereltern

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LariZZa
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Doku über Helikoptereltern

Beitrag von LariZZa »

Ich gucke grade die Dokumentation über Helikoptereltern „Generation Helikoptereltern“ auf zdf neo.
Bin grad beim zweiten Teil.

Hat die noch jemand gesehen?

Ich hab ja oft das Gefühl, ich sollte „mehr helikoptern“... bzw mache das manchmal auf dem Spielplatz, weil ich denke, ich sollte.🙈Weil, was sollen die anderen Eltern denken, wenn ich das Kind einfach machen lasse. Ich werde so oft blöd angeguckt, dass mein (zugegebener Maßen jünger aussehend als es ist) Kind stehen oder auf nem Sitz relativ weit weg von mir sitzen darf. Oder auf dem Gehweg vorlaufen. Das Kitakind ist total vernünftig im Straßenverkehr und auch im Bus.

Wo ist denn der Übergang von Helikoptern zu vernünftige Sorge?
Mir fällt das sehr schwer... und ich befürchte permanent, zu fahrlässig zu sein.
Bei Kitakindern fängt der Elternabend 16:30 Uhr an. Richtig, das ist jetzt unser Abend. Denn unser Morgen ist die Nacht von früher. - Kirsten Fuchs

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Sibi
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von Sibi »

Larizza,

ich habe die Doku nicht gesehen, aber das Grundproblem ist ja das, was jedes Elternteil mit jedem Kind ständig hat. Wieviel lange Leine ist ok, was kann man für sich verantworten (auch und gerade! wenn es mal schief geht) und wo nicht. Ich bin kein ängstlicher Mensch und trotzdem weiß ich aus eigener Erfahrung, wieviel Sorgen man sich anfängt zu machen, wenn es um die eigenen Kinder geht. Ich bin tendentiell fahrlässig - lasse meine Tochter seit der ersten Klasse allein zur Schule und zurück laufen, sie geht die halbe Stunde allein zur Musikschule und kommt - notfalls auch jetzt in der Dunkelheit - allein zurück. Ich kümmere mich fast nicht um Hausaufgaben und sie managt vieles extrem selbständig und gut.
Aber Kinder sind unterschiedlich und was bei der Großen jetzt geht, muss mit den Kleinen später noch lange nicht funktionieren. Ich bin überzeugt, Kinder müssen sich ausprobieren, müssen Selbstwirksamkeit spüren dürfen, um wachsen zu können. Und doch haben wir letzten Endes die Verantwortung, dass sie dabei nicht zu Schaden kommen.
Sibi
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von Sibi »

Wo ist denn die Doku zu sehen?
LariZZa
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von LariZZa »

In der ZDF Mediathek.
Es sind zwei Teile, der erste über die Kinder, der zweite über die Eltern.

Ich vermute, von den selben Machern wie „No More Boys and Girls“, falls das eine gesehen hat. Die fand ich auch gut.

Genau, auf die Selbstwirksamkeit gehen die auch ein und das Kinder das eben brauchen.

Ich find das irgendwie schwierig, ich traue meinem Kind viel zu, es muss im Straßenverkehr in bekannter Umgebung nicht an die Hand, es darf auch mal vorlaufen, hier in der Wohnung darf es sowieso fast alles. Wir diskutieren aktuell, ob wir es selber in die Kita fahren lassen sollen, also begleitet, aber auf dem eigenen Rad. Mein Mann hat Sorge, weil es da nen Berg runtergeht, es könnte ja am Ende nicht bremsen und auf die Straße fahren. Ich hab eher Sorge, dass es den Berg dahinter nicht hochkommt und ich dann beide Räder schieben muss... :lol:
Ich lasse es mit scharfen Messern schneiden, wenn ich dabei bin, mein Mann kriegt jedes Mal Zustände... es darf mit normalen Scheren schneiden, da waren beim Adventsbasteln letztes Wochenende mehrere Mütter entsetzt. Deren Kinder haben so Spezialscheren, die nur Papier schneiden können. Ich wusste nichtmal, dass es das gibt? Wenn das Kind sich mit der normalen Bastelschere in die Hand schneidet, hat es gelernt, dass es das wohl besser nicht tun sollte. 🙈Darf man das denken? Ich lass es sich nicht die Schere in den Mund stecken oder damit rumhüpfen, aber wenn beim sachgemäßen Gebrauch was passiert, dann ist das halt so. Oder wenn es sich in den Pulli oder die Haare ab schneidet...

Auf der anderen Seite würde ich es niemals bei den Großeltern väterlicherseits übernachten lassen... dabei wird dem Kind da ziemlich sicher nichts passieren. Bei meinen Eltern oder bei anderen Kitaeltern sehe ich da aber gar kein Problem, wenn das Kind sich das zutraut. Was zur Hölle lässt mich da so Helikoptern?
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von Sommermama2017 »

Larizza, ich bin da irgendwie ähnlich, finde ich.
L. darf mit dem Laufrad vorfahren (an der Hand laufen?? Geht kaum.), weil sie (bis jetzt) immer an der Straße anhält. Ist das fahrlässig?
Aber ich konnte sie erst vor einigen Wochen mal alleine bei der Oma lassen.
Sie darf alleine mit Scheren schneiden und auch Gurke oder Banane oder was wir so da haben mit dem normalen Küchenmesser.

Also ich vermute mal, jede Mutter hat da so Bereiche, in denen sie mehr zulässt als in anderen.
Liebe Grüße von Sommermama mit L. 07/17 und A. 01/21
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von Seifenblasenfrau »

LariZZa hat geschrieben: 06.12.2019, 13:21 In der ZDF Mediathek.
Es sind zwei Teile, der erste über die Kinder, der zweite über die Eltern.

Ich vermute, von den selben Machern wie „No More Boys and Girls“, falls das eine gesehen hat. Die fand ich auch gut.

Genau, auf die Selbstwirksamkeit gehen die auch ein und das Kinder das eben brauchen.

Ich find das irgendwie schwierig, ich traue meinem Kind viel zu, es muss im Straßenverkehr in bekannter Umgebung nicht an die Hand, es darf auch mal vorlaufen, hier in der Wohnung darf es sowieso fast alles. Wir diskutieren aktuell, ob wir es selber in die Kita fahren lassen sollen, also begleitet, aber auf dem eigenen Rad. Mein Mann hat Sorge, weil es da nen Berg runtergeht, es könnte ja am Ende nicht bremsen und auf die Straße fahren. Ich hab eher Sorge, dass es den Berg dahinter nicht hochkommt und ich dann beide Räder schieben muss... :lol:
Ich lasse es mit scharfen Messern schneiden, wenn ich dabei bin, mein Mann kriegt jedes Mal Zustände... es darf mit normalen Scheren schneiden, da waren beim Adventsbasteln letztes Wochenende mehrere Mütter entsetzt. Deren Kinder haben so Spezialscheren, die nur Papier schneiden können. Ich wusste nichtmal, dass es das gibt? Wenn das Kind sich mit der normalen Bastelschere in die Hand schneidet, hat es gelernt, dass es das wohl besser nicht tun sollte. 🙈Darf man das denken? Ich lass es sich nicht die Schere in den Mund stecken oder damit rumhüpfen, aber wenn beim sachgemäßen Gebrauch was passiert, dann ist das halt so. Oder wenn es sich in den Pulli oder die Haare ab schneidet...

Auf der anderen Seite würde ich es niemals bei den Großeltern väterlicherseits übernachten lassen... dabei wird dem Kind da ziemlich sicher nichts passieren. Bei meinen Eltern oder bei anderen Kitaeltern sehe ich da aber gar kein Problem, wenn das Kind sich das zutraut. Was zur Hölle lässt mich da so Helikoptern?
Geht es hier um dein fast Vierjähriges? Das finde ich alles total normal! Selbst im Kindergarten kriegen die Kinder richtige Messer und Scheren und da gibt's garantiert keine 1:1 Aufsicht. Und auch sonst kann man dem Kind doch genau so viel zutrauen, wie es leisten kann. Und das kann man nicht am Alter festmachen sondern eher am Charakter.
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Larala
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von Larala »

LariZZa hat geschrieben: 06.12.2019, 13:21 Was zur Hölle lässt mich da so Helikoptern?
Dein Bauchgefühl, und das ist völlig okay so.

Ich halte mich beim Thema Helikoptern an Alfie Kohn. Der hat in seinem Buch "Der Mythos des verwöhnten Kindes" schön dargestellt, dass es zwei Arten von Überbetüdeln gibt: Die eine Art ist aufs Kind achten und es unterstützen, wo das Kind das möchte, selbst wenn das für andere Eltern oder Kinder vielleicht total übertrieben wirkt. Die andere Art ist kontrollierend und einengend, also gegen den Wunsch des Kindes. Die erste Art hilft Kindern weiter, auch noch später im Leben, die zweite Art schadet ihnen.

Meine Tochter darf auch mit einem scharfen (Obst)messer schneiden, auch mit der normalen Schere hat sie schon geschnitten. An einer vertrauten, viel befahrenen Straße läuft sie mir voraus zur Ampel, um auf den Knopf zu drücken. Sie läuft auch bei 7 Grad ohne Jacke draußen herum, und wenn sie unbedingt mit dem Roller die Rampe runter fahren will, obwohl sie noch nicht richtig bremsen kann, darf sie das gerne mal probieren. Aber die 10 Meter vom Fahrrad zum Kindergarten trage ich sie, und bei Oma und Opa halte ich ihre Hand, wenn sie mit Oma ins Nebenzimmer zum Spielen geht, weil sie das eben so möchte. Was mir schwer fällt, ist ihr beim Klettern zuzuschauen, weil ich selbst Höhenangst habe und einfach immer Angst habe, dass sie runterfällt. Und in diesem Fall weist sie Hilfe ganz klar ab. Da muss ich dann manchmal die Hände in die Taschen stecken und bewusst in eine andere Richtung schauen.
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von Sommermama2017 »

Die Doku sehe bzw. Höre ich gerade nebenbei.

Also ich hab zb auch Babyzeichensprache gemacht, aber nicht wegen des Förderungsgedanken, sondern weil ich mein Kind verstehen wollte. Das passt da nicht so rein in die Aufzählung, finde ich.

Und es geht eher um ältere Kinder oder? Also Schulkinder. Dass ich da lockerer bin, denke ich schon... :lol: Ich musste auch ab den Herbstferien alleine zur Vorschule laufen. Waren auch nur 800 Meter, zwei Straßen überqueren (Ampel und Sackgasse) und die Mamataxis kamen von der anderen Seite. Aber trotzdem ist das für mich drin. Wir wurden als Kinder auch quasi nie gefahren, deswegen ist das für mich nicht so selbstverständlich. Aber das kann sich ja auch alles noch ändern, i h mache jetzt auch manches anders als ich früher dachte. :lol:
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von Dickkopf-Mama »

Larala hat geschrieben: 06.12.2019, 17:00
Ich halte mich beim Thema Helikoptern an Alfie Kohn. Der hat in seinem Buch "Der Mythos des verwöhnten Kindes" schön dargestellt, dass es zwei Arten von Überbetüdeln gibt: Die eine Art ist aufs Kind achten und es unterstützen, wo das Kind das möchte, selbst wenn das für andere Eltern oder Kinder vielleicht total übertrieben wirkt. Die andere Art ist kontrollierend und einengend, also gegen den Wunsch des Kindes. Die erste Art hilft Kindern weiter, auch noch später im Leben, die zweite Art schadet ihnen.
Die Aufteilung ist echt interessant. Dann bin ich voll die Helicopter-Mama. Mein Kind fand es als er klein war immer total scheiße, dass er nicht direkt am Bordstein gehen durfte und zwischendurch mal auf der Straße. Und ich bestehe jeden morgen wieder drauf, dass er das Licht am Fahrrad an macht. Elendige Kontrolle! Ach und dass er sich zwischendurch auch um seinen Diabetes kümmert, da schau ich auch drauf. Wünscht er sich auch nicht. Schadet ihm also auch...
Ich glaube so schlicht kann man da nicht unterscheiden. :lol:
Liebe Grüße von Meike mit drei Dickköpfen ( * 2007),( * 2010) und (*2013)
LariZZa
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Re: Doku über Helikoptereltern

Beitrag von LariZZa »

Ich finde die Sachen, die das Kitakind darf, für das Alter auch normal, sonst würde ich es wohl anders machen. :D

Aber grad den Aspekt gefühlte Gefahr vs reelle Gefahr find ich da auch interessant. Da war in der Doku ja das Beispiel mit dem Straßenverkehr, die Eltern haben das Gefühl, dass das Kind mit dem Auto bringen sicherer ist, ist es aber gar nicht... Menschen sind auch einfach unglaublich schlecht in intuitiver Stochastik.
Deswegen kann man ja zb auch so gut Ängste vor total unwahrscheinlichen Dingen schüren und reelle Gefahr ausblenden.

Ich find halt auch sehr wenig wirklich gefährlich... und frag mich da halt, unterschätze ich die Gefahr? Ist es fahrlässig, wenn ich dem Kind was erlaube, wo die Gefahr recht groß ist, dass es sich wehtut? Oder lernt es genau dabei eben wichtiges? Ich war mal auf ner Veranstaltung, da hingen Plakate über das Recht auf Spiel. Und mir ist da sehr eindrücklich „Fallen lernt man nur durch fallen“ in Erinnerung geblieben. Aber bis zu welcher „Fallhöhe“ gehe ich?

Was sibi geschrieben hat, trifft es wohl ganz gut, wieviel kann ich verantworten, gerade eben auch, wenn es schiefgeht. Und wie gehe ich damit um, wenn es eben schiefgeht? Das Kind vors Auto läuft, ganz oben vom Klettergerüst fällt, sich den Daumen absäbelt...

Dickkopf-Mama, aber das sind ja genau Beispiele, wo das nicht stimmt. Wenn ich weiß, dass das Kind nicht zuverlässig in Straßenverkehr ist, darf es eben nicht alleine laufen und Diabetes zu kontrollieren ist im Alter deines Sohnes sicher auch äußerst sinnvoll. Aber auch da kommt ja irgendwann der Punkt, an dem du ihm die Verantwortung für geben musst, auch auf die Gefahr hin, dass er sich damit selber schadet. Wenn er 19 ist und immer noch unvernünftig mit den Werten umgeht wegen „mir doch egal“ oder so, was machst du dann? (Also jetzt hypothetisch gefragt, das ist keine Frage, die du beantworten sollst). Da kippt es eben irgendwann von sinnvolle Kontrolle zu einengend. Und das ist ja im Prinzip bei fast allen Lebenssituationen so. Straßenverkehr, Schulweg, Medienkonsum...
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